From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis

Das erste Doppel-Album des Kings trägt den Titel From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  und kommt am 14. Oktober 1969 in die Geschäfte.

Mit einem Verkauf von 300.000 Kopien wird es von Billboard ab dem 29. des Monats 24 Wochen lang in der Top LPs Chart geführt, wo es den 12. Platz erreicht. Ab dem 6. Dezember ist das Set auch in der Hot Country LPs Chart zu finden. Hier wird es zum Nummer 5-Hit und kommt auf eine Laufzeit von 22 Wochen.

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung bekommt Elvis von der RIAA eine Goldene Schallplatte, weltweit setzt RCA Victor 3,5 Millionen Einheiten ab.

Das Cover der Live-LP wurde mit einem Foto aus dem TV-Special SINGER presents Elvis  gestaltet, für die Verpackung der Studio-LP griff man auf ein Foto von der aktuellen Las Vegas Show zurück. Die Innenseiten wurden mit weiteren Bildern dieser Events gestaltet.

RCA Victor zeigte sich diesmal besonders spendabel und legte gleich vier Bonus-Karten bei.

Die erste LP enthält Live-Aufnahmen, die zwischen dem 24. und 26. August 1969 im International Hotel in Las Vegas entstanden. Das Gastspiel galt damals als Sensation, denn Elvis trat zum ersten Mal seit 1961 wieder vor zahlendem Publikum auf und füllte mit seinen Shows einen Monat lang zweimal abendlich den größten Showroom der Stadt.

Begleitet wurde er von einer neu zusammengestellten Band, die aus James Burton (Gitarre), John Wilkinson (Gitarre), Charlie Hodge (Gitarre & Harmonie-Gesang), Jerry Scheff (Bass), Ronnie Tutt (Schlagzeug) und Larry Muhoberac (Klavier) bestand. Ergänzt wurde das Line-Up durch das Bobby-Morris-Orchestra, die Imperials (Terry Blackwood, Jimmie Murray, Roger Wiles und Armond Morales) und die Sweet Inspirations (Emily Houston, Myrna Smith, Estelle Brown und Sylvia Shemwell).

 

Blue Suede Shoes

Das Live-Set beginnt mit einem rhythmischen Intro, das direkt in den Rock'n'Roll Klassiker Blue Suede Shoes  übergeht.

Im Gegensatz zu der handzahmen Neuaufnahme vom G.I. Blues-Soundtrack (1960) scheint Elvis hier vor Energie fast zu platzen und macht schon zu Beginn so richtig schön Dampf.

Die Aufnahme stammt übrigens von der Midnight Show des 25. August 1969.

 

Johnny B. Goode

Mit der Chuck-Berry-Nummer kann Elvis das Tempo nicht nur halten, er legt sogar noch einen Zahn zu. Der Song rockt wie die Hölle, insbesondere das Gitarrenspiel von James Burton gefällt mir sehr gut.

Aufgenommen wurde dieser Wahnsinnssong während der Midnight Show des 24. August 1969.

 

All Shook Up

Elvis präsentiert den Titel deutlich schneller als 1957, wodurch das ursprüngliche Feeling leider vollständig verloren geht. Zum Tempo der Show passt diese Version jedoch ganz hervorragend und auch der King legt sich so richtig schön ins Zeug.

Der Mitschnitt stammt aus der Midnight Show am 25. August 1969.

 

Are You Lonesome Tonight

Nach drei schnellen Songs wird es Zeit für eine Ballade, nun wieder aufgenommen während der Midnight Show des 24. August 1969.

Elvis begrüßt jetzt offiziell das Publikum, macht ein paar kleine Scherze und singt dann seinen großen Hit aus dem Jahr 1960. Das Arrangement klingt sehr nach Las Vegas, insgesamt gefällt mir diese Fassung aber gut.

 

Hound Dog

Elvis kündigt jetzt den Message-Song des Abends an und schildert dem Publikum zunächst mit leiser Stimme eine romantische Kuss-Szene. Dann schreit er auf einmal ohne Vorwarnung You ain't nothing but a Hound Dog  in den Saal und beginnt mit einer furiosen Version seines Mega-Hits aus dem Jahr 1956.

Man spürt förmlich die Erschrockenheit der Zuschauer, die sich binnen Sekunden in Begeisterung verwandelt. Im Prinzip wiederholt Elvis immer nur dieselben vier Zeilen - die singt er aber mit einer Power, die sich gewaschen hat.

Wie die vier folgenden Aufnahmen, so stammt auch diese von der Midnight Show des 25. August 1969.

