How Great Thou Art

Mit How Great Thou Art  bringt RCA Victor im Februar 1967 das zweite Gospel-Album des Kings auf den Markt.

Ab dem 25. März notiert Billboard den Tonträger 18 Wochen lang in der Top LPs Chart, wo er den 18. Platz erreicht.

Zunächst verkauft sich How Great Thou Art  200.000 Mal, bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung erhält Elvis von der RIAA eine Goldene Schallplatte. Posthum erfolgen Updates auf Doppel-Platin (1992) und Dreifach-Platin (2010).

Der weltweite Absatz wird auf 5 Millionen Stück geschätzt.

Die Academy Of Recording Arts And Sciences nominiert die LP in den Kategorien Best Sacred Performance  und Best Engineered Recording  für einen Grammy. Zwar muss sich der Toningenieur James Malloy gegen Geoff E. Emerick (für Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band  von den Beatles) geschlagen geben, Elvis aber gewinnt und kann endlich seine erste Trophäe in Empfang nehmen.

Für das Album-Cover montierte man ein Promo-Foto zum Spielfilm It Happened At The World's Fair  (1963) vor ein Bild der First Church Of Christ in Sandwich, Massachusetts. Auf der Rückseite ist ein Promo-Foto für den Film Double Trouble zu sehen. Natürlich vergaß man nicht, auf den Hit Crying In The Chapel  hinzuweisen, der sich als zusätzlicher Kaufanreiz auf dem Tonträger befand.

Die Aufnahmen fanden zwischen dem 25. und 28. Mai 1966 unter der Regie von Felton Jarvis (Produzent), James Malloy und Al Pachucki (Tontechniker) im RCA Studio B in Nashville, Tennessee statt. Elvis' Band bestand aus Scotty Moore (Gitarre), D.J. Fontana (Schlagzeug), Chip Young (Gitarre), Bob Moore (Bass, 25.-27. Mai), Henry Strzelecki (Bass, 28. Mai), Charlie McCoy (Bass, Harmonika, Gitarre), Murrey Harman (Schlagzeug), Floyd Cramer (Klavier), Henry Slaughter (Klavier, Orgel, 25.-27. Mai), David Briggs (Klavier, Orgel, nur 26. Mai), Pete Drake (Steel Guitar), Rufus Long (Saxophon), Homer Randolph (Saxophon) und Ray Stevens (Trompete, nur 28. Mai).

Für den Hintergrundgesang sorgten die Jordanaires (Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins und Ray Walker), die Imperials (Jake Hess, Sherrill Nielsen, Gary McSpadden, Armond Morales und Henry Slaughter) sowie Millie Kirkham, June Page und Dolores Edgin.

Wie die Grammy-Nominierung zeigt, gab man sich diesmal auch mit der technischen Seite der Produktion große Mühe. Das Endergebnis klingt nicht nur um Längen besser als die typischen Soundtrack-Alben dieser Zeit, sondern braucht sich auch hinter aktuellen Aufnahmen nicht zu verstecken.

 

How Great Thou Art

Der Ursprung dieser Hymne liegt in dem 1886 von Carl Boberg geschriebenen schwedischen Lied O Store Gud. Im Jahr 1907 übersetzte Manfred von Glen den Song mit Wie Groß Bist Du, 1925 folgte eine erste englischsprachige Fassung mit dem Namen O Mighty God, When I Behold The Wonder. Acht Jahre später verfassten die Missionare Mr. und Mrs. Stuart Hine schließlich How Great Thou Art  und beriefen sich dabei auf die deutsche Übersetzung von Manfred von Glen. Diese endgültige Version wurde von unzähligen Sängern und Gospelgruppen aufgenommen, 1962 konnte Tennessee Ernie Ford damit sogar einen Pop-Hit landen.

Elvis spielte seine Fassung am 25. Mai 1966 ein und benötigte dafür vier Takes. Anno 1969 veröffentlichte RCA Victor die Aufnahme zusammen mit His Hand In Mine  auf einer Single, desweiteren ist der Titel auf der LP A Legendary Performer - Volume 2  (1976) zu hören. Konzertmitschnitte befinden sich auf den Alben Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977).

Für die Memphis-Aufnahme erhielt der King 1975 von der Academy Of Recording Arts And Sciences einen weiteren Grammy.

 

In The Garden

Im Jahr 1912 bat Adam Geibel den Autor Charles Austin Miles auf eine von ihm komponierte Musik einen "angenehmen" Text zu schreiben. Das Ergebnis hieß In The Garden  und wurde 1914 von Ada Jones und George Ballard aufgenommen. Elvis sang den Titel am 26. Mai 1966 ein, bereits der dritte Versuch wurde zum Master.

 

Somebody Bigger Than You And I

Der Titel wurde 1951 von den Ink Spots gesungen, die Komponisten heißen Johnny Lange, Walter Heath und Sonny Burke. Elvis nahm am 27. Mai 1966 zunächst 16 Takes auf, danach folgten sechs Workpart-Takes mit dem Ende des Songs. Den Master stellte man schließlich aus den Durchläufen 16 und 6 (Workpart) zusammen.

Ich mag Somebody Bigger Than You And I  sehr, insbesondere der schon fast feierlich anmutende Gesang des Kings gefällt mir ausnehmend gut.

 

Farther Along

Die Wurzeln dieses Liedes liegen vermutlich im 19. Jahrhundert, ein erstes Copyright wurde 1937 von W. B. Stevens eingetragen. Neben dem Stamps Quartet spielten es auch die Blackwood Brothers und die Harmonizing Four ein. In letzterer Version soll Farther Along  das Lieblingslied von Elvis' Mutter Gladys gewesen sein.

