Spinout (Soundtrack)

Im Oktober 1966 veröffentlicht RCA Victor den Soundtrack zum Film Spinout. Am 29. des Monats steigt das Album in die Top LPs Chart ein, wird 32 Wochen lang notiert und erreicht den 18. Platz.

Innerhalb der USA verkaufen sich zunächst etwa 300.000 Kopien, der weltweite Absatz beläuft sich auf 2,25 Millionen Stück.

Weil das Wort Spinout  außerhalb der USA nicht sonderlich gebräuchlich war, wurden Film und Album vielerorts unter dem Titel California Holiday  vertrieben.

Einmal mehr lag der LP als zusätzlicher Kaufanreiz ein spezielles Bonus Foto bei. Für das Cover durfte RCA Victor übrigens erstmals in diesem Jahr auf aktuelle Fotos zurückgreifen - der Sänger hatte einige Pfunde verloren und sah nun in den Augen seines Managers wieder vorzeigbar aus.

Die Aufnahmen fanden am 16. und 17. Februar 1966 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien statt. Produziert wurden die Sessions von George Stoll, die Tontechnik betreute Dave Weichman. Für die Musik sorgten Scotty Moore (Gitarre), D.J. Fontana (Schlagzeug), Tommy Tedesco (Gitarre), Hilmer J. Timbrell (Gitarre), Bob Moore (Bass), Murrey Harman (Schlagzeug), Floyd Cramer (Klavier und Orgel) und Homer Randolph (Saxophon).

Während des Titels Beach Shack  saß Charlie Hodge am Klavier. Für den Hintergrundgesang zeichneten wie üblich The Jordanaires (Gordon Stoker, Ray Walker, Hoyt Hawkins und Neal Matthews) verantwortlich.

Wie inzwischen üblich wurde Elvis Stimme auch hier stark in den Vordergrund gemischt und den Sängern und Instrumenten zu wenig Raum gegeben.

Im Jahr 2004 veröffentlicht das Sammler-Label FTD eine Classic Album-Ausgabe der LP. Neben den Songs des Original-Albums sind hier auch Outtakes zu hören.

 

Stop, Look And Listen

Die LP beginnt mit einer Uptempo-Nummer aus der Feder von Joy Byers. Nachdem Elvis das Lied für den Girl Happy-Soundtrack abgelehnt hatte, reichte man es zunächst an Rick Nelson (1964) und Bill Haley (1965) weiter.

Für Spinout  wurde dem King Stop, Look And Listen  erneut vorgeschlagen und diesmal spielte er den Song auch tatsächlich ein.

Am 16. Februar nahm er sieben Takes davon auf, den Master kombinierte man schließlich aus dem Schlagzeug-Intro des sechsten Versuchs und Take 7.Musikalisch erinnert Stop, Look And Listen  ein wenig an den guten, alten Rock'n'Roll, integriert aber gleichzeitig auch damals angesagte Instrumente, wie etwa eine Orgel oder eine vergleichsweise hart gespielte E-Gitarre.

Der Sänger gibt hier den Ratschlag seines Vaters weiter: Wenn Du eine schöne Frau siehst, dann halte inne, schau' genau hin und höre zu - sonst sitzt Du in der Tinte. Für einen Filmschlager ist der Song in Ordnung, auf eine reguläre Studio-LP des Kings hätte er es aber wohl kaum geschafft.

 

Adam And Evil

Erneut handelt es sich um einen flotten Popsong, der sicherlich nicht zu den schlechtesten Movie Tunes gehört, aber eben auch nicht zu den Highlights. Originell ist immerhin der Einsatz des orientalischen Blasinstruments, das zum Schlangenbeschwören genutzt wird.

Der Interpret stellt fest, dass die Frau die Wurzel allen Übels ist, doch er kann nicht anders und verliebt sich trotzdem.

Komponiert wurde Adam And Evil  von Fred Wise und Randy Starr, Elvis' Aufnahme erfolgte am 17. Februar 1966 innerhalb von 20 Takes.

 

All That I Am

Nach zwei schnelleren Titeln folgt nun eine Ballade. Als B-Seite der Single Spinout  erreichte der Titel den 41. Platz der Hot 100, in Großbritannien kam er sogar auf Rang 18.

