Frankie And Johnny (Budget Release)

Mit Frankie And Johnny  bringt PICKWICK im November 1976 eine Budget-Version des gleichnamigen Soundtrack-Albums auf den Markt.

Zunächst sorgt die Veröffentlichung für wenig Aufsehen, als Elvis jedoch im August 1977 verstirbt steigt die Nachfrage massiv an und treibt den Absatz allein innerhalb der USA auf über eine Million Kopien.  Die RIAA honoriert diesen Umstand mit einem Platin-Award.

Wie das Vorgänger-Label CAMDEN, so bestückt auch PICKWICK die Verpackung mit unpassenden Fotos aus den 1970ern. Das Bild auf der Vorderseite kennen die Fans bereits von der Vollpreis-LP Elvis Now  (1972), eine der Aufnahmen auf der Rückseite zierte vormals die Single Raised On Rock / For Ol' Times Sake  (1973).

Im Gegensatz zur Original-LP enthält die Neuauflage nur zehn Lieder. Cheasay, Look Out Broadway  und Everybody Come Aboard  fehlen.

 

Frankie And Johnny

Den Anfang des Soundtracks macht der Titelsong Frankie And Johnny. Das Traditional stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist auch unter dem Titel Frankie And Albert  bekannt. Es existieren viele verschiedene Versionen, denen aber gemein ist, dass Frankie ihren Liebhaber Johnny (oder eben wahlweise Albert) aus Eifersucht erschießt. In einigen Fassungen landet sie dafür im Gefängnis, in anderen wird sie exekutiert.

Die hier zu hörende Version wurde von Alex Gottlieb, Fred Karger und Ben Weisman bearbeitet und von Elvis am 14. Mai 1965 innerhalb von sechs Takes aufgenommen. Im Vorfeld der LP-Veröffentlichung brachte RCA das Lied auch auf einer Single heraus, die in der Hot 100 den 25. Platz erreichte. Unter den Movie Tunes zählt Frankie And Johnny  zu meinen Favoriten, da sich der Titel deutlich von den übrigen Filmschlagern dieser Zeit unterscheidet und von Elvis auch durchaus mit Elan vorgetragen wird.

1972 fand sich die Nummer auch auf dem CAMDEN-Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

 

Come Along

Das Lied stammt aus der Feder von David Hess und basiert auf dem Traditional Gonna Raise A Ruckus Tonight. Erstmals aufgenommen wurde es im Jahr 1923 vom Norfolk Jazz & Jubilee Quartet.

Am 12. Mai 1965 entstand der Rhythm Track zu Elvis' Version, der Gesang wurde einen Tag später aufgenommen. Den Master komponierte man schließlich aus dem sechsten Take der Musikaufnahme und Take 1 des Vocal Tracks.

Insgesamt bringt der Song das Südstaaten-Feeling des Films sehr gut rüber und geht direkt ins Ohr.

 

Petunia, The Gardener's Daughter

Im Film wird das Lied von Johnny und Frankie im Rahmen einer Revue vorgetragen und ist von Sid Tepper und Roy C. Bennett bewusst schlecht gemacht. Es soll halt eine echte Vaudeville-Nummer sein, mit einer schmissigen Melodie und schlechten Wortspielen a' la tulips /two lips  (Johnny preist also einmal die Tulpen der Lady, ein anderes Mal ihre Lippen). Im Gegensatz zu den meisten Fans und Kritikern macht mir der Song Spaß und ich höre ihn mir immer mal wieder gerne an.

Aufgenommen wurde er übrigens am 14. Mai 1965 innerhalb von 6 Takes. Den Part der Schauspielerin Donna Douglas (Frankie) übernahm die Sängerin Eileen Wilson.

 

What Every Woman Lives For

Die erste Ballade des Albums stammt aus der Feder von Doc Pomus und Mort Shuman. Gesellschaftlich nicht mehr ganz korrekt behauptet der Sänger hier, der Daseinszweck eine Frau läge primär darin, einem Mann ihre Liebe zu schenken. Davon abgesehen handelt es sich aber um einen guten Song, der anderen Filmballaden aus dieser Zeit sicherlich überlegen ist.

