Elvis (Soundtrack)

Am 22. November 1968 bringt RCA Victor den Soundtrack zur TV-Show SINGER presents Elvis  auf den Markt.

Mit einem Absatz von 500.000 Stück wird der Tonträger ab dem 21. Dezember 32 Wochen lang in der Top LPs Chart notiert, wo er schlussendlich den achten Platz erreicht.

Schon 1969 erhält der King von der RIAA eine Goldene Schallplatte, 1999 erfolgt posthum ein Update auf Platin.

Außerhalb der USA ist die Nachfrage ebenfalls groß, insgesamt gehen drei Millionen Kopien über die Ladentheken.

Für das Album-Cover nutzte RCA Victor ein Szenenfoto aus dem TV-Special. Allerdings war den Verantwortlichen der Schallplatten-Firma entgangen, dass es bereits 1956 eine LP namens Elvis  gegeben hatte.

Die Studio-Aufnahmen fanden zwischen dem 20. und 24. Juni 1968 bei Western Recorders in Burbank, Kalifornien statt. Produziert wurden die Sessions von Steve Binder, für die Tontechnik zeichnete Bones Howe verantwortlich. Elvis' Band bestand aus Tommy Tedesco (Gitarre), Michael Deasy (Gitarre), Al Casey (Gitarre), Larry Knechtal (Bass und Keyboard), Charles Berghofer (Bass), Don Randi (Klavier), Hal Blaine (Schlagzeug), John Cyr (Perkussion), Elliot Franks (Perkussion), Frank DeVito (Bongos), Tommy Morgan (Harmonika), Bob Alberti (Keyboard) und Tommy Wolfe (Keyboard).

Für den Hintergrundgesang sorgten The Blossoms (Darlene Love, Jean King und Fanita James) sowie Julie Rinker, B.J. Baker, Frank Howren, Bill Lee, Gene Merlino, Thurl Ravenscroft, Bill Brown, Joe Eich, Elaine Back, Dean Parker, Jack Gruberman, Sally Stevens, Jackie Ward, Ronald Hicklin, Tom Bahler und Mitch Gordon. Das Orchester wurde von William Goldenberg geleitet.

Die Live-Segmente waren in zwei Kategorien unterteilt. Am 27. Juni 1968 wurden im NBC Studio in Burbank, Kalifornien zwei informelle Shows mitgeschnitten, bei denen der King mit seinen Mitstreitern aus den Anfangstagen zusammensaß und scheinbar spontan musizierte. Hier sangen und spielten Elvis Presley (Gitarre), Scotty Moore (Gitarre), D.J. Fontana (Perkussion), Charlie Hodge (Gitarre), Alan Fortas (Gitarre) und Lance Legault (Tamburin).

Am selben Ort fanden am 29. Juni 1968 zwei weitere Live-Sessions statt. Diesmal stand Elvis allein auf der Bühne, während im Publikumsbereich die Band, die Hintergrundsänger und ein Orchester platziert wurde. Hier spielten Tommy Tedesco (Gitarre), Michael Deasy (Gitarre), Al Casey (Gitarre), Larry Knechtal (Bass und Keyboard), Charles Berghofer (Bass), Don Randi (Klavier), Hal Blaine (Schlagzeug), John Cyr (Perkussion), Elliot Franks (Perkussion), Frank DeVito (Bongos) und Tommy Morgan (Harmonika). Das Orchester wurde von Billy Goldenberg dirigiert, für den Hintergrundgesang sorgten The Blossoms (Darlene Love, Jean King und Fanita James).

Die Nachbearbeitungen wurden am 30. Juni 1968 im NBC Studio in Burbank, Kalifornien vorgenommen. Auch hier oblag die Regie Steve Binder (Produzent) und Bones Howe (Tontechnik).

 

Trouble / Guitar Man

Schon die ersten Töne machen deutlich, dass Elvis anders ist, als alle LPs zuvor. Die Stimme des Kings klingt rau, erdig und ungeschliffen - so hatte man den Sänger noch nie gehört. Auch die Idee, den Klassiker Trouble  (1958) mit einer aktuellen Single (Guitar Man  wurde Anfang 1968 aus dem Clambake-Soundtrack ausgekoppelt) zu einem Medley zu verbinden, halte ich für großartig. Die Nummer schlägt einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart und zeigt dem Publikum, dass Elvis allen Schlagerfilmen zum Trotz noch immer der Rock'n'Roll-König ist.