Elvis nahm All That I Am am 17. Februar 1966 auf und benötigte dafür fünf Takes. Am 14. Juni wurden unter der Regie von George Stoll (Produzent) sowie Aaron Rochin und Lyle Burbridge (Tontechniker) auf der MGM Soundstage in Hollywood, Kalifornien noch weitere Instrumente ergänzt.

Die Autoren des Songs heißen übrigens Sid Tepper und Roy C. Bennett. Insgesamt schrieben sie mehr als 40 Lieder für Elvis. Ich würde All That I Am  als solides Easy Listening bezeichnen.

 

Never Say Yes

Auch Never Say Yes  stammt von einem Team, das dem King in den 1960ern zahlreiche Songs lieferte. Unter anderem zeichneten Doc Pomus und Mort Shuman für Klassiker wie A Mess Of Blues, Little Sister  und Viva Las Vegas  verantwortlich.

An die Qualität der vorgenannten Lieder reicht Never Say Yes  zwar nicht heran, der Eindruck wäre aber deutlich positiver, wenn man auf das "moderne" Arrangement verzichtet und den Track ebenso sorgfältig abgemischt hätte wie seinerzeit die Aufnahmen aus dem RCA Studio B.

Gemäß dem Interpreten liegt sein Erfolgsgeheimnis bei der Damenwelt darin, den Ladies stets die Bereitschaft zur Ehe zu suggerieren, aber niemals tatsächlich das Ja-Wort zu geben.

Eine Zeit lang galt Never Say Yes als Titelsong des Films, doch dann entschied man sich bei MGM anderweitig und nannte den Streifen Spinout.

Elvis nahm den Song am 17. Februar 1966 auf und benötigte dafür sechs Takes. Den Master schnitt man aus Take 6 und dem Ende von Take 5 zusammen.

 

Am I Ready

Anno 1910 führten Victor Herbert & His Orchestra erstmals die Operette When Sweet Sixteen  auf. In dem Bühnenstück gab es auch ein Lied namens To A Wild Rose, das von Herbert im selben Jahr auch auf einem Tonträger herausgebracht wurde.

Ein halbes Jahrhundert später bearbeiteten Sid Tepper und Roy C. Bennett den Song und machten Am I Ready  daraus.

Elvis spielte die Ballade am 16. Februar 1966 ein, der siebte Versuch wurde zum Master. Mir gefällt dieser zarte und auch sehr romantische Song ausnehmend gut, ohne Frage zählt er zu den Highlights der Spinout-LP.

1972 war Am I Ready  übrigens auch auf der CAMDEN-LP Burning Love And Hits From His Movies  zu hören.

 

Beach Shack

Im Film singt Mike (Elvis) diesen Song während einer Party. Geschrieben wurde er von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye, die Aufnahme erfolgte am 16. Februar 1966 innerhalb von vier Takes.

In dem etwas dümmlich wirkenden Lied möchte der Sänger eine Dame davon überzeugen, ihm in seine Strandhütte zu folgen und dort mit ihm - die besten Absichten vorausgesetzt - eine schöne Zeit zu verbringen.

Beach Shack  ist ein typischer Filmschlager, den Elvis wohl niemals für eine reguläre Studio-LP in Betracht gezogen hätte.

 

Spinout

Die zweite Seite des Spinout-Soundtracks beginnt mit dem Titelsong, den RCA Victor bereits im September 1966 zusammen mit All That I Am  auf einer Single veröffentlicht hatte.

Die Autoren Sid Wayne, Ben Weisman und Dolores Fuller vergleichen hier die Beziehung zu einer Frau mit einem Autorennen und raten dem Zuhörer zur Flucht.

Auch hier ist die Orgel, das absolute Mode-Instrument der damaligen Zeit, wieder prominent zu hören.

Beim Massenpublikum konnte der King mit Spinout  allerdings nicht punkten, in den Hot 100 stagnierte der Song auf Rang 40.

Aufgenommen wurde das Lied am 17. Februar 1966, Take 5 wurde zum Master.

