On Stage - February 1970

Mit On Stage - February 1970  veröffentlicht RCA Victor am 1. Juli 1970 bereits das zweite Live-Album des Kings innerhalb eines dreiviertel Jahres.

Nichtsdestotrotz greifen eine halbe Million Fans zu, so dass die Scheibe ab dem 20. Juli zwanzig Wochen lang in der Top LPs Chart geführt wird und den 13. Platz erreicht.

Bereits 1971 kann Elvis von der RIAA eine Goldene Schallplatte in Empfang nehmen, posthum erfolgt 1999 ein Update auf Platin.

Außerhalb der USA verkauft sich On Stage - February 1970  ebenfalls gut, in Großbritannien wird das Album beispielsweise zum Nummer 2-Hit. Weltweit geht die Scheibe etwa drei Millionen Mal über die Ladentheken.

Wie seinerzeit bei For LP Fans Only  (1959) verzichtete RCA Victor auch auf dem Cover des neuen Presley-Albums auf die Angabe des Namens des Künstlers und verließ sich auf den Bekanntheitsgrad des Gesichts.

Die verwendeten Bilder waren im Rahmen des entsprechenden Gastspiels entstanden und zeigten Elvis erstmals in engen, einteiligen Anzügen mit hohen Krägen.

Die Aufnahmen für dieses Projekt entstanden zwischen dem 15. und 19. Februar 1970 im International Hotel in Las Vegas, Nevada. Als Produzent fungierte Felton Jarvis, die Tontechnik wurde von Al Pachucki betreut.

Elvis' Band bestand aus James Burton (Gitarre), Charlie Hodge (Gitarre), John Wilkinson (Gitarre), Jerry Scheff (Bass), Bob Lanning (Schlagzeug) und Glen D. Hardin (Klavier). Unterstützt wurde die Truppe durch Bobby Morris und sein Orchester. Für den Hintergrundgesang sorgten die Imperials (Armond Morales, Terry Blackwood, Jimmie Murray und Roger Wiles) und die Sweet Inspirations (Myrna Smith, Sylvia Shemwell, Estelle Brown und Ann Williams).

Weil Elvis und Felton Jarvis mit dem Ergebnis nicht zufrieden waren, wurde zwischen dem 31. März und dem 3. April 1970 im RCA Studio A in Nashville, Tennessee zusätzlicher Backup-Gesang aufgenommen und den Live-Mitschnitten hinzugefügt.
 

See See Rider

Das Album beginnt mit einer Aufnahme aus der Midnight Show des 18. Februar 1970. Die Nachbearbeitung fand am 1. April statt.

Bereits 1924 wurde der Song zum Top20-Hit für Gertrude Ma Rainey, die auch zusammen mit Lena Arant als Autorin eingetragen ist. Tatsächlich geht C.C. Rider  aber auf einen traditionellen Blues zurück, dessen Wurzeln bis heute unklar sind.

Das doppelte C steht hier für Country Circuit, also eine im Lande herumreisende Person. Es gibt allerdings auch die Interpretation, dass tatsächlich Easy Rider - also eine Prostituierte oder andere, sexuellen Handlungen gegenüber aufgeschlossene Person- gemeint sein könnte und durch das ähnlich klingende C.C. Rider  lediglich die Zensur umgangen werden sollte. Wie auch immer, diese Person hat dem Interpreten das Herz gebrochen, woraufhin dieser fortgeht und droht, im Zweifelsfall nie wieder zurückzukommen.

Elvis verwandelt die ursprünglich recht langsame Nummer in einen hart rockenden Blues mit treibendem Rhythmus. Ab 1972 nutzte er das Lied regelmäßig zur Eröffnung seiner Konzerte, Live-Versionen finden sich auf den Alben Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973), Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977). Den Drive und die Intensität dieser Erstveröffentlichung sollte er jedoch nie wieder erreichen.

 

Release Me

Die meisten Käufer dieses Albums dürften Release Me  noch in der Version von Engelbert Humperdinck im Ohr gehabt haben, der damit 1967 in den USA einen Top5-Hit gelandet hatte. Elvis ließ den Song deutlich schneller spielen und legte den Fokus auf den Rhythmus und die Interaktion mit dem Chor. Insgesamt schien er Release Me  sehr zu mögen, denn bis zu seinem letzten Auftritt blieb die Nummer - mal mehr, mal weniger regelmäßig gespielt - im Programm.

Der Autor und Originalinterpret heißt Eddie Miller, die großen Erfolge fuhren 1954 allerdings Jimmy Heap & His Melody Master With Perk Williams (Rang 5), Ray Price (Rang 6) und Kitty Wells (Rang 8) ein.

Die auf dieser LP zu hörende Fassung stammt übrigens ebenfalls aus der Midnight Show des 18. Februar 1970, zusätzlicher Hintergrundgesang wurde am 31. März 1970 aufgenommen. Eine weitere Veröffentlichung erfolgte 1977 auf dem Album Welcome To My World.

 

Sweet Caroline

Etwa ein Jahr vor dem Erscheinen von On Stage - February 1970  hatte Neil Diamond mit Sweet Caroline  einen Top5-Hit in den Billboard-Charts landen können. Einmal mehr verlieh Elvis dem Song ein wenig mehr Dampf, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Aufgenommen wurde die Nummer während der Dinner Show am 16. Februar, die Overdubs stammen vom 31. März 1970. In den Jahren 1970/71 gehörte das Lied zum Standartprogramm einer Elvis-Presley-Show, danach griff der King nur noch selten auf Sweet Caroline  zurück.

 

Runaway

Hier weicht die LP eindeutig vom Konzept ab, denn die Aufnahme entstand bereits am 25. August 1969 (Dinner Show). Eine erste Nachbearbeitung fand am 31. März 1970 statt, das Ergebnis wurde jedoch verworfen und der Vorgang am 1. April wiederholt.

