Frankie And Johnny (Soundtrack)

Im März 1966 kommt mit Frankie And Johnny  der nunmehr zwanzigste Presley-Film in die Kinos, wie inzwischen üblich liefert RCA Victor zur gleichen Zeit den passenden Soundtrack.

Ab dem 23. April notiert Billboard die Scheibe 19 Wochen lang in der Top LPs Chart. Mit einem Absatz von 250.000 Einheiten erreicht der Tonträger Rang 20.

In Großbritannien wird Frankie And Johnny  auf dem 11. Platz der Hitparade notiert, weltweit verkauft sich das Album 2 Millionen Mal.

Weil Elvis inzwischen einige Pfunde zugelegt hatte und nach dem Empfinden seines Managers insbesondere im Gesicht zu dicklich wirkte, ließ Colonel Parker den Kopf seines Klienten auf dem Album-Cover kurzerhand durch ein älteres Bild (ein Werbefoto zum Spielfilm Girl Happy) ersetzen. Die deutlich kleiner abgebildeten Fotos auf der Rückseite stammen jedoch aus dem Film.

Als Bonus lag der LP die Reproduktion eines von June Kelly gemalten Ölbildes bei.

Im November 1976 veröffentlichte das Label PICKWICK eine Budget-Version von Frankie And Johnny.

Die Aufnahmen fanden zwischen dem 12. und 14. Mai 1965 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien statt. Am 19. Mai entstand in den Samuel Goldwyn Studios nachträglich die Gesangsspur für Hard Luck.

Produziert wurden die Sessions von Fred Karger, für die Tontechnik zeichneten Dave Weichman (Radio Recorders) und Kevin Cleary (Samuel Goldwyn Studios) verantwortlich. Die Band bestand aus Scotty Moore (Gitarre), D.J. Fontana (Schlagzeug), Hilmer J. Timbrell (Gitarre), Charlie McCoy (Gitarre und Harmonika), Bob Moore (Bass), Murrey Harman (Schlagzeug) und Larry Muhoberac (Klavier). Für das Südstaaten-Flair sorgten George Werth (Trompete), Richard Noel (Posaune), Gus Bivona (Klarinette und Saxophon), John Johnson (Tuba) und Robert Cowin (Tuba).

Den Hintergrundgesang besorgten wie üblich The Jordanaires (Gordon Stoker, Hoyt Hawkins, Neal Matthews und Ray Walker) und Millie Kirkham. Während Look Out, Broadway  sang Eileen Wilson den Part der Schauspielerin Donna Douglas und Ray Walker übernahm die Stimme von Harry Morgan. Während Chesay  ist Henry Cordin zu hören. Bei der Film-Version von Frankie And Johnny  wirkten zudem auch Sue Ann Langdon, Donna Douglas, Sherry Thober, Lyzanne Ladue Goodson, Elizabeth Harrower und Doris Bourgeous mit.

Abermals wurde Elvis' Stimme recht laut ausgesteuert, insgesamt klingen die Aufnahmen recht dumpf.

 

Frankie And Johnny

Den Anfang des Soundtracks macht der Titelsong Frankie And Johnny. Das Traditional stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist auch unter dem Titel Frankie And Albert  bekannt. Es existieren viele verschiedene Versionen, denen aber gemein ist, dass Frankie ihren Liebhaber Johnny (oder eben wahlweise Albert) aus Eifersucht erschießt. In einigen Fassungen landet sie dafür im Gefängnis, in anderen wird sie exekutiert.

Die hier zu hörende Version wurde von Alex Gottlieb, Fred Karger und Ben Weisman bearbeitet und von Elvis am 14. Mai 1965 innerhalb von sechs Takes aufgenommen. Im Vorfeld der LP-Veröffentlichung brachte RCA das Lied auch auf einer Single heraus, die in der Hot 100 den 25. Platz erreichte.

Unter den Movie Tunes zählt Frankie And Johnny  zu meinen Favoriten, da sich der Titel deutlich von den übrigen Filmschlagern dieser Zeit unterscheidet und von Elvis auch durchaus mit Elan vorgetragen wird. 1972 fand sich die Nummer auch auf dem CAMDEN-Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

 

Come Along

Das Lied stammt aus der Feder von David Hess und basiert auf dem Traditional Gonna Raise A Ruckus Tonight. Erstmals aufgenommen wurde es im Jahr 1923 vom Norfolk Jazz & Jubilee Quartet.

Am 12. Mai 1965 entstand der Rhythm Track zu Elvis' Version, der Gesang wurde einen Tag später aufgenommen. Den Master komponierte man schließlich aus dem sechsten Take der Musikaufnahme und Take 1 des Vocal Tracks.

Insgesamt bringt der Song das Südstaaten-Feeling des Films sehr gut rüber und geht direkt ins Ohr.

 

Petunia, The Gardener's Daughter

Im Film wird das Lied von Johnny und Frankie im Rahmen einer Revue vorgetragen und ist von Sid Tepper und Roy C. Bennett bewusst schlecht gemacht. Es soll halt eine echte Vaudeville-Nummer sein, mit einer schmissigen Melodie und schlechten Wortspielen a' la tulips /two lips  (Johnny preist also einmal die Tulpen der Lady, ein anderes Mal ihre Lippen). Im Gegensatz zu den meisten Fans und Kritikern macht mir der Song Spaß und ich höre ihn mir immer mal wieder gerne an.

Aufgenommen wurde er übrigens am 14. Mai 1965 innerhalb von 6 Takes. Den Part der Schauspielerin Donna Douglas (Frankie) übernahm die Sängerin Eileen Wilson.