 

Smorgasboard

Der Sänger vergleicht nun die Damenwelt mit einem riesigen Buffet, in Schweden Smorgasbord  genannt.

Insgesamt kann ich dem flotten Popsong von Sid Tepper und Roy C. Bennett durchaus etwas abgewinnen, das Lied verbreitet gute Laune und erfüllt damit seinen Zweck.

Aufgenommen wurde es am 16. Februar 1966 binnen sieben Takes.

 

I'll Be Back

Am Ende des Films greift Mike (Elvis) dem Klassiker The Terminator  um fast zwei Jahrzehnte vor und verspricht lässig I'll Be Back!

Geschrieben wurde der Song von Sid Wayne und Ben Weisman, Elvis nahm ihn am 17. Februar 1966 in einem einzigen Take auf.

Auch dieses Lied gefällt mir gut, unter den Movie Tunes gehört es sicherlich in die obere Kategorie.

 

Tomorrow Is A Long Time (Bonus Song)

Da neun Titel für eine LP definitiv nicht ausreichten, versah RCA Victor die Scheibe mit drei Bonus-Songs. Dabei bediente man sich bei den aktuellen Einspielungen aus dem RCA Studio B in Nashville, Tennessee vom Frühjahr und Sommer des Jahres.

Den Anfang macht dieser am 25. Mai 1966 aufgenommene Bob Dylan-Song. Erstmals veröffentlicht worden war der Titel drei Jahre zuvor von Ian & Silvia, inspiriert wurde Elvis aber zweifellos durch die Fassung von Odetta Holmes auf dem Album Odetta Sings Dylan.

Auf dieser LP stellt Tomorrow Is A Long Time  das absolute Highlight dar. Schade, dass RCA Victor nicht die Chance ergriff und den Titel auf einer Single veröffentlichte. Damit hätte man Elvis sicherlich ein wenig von seinem angestaubten Image befreien können.

Als man Bob Dylan Jahre später nach der besten Cover-Version seiner Songs fragte, nannte er übrigens diese hier.

 

Down In The Alley (Bonus Song)

Hier coverte Elvis einen Titel aus seiner Jugend, erstmals veröffentlicht von den Clovers im Jahr 1953. Geschrieben wurde das Lied von Jesse Stone, Elvis nahm es am 25. Mai 1966 innerhalb von neun Takes auf.

Recht eindeutig äußert der Sänger hier einer Dame gegenüber seine Absichten und man hört dem King förmlich an, wie viel Spaß er daran hat, von seinen inzwischen üblichen, freundlich-harmlosen Schlagertexten abweichen zu dürfen.

Überraschenderweise präsentierte er Down In The Alley  am Eröffnungsabend des Elvis Summer Festival 1974  im Las Vegas Hilton auch live auf der Bühne. Leider sollte es das einzige Mal sein, dass der Song während eines Konzertes zum Einsatz kam.

 

I'll Remember You (Bonus Song)

Die LP endet mit dieser Ballade aus der Feder des hawaiianischen Komponisten und Sängers Kuiokalani Lee. Erstmals veröffentlicht wurde der Song 1965 von Don Ho, später folgten dann auch Andy Williams und Lee selbst.

Der Rhythm Track für Elvis' Aufnahme entstand am 10. Juni 1966, der Vocal Track wurde zwei Tage später aufgenommen. Den Master schnitt man schließlich aus den Takes 1 und 3 zusammen.

Zwischen 1972 und 1976 tauchte I'll Remember You  auch immer mal wieder in den Konzerten des Kings auf. 1973 veröffentlichte RCA eine Live-Aufnahme auf dem Doppel-Album Aloha From Hawaii Via Satellite

 

Fazit & Bewertung

Offensichtlich sollte der inzwischen etwas altbacken wirkende Presley-Sound modernisiert werden. Man orientierte sich an der britischen Konkurrenz und bereicherte die Filmschlager mit Hammondorgel, hart gespielten E-Gitarren und Geigen. Auch Elvis selbst klingt vergleichsweise motiviert, die Tonqualität der Aufnahmen lässt jedoch erneut viele Wünsche offen.