Clambake (Soundtrack)

Am 23. Oktober 1967 veröffentlicht RCA Victor den Soundtrack zum Spielfilm Clambake. Beginnend mit dem 2. Dezember notiert Billboard die Scheibe 14 Wochen lang in der Top LPs Chart, wo sie den 40. Platz erreicht.

Zunächst gehen etwa 200.000 Kopien über die Ladentheken, der weltweite Gesamtabsatz liegt bei 2 Millionen.

Bei dem Bild auf dem Frontcover handelt es sich um ein Promo-Foto für den zugehörigen Film, die Aufnahmen auf der Rückseite entstanden jedoch in Verbindung mit dem Streifen Paradise, Hawaiian Style.

Um die Attraktivität der Veröffentlichung zu steigern enthielt die Erstpressung ein Bonus-Foto, das den King im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten mit seiner Priscilla zeigt.

Die Aufnahmen im RCA Studio B in Nashville, Tennessee begannen am 21. Februar 1967, doch schnell wurde klar, dass Elvis den Filmschlagern keinerlei Interesse entgegenbrachte. Und so blieb er am folgenden Tag den Sessions fern und ließ die Band Playbacks einspielen, zu denen er am 23. Februar sang. Zu den Musikern gehörten Scotty Moore (Gitarre), D.J. Fontana (Schlagzeug), Chip Young (Gitarre), Charlie McCoy (Gitarre und Harmonika), Bob Moore (Bass), Murrey Harman (Schlagzeug), Floyd Cramer (Klavier), Hoyt Hawkins (Klavier), Pete Drake (Steel Guitar) und Norman Ray (Saxophon).

Für den Hintergrundgesang sorgten die Jordanaires (Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins, Ray Walker) und Millie Kirkham. Produziert wurden die Sessions von Jeffrey Alexander und Felton Jarvis, die Tontechnik betreute James Malloy.

Weil der Film nicht genügend Songs für ein Album enthielt, fanden am 10. und 11. September weitere Sessions im RCA Studio B statt. Unter der Regie von Felton Jarvis (Produzent) und James Malloy (Toningenieur) spielten Scotty Moore (Gitarre), D.J. Fontana (Schlagzeug), Jerry "Reed" Hubbard (Gitarre), Harold Bradley (Gitarre), Chip Young (Gitarre), Bob Moore (Bass), Murrey Harman (Schlagzeug), Floyd Cramer (Klavier) Hoyt Hawkins (Orgel), Charlie McCoy (Orgel, Gitarre und Harmonika), Homer Randolph (Saxophon) und Pete Drake (Steel Guitar). Den Hintergrundgesang lieferten einmal mehr die Jordanaires und Millie Kirkham.

Beim Anhören der LP fällt auf, dass die Studio-Einspielungen deutlich besser klingen als die Filmschlager - und das, obwohl sie im selben Studio mit mehr oder weniger demselben Personal eingespielt wurden. 

Im Jahr 2006 brachte das Sammler-Label Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe der Clambake-LP auf den Markt. Neben den Tracks des Albums sind hier auch Bonus Songs und Outtakes enthalten.

Guitar Man (Bonus Song)

Kurioserweise beginnt der Soundtrack mit einem Lied, das mit dem Film überhaupt nichts zu tun hat.

Die Aufnahme stammt vom 10. September 1967. Elvis spielte zwölf Durchgänge dieser Komposition von Jerry Reed ein. Letzter fügte dem Master-Take am selben Tag sein prägnantes Gitarrenspiel hinzu.

Der Interpret schildert hier seinen Werdegang als Musiker und man kann dem King die Begeisterung für den Song förmlich anhören.

Im Januar 1968 veröffentlichte RCA Victor Guitar Man auch auf einer Single, vier Jahre später fand sich die Aufnahme ebenfalls auf dem CAMDEN-Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1. Für sein TV-Special SINGER presents Elvis spielte der King eine weitere Fassung ein, die auf der LP Elvis (1968) zu hören ist.