Geschrieben wurde Runaway  von Del Shannon und Max T. Crook, 1961 konnte Shannon mit dem Song einen Nummer-1-Hit in der Hot 100 verbuchen. Elvis hat hörbar seinen Spaß an dem Lied und auch die Gitarrenläufe von James Burton, der übrigens auch bei der Originalaufnahme mit von der Partie war, können sich hören lassen..

 

The Wonder Of You

Baker Knight schrieb den Song 1959, erstmals aufgenommen wurde er von Ray Peterson. Elvis' Version entstand während der Midnight Show am 18. Februar 1970.

Es war das zweite Mal, dass der King The Wonder Of You  live vortrug, denn ursprünglich war der Song in der Show gar nicht vorgesehen gewesen. Erst als der Produzent Felton Jarvis bemerkte, dass das aktuelle Bühnenprogramm nicht genügend neue Lieder für das geplante Live-Album hergab, wurden nachträgliche Proben angesetzt und zusätzliche Songs einstudiert.

Am 31. März und 3. April wurde The Wonder Of You  im RCA Studio A in Nashville, Tennessee noch einmal nachbearbeitet und neuer Hintergrundgesang aufgenommen.

Mir persönlich gefällt diese groß orchestrierte Liebeserklärung sehr gut, zumal sich Elvis in vokaler Hochform befindet und einen exzellenten Vortrag abliefert.

 

Polk Salad Annie

Im Sommer 1969 hatte Tony Joe White mit Polk Salad Annie  einen Top10-Hit gelandet und auch Elvis hatte an der Swamp-Rock-Nummer sofort Gefallen gefunden. Er sang das Lied nicht nur, er zelebrierte es förmlich und hatte an der Geschichte über die dysfunktionale Südstaatenfamilie hörbar seinen Spaß.

Die Aufnahme entstand während der Midnight Show des 18. Februar 1970, eine Nachbearbeitung erfolgte am 1. April. Auf dem Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) ist Polk Salad Annie  ebenfalls zu hören, allerdings in deutlich höherem Tempo und ohne die gesprochene Einleitung.

Über die Jahre geriet die Nummer immer bombastischer und hatte am Ende kaum noch etwas mit der On Stage-Version zu tun. Nichtsdestotrotz schien Elvis nach wie vor Freude an Polk Salad Annie  zu haben, denn er behielt den Titel bis zum Juni 1977 im Programm.

 

Yesterday

Die Aufnahme entstand während der Dinner Show am 25. August 1969 und gehört damit eigentlich nicht auf dieses Album. Ursprünglich hatte Elvis den Song als Medley mit Hey Jude  gesungen, doch weil hier praktisch nur das Finale zum Einsatz kam, verzichtete man bei der Schallplattenveröffentlichung auf diesen Teil des Vortrags.

Zusätzlicher Hintergrundgesang wurde am 31. März 1970 hinzugefügt.

Insgesamt gefällt mir Elvis' Interpretation gut, an das Original von Paul McCartney kommt er jedoch nicht heran.

 

Proud Mary

John Fogertys Hommage an einen Mississippi-Raddampfer war erst im Vorjahr ein Nummer-2-Hit für die Gruppe Creedence Clearwater Revival gewesen, was Elvis aber natürlich nicht davon abhielt, den Song in das eigene Programm zu übernehmen.

Insgesamt klingt die Performance noch nicht so geschliffen wie zwei Jahre später auf dem Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden, aber die Nummer rockt und der King hat hörbar seinen Spaß.

Der Mitschnitt stammt übrigens vom 16.02.1970 (Dinner Show), die Overdubs wurden am 31. März eingespielt.

 

Walk A Mile In My Shoes

Auf der Bühne präsentierte Elvis den Song in einem Medley mit In The Ghetto. Weil das Lied aber schon auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969) enthalten gewesen war, ließ man es auf dieser LP weg.

Aufgenommen wurde Walk A Mile In My Shoes  während der Midnight Show am 19.02.1970, die Nachbearbeitungen erfolgten am 1. April. Auch dieses Lied war sehr aktuell, erst zu Beginn des Jahres hatte dessen Autor Joe South damit einen Top20-Hit gelandet.

Mit dem sozialkritischen Song setzte Elvis den Kurs fort, den er mit If I Can Dream  (1968) und In The Ghetto  (1969) eingeschlagen hatte. Eine solche Nummer ausgerechnet dem wohlhabenden Vegas-Publikum vorzutragen, war allerdings ungewöhnlich.

 

Let It Be Me

Die LP endet mit Let It Be Me, einer Aufnahme vom 17.02.1970 (Midnight Show). Der Hintergrundgesang wurde am 31. März hinzugefügt.

Im Original heißt das Lied Je T' Appartiens  und stammt von Pierre Delanoe und Gilbert Becaud. Den englischen Text lieferte später Mann Curtis, in dieser Fassung wurde der Song unter anderem von den Everly Brothers (1960, Platz 7) und Glen Campbell & Bobbie Gentry (1969, Platz 36) gesungen.

Elvis liebte Let It Be Me  und sang es während der Proben zu diesem Gastspiel immer wieder vor sich hin. Eines Tages schrieb Glen D. Hardin ein komplettes Arrangement und als der King den Saal betrat, begannen die Musiker mit dem Song. Elvis stieg sofort mit ein, sang die Nummer komplett durch und nahm sie ins Programm auf.

Und auch der Live-Aufnahme ist dem King die Begeisterung für Let It Be Me  anzuhören.

 

Fazit & Bewertung

Elvis sprüht nur so vor Energie und drückt den Songs seinen unverwechselbaren Stempel auf.