Elvis' Christmas Album (Budget Release)

Pünktlich zum Vorweihnachtsgeschäft veröffentlicht CAMDEN im November 1970 Elvis' Christmas Album.

Bis zum Jahresende gehen 400.000 Kopien über die Ladentheken, heute sind mehr als 10 Millionen US-Amerikaner im Besitz dieser LP. Die RIAA honoriert diese Zahl mit einem Diamant Award, der 10fachem Platin entspricht.

Außerhalb der Vereinigten Staaten ist der Tonträger ebenfalls sehr beliebt, der weltweite Absatz dürfte bei etwa 15 Millionen Einheiten liegen.

Für das Cover nutzte CAMDEN ein Foto aus dem Film Speedway (1968) und montierte es festtagsgerecht vor eine verschneite Bergkulisse. Die Rückseite entspricht vom Design her dem Vorgänger Almost In Love. Lediglich die dort gezeigte Werbung für das Christmas Album  wurde durch Promotion für Almost In Love  ersetzt.

Prinzipiell handelt es sich bei dieser Budget-Veröffentlichung um eine Neuauflage des seinerzeit aus dem RCA-Katalog gestrichenen Elvis' Christmas Album aus dem Jahr 1957. Die Gospel-Songs der Original-LP ersetzte man hier jedoch durch die bis dato nur im Single-Format erhältlichen Songs If Every Day Was Like Christmas und Mama Liked The Roses.

 

Blue Christmas

Geschrieben wurde der Song von Bill Hayes und Jay Johnson, erstmals aufgenommen wurde er 1948 von Doye O'Dell. Populär wurde Blue Christmas  jedoch erst im folgenden Jahr durch die Aufnahmen von Ernest Tubb, Hugo Winterhalter & His Orchestra und Russ Morgan & His Orchestra. Elvis' Version entstand am 5. September 1957 innerhalb von drei Takes.

Unter den Weihnachtsliedern des Kings ist dieses wohl das populärste, RCA veröffentlichte es auf der LP Elvis' Christmas Album  (1957), der EP Elvis Sings Christmas Songs  (1957) sowie den Singles Blue Christmas / Wooden Heart  (1964) und Santa Claus Is Back In Town! / Blue Christmas  (1965). Auf dem Album Elvis  (1968) ist zudem eine Live-Aufnahme zu hören. Später fand sich der Song unter anderem auf der LP A Legendary Performer - Volume 2  (1976) und der CD Christmas Duets  (2008) als künstlich erzeugtes Duett mit Martina McBride.

 

Silent Night

Hier handelt es sich um eine Adaption des Klassikers Stille Nacht, Heilige Nacht  von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber aus dem Jahr 1818. Heute gilt diese Komposition als die bekannteste ihrer Art und wurde 2011 sogar zum UNESCO Kulturerbe erklärt. Obwohl ich nicht religiös bin, würde ich Stille Nacht, Heilige Nacht als mein absolutes Lieblingslied bezeichnen. Kein anderes ist so feierlich, bewegend und einfach nur so wunderschön wie dieses.

Leider ruft Elvis' Vortrag keine größeren Emotionen bei mir hervor, ihm fehlt einfach die erforderliche Tiefe. Aufgenommen wurde das Lied übrigens am 6. September 1957 innerhalb von neun Takes. Selbstverständlich wurde auch Silent Night  mehrfach verwertet (unter anderem auf der EP Christmas With Elvis) und natürlich kreierte man auch von diesem Klassiker im Jahr 2008 eine Duett-Aufnahme für die CD Christmas Duets. Leider wird der King hier von Sara Evans komplett an die Wand gesungen.

 

White Christmas

Nicht weniger konventionell geht es weiter mit dem Klassiker von Irving Berlin. Erstmals öffentlich aufgeführt wurde das Lied am ersten Weihnachtstag 1941, an dem Bing Crosby es in seiner Radio-Show The Kraft Music Hall  sang. Am 29. Mai des folgenden Jahres nahm er den Titel zusammen mit dem John Scott Trotter Orchestra und den Ken Darby Singers innerhalb von nur 18 Minuten auf und veröffentlichte es am 30. Juli auf dem Album Songs From The Film Holyday Inn. Er selbst sah nichts Besonderes in dem Lied, doch allein im Jahr 1942 verbrachte White Christmas  11 Wochen an der Spitze der Billboard-Charts. Über Jahrzehnte konnte das Lied seine Popularität halten und entwickelte sich mit mehr als 50 Millionen verkauften Kopien zur erfolgreichsten Single-Veröffentlichung aller Zeiten.