 

I Can't Stop Loving You

Mit der Country-Ballade folgt nun nach Johnny B. Goode  der zweite Song, den die Fans von Elvis noch nicht kannten. Auch hier legt er sich voll ins Zeug und präsentiert das Lied auf seine ganz eigene, sehr rhythmische Art.

 

My Babe

Die A-Seite endet mit dieser wunderbaren R&B-Nummer, die für die Anhänger des Kings ebenfalls eine Neuheit darstellte. Im Gegensatz zu den anderen Songs würde Elvis in späteren Jahren allerdings nur noch selten darauf zurückkommen.

 

Mystery Train / Tiger Man

Ohne Frage gehörte Mystery Train  seinerzeit zu den stärksten SUN-Singles des Kings und auch die hier zu hörende Live-Version stellt ein Highlight dar. Elvis koppelt den Titel mit Tiger Man, einem Song, den die Fans bereits von der LP Elvis Sings Flaming Star  kannten.

Auch dieses Medley ist Rock'n'Roll pur, insbesondere James Burton (Gitarre) und Ronnie Tutt (Schlagzeug) geben hier alles.

 

Words

Nach so vielen Oldies und eigenen Klassikern möchte Elvis nun zeigen, dass auch die aktuelle Popmusik nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist.

Die Ballade klingt gänzlich anders als bei den Bee Gees, besonders die Chorstimmen kommen hier sehr schön zum Einsatz. Mir gefällt diese Fassung um Längen besser als das Original.

 

In The Ghetto

Im Frühjahr 1969 hatte der King mit In The Ghetto  einen internationalen Hit landen können und damit sein ganz großes Comeback eingeläutet. Und so ist es nur logisch, dass der Song im Live-Repertoire nicht fehlen durfte.

Die hier zu hörende Version wird schneller gespielt als die Fassung auf der Single und auch das Arrangement klingt stark nach Las Vegas. Das alles passt großartig zum Stil und Tempo der Show, an die Atmosphäre des Originals reicht die Interpretation allerdings nicht heran.

Aufgenommen wurde der Titel übrigens während der Dinner Show des 25. August 1969.

 

Suspicious Minds

Die aktuelle Single bekommen wir in einer fast 8minütigen Powerhouse-Version geboten, bei der sich der King hörbar verausgabt und die Fans mit seinen Bewegungen und Tanzeinlagen begeistert.

Erneut ist das Tempo deutlich höher als bei der Studio-Aufnahme, was mir diesmal jedoch sehr gut gefällt.

 

Can't Help Falling In Love

Elvis verabschiedet sich schließlich mit dem großen Hit aus seinem Film Blue Hawaii. Leider singt er das Lied aber vergleichsweise schlampig und bleibt meilenweit von der Klasse der Studio-Aufnahme aus dem Jahr 1961 entfernt.

Wie auch das vorangegangene Suspicious Minds  wurde der Song während der Dinner Show des 26. August 1969 mitgeschnitten.

 

Auf der zweiten LP befanden sich Studio-Aufnahmen, die Anfang 1969 im Rahmen der Produktion des Albums From Elvis In Memphis entstanden waren. Die Sessions der fanden zwischen dem 13. und 22. Januar sowie dem 17. und 22. Februar 1969 im American Sound Studio in Memphis, Tennessee statt.

Produziert wurden sie von Chips Moman, dem Betreiber des Studios, sowie dem inzwischen unvermeidlichen Felton Jarvis. Die Tontechniker hießen Roy Shockley (American) und Al Pachucki (RCA).

Die Band bestand aus Reggie Young (Gitarre, Sitar), Tommy Cogbill (Bass), Mike Leech (Bass), Gene Chrisman (Schlagzeug), Bobby Wood (Klavier), Bobby Emmons (Orgel), John Hughey (Steel Guitar) und Ed Kollis (Harmonika). Zwischen dem 22. Januar und 07. Mai 1969 wurden die Master-Takes mit Hintergrundgesang und zusätzlichen Instrumenten ergänzt.

Mit den so entstandenen Masters füllte RCA Victor neben der eingangs erwähnten LP From Elvis In Memphis und diesem Album auch diverse Singles. Die Überbleibsel wurden schließlich auf den Alben Let's Be Friends (CAMDEN, 1970), Almost In Love (CAMDEN, 1970) und NOW (RCA, 1972) herausgebracht.

 

Inherit The Wind

Die LP beginnt mit einer Komposition von Eddie Rabbit. Der Sänger warnt eine nicht näher bezeichnete Dame, sich in ihn zu verlieben, denn aufgrund seines freiheitliebenden Charakters würde er sie früher oder später verlassen.

