Paradise, Hawaiian Style (Soundtrack)

Einen Monat vor dem Start des gleichnamigen Spielfilms bringt RCA Victor im Juni 1966 das Soundtrack-Album Paradise, Hawaiian Style  in die Läden.

Mit 225.000 verkauften Kopien steigt der Tonträger am 16. Juli in die Top LPs Chart ein, wo er im Zuge seines 19wöchigen Aufenthalts den 15. Platz erreicht.

In Großbritannien ist die Scheibe besonders populär, hier wird sie auf Rang 7 notiert und selbst die Neuauflage aus dem Jahr 1980 erreicht noch Rang 53.

Der weltweite Absatz liegt bei 2,5 Millionen Kopien.

Weil Elvis in den Augen seines Managers noch immer zu viele Pfunde mit sich herumtrug, wurde auch für das Cover dieser LP kein aktuelles Bild benutzt. Stattdessen griff man auf ein drei Jahre altes Promo-Foto zum Film Fun In Acapulco  zurück. Lediglich die deutlich kleineren Abbildungen auf der Rückseite entstanden im Zusammenhang mit dem aktuellen Streifen.

Die Tonaufnahmen fanden zwischen dem 26. Juli und 4. August 1965 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien statt. Einmal mehr übernahmen Joseph Lilley (Produzent) und Dave Weichman (Toningenieur) die Betreuung der Sessions.

Aufgrund einer Erkrankung des Kings nahmen die Musiker am 26. und 27. Juli zunächst die Rhythm Tracks auf. Hier spielten und sangen Scotty Moore (Gitarre), D.J. Fontana (Schlagzeug), Barney Kessel (Gitarre), Charlie McCoy (Gitarre), Ray Siegel (Bass), Hal Blaine (Schlagzeug), Milton Holland (Schlagzeug), Larry Muhoberac (Klavier), Bernie Lewis (Steel Guitar) und die Jordanaires (Gordon Stoker, Hoyt Hawkins, Neal Matthews und Ray Walker).

Zwischen dem 2. und 4. August sang Elvis zu den Playbacks. Außerdem wurde am 3. August das Lied Sand Castles  aufgenommen. Hier kamen Howard Roberts (Gitarre), Alton Hendrickson (Gitarre), Keith Mitchell (Bass) und Victor Feldmann (Schlagzeug) zum Einsatz.

Waren die Paramount-Soundtracks ihren Gegenstücken mit Songs der MGM-Produktionen bis dato klanglich überlegen gewesen, so passte man sich mit Paradise, Hawaiian Style  dem niedrigeren Niveau an.

Auch hier wurde Elvis' Stimme nun laut ausgesteuert und alle übrigen Elemente in den Hintergrund verbannt. Somit konnte diese LP ebenfalls nicht mit den Produktionen der Konkurrenz mithalten und klang vergleichsweise dumpf.

 

Paradise, Hawaiian Style

Zunächst sollte der Film Hawaii USA  heißen und so schrieben Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye auch ein Lied dieses Namens. Als Paramount den Streifen schließlich in Paradise, Hawaiian Style  umbenannte, passte auch das Autoren-Trio den Titel an - ohne freilich den Text zu ändern. Und so kommen die Worte Paradise, Hawaiian Style  in dem Lied gar nicht vor.

Inhaltlich werden hier die Vorzüge der Hawaii-Inseln beschrieben, musikalisch kann ich dem lahmen Song aber nichts abgewinnen. 1973 tauchte er übrigens auch im Vorspann des Aloha From Hawaii Via Satellite-Specials auf.

Das Playback entstand am 27. Juli 1965, Elvis' Gesang folgte am 4. August. Den Master stellte man aus den Takes 8 (Rhythm Track) sowie 3 und 4 (Vocal Track) zusammen.

 

Queenie Wahine's Papaya

Im Film singt Elvis den Zungenbrecher mit der damals neunjährigen Donna Butterworth, in der LP-Version ist aber nur er allein zu hören.

Auch dieser Titel stammt vom Trio Giant/Baum/Kaye und wurde am 27. Juli (Rhythm Track) und 4. August (Vocal Track) aufgenommen. Die Musiker benötigten für ihren Part drei Versuche, Elvis spielte zunächst sechs Takes ein und nahm dann zwei Insert-Takes mit dem Anfang des Liedes auf. Seine Tonspur schnitt man schlussendlich aus den Takes 2 (Insert) und 6 zusammen.

In der entsprechenden Filmszene wirkt das Liedchen ganz nett, auf einem Tonträger hätte ich mir diese ein wenig müde dargebotene Nummer jedoch erspart.

 

Scratch My Back

Auch dieses Lied wird im Film als Duett aufgeführt, diesmal mit Marianna Hill, die eine von Elvis' vielen Ex-Freundinnen spielt. Auf der Schallplatte wird die Nummer von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye aber zu einem reinen Presley-Song.

Inhaltlich könnte man diesen typischen Filmschlager mit dem Sprichwort Eine Hand wäscht die andere  zusammenfassen. Insgesamt halte ich Scratch My Back  für Durchschnittsware - nicht wirklich schlecht, aber auch nicht gut.

