Speedway (Soundtrack)

Im Mai 1968 bringt RCA Victor den Soundtrack zu Speedway, dem neusten Presley-Musical, auf den Markt.

Ab dem 6. Juli notiert Billboard den Tonträger in der Top LPs Chart, wo er im Zuge seines 13wöchigen Aufenthalts den 82. Platz erreicht.

Der weltweite Absatz beträgt etwa eine Million Kopien. Damit stellte Speedway  seinerzeit das am schlechtesten verkaufte Album des Kings dar.

Das Cover zeigt Szenen aus dem Film, als besondere Werbemaßnahme wird in roten Lettern der von Nancy Sinatra gesungene Titel Your Groovy Self  angepriesen. Zudem weist ein Aufkleber auf das Bonus Foto hin.

Hierbei handelt es sich um ein sechs Jahre altes Promo-Bild für den Film Girls! Girls! Girls!, das Elvis aus der Sicht des Jahres 1968 vollkommen altbacken und wie aus der Zeit gefallen wirken lässt.

Die Aufnahmen entstanden am 20. und 21. Juni 1967 auf der MGM Soundstage in Hollywood, Kalifornien. Produziert wurden die Sessions von Jeffrey Alexander, die Tontechniker hießen Lyle Burbridge und Aaron Rochin. Elvis' Band bestand aus Chip Young (Gitarre), Hilmer J. Timbrell (Gitarre), Tommy Tedesco (Gitarre, nur am 21. Juni), Murrey Harman (Schlagzeug), DJ Fontana (Schlagzeug), Larry Muhoberac (Klavier), Charlie Hodge (Klavier bei Suppose), Pete Drake (Steel Guitar), Homer Randolph (Saxophon) und Charlie McCoy (Trompete). Der Hintergrundgesang stammt von den Jordanaires (Gordon Stoker, Hoyt Hawkins, Neal Matthews und Ray Walker).

Durch die Nutzung der riesigen Tonbühne konnten die Aufnahmen qualitativ nicht mit den aktuellen Studio-Produktionen der Konkurrenz mithalten. Auch der inzwischen typische Soundtrack-Mix trug nicht zur Verbesserung bei.

Nancy Sinatra spielte Your Groovy Self  und ihren Part von There Ain't Nothing Like A Song  am 26. Juni 1967 bei United Recorders in Hollywood, Kalifornien ein. Die Produzenten hießen Jeffrey Alexander und Lee Hazelwood, Eddie Bracket betreute die Tontechnik, Billy Strange fungierte als Arrangeur und Gitarrist. Neben Strange spielten Donnie Lanier (Gitarre), Donald Owens (Gitarre), Al Casey (Gitarre), Chuck Berghofer (Bass), Don Randi (Klavier), Larry Knechtal (Klavier), Hal Blaine (Schlagzeug), Roy Caton (Trompete), Virgil Evans (Trompete), Oliver Mitchell (Trompete) und Dick Hyde (Posaune). 

Im Juni 2016 veröffentlicht das Sammler-Label Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe von Speedway. Neben den Songs der Original-LP sind hier auch einige Outtakes zu hören. Zudem gibt es das Album in der Stereo- und Mono-Version sowie ReMixe der Filmsongs.

 

Speedway

Das Album beginnt mit einem schnellen Popsong, der die Atmosphäre während eines Autorennens beschreibt. Das Lied passt gut zum Vorspann des Films, bleibt aber nicht wirklich im Gedächtnis.

Geschrieben wurde der Song von Melvin Jacob Glazer und Stephen David Schlaks, die Aufnahme entstand am 20. Juni 1967. Take vier wurde zum Master-Take.

 

There Ain't Nothing Like A Song

Die Nummer stammt aus der Feder von Joy Byers und Bob Johnston und wurde ebenfalls am 20. Juni 1967 aufgenommen. Nancy Sinatra spielte ihre wenigen Zeilen sechs Tage später ein, Elvis benötigte für seinen Part sechs Takes.

Im Film bildet die Nummer das große Finale, inhaltlich könnte man There Ain't Nothing Like A Song  unter dem Motto Mit Musik Wird Alles Gut  zusammenfassen. Mir persönlich gefällt diese etwas hektische Nummer allerdings nicht. 

 

Your Time Hasn't Come Yet, Baby

Ein kleines Mädchen bewundert Steve (Elvis) und möchte ihn deswegen gerne heiraten. Musikalisch erklärt er daraufhin seiner jungen Verehrerin, dass ihre Zeit für solche Vorhaben noch nicht gekommen sei. Der Text ist nett geschrieben und die Melodie geht sofort ins Ohr.

Auch bei RCA Victor erkannte man das Potenzial dieses Liedes und veröffentlichte es im Juni 1968 auf einer Single.

Die Komponisten heißen Joel Hirschhorn und Al Kasha, Elvis nahm den Song am 20. Juni 1967 innerhalb von sechs Takes auf. 

 

Who Are You (Who Am I)

Die Ballade würde ich als Lounge-Musik beschreiben - angenehm zu hören, aber nicht wirklich interessant. Dies ist übrigens die einzige Ballade des Kings, in der ein Saxophon-Solo zu hören ist.