Der Rhythm Track entstand am 15. Januar 1969, Elvis' Gesang wurde am 21. Januar hinzugefügt. In weiteren Bearbeitungsschritten kam dann der Hintergrundgesang (24. Januar), Streicher (5. Mai) und Blechbläser (6. Mai) hinzu. Insgesamt ist der Song in Ordnung, als Hit würde ich ihn allerdings nicht bezeichnen.

 

This Is The Story

Nachdem er verlassen wurde, blickt der Interpret mit voller Selbstmitleid auf die Beziehung zurück und schlägt dabei im Refrain sogar ein paar soulige Töne an.

Aufgenommen wurde der Song am 13. Januar 1969, bereits der zweite Versuch wurde zum Master-Take. Es sei allerdings angemerkt, dass Elvis seinen Gesangspart am 21. Januar ersetzte. Drei Tage später ließ Chips Moman den Hintergrundgesang einspielen, am 5. Mai folgten die Streicher, am 6. kamen weiterer Hintergrundgesang und Blechbläser hinzu.

Die Autoren von This Is The Story  heißen Chris Arnold, Geoff Morrow und David Martin, die zuvor auch schon Let's Be Friends  für den Film Change Of Habit  komponiert hatten.

 

Stranger In My Own Hometown

Eines der Highlights dieser LP heißt Stranger In My Own Hometown  und stammt aus der Feder von Percy Mayfield, der den Titel auch als erster aufnahm. Nach einer vorherigen Probe spielte Elvis den Song am 17. Februar 1969 in nur einem einzigen Take ein und lieferte damit eine seiner besten Blues-Aufnahmen ab.

Man kann dem King und seinen Musikern die Sanges- und Spielfreude förmlich anhören - ein absolut großartiger Track! Für Elvis' Verhältnisse recht ungewöhnlich kommt hier sogar eine Sitar zum Einsatz. Die Nachbearbeitungen erfolgten übrigens am 7. Mai 1969 (Hintergrundgesang, Streicher und Blechbläser).

 

A Little Bit Of Green

Einmal mehr wurde der Sänger verlassen und so grübelt er jedes Mal über die Fehler der Beziehung nach, wenn er seine Ex mit ihrem neuen Partner sieht. Dabei steigt auch ein wenig Eifersucht in ihm auf, eben A Little Bit Of Green.

Auch dieser Song stammt vom Team Arnold/Morrow/Martin, von dem Elvis später auch noch Sweet Angeline (veröffentlicht auf der LP Raised On Rock / For Ol' Times Sake) übernehmen sollte.

Der King hatte A Little Bit Of Green  recht schnell im Kasten, am 14. Januar 1969 wurde bereits der dritte Versuch zum Master-Take. Am 26. September ersetzte Elvis allerdings seinen Gesangspart, zudem wurde der Harmonie-Gesang von Charlie Hodge aufgenommen.

 

And The Grass Won't Pay No Mind

Ursprünglich hatte Neil Diamond das American Sound Studio für den Januar 1969 reserviert. Da er Elvis aber den Vortritt ließ, verpflichtete sich dieser, einen Song von Neil aufzunehmen.

Das Ergebnis heißt And The Grass Won't Pay No Mind  und ist für Elvis' Verhältnisse erstaunlich offenherzig: Der Song handelt nämlich schlicht und einfach vom Sex auf der Wiese. Der Umstand wird allerdings dermaßen poetisch formuliert, dass man es bei ungenauem Zuhören gar nicht mitbekommt.

Eingespielt wurde And The Grass Won't Pay No Mind  während der zweiten American-Session am 17. Februar 1969 innerhalb von sechs Takes. Am 22. Februar wurden Vocal Repairs aufgenommen, am 7. Mai folgten Geigen und Blechbläser. Mit diesem Song endet auch die erste Seite der LP.

 

Do You Know Who I Am

Die B-Seite eröffnet einer Ballade aus der Feder von Bobby Russell. Nach langer Zeit trifft der Sänger hier seine Ex und fragt sie, ob sie sich noch an ihn erinnern könne. Dabei hört man nur den vom Interpreten ausgehenden Teil des Gespräches und muss sich die andere Hälfte der Konversation selbst erschließen. Elvis singt hier sehr gefühlvoll und man nimmt ihm seine Trauer und die wage Hoffnung auf eine Versöhnung jederzeit ab.