 

Clambake

Nun folgt das Titellied des Spielfilms. Obwohl die Aufnahme im gleichen Tonstudio mit mehr oder weniger demselben Personal entstand, ist die Tonqualität merklich schlechter. Alles klingt ein wenig dumpf und auch Elvis selbst wirkt lange nicht so motiviert wie beim ersten Song des Albums.

Clambake basiert auf dem Titel Shortnin' Bread aus den 1920ern und wurde von Ben Weisman und Sid Wayne entsprechend angepasst.

Die Musikspur entstand am 22. Februar 1967, Elvis versuchte sich am folgenden Tag 12 Mal an dem Song. Schlussendlich erklärte er den 10. Durchgang zum Master-Take.  

 

Who Needs Money

Im Film tauschen der reichte Scott (Elvis) und der arme Tom (Will Hutchins) die Identität und geben singend ihre Einstellung zum Thema Geld zum Besten.

Der Schauspieler Will Hutchins wird hier von Ray Walker, dem Bass-Sänger der Jordanaires, vertreten. Um glaubwürdiger zu klingen sang Walker absichtlich ein wenig schief.

Der Music Track entstand am 22. Februar 1967, die Vocal Tracks (Elvis und Ray nahmen ihre Parts separat auf) folgten einen Tag später. Am 6. März 1967 entstanden im Annex Studio (ehemals Radio Recorders) in Hollywood, Kalifornien noch Vocal Repairs und Insert-Takes. Die genaue Zusammensetzung des Masters ist mir nicht bekannt.

Geschrieben wurde Who Needs Money von Randy Starr.  

 

A House That Has Everything

Nach zwei eher mäßigen Filmschlagern steigert sich das Niveau nun erheblich. Der softe Bossa Nova aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett ist durchaus ansprechend und wird von Elvis ordentlich gesungen.

Inhaltlich könnte man die Nummer unter dem Motto "Geld allein macht nicht glücklich" zusammenfassen, denn die im Text beschriebene Dame sitzt einsam in ihrem palastartigen Anwesen und verbringt den Tag damit, ihre Reichtümer zu zählen.

Elvis nahm A House That Has Everything am 21. Februar 1967 auf und benötigte dafür acht Versuche. 

 

Confidence

Auf einem Spielplatz entdeckt Scott (Elvis) ein Mädchen, das mutlos auf einer Rutsche sitzt. Ganz klar, sie braucht ein wenig Vertrauen - Confidence. Ob sie später wirklich aufgrund ihres gestärkten Selbstbewusstseins die Rutsche benutzt oder einfach nur die Flucht ergreift, sei in Anbetracht des Gebotenen einmal dahingestellt.

Elvis singt extrem lustlos, der von Erwachsenen imitierte Kinderchor wirkt peinlich und die Melodie des angeblich von Sid Tepper und Roy C. Bennet verfassten Liedes klingt verdächtig nach dem Sinatra-Klassiker High Hopes.

Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb CAMDEN es fünf Jahre später auf dem Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1 noch einmal herausbrachte.

Der Rhythm Track entstand am 22. Februar 1967, den Gesangspart nahm Elvis einen Tag später auf. Am 6. März folgte im Annex Studio ein Vocal Repair, am 19. September imitierten June Page, Priscilla Hubbard, Dolores Edgin und Millie Kirkham die Kinderstimmen des Chors.   

 

Hey Hey Hey

Deutlich rhythmischer, deshalb aber keineswegs besser geht es weiter mit Hey, Hey, Hey. Hier besingt Elvis doch tatsächlich den zur Härtung des Speed-Bootes genutzten Lack!

Geschrieben wurde der Song von Joy Byers, die Aufnahme erfolgte am 22. und 23. Februar 1967. Elvis benötigte für seinen Part 13 Takes, weil er immer wieder über das Wort Blako-oxy-tonic-phosphate (der Name des Lackes) stolperte.  

 

You Don't Know Me

Die Ballade stammt aus der Feder von Cindy Walker und Eddy Arnold, der den Song 1955 auch als erster herausbrachte.