Auch dieser Titel wurde am 20. Juni 1967 eingespielt und auch hier benötigte Elvis sechs Takes. Geschrieben wurde der Song von Sid Wayne und Ben Weisman. 

 

He's Your Uncle, Not Your Dad

Aufgrund der haarsträubenden Steuererklärungen müssen Steve (Elvis) und sein Manager Kenny (Bill Bixby) beim Finanzamt vorsprechen und vertreiben sich die Wartezeit mit einem Lied. Die Szene ist relativ aufwändig choreographiert und witzig gemacht. Das Lied selbst gefällt mir ebenfalls gut. Der Text ist ein ironischer Lobgesang auf die Steuermoral und passt ganz hervorragend zur amerikanisch-patriotischen Melodie.

Auch diese Nummer stammt von Sid Wayne und Ben Weisman, Elvis nahm sie am 21. Juni 1967 binnen sieben Takes auf.  

 

Let Yourself Go

Ungewöhnlich offenherzig fordert Elvis seine Partnerin auf, sich einfach gehen zu lassen und sich ihm hinzugeben. Auch das musikalische Niveau liegt weit über dem der üblichen Movie Tunes. Ohne Frage gehört Let Yourself Go  zu den wenigen Filmschlagern, die auch auf einem regulären Album nicht negativ aufgefallen wären.

Das Management von RCA Victor sah das wohl ähnlich und veröffentlichte den Song auf der B-Seite von Your Time Hasn't Come Yet, Baby. Obwohl die 45er ganz offensichtlich den Geschmack des Massenpublikums verfehlte und über den 71. Platz der Hot 100 nicht hinauskam, schien der King den Song zu mögen und baute ihn später auch in seine TV-Show SINGER presents Elvis  (1968) ein. 

 

Your Groovy Self

Vermutlich aufgrund der beständig sinkenden Absatzzahlen der Presley-Soundtracks nahm man nicht nur eine Solo-Nummer des Co-Stars Nancy Sinatra mit auf die LP, sondern pries den Song sogar in auffällig roten Lettern auf dem Cover an.

Wirklich hitverdächtig ist die von Sinatras Stammkomponisten und Gesangspartner Lee Hazlewood erdachte Nummer kaum, trotzdem übertrifft sie so manchen Filmschlager, den Elvis in dieser Zeit sang.

 

Five Sleepy Heads (Bonus Song)

Die Ballade basiert auf dem Wiegenlied  von Brahms, Sid Tepper und Roy C. Bennet schrieben einen neuen Text dazu. In der entsprechenden Szene bringt Steve (Elvis) fünf kleine Kinder ins Bett und singt ihnen dabei dieses Schlaflied vor.

MGM entschied sich schlussendlich jedoch dazu, diese Einstellung nicht zu verwenden und so wies RCA Victor Five Sleepy Heads  einfach als Bonus-Song aus. Aufgenommen wurde der Titel übrigens am 20. Juni 1967 innerhalb von 3 Takes.  

 

Western Union (Bonus Song)

Bereits am 27. Mai 1963 hatte Elvis im RCA Studio B in Nashville, Tennessee Western Union eingespielt. Vier Takes benötigte er, um die Nummer von Sid Tepper und Roy C. Bennett zu seiner Zufriedenheit aufzunehmen.

Das Lied klingt ein wenig wie der kleine Bruder von Return To Sender  und auch inhaltlich gibt es einige Parallelen. Erneut hatte der Sänger mit seiner Liebsten Streit und möchte sich schriftlich entschuldigen - nur dass der Versand diesmal über Western Union  erfolgt. Insgesamt halte ich das Lied für gelungen. 

 

Mine (Bonus Song)

Die Ballade entstand am 10. September 1967 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Für den Master nutzte man die Musik des 21. Takes und eine später neu eingespielte Gesangsaufnahme des Kings.

Kurioserweise handelt es sich bei diesem Song eigentlich um einen Filmschlager, der bereits 1965 von Sid Tepper und Roy C. Bennett für den Streifen Paradise, Hawaiian Style  geschrieben worden war. Ohne Frage hätte diese sehr hörenswerte Nummer das Highlight des Soundtrack-Albums dargestellt.

 

Goin' Home (Bonus Song)

Auch Goin' Home  war ursprünglich für einen Film vorgesehen gewesen. Elvis nahm den Song am 15. Januar 1968 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee für Stay Away, Joe  auf und benötigte dafür satte 30 Takes.

Wie das vorangegangene Mine  wäre auch Goin' Home  eine gute Wahl für ein reguläres Studio-Album gewesen. Elvis selbst mochte das Lied übrigens nicht.

 

Suppose (Bonus Song)

Die LP endet mit dieser wunderbaren Ballade aus der Feder von Silvia Dee und George Goehring. Zunächst hatte Elvis das Lied zuhause aufgenommen und Felton Jarvis zur nachträglichen Bearbeitung übergeben.

Die hier zu hörende Fassung entstand allerdings am 20. Juni 1967 auf der MGM Soundstage in Hollywood, Kalifornien. Sieben Takes benötigte der King, um das Liebeslied perfekt einzuspielen.

 

Fazit & Bewertung

Ich würde die Songs und deren Darbietung als soliden Durchschnitt bezeichnen. Die Highlights sind fraglos die Bonus Songs.