Unzählige Künstler haben seither White Christmas  gecovert, Elvis tat dies am 6. September 1957 und benötigte dafür 9 Takes. Angeblich war Irving Berlin von der Aufnahme des Kings dermaßen entsetzt, dass er die Radiosender zum Boykott aufrief.

Auch wenn die Reaktion des Komponisten arg überzogen war, stimme ich seinem prinzipiellen Urteil durchaus zu. Elvis' Vortrag fehlt einfach die Festlichkeit und emotionale Tiefe, die ich von diesem Klassiker erwarte.

White Christmas  ist übrigens auch auf der 1958er EP Christmas With Elvis  und der CD Christmas Duets  von 2008 zu hören. Auf letzterer singt der King mit Amy Grant im Duett - und wird dabei einmal mehr ausgestochen.

 

Santa Claus Is Back In Town!

In dieser krachenden, bluesigen Nummer fährt der Weihnachtsmann stilecht im schwarzen Cadillac bei einer hübschen Dame vor und es ist wohl der Interpretation eines jeden Zuhörers überlassen, was genau gemeint ist, wenn es heißt Hang up your pretty stockings and turn off the light - Santa Claus is comin' down your chimney tonight! 

Ganz offensichtlich entsprachen Jerry Leiber und Mike Stoller hier voll und ganz der Bitte, ein Weihnachtslied zu schreiben, das dem Image des King Of Rock'n'Roll angemessen ist. Die Aufnahme erfolgte am 7. September 1957 innerhalb von sieben Takes.

RCA Victor veröffentlichte Santa Claus Is Back In Town!  auch auf der EP Elvis Sings Christmas Songs  (1957) und der Single Santa Claus Is Back In Town! / Blue Christmas  (1965). Ein später zusammengeschnittenes Duett mit Wynonna Judd befindet sich auf der CD Christmas Duets  (2008).

 

I'll Be Home For Christmas

Es folgt ein Weihnachtslied, das von Bing Crosby populär gemacht wurde. Er sang es 1943 und stellte darin einen Soldaten dar, der im zweiten Weltkrieg kämpft und seiner Familie verspricht, zum Christfest wieder zuhause zu sein. Spätestens zum Ende dieses melancholischen Titels wird jedoch deutlich, dass es sich um eine reine Wunschvorstellung handelt, denn es heißt I'll be home for Christmas, if only in my dreams.

Zwar kann sich Elvis' Version, sie entstand am 7. September 1957 innerhalb von 15 Takes, durchaus hören lassen, aber meines Erachtens fehlte dem jungen Sänger damals einfach noch die nötige emotionale Tiefe, die dieses Lied von seinem Interpreten erfordert.

Für die Komposition von I'll Be Home For Christmas  zeichneten Kim Gannon und Walter Kent verantwortlich. Um einen Rechtsstreit mit Buck Ram, der zuvor ein Lied gleichen Titels verfasst hatte, zu vermeiden, führte man ihn kurzerhand ebenfalls als Komponisten auf und verschaffte ihm somit ein Drittel der Tantiemen.

Auch dieser Titel ist auf der EP Elvis Sings Christmas Songs  (1957) sowie der CD Christmas Duets  (2008) enthalten. Hier singt der King zusammen mit Carrie Underwood.

 

If Every Day Was Like Christmas

Der Rhythm Track entstand am 10. Juni 1966 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Zwei Tage später sang Elvis über das Playback und benötigte dafür zwei Takes.

Der Sänger gibt hier seine vorweihnachtlichen Impressionen zu Protokoll und kommt zu der Erkenntnis, dass die Welt wunderschön wäre, wenn jeder Tag so wäre wie dieser. If Every Day Was Like Christmas  verbreitet eine wunderbar sentimentale Festtagsstimmung, vor allem den Refrain finde ich stark.