Den Master stellte man übrigens aus den Takes 4 (Rhythm Track, aufgenommen am 26. Juli 1965) und 2 (Vocal Track, aufgenommen am 3. August 1965) zusammen.

 

Drums Of The Island

Um Paradise, Hawaiian Style  auch musikalisch mit etwas Folklore anzureichern, bearbeiteten Sid Wayne und Roy C. Bennett die alte Volksweise Bula Lai  und machten daraus Drums Of The Island. Weil die Rechte am Original beim Polynesian Cultural Center lagen, wurde die Institution auch als Co-Autor angegeben.

Die Musik entstand am 26. Juli 1965, Elvis' Gesang folgte am 2. August. Die Band hatte ihren Part nach zwei Takes im Kasten, der King tat sich mit Drums Of The Island  etwas schwerer. Zunächst spielte er sechs Takes ein, danach nochmal drei Insert-Takes mit dem Ende des Songs. Seine Gesangsspur wurde schließlich aus dem sechsten Take und Insert-Take 3 zusammengeschnitten.

Im Film ist Drums Of The Island  der musikalische Höhepunkt, vor beeindruckender Naturkulisse mit hunderten von Statisten inszeniert. Und auch auf dem Album stellt dieser Song ein Highlight dar.

 

Datin'

Mit diesem Kinderlied erklärt Elvis im Film der kleinen Donna Butterworth das Balzverhalten der Erwachsenen. Für die Szene ist der Song in Ordnung, auf der LP immerhin noch lustig anzuhören.

Geschrieben wurde Datin'  von Fred Wise und Randy Starr, die Aufnahme erfolgte am 26. Juli 1965 (Rhythm Track) und 1. August 1965 (Vocal Track). Während die Musiker das simple Liedchen nach zwei Takes im Kasten hatten, musste Elvis ständig lachen und benötigte für seinen Part 14 Anläufe.

 

A Dog's Life

Die zweite Seite der LP beginnt mit einem typischen Filmschlager. Rick (Elvis) fliegt in einem Hubschrauber die Hunde einer reichen Lady herum und macht sich singend Gedanken darüber, wie schön doch so ein Hundeleben auch für ihn wäre.

Die Musik wurde am 27. Juli 1965 binnen fünf Takes aufgenommen, Elvis' Gesang folgte am 1. August innerhalb von 9 Takes. Die Autoren heißen Sid Wayne und Ben Weisman.

 

A House Of Sand

Auch diesen Song würde ich in die Kategorie der typischen Movie Tunes einordnen. Mit einer vergleichsweise hart gespielten Gitarre wollte man ein modernes Element in das Lied einbringen, doch vom Sound der angesagten Beat Bands war man trotzdem noch Lichtjahre entfernt.

Diese Giant/Baum/Kaye-Nummer entstand ebenfalls am 27. Juli und 1 August 1965, den Master kombinierte man aus den Takes 7 (Rhythm Track) und 1 (Vocal Track).

 

Stop Where You Are

Ein weiterer Filmschlager aus der Werkstatt von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye. Auf der Leinwand wird jedes Mal das Bild angehalten, wenn Rick (Elvis) das Wort stop  singt, was auf mich eher irritierend als amüsant wirkt. Das Lied selbst ist solide Durchschnittskost, ebenso wie Elvis' Vortrag.

Letzterer entstand am 3. August 1965, es mussten allerdings die Takes 3, 6 und 9 zusammengeschnitten werden, um ein akzeptables Ergebnis zu erhalten. Das Playback war bereits am 27. Juli innerhalb von neun Takes aufgenommen worden.

 

This Is My Heaven

Mit dieser Ballade hören wir ein letztes Werk des Trios Giant/Baum/Kaye und auch diesen Song wurde ich bestenfalls als durchschnittlich bezeichnen. Die Melodie plätschert vor sich hin und Elvis' bedächtiger Gesang lässt eher Langeweile als Romantik aufkommen.

Der Rhythm Track entstand am 27. Juli 1965, der King fügte seine Stimme am 2. August hinzu. Für den Master kombinierte man die Takes 5 (Rhythm Track), 6 und 8 (Vocal Track).

 

Sand Castles (Bonus Song)

Als Bonus-Song gibt es noch Sand Castles  zu hören, eine Ballade aus der Feder von Herb Goldberg und David Hess. Hier hatte Paramount es tatsächlich geschafft, das beste Lied aus dem Film herauszuschneiden.

Elvis nahm es am 2. August 1965 innerhalb von 10 Takes auf, der Hintergrundgesang wurde separat eingespielt und später hinzugefügt. Hier nutzte man Take 2 für den Master.

 

Fazit & Bewertung

Die Songs sind bestenfalls durchschnittlich, der Künstler hinterlässt über weite Strecken einen gelangweilten Eindruck und die Aufnahmen klingen vergleichsweise dumpf. Das Beste an Paradise, Hawaiian Style  ist das stimmungsvolle Album-Cover.