Bereits im Dezember 1956 stimmte Elvis den Song im SUN Studio während der so genannten Million Dollar Quartet-Session an, professionell nahm er es allerdings erst am 26. Mai 1966 auf. Insgesamt spielte Elvis drei Takes von Farther Along  ein, den Master stellte man aus dem letzten Durchlauf und einer Zeile des zweiten Versuches zusammen.

 

Stand By Me

Hier handelt es sich nicht etwa um den Hit von Ben E. King, sondern um einen Song aus dem Jahr 1905 von Charles Albert Tindley. Elvis spielte das Lied am 25. Mai 1966 ein, Take 11 wurde zum Master.

Mir gefällt dieser wunderbar getragene Titel sehr gut.

 

Without Him

Die erste Seite des Albums endet mit dieser wunderbaren Hymne von Mylon Lefefre. Elvis mochte die Gospelgruppe The Lefefres und besuchte unter anderem auch im Jahr 1960 einen ihrer Auftritte in Memphis. Am 27. Mai 1966 nahm er schließlich deren Song Without Him  auf und benötigte dafür 12 Versuche.

Das Ergebnis ist absolut perfekt und zählt zu den Höhepunkten dieses Albums.

 

So High

War die A-Seite eher von Hymnen und getragenen Songs bestimmt, so ändert sich nun das Tempo. So High  ist ein Traditional, das 1947 erstmals von den Sons Of The Pioneers aufgenommen wurde.

Elvis' Fassung stammt vom 26. Mai 1966, nach vier Takes hatte er die flotte Nummer im Kasten.

 

Where Could I Go But To The Lord

Der Titel wurde 1940 von James B. Coats geschrieben und im selben Jahr vom All American Quartet erstmals aufgenommen. Elvis' Version vom 27. Mai 1966 orientierte sich allerdings am Arrangement der Harmonizing Four. Take 2 wurde zum Master, wobei der erste Durchgang allerdings nur ein langer Fehlstart von etwa 30 Sekunden ist.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung des How Great Thou Art-Albums griff der King noch einmal auf Where Could I Go But To The Lord  zurück und spielte eine neue, kürzere Version für seine TV Show SINGER presents Elvis  ein.

Auch dieser Song gehört zu meinen absoluten Favoriten auf dieser LP.

 

By And By

Es handelt sich hier um ein Traditional aus dem 19. Jahrhundert, das 1905 von Charles Albert Tindley adaptiert wurde. Auch dieser Song gehört zu meinen persönlichen Highlights, da Elvis hier so richtig gut mitgeht und man ihm einfach anhört, wie sehr er Lieder dieser Art mochte.

Die Aufnahme stammt übrigens vom 26. Mai 1966, Take 10 wurde zum Master.

 

If The Lord Wasn't Walking By My Side

If The Lord Wasn't Walking By My Side  wurde von Henry Slaughter, der als Mitglied der Imperials auch an diesen Sessions teilnahm, geschrieben.

Elvis nahm die Uptempo-Nummer am 27. Mai 1966 auf und spielte sechs Takes davon ein. Am Ende entschied er sich für den fünften Versuch und erklärte ihn zum Master.

 

Run On

Unter den schnellen Liedern auf dieser LP stellt Run On  für mich das Highlight dar. Erstmals aufgenommen wurde dieses Traditional im Jahr 1946 vom Golden Gate Quartet, allerdings unter dem Titel God's Gonna Cut You Down.

Elvis spielte das Lied am 25. Mai 1966 ein, Take 7 wurde zum Master. Die Strophen werden als Sprechgesang dargeboten, was mir sehr gut gefällt. Ich denke, Run On  hätte sich auch auf einer Single gut gemacht.

 

Where No One Stands Alone

Es folgt eine weitere Hymne, diesmal komponiert von Mosie Lister. Erstmals aufgenommen wurde der Titel in seinem Entstehungsjahr 1955 vom Statesmen Quartet, dessen Mitglied Mosie war. Elvis nahm seine Fassung am 25. Mai 1966 auf, der Master wurde aus Take 4 und Take 7 (Workpart) zusammengeschnitten.

Das Lied ist wunderbar getragen und der Gesang des Kings hätte besser kaum sein können. Er nutzt seine Bariton-Stimme voll aus, ohne jedoch zu knödeln, wie er es später oftmals tun sollte.

Am 16. Februar 1977 sang Elvis Where No One Stands Alone  auch einmalig live. An die großartige Studio-Aufnahme kam er allerdings nicht mehr heran.

 

Crying In The Chapel (Bonus Song)

Als zusätzlichen Kaufanreiz enthält das Album Elvis' Top3-Hit aus dem Jahr 1965. Ursprünglich war der Song am 30. Oktober 1960 für die LP His Hand In Mine  eingespielt worden, da es aber Probleme mit dem Copyright gab, landete die Aufnahme zunächst im Archiv.

Nachdem die rechtlichen Unsicherheiten geklärt worden waren, brachte RCA Victor Crying In The Chapel  schließlich zusammen mit I Believe In The Man In The Sky  auf einer Single heraus und landete damit den größten Verkaufserfolg seit drei Jahren.

Komponiert wurde der Song von Artie Glenn, erstmals aufgenommen wurde er 1953 von dessen Sohn Darrell.

 

Fazit & Bewertung

Verglichen mit seinem ersten Gospel-Album His Hand In Mine  (1960) klang seine Stimme nun voluminöser und auch die Arrangements hatten an Komplexität gewonnen. Ohne Frage gehört How Great Thou Art  zu den absoluten Highlights im Presley-Kanon.