Komponiert wurde das Lied übrigens von Elvis' Bodyguard Red West, erstmals veröffentlicht wurde es Ende 1966 auf einer Single.

 

Here Comes Santa Claus (Right Down Santa Claus Lane)

Here Comes Santa Claus (Right Down Santa Claus Lane)  wird von Elvis ganz hervorragend dargeboten, eindeutig lagen die flotten Popsongs dem King in den 1950ern besser als emotionsgeladene Balladen. Und auch die nachträglich produzierte Duett-Aufnahme mit Leann Rimes auf der CD Christmas Duets  (2008) kann sich hören lassen.

Das Original fand sich auf auf der EP Christmas With Elvis  (1958). Die Aufnahme stammt vom 6. September 1957 und war innerhalb von nur zwei Takes im Kasten. Die Erstaufnahme erfolgte 1947 durch Gene Autry, der Here Comes Santa Claus (Right Down Santa Claus Lane)  auch zusammen mit Oakley Haldeman geschrieben hatte.

 

O Little Town Of Bethlehem

Der Titel wurde 1868 von Phillips Brooks und Lewis Redner komponiert und vermutlich erstmals 1916 vom Trinity Choir aufgenommen. Elvis tat dies am 7. September 1957 ebenfalls und benötigte dafür vier Takes.

Auch hier singt er ordentlich, die schnelleren Titel liegen ihm aber ganz offensichtlich besser.

RCA Victor brachte O Little Town Of Bethlehem  1958 auf der EP Christmas With Elvis  heraus, vierzig Jahre später veröffentlichte Sony/BMG eine Duett-Version mit Karen Fairchild und Kimberly Schlapman (von der Band Little Big Town) auf der CD Christmas Duets.

 

Santa Bring My Baby Back (To Me)

Der Reigen der Weihnachtslieder endet mit einem flotten Popsong, der von Aaron Schroeder und Claude DeMetrius speziell für Elvis geschrieben wurde. Obwohl sich der Titel großer Beliebtheit bei den Radio-DJs erfreute, verzichtete RCA Victor in den USA auf die Veröffentlichung einer Single. In England hingegen brachte man Santa Bring My Baby Back (To Me)  auch auf einer 45er heraus und bescherte dem King damit einen weiteren Top10-Hit.

Die Aufnahme erfolgte am 7. September 1957, Take 9 wurde zum Master. RCA Victor veröffentlichte Santa Bring My Baby Back (To Me)  auch auf der EP Elvis Sings Christmas Songs  (1957).

 

Mama Liked The Roses

Zunächst war die Ballade für das Album From Elvis In Memphis  (1969) vorgesehen gewesen, doch dann entschied man sich bei RCA Victor für eine separate Single-Veröffentlichung und brachte sie als Kopplung mit The Wonder Of You  auf den Markt.

Der Rhythm Track entstand am 15. Januar 1969 im American Sound Studio in Memphis, Tennessee, am 21. Januar folgte der Gesangspart des Kings. Am selben Tag nahm Elvis auch den Harmonie-Gesang auf, den man schlussendlich jedoch nicht für den Master nutzte. In weiteren Produktionsschritten wurden Glocken (18. März), Streicher (19. März) und Hintergrundgesang (31. März) hinzugefügt.

Der Autor ist übrigens jener John L. Christopher, der später auch an dem Klassiker Always On My Mind  beteiligt sein würde.

Prinzipiell handelt es sich bei Mama Liked The Roses  um einen recht kitschigen Song, in dem sich der Interpret hochgradig sentimental an seine verstorbene Mutter erinnert. Vermutlich hätte das Lied bei jedem anderen Sänger das Niveau eines handelsüblichen Schlagers nie verlassen, aber irgendwie schafft es Elvis, dem Lied Glaubwürdigkeit und Tiefe, ja sogar eine gewisse Feierlichkeit zu verleihen.

 

Fazit & Bewertung

Die Fans bekamen hier zum fairen Preis alle bis dato von Elvis eingespielten Weihnachtslieder kompakt auf einer LP. Kein Wunder also, dass sich Elvis' Christmas Album  zu einem durchschlagenden Erfolg entwickelte.