Aufgenommen wurde das Medley am 22. Juni 1968 innerhalb von 32 Takes. Der Master ist ein Zusammenschnitt aus den Durchläufen 21 (Trouble) sowie 32 und 19 (Guitar Man).

 

Lawdy Miss Clawdy

Mit dem zweiten Track geht die LP zu den Live-Mitschnitten über. Lawdy Miss Clawdy  stammt aus der informellen Show vom 27. Juni 1968 (20:00 Uhr) und klingt ebenfalls deutlich roher als die zwölf Jahre alte Studioaufnahme. Elvis strotzt nur so vor Energie und auch die spärliche, aber kraftvolle Begleitung trägt zur Atmosphäre dieser großartigen Performance bei.

 

Baby What You Want Me To Do

Das Original stammt aus der Feder von Jimmy Reed, der den Blues-Song 1959 auch als erster veröffentlichte. Die hier zu hörende Aufnahme entstand während der ersten informellen Show vom 27. Juni 1968, die um 18:00 Uhr aufgezeichnet wurde.

Einmal mehr ist der King voll in seinem Element und man mag es kaum glauben, dass derselbe Sänger seinem Publikum noch wenige Monate zuvor Lieder wie Old Mac Donald  oder Confidence  zugemutet hat.

 

Heartbreak Hotel / Hound Dog / All Shook Up

Die restlichen Aufnahmen der ersten LP-Seite stammen von den so genannten Arena-Shows, bei denen sich Elvis allein auf der Bühne befand.

Auch hier klingen die Songs deutlich rauer als die Originale aus den 1950ern. Diesmal versuchte man jedoch durch den Einsatz eines Orchesters ein paar moderne Elemente einfließen zu lassen.

Aufgenommen wurde das Medley während der 18:00 Uhr-Show am 29. Juni 1968.

 

Can't Help Falling In Love

Aus derselben Vorstellung stammt auch die Performance des Mega-Hits aus dem Spielfilm Blue Hawaii  (1961).

Das Orchester-Arrangement von William Goldenberg verleiht dem Song einen aktuellen Touch und auch der Gesang des Kings kann sich hören lassen. An die großartige Studioaufnahme kommt das 1968er Update jedoch nicht heran.

 

Jailhouse Rock

Einmal mehr lässt es der King so richtig schön krachen und wie die Reaktionen der weiblichen Fans beweisen, kommt die Rock'n'Roll - Nummer noch immer gut an.

 

Love Me Tender

Durch den Einsatz des Orchesters unterscheidet sich die Live-Aufnahme fundamental von der Studio-Fassung aus dem Jahr 1956.

Zwar gehört Love Me Tender  nicht zu meinen Favoriten, nach meinem Empfinden stellt die Neuaufnahme jedoch eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Original dar.

 

Gospel Medley

Nach Rock, Pop, Balladen und R&B durfte natürlich auch die Gospel-Musik in dieser Retrospektive nicht fehlen. Und so eröffnet die B-Seite mit einem Medley aus Where Could I Go But To The Lord, Up Above My Head  und Saved.

Den ersten Titel kannten die Fans bereits von dem Album How Great Thou Art  (1967), die beiden anderen Songs stammen von The Southern Sons (1941) und LaVern Baker (1960). Elvis ist hörbar in seinem Element und lebt die Lieder mehr, als dass er sie nur singt. Die unterschwellige Ironie der Leiber/Stoller-Komposition Saved  lässt er dabei völlig unter den Tisch fallen und bringt die Nummer - wie seinerzeit Love Me - todernst rüber.

Das Medley wurde nicht an einem Stück aufgenommen. Where Could I Go But To The Lord  entstand am 21. Juni 1968 innerhalb von sieben Takes.

Am selben Tag spielte Elvis auch elf Durchgänge von Up Above My Head  ein, war aber mit keinem Versuch zufrieden. So folgten am nächsten Tag zwei weitere Takes sowie sechs Durchläufe von Saved.

Den Master schnitt man schließlich wie folgt zusammen: Where Could I Go But To The Lord  (Take 7), Up Above My Head  (Take 13), Saved  (Take 5 und 6).

 

Blue Christmas

Hier handelt es sich wohl um das populärste Festtagslied des Kings. Aufgezeichnet wurde es während der informellen Show am 27. Juni 1968 (20:00 Uhr).

