Love Letters From Elvis

Im Juni 1971 veröffentlicht RCA Victor Love Letters From Elvis.

Am 26. des Monats steigt der Tonträger in die Top LPs Chart ein, wird fünfzehnmal notiert und erreicht den 33. Platz. Ab dem 10. Juli ist die Scheibe auch unter den Hot Country LPs zu finden. Hier kommt sie auf eine Laufzeit von zwölf Wochen und schafft es bis auf Rang 12. Der Absatz beläuft sich auf 300.000 Stück.

In Großbritannien erreicht Love Letters From Elvis  den siebten Platz der Hitparade.

Weltweit wird das Album etwa 1,5 Millionen Mal nachgefragt und liegt damit deutlich hinter den vorangegangenen Vollpreis-Veröffentlichungen des Kings.

Das Album-Cover wurde mit Tournee-Fotos vom Spätherbst des Vorjahres relativ lieblos gestaltet. Das Design der Rückseite erinnerte ein wenig an die Soundtracks der 1960er.

Zwischen dem 4. und 8. Juni 1970 hatte Elvis im RCA Studio B in Nashville, Tennessee mehr als 30 neue Songs eingespielt. Einen Teil davon hatte RCA Victor bereits auf diversen Singles sowie den Alben That's The Way It Is (1970) und Elvis Country - I'm 10,000 Years Old  (1971) herausgebracht.

Mit Love Letters From Elvis  servierte man den Fans nun die restlichen Aufnahmen, lediglich die Balladen The Sound Of Your Cry  und Sylvia  sollten noch auf der B-Seite der Single It's Only Love  (1971), bzw. dem Album Elvis Now  (1972) folgen.

 

Love Letters

Für die Fans war diese Ballade ein alter Hut. Bereits 1966 war sie auf einer Single veröffentlicht worden, zwei Jahre später war der Song ebenfalls auf dem Album Elvis' Gold Records Volume 4  zu hören gewesen.

Auf dieser neuen LP servierte der King seinen Anhängern allerdings eine Neueinspielung vom 7. Juni 1970 (die Geigen wurden am 27. Oktober ergänzt). Damit reagierte er angeblich auf den Wunsch seines Pianisten David Briggs, der mit seiner Performance aus dem Jahr 1966 unzufrieden war.

Und so spielte man weitere fünf Takes von Love Letters  ein, die jedoch atmosphärisch nicht an die bereits veröffentlichte Fassung herankamen. Das Lied klingt ganz nett, mehr aber auch nicht.

 

When I'm Over You

Der Sänger befürchtet den vollständigen emotionalen Zusammenbruch, sollte seine Liebste ihn jemals verlassen. Viel Text hat dieser Song aus der Feder von Shirl Milete nicht zu bieten und auch Elvis schien sich nicht lange damit beschäftigen zu wollen und erklärte bereits den ersten Versuch trotz diverser gesanglicher Fehler zum Master-Take.

Felton Jarvis löste das Problem, indem er die Aufnahme vom 7. Juni 1970 in der Nachbearbeitung mit großzügig bemessenem Chorgesang (1. Oktober 1970) und einer Armada von Geigen (27. Oktober 1970) ergänzte und so die Unzulänglichkeiten seines Chefs geflissentlich überspielte.

Ich muss allerdings zugeben, dass When I'm Over You  zum meinen Guilty Pleasures gehört und ich mir den Song trotz aller Umstände sehr mag.

 

If I Where You

Die Ballade wurde von Gerald Nelson geschrieben und von Elvis am 8. Juni 1970 innerhalb von neun Takes aufgenommen. Blechbläser und Streicher ergänzte man am 30. Juni, der Hintergrundgesang folgte am 1. Oktober.

Der Interpret ist eigentlich ein Einzelgänger, doch diesmal hat er sich verliebt und hofft nun, von der Dame seines Herzens auch entsprechend erhört zu werden. Elvis singt das Lied sehr gefühlvoll und auch die angenehme Melodie trägt ihren Teil dazu bei, If I Where You  zu einem Highlight dieser LP zu machen.

 

Got My MoJo Working / Keep Your Hands Off Of It

Hier handelt es sich weniger um eine durchdachte Aufnahme, als vielmehr um einen spontanen Jam, der am 5. Juni 1970 von Felton Jarvis mehr oder minder zufällig mitgeschnitten wurde. Elvis und seine Mannen sprühen nur so vor Spielfreude und wechseln munter zwischen den beiden Songs hin und her.

Schlussendlich kürzte Jarvis den Take nur noch ein wenig, entfernte den einen oder anderen Kraftausdruck des Kings und fügte Hintergrundgesang (22. Juni) und Blechbläser (30. Juni und 20. Juli) hinzu.

Das Endergebnis kann sich hören lassen, die Nummer hat so richtig Dampf und Elvis ist voll in seinem Element.

 

Heart Of Rome

Die erste Seite der LP endet mit einer Komposition von Geoff Stephens, Alan Blaikly und Ken Howard. Elvis nahm sie am 6. Juni 1970 auf, den Master schnitt man aus den Takes 3 und 1 (Workpart) zusammen. Geigen und Blechbläser folgten am 20. Juli.

Wie es der Titel bereits vermuten lässt, befindet sich der Sänger in der Hauptstadt Italiens und betrauert dort stimmgewaltig und melodramatisch die Abwesenheit seiner Liebsten. Im Juli 1971 veröffentlichte RCA Victor den Song übrigens auch auf der B-Seite der Single I'm Leavin'.