Insgesamt benötigte der King sieben Takes für Do You Know Who I Am, die Aufnahme entstand am 18. Februar 1969. Vier Tage später spielte Elvis den letzten Teil des Songs (beginnend mit der Zeile Do you think there's a chance...) noch einmal neu ein und ergänzte auch den Harmonie-Gesang. In einem letzten Produktionsschritt wurden am 25. März noch der Hintergrundgesang und die Streicher aufgenommen.

Heute wird der Song zumeist übersehen, für mich zählt Do You Know Who I Am  aber zu den absoluten Höhepunkten der 1969er Memphis-Sessions.

 

From A Jack To A King

Angeblich handelt es sich hier um das Lieblingslied von Vernon Presley. Weil dieser bei den Sessions anwesend war, soll Elvis den Song spontan angestimmt haben, bevor man beschloss, die Nummer professionell aufzunehmen.

Dies geschah am 21. Januar 1969 innerhalb von fünf Takes. Der Hintergrundgesang wurde am 24. Januar eingespielt, Blechbläser und Streicher wurden am 7. Mai ergänzt. Außerdem wurde der Ausschnitt zwischen 2:04 und 2:07 mit dem Text You made me king of your heart... durch dieselbe, früher im Lied ebenfalls gesungene Zeile ersetzt. Sowohl Elvis' Gesang, als auch sein Gitarrenspiel betreffend wirkt die Nummer ziemlich ausgelassen und bekommt dadurch ein wenig den Charakter eines Jams.

Das Original wurde übrigens 1957 von Ned Miller, dem Autor des Songs, herausgebracht. Erfolg hatte er allerdings erst mit der 1962er Neuauflage der Single, die ihm sowohl in der Hot 100, als auch in der Best Seller Country Chart einen Top10-Hit einbrachte.

 

The Fair Is Moving On

Die Ballade kannten die Fans bereits von der B-Seite der Single Clean Up Your Own Backyard. Sie entstand am 21. Februar 1969, schon der erste Versuch wurde zum Master-Take. Allerdings ersetzte Elvis einen Tag später seinen Gesangspart, Geigen und Hintergrundgesang wurden am 25. März ergänzt.

Der Sänger zieht mit dem Jahrmarkt fort und verspricht seiner Liebsten, dass es das letzte Mal sei und er bald wieder zurückkommen werde. Zwar ist das Lied, geschrieben wurde es übrigens von Guy Fletcher und Doug Flett, etwas süßlich, insgesamt gefällt es mir aber gut.

 

You'll Think Of Me

Der Komponist von heißt Mort Shuman, der vor allem zu Beginn der 1960er zusammen mit Doc Pomus etliche Hits für Elvis geschrieben hatte. Der Interpret weiß bereits im Voraus, dass er nicht treu sein kann und seine Liebste irgendwann verlassen wird. Kurioserweise schafft es Elvis, den fast schon zynischen Text warmherzig und gefühlvoll klingen zu lassen.

Aufgenommen wurde das Lied am 14. Januar 1969 im American Sound Studio innerhalb von 23 Takes. Unter anderem kommt auch eine Sitar zum Einsatz, was für Elvis' Verhältnisse recht ungewöhnlich ist. Am 21. Januar ersetzte Elvis den ursprünglichen Gesangspart, drei Tage später wurde der Hintergrundgesang aufgenommen. Geigen, Blechbläser und weiterer Hintergrundgesang folgten am 5. und 6. Mai.

Im August 1969 fand sich You'll Think Of Me  auf der B-Seite der Hit-Single Suspicious Minds, auf der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2  aus dem Jahr 1971 war der Song ebenfalls zu hören.

 

Without Love (There Is Nothing)

Das Album endet mit dieser Ballade aus der Feder von Danny Small. Das Original stammt aus dem Jahr 1957 von Clyde McPhatter, Elvis' Version entstand am 22. Januar 1969 innerhalb von fünf Takes. Geigen, Blechbläser und Hintergrundgesang wurden am 7. Mai ergänzt.

Voller Selbstmitleid muss der Sänger hier erkennen, dass er seine Beziehung in den Sand gesetzt hat und einmal mehr bringt der King den Text sehr emotional und äußerst glaubhaft rüber.

 

Fazit & Bewertung

Die Live-Mitschnitte sprühen nur so vor Energie und Elvis rockt wie in den glorreichen 1950ern. Die Studio-Aufnahmen hingegen präsentieren den King zumeist von einer ruhigeren, nachdenklichen Seite und bilden so einen sehr schönen Kontrast zur ersten LP dieses Sets.