Der Music Track entstand am 13. Mai 1965, Elvis' Stimme wurde einen Tag später hinzugefügt. Den Master stellte man schließlich aus den Takes 6 (Instrumental) und 8 (Gesang) zusammen.

 

Beginner's Luck

Es folgt eine weitere Ballade, diesmal aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett. Prinzipiell finde ich das Lied in Ordnung, wenn es auch nicht an What Every Woman Lives For  heranreicht.

Der Rhythm Track entstand am 12. Mai 1965 innerhalb von fünf Takes. Elvis benötigte für den Gesangspart am folgenden Tag zwei Versuche.

 

Down By The Riverside / When The Saints Go Marchin' In

Als Autoren werden hier Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye genannt. Tatsächlich handelt es sich natürlich um zwei Traditionals, die von dem Komponisten-Team bearbeitet und zusammengefasst wurden.

Down By The Riverside  geht auf die Zeit des Bürgerkrieges zurück und wurde auch von den schwarzen Sklaven während der Arbeit gesungen. Es ist ebenfalls bekannt unter den Titeln Ain't Gonna Study War No More  und Gonna Lay Down My Burden. Die erste bekannte Aufnahme stammt von den Fisk Jubilee Singers aus dem Jahr 1920.

When The Saints Go Marchin' In  wurde als Beerdigungsmarsch in den Südstaaten der USA bekannt, tatsächlich gehen die Ursprünge jedoch auf ein belgisches Kirchenlied zurück.

Der Rhythm Track entstand am 12. Mai 1965, der Vocal Track folgte einen Tag später. Den Master setzte man schließlich aus den Takes 7 (Musik) und 4 (Gesang) zusammen.

CAMDEN veröffentlichte Down By The Riverside / When The Saints Go Marchin' In  1972 auf dem Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

 

Shout It Out

Erneut zeichnet das Trio Giant/Baum/Kaye verantwortlich, die Aufnahme entstand am 13. Mai 1965 innerhalb von 7 Takes. Auch wenn hier gemäß dem Thema des Films wieder Blechbläser im Dixiland-Stil zum Einsatz kommen, klingt der Titel wie ein typischer Filmschlager.

Für einen solchen ist die Uptempo-Nummer durchaus in Ordnung, auf dem Album zählt sie jedoch zu den schwächeren Songs.

 

Hard Luck

Natürlich darf in einem Film wie Frankie And Johnny  ein Blues nicht fehlen, Ben Weisman und Sid Wayne füllten diese Lücke und schrieben Hard Luck. Die Musik wurde am 13. Mai 1965 bei Radio Recorders aufgenommen, sechs Tage später sang Elvis in den Samuel Goldwyn Studios zu dem vorproduzierten Playback. Den Master kombinierte man aus den Takes 5 (Musik) und 3 (Gesang).

Mit Songs wie Reconsider Baby  ist dieser Filmschlager natürlich nicht zu vergleichen und er hätte auf einem regulären Album wohl auch keine Chance gehabt. Im Film - und damit auch auf dieser Soundtrack-LP - ist Hard Luck aber akzeptabel.

 

Please Don't Stop Loving Me

Dass RCA Victor seinerzeit die Ballade zur B-Seite der Single Frankie And Johnny  machte, verwundert nicht. Ohne Frage handelt es sich bei der Komposition von Joy Byers um einen der besten Titel aus dem Film und somit stellte die Nummer auch eine gute Werbung für die LP dar.

Elvis erkannte offenbar die Qualität von Please Don't Stop Loving Me  und investierte am 13. Mai 1965 neunzehn Takes in die Aufnahme.

 

Fazit & Bewertung

PICKWICK bot den Fans hier eine Gelegenheit, den längst aus dem RCA-Katalog gestrichenen Soundtrack zum fairen Preis nachzukaufen. Leider fehlen drei Songs der Original-LP und auch die Verpackung wurde vollkommen unpassend gestaltet. Dass die Tonqualität ebenfalls keine Verbesserung erfuhr, versteht sich bei einer solchen Produktion von selbst.