 

Only Believe

Es handelt sich hier um die Coverversion eines Songs namens All Things Are Possible  der Harmonizing Four aus dem Jahr 1957. Tatsächlich geschrieben wurde der Titel aber bereits 1921 von Daniel Paul Rader.

Die Botschaft lautet: Alles ist möglich, wenn Du nur an den lieben Gott glaubst. Obwohl der Text simpel ist und sich Elvis gesanglich den einen oder anderen Schnitzer erlaubt, gefällt mir dieses Lied recht gut. Ich weiß nicht warum, aber ich mag es.

Die Aufnahme entstand übrigens am 8. Juni 1970 innerhalb von vier Takes. Die Geigen wurden am 20. Juli ergänzt, der Hintergrundgesang folgte am 1. Oktober. Auf der Bühne sang Elvis Only Believe  nur selten, es existiert aber eine Mischpult-Aufnahme vom 27. Januar 1971 aus Las Vegas.

Im Mai 1971 veröffentlichte RCA Victor den Song zusammen mit Life  auf einer Single.

 

This Is Our Dance

Die Ballade stammt aus der Feder von Les Reed und Geoff Stephens und wurde von Elvis am 6. Juni 1970 aufgenommen. Elf Takes benötigte der King für diesen romantischen Schlager, der zwar alles andere als ein musikalisches Schwergewicht ist, aber immerhin mit einer eingängigen Melodie aufwarten kann und von Elvis grandios gesungen wird.

Am 22. Juni ließ Felton Jarvis den Hintergrundgesang einspielen, Streicher und Blechbläser folgten am 30. Juni.

Offenbar klang die Aufnahme dem King und seinem Produzenten danach immer noch nicht süßlich genug, so dass am 27. Oktober weitere Geigen hinzugefügt wurden.

 

Cindy Cindy

Der Song von Buddy Kaye, Ben Weisman und Dolores Fuller basiert auf Get Along Home, Cindy  von Lulu Belle & Scotty aus dem Jahr 1934 und wird von Elvis und seinen Mannen mit hörbarer Sanges- und Spielfreude vorgetragen.

Nach nur drei Takes war die Nummer am 4. Juni 1970 im Kasten. Nachträglich wurden noch Hintergrundgesang (22. Juni und 1. Oktober) und Blechbläser (20. Juli) aufgenommen.

 

I'll Never Know

In den 1960ern zeichneten Fred Karger, Ben Weisman und Sid Wayne für eine ganze Reihe von Filmschlagern verantwortlich, für die Nashville-Sessions vom Juni 1970 lieferten sie Elvis diese schöne Ballade. Aufgenommen wurde sie am 5. Juni 1970 innerhalb von sieben Takes. Der Hintergrundgesang entstand am 22. Juni und 1. Oktober, Streicher und Blechbläser wurden am 30. Juni hinzugefügt.

Die einschmeichelnde Melodie und Elvis' gefühlvoller Vortrag machen I'll Never Know  zu einem echten Highlight, das heute leider ein wenig in Vergessenheit geraten ist.

 

It Ain't No Big Thing (But It's Growing)

Die Country-Ballade wurde von Shorty Hall, Alice Joy Merritt und Neal Merritt geschrieben und 1967 von Charlie Louvin erstmals aufgenommen. Die Version des Kings stammt vom 6. Juni 1970. Trotz eines deutlich vernehmbaren Schmatzers nach den Worten You're loosing interest  erklärte Elvis den neunten Versuch zum Master-Take.

Abgesehen von dieser kleinen Nachlässigkeit ist der Vortrag aber makellos und man nimmt dem King die Trauer über die langsam erkaltende Beziehung zu seiner Frau jederzeit ab. Am 22. Juni und 1. Oktober wurde der Backup-Gesang eingespielt, die Streicher und Blechbläser nahm man am 30. Juni und 27. Oktober auf.

 

Life

Das Album endet mit Life, der Single-Veröffentlichung vom Mai 1971. Geschrieben und erstmals herausgebracht wurde der Song 1969 von Shirl Milete, Elvis' Version entstand am 6. Juni 1970 innerhalb von 20 Takes. Am 22. Juni folgte der Hintergrundgesang, Streicher und Blechbläser wurden am 30. Juni aufgenommen. Als finalen Produktionsschritt ließ Felton Jarvis am 27. Oktober zusätzliche Streicher einspielen.

Inhaltlich beschreibt Life  die Geschichte des Lebens (und zwar inklusive biblischer Schöpfungslehre, Urknall-Theorie und Ankunft des Heilands!), um schlussendlich zu dem Fazit zu gelangen, dass das Leben nichts anderes sei, als die universelle, göttliche Liebe.

Für mich zählt dieser Song zu den großen Leistungen des Interpreten Elvis Aron Presley, denn irgendwie schafft es der King, diesen ganzen religiös-verschwurbelten Mumpitz dermaßen ergreifend und überzeugend vorzutragen, dass selbst ich dazu geneigt bin, mein Gehirn auszuschalten und ihm den ganzen Käse drei Minuten lang einfach zu glauben.

 

Fazit & Bewertung

Im Vergleich mit seinen vorangegangenen Alben präsentierte sich der King mit Love Letters From Elvis  musikalisch deutlich leichtgewichtiger und traf damit offenkundig nicht den Geschmack seines Publikums. Mir hingegen gefällt diese Easy Listening orientierte LP recht gut, zumal sich Elvis im Sommer 1970 in stimmlicher Hochform befand.