Am 21. Februar 1967 nahm Elvis zwanzig Takes von You Don't Know Me  auf, schlussendlich fand diese Fassung jedoch nur im Film Verwendung.

Für die Schallplatten-Veröffentlichung spielte er am 11. September zwei weitere Takes ein, den Master schnitt man aus dem ersten Versuch und den letzten Takten des zweiten Durchgangs zusammen.

Der Song wird von Elvis tadellos vorgetragen, wie oben bereits erwähnt, veröffentlichte RCA Victor ihn auf der B-Seite der Single Big Boss Man. 1972 war das Lied außerdem auf dem CAMDEN-Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1 zu finden.

 

The Girl I Never Loved

Der eigentliche Soundtrack endet mit The Girl I Never Loved, einer Ballade von Randy Starr.

Elvis nahm am 21. Februar 1967 elf Takes davon auf, schlussendlich erklärte er den neunten Versuch zum Master.

Ich persönlich halte The Girl I Never Loved für einen der besten Filmschlager des Kings. Leider ging der Song durch die Veröffentlichung auf dem relativ erfolglosen Clambake-Album unter und wird auch heute noch von Fans und Kritikern zumeist übersehen.   

 

How Can You Loose What You Never Had (Bonus Song)

Die Nummer stammt aus der Feder von Sid Wayne und Ben Weisman und wurde ebenfalls für den Film geschrieben und aufgenommen. Weil United Artists den Titel schließlich doch nicht nutzte, wies RCA Victor ihn auf der LP einfach als Bonus-Song aus.

Auf dem Album zählt How Can You Loose What You Never Had zu den besten Liedern, so dass ich die Entscheidung des Filmstudios nicht nachvollziehen kann.

Auch Elvis wirkt hier deutlich engagierter als bei den meisten anderen Movie Tunes. 

 

Big Boss Man (Bonus Song)

Das Lied wurde von Al Smith und Luther Dixon geschrieben und im März 1960 von Jimmy Reed erstmals aufgenommen.

Elvis' Version entstand am 10. September 1967 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee innerhalb von 11 Takes.

In dem Blues-Song stellt der Sänger seinen Chef zur Rede, der ihn ausbeutet und rund um die Uhr arbeiten lässt. Mir gefällt die Interpretation des Kings sehr gut, er singt mit deutlich aggressivem Unterton und bringt seine Wut absolut glaubwürdig rüber.

Für seine TV Show SINGER presents Elvis (1968) spielte der Entertainer eine neue Fassung von Big Boss Man ein, zwischen 1974 und 1977 kam die Nummer auch während seiner Bühnenshows zum Einsatz.

Die Studio-Aufnahme fand sich 1972 ebenfalls auf der CAMDEN-LP Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

 

Singing Tree (Bonus Song)

In der Country-Ballade trauert der Interpret seiner verflossenen Liebe hinterher.

Elvis nahm den Song von A.L. Owens und A.C. Solberg am 10. September 1967 innerhalb von 13 Takes auf, war mit dem Endergebnis jedoch unzufrieden und spielte am folgenden Tag fünf weitere Takes ein. Den letzten Versuch erklärte er schließlich zum Master-Take, zu dem er kurze Zeit später auch den Harmonie-Gesang aufnahm.

Das Endergebnis klingt ein wenig kitschig, gefällt mir insgesamt aber gut.

 

Just Call Me Lonesome (Bonus Song)

Die LP endet mit einer weiteren Ballade im Country-Stil. Der Komponist dieser Nummer heißt Rex Martin, erstmals aufgenommen wurde das Lied 1953 von Eddie Arnold.

Elvis spielte am 10. September 1967 sechs Takes von Just Call Me Lonesome ein, am Ende hielt er jedoch den ersten Durchlauf für den besten und benannte ihn als Master.

Für mich gehört auch dieses Lied zu den Highlights des Albums.

 

Fazit & Bewertung

Die Qualität des Gebotenen schwankt erheblich - und zwar bezüglich der Kompositionen, der Darbietungen und der Tonqualität. Insgesamt ist das Album aber besser als sein Ruf.