Elvis In Person At The International Hotel, Las Vegas, Nevada

Im November 1970 bringt RCA Victor die beiden LPs des Doppel-Albums From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969) noch einmal einzeln auf den Markt.

Das Live-Set heißt nun Elvis In Person At The International Hotel Las Vegas, Nevada, die Studioaufnahmen erscheinen unter dem Titel Back In Memphis.

Zwar kann sich Elvis In Person At The International Hotel Las Vegas, Nevada  nicht in der Top LPs Chart von Billboard platzieren, über die Jahre verkauft sich das Album aber trotzdem allein in den USA mehr als eine Million Mal.

Anno 2011 verleiht die RIAA dem King posthum einen Platin Award.

Die LP enthält Live-Aufnahmen, die zwischen dem 24. und 26. August 1969 im International Hotel in Las Vegas entstanden. Das Gastspiel galt damals als Sensation, denn Elvis trat zum ersten Mal seit 1961 wieder vor zahlendem Publikum auf und füllte mit seinen Shows einen Monat lang zweimal abendlich den größten Showroom der Stadt.

Begleitet wurde er von einer neu zusammengestellten Band, die aus James Burton (Gitarre), John Wilkinson (Gitarre), Charlie Hodge (Gitarre & Harmonie-Gesang), Jerry Scheff (Bass), Ronnie Tutt (Schlagzeug) und Larry Muhoberac (Klavier) bestand. Ergänzt wurde das Line-Up durch das Bobby-Morris-Orchestra, die Imperials (Terry Blackwood, Jimmie Murray, Roger Wiles und Armond Morales) und die Sweet Inspirations (Emily Houston, Myrna Smith, Estelle Brown und Sylvia Shemwell).

 

Blue Suede Shoes

Das Live-Set beginnt mit einem rhythmischen Intro, das direkt in den Rock'n'Roll Klassiker Blue Suede Shoes  übergeht.

Im Gegensatz zu der handzahmen Neuaufnahme vom G.I. Blues-Soundtrack (1960) scheint Elvis hier vor Energie fast zu platzen und macht schon zu Beginn so richtig schön Dampf.

Die Aufnahme stammt übrigens von der Midnight Show des 25. August 1969.

 

Johnny B. Goode

Mit der Chuck-Berry-Nummer kann Elvis das Tempo nicht nur halten, er legt sogar noch einen Zahn zu. Der Song rockt wie die Hölle, insbesondere das Gitarrenspiel von James Burton gefällt mir sehr gut.

Aufgenommen wurde dieser Wahnsinnssong während der Midnight Show des 24. August 1969.

 

All Shook Up

Elvis präsentiert den Titel deutlich schneller als 1957, wodurch das ursprüngliche Feeling leider vollständig verloren geht. Zum Tempo der Show passt diese Version jedoch ganz hervorragend und auch der King legt sich so richtig schön ins Zeug.

Der Mitschnitt stammt aus der Midnight Show am 25. August 1969.

 

Are You Lonesome Tonight

Nach drei schnellen Songs wird es Zeit für eine Ballade, nun wieder aufgenommen während der Midnight Show des 24. August 1969.

Elvis begrüßt jetzt offiziell das Publikum, macht ein paar kleine Scherze und singt dann seinen großen Hit aus dem Jahr 1960. Das Arrangement klingt sehr nach Las Vegas, insgesamt gefällt mir diese Fassung aber gut.

 

Hound Dog

Elvis kündigt jetzt den Message-Song des Abends an und schildert dem Publikum zunächst mit leiser Stimme eine romantische Kuss-Szene. Dann schreit er auf einmal ohne Vorwarnung You ain't nothing but a Hound Dog  in den Saal und beginnt mit einer furiosen Version seines Mega-Hits aus dem Jahr 1956.

Man spürt förmlich die Erschrockenheit der Zuschauer, die sich binnen Sekunden in Begeisterung verwandelt. Im Prinzip wiederholt Elvis immer nur dieselben vier Zeilen - die singt er aber mit einer Power, die sich gewaschen hat.

Wie die vier folgenden Aufnahmen, so stammt auch diese von der Midnight Show des 25. August 1969.

 

I Can't Stop Loving You

Mit der Country-Ballade folgt nun nach Johnny B. Goode  der zweite Song, den die Fans von Elvis noch nicht kannten. Auch hier legt er sich voll ins Zeug und präsentiert das Lied auf seine ganz eigene, sehr rhythmische Art.

 

My Babe

Die A-Seite endet mit dieser wunderbaren R&B-Nummer, die für die Anhänger des Kings ebenfalls eine Neuheit darstellte. Im Gegensatz zu den anderen Songs würde Elvis in späteren Jahren allerdings nur noch selten darauf zurückkommen.

 

Mystery Train / Tiger Man

Ohne Frage gehörte Mystery Train  seinerzeit zu den stärksten SUN-Singles des Kings und auch die hier zu hörende Live-Version stellt ein Highlight dar. Elvis koppelt den Titel mit Tiger Man, einem Song, den die Fans bereits von der LP Elvis Sings Flaming Star  kannten.

Auch dieses Medley ist Rock'n'Roll pur, insbesondere James Burton (Gitarre) und Ronnie Tutt (Schlagzeug) geben hier alles.

 

Words

Nach so vielen Oldies und eigenen Klassikern möchte Elvis nun zeigen, dass auch die aktuelle Popmusik nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist.

Die Ballade klingt gänzlich anders als bei den Bee Gees, besonders die Chorstimmen kommen hier sehr schön zum Einsatz. Mir gefällt diese Fassung um Längen besser als das Original.

 

In The Ghetto

Im Frühjahr 1969 hatte der King mit In The Ghetto  einen internationalen Hit landen können und damit sein ganz großes Comeback eingeläutet. Und so ist es nur logisch, dass der Song im Live-Repertoire nicht fehlen durfte.

Die hier zu hörende Version wird schneller gespielt als die Fassung auf der Single und auch das Arrangement klingt stark nach Las Vegas. Das alles passt großartig zum Stil und Tempo der Show, an die Atmosphäre des Originals reicht die Interpretation allerdings nicht heran.

Aufgenommen wurde der Titel übrigens während der Dinner Show des 25. August 1969.

 

Suspicious Minds

Die aktuelle Single bekommen wir in einer fast 8minütigen Powerhouse-Version geboten, bei der sich der King hörbar verausgabt und die Fans mit seinen Bewegungen und Tanzeinlagen begeistert.

Erneut ist das Tempo deutlich höher als bei der Studio-Aufnahme, was mir diesmal jedoch sehr gut gefällt.

 

Can't Help Falling In Love

Elvis verabschiedet sich schließlich mit dem großen Hit aus seinem Film Blue Hawaii. Leider singt er das Lied aber vergleichsweise schlampig und bleibt meilenweit von der Klasse der Studio-Aufnahme aus dem Jahr 1961 entfernt.

Wie auch das vorangegangene Suspicious Minds  wurde der Song während der Dinner Show des 26. August 1969 mitgeschnitten.

 

Fazit & Bewertung

Man könnte bei Elvis In Person At The International Hotel Las Vegas, Nevada  auch von einem Update der LP Elvis  (1968) sprechen. Einmal mehr legte Elvis eine rockige Retrospektive vor, diesmal allerdings eingespielt in Las Vegas und mit größerer Besetzung.