Für die Schallplatte wurde Elvis' Darbietung gekürzt und auch die Aussage, es handele sich um seinen Favoriten unter den von ihm eingespielten Festtagsliedern wurde nachträglich hinzugefügt. Eigentlich bezog sich der Satz nämlich auf das ebenfalls während dieser Show gesungene Santa Claus Is Back In Town.

 

One Night

Auch One Night  entstand am 27. Juni 1968, allerdings während der 18:00 Uhr-Vorstellung.

Durch seine raue Stimme und die spärliche, aber kraftvolle Begleitung klingt der Song richtig schön erdig. Unterstützt wird der Effekt dadurch, dass Elvis ein paar Zeilen der Originalfassung One Night Of Sin  einfließen lässt.

 

Memories

Eines der wenigen neuen Lieder dieser LP ist die von Billy Strange und Mac Davis geschriebene Ballade Memories. In dem Lied erinnert sich der Sänger seiner verflossenen Liebe und klingt dabei fast ein wenig poetisch.

Der Rhythm Track entstand am 23. Juni 1968 innerhalb von vier Takes, Elvis' Stimme wurde am folgenden Tag hinzugefügt. Offenbar fiel dem King Memories  nicht sonderlich schwer, schon beim zweiten Versuch hatte er die Nummer im Kasten.

Im März 1969 veröffentlichte RCA Victor den Song auch auf einer Single, die in den Hot 100 allerdings nur den 35. Platz erreichte. Das hielt Elvis jedoch nicht davon ab, den Titel ein halbes Jahr später in sein Bühnenprogramm aufzunehmen und während des Comeback-Gastspiels in Las Vegas zu präsentieren.

 

Road Medley

Hier soll nun der Aufstieg eines jungen Sängers musikalisch dargestellt werden.

Die Nummer beginnt mit Nothingville, einem weiteren Song aus der Feder von Billy Strange und Mac Davis. Wie es der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um ein verschlafenes Kaff irgendwo in Amerika, aus dem der junge Künstler raus muss, wenn aus ihm etwas werden soll.

In Big Boss Man  legt sich der Protagonist mit seinem Chef an, fliegt raus und beginnt mit Guitar Man  seine Odyssee als Musiker. In einem kleinen Club findet er schließlich Arbeit und singt Little Egypt.

Der weitere Aufstieg wird mit Trouble symbolisiert, schlussendlich findet sich Elvis wieder in der Manege seiner TV-Show und bringt die musikalische Reise mit einer weiteren Strophe von Guitar Man  zu Ende. Darin stellt er fest, dass er zwar oben angekommen, aber noch lange nicht am Ziel ist und macht sich erneut auf den Weg.

Insgesamt ist dieses Medley sehr gut gemacht, Elvis' Vortrag von Little Egypt  gefällt mir sogar deutlich besser als die Version auf dem Roustabout-Soundtrack (1964).

Wie das Gospel Medley, so wurde auch dieses Road Medley  in Einzelteilen aufgenommen und erst später zusammengefügt. Nothingville  entstand am 20. Juni 1968, Take 10 wurde zum Master-Take. Am selben Tag entstand auch Big Boss Man, hier entschied sich Elvis für den dritten Versuch. Die restlichen Fragmente nahm er am 21. Juni 1968 auf.

 Für Guitar Man benötigte er sieben Anläufe, bei Little Egypt  waren es zehn. Die Abschluss-Sequenz aus Trouble  und Guitar Man  war nach drei Takes im Kasten.

 

If I Can Dream

Die LP endet mit dem von W. Earl Brown verfassten Traum von einer besseren Welt.

Offenbar traf der King damit endlich wieder den aktuellen Zeitgeschmack, denn die im November 1968 veröffentlichte Single If I Can Dream / Edge Of Reality  erreichte in den Hot 100 den zwölften Platz und stellte damit Elvis' erfolgreichste 45er seit drei Jahren dar.

Aufgenommen wurde der Song am 23. Juni 1968 innerhalb von fünf Takes. Später fand sich If I Can Dream  auch auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und dem Album A Legendary Performer - Volume 2  (1976).

Gesanglich orientierte sich der King übrigens an Tony Bruno, den er in den Monaten zuvor in Las Vegas gesehen hatte.

 

Fazit & Bewertung

Mit dieser krachenden Retrospektive meldete sich Elvis eindrucksvoll als Rocker zurück. Gleichzeitig machte er klar, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehörte und auch aktuelle, sogar politische Songs großartig vorzutragen verstand.