 

Chesay

Die Nummer klingt wie ein Trinklied mit Zigeuner-Touch und passt daher perfekt zur entsprechenden Filmszene. Da es sich um eine Soundtrack-LP handelt, ist das Lied prinzipiell auch auf dem Album in Ordnung.

Geschrieben wurde es von Fred Karger, Ben Weisman und Sid Wayne, die Aufnahme stammt vom 14. Mai 1965. Elvis benötigte 7 Takes, ehe er das Lied zu seiner Zufriedenheit aufs Band gebracht hatte.

 

What Every Woman Lives For

Die erste Ballade des Albums stammt aus der Feder von Doc Pomus und Mort Shuman. Gesellschaftlich nicht mehr ganz korrekt behauptet der Sänger hier, der Daseinszweck eine Frau läge primär darin, einem Mann ihre Liebe zu schenken. Davon abgesehen handelt es sich aber um einen guten Song, der anderen Filmballaden aus dieser Zeit sicherlich überlegen ist.

Der Music Track entstand am 13. Mai 1965, Elvis' Stimme wurde einen Tag später hinzugefügt. Den Master stellte man schließlich aus den Takes 6 (Instrumental) und 8 (Gesang) zusammen.

 

Look Out, Broadway

Hier handelt es sich eine typische Musical-Nummer, die im Film von Johnny (Elvis), Frankie (Donna Douglas) und Cully (Harry Morgan) gesungen wird. Tatsächlich singen neben dem King hier jedoch Eileen Wilson und Ray Walker, der Bass-Sänger der Jordanaires. Auf einem regulären Album hätte so ein Titel natürlich nichts verloren, im Zusammenhang mit dem Film ist das Lied jedoch akzeptabel.

Geschrieben wurde es übrigens von Fred Wise und Randy Star. Die Aufnahme erfolgte am 14. Mai 1965 innerhalb von 12 Takes. Mit diesem Song endet auch die erste Seite der LP.

 

Beginner's Luck

Es folgt eine weitere Ballade, diesmal aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett. Prinzipiell finde ich das Lied in Ordnung, wenn es auch nicht an What Every Woman Lives For  heranreicht.

Der Rhythm Track entstand am 12. Mai 1965 innerhalb von fünf Takes. Elvis benötigte für den Gesangspart am folgenden Tag zwei Versuche.

 

Down By The Riverside / When The Saints Go Marchin' In

Als Autoren werden hier Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye genannt. Tatsächlich handelt es sich natürlich um zwei Traditionals, die von dem Komponisten-Team bearbeitet und zusammengefasst wurden.

Down By The Riverside  geht auf die Zeit des Bürgerkrieges zurück und wurde auch von den schwarzen Sklaven während der Arbeit gesungen. Es ist ebenfalls bekannt unter den Titeln Ain't Gonna Study War No More  und Gonna Lay Down My Burden. Die erste bekannte Aufnahme stammt von den Fisk Jubilee Singers aus dem Jahr 1920.

When The Saints Go Marchin' In  wurde als Beerdigungsmarsch in den Südstaaten der USA bekannt, tatsächlich gehen die Ursprünge jedoch auf ein belgisches Kirchenlied zurück.

Der Rhythm Track entstand am 12. Mai 1965, der Vocal Track folgte einen Tag später. Den Master setzte man schließlich aus den Takes 7 (Musik) und 4 (Gesang) zusammen.

CAMDEN veröffentlichte Down By The Riverside / When The Saints Go Marchin' In  1972 auf dem Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

 

Shout It Out

Erneut zeichnet das Trio Giant/Baum/Kaye verantwortlich, die Aufnahme entstand am 13. Mai 1965 innerhalb von 7 Takes. Auch wenn hier gemäß dem Thema des Films wieder Blechbläser im Dixiland-Stil zum Einsatz kommen, klingt der Titel wie ein typischer Filmschlager.

Für einen solchen ist die Uptempo-Nummer durchaus in Ordnung, auf dem Album zählt sie jedoch zu den schwächeren Songs.

 

Hard Luck

Natürlich darf in einem Film wie Frankie And Johnny  ein Blues nicht fehlen, Ben Weisman und Sid Wayne füllten diese Lücke und schrieben Hard Luck.

Die Musik wurde am 13. Mai 1965 bei Radio Recorders aufgenommen, sechs Tage später sang Elvis in den Samuel Goldwyn Studios zu dem vorproduzierten Playback. Den Master kombinierte man aus den Takes 5 (Musik) und 3 (Gesang).

Mit Songs wie Reconsider Baby  ist dieser Filmschlager natürlich nicht zu vergleichen und er hätte auf einem regulären Album wohl auch keine Chance gehabt. Im Film - und damit auch auf dieser Soundtrack-LP - ist Hard Luck aber akzeptabel.

 

Please Don't Stop Loving Me

Dass RCA Victor die Ballade zur B-Seite der Single Frankie And Johnny  machte, verwundert nicht. Ohne Frage handelt es sich bei der Komposition von Joy Byers um einen der besten Titel aus dem Film und somit stellte die Nummer auch eine gute Werbung für die LP dar.

Elvis erkannte offenbar die Qualität von Please Don't Stop Loving Me  und investierte am 13. Mai 1965 neunzehn Takes in die Aufnahme.

 

Everybody Come Aboard

Wie der Film, so endet auch das Album mit einem schwungvollen Ohrwurm im Dixiland-Stil. Für mich zählt dieser Song zu den Highlights des Albums, er macht einfach Spaß.

Geschrieben wurde Everybody Come Aboard  von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye, Elvis nahm das Lied am 14. Mai 1965 innerhalb von 15 Takes auf.

 

Fazit & Bewertung

Aufgrund der Filmhandlung haben die Songs einen netten Vaudeville-Touch und heben sich dadurch wohltuend von den üblichen Movie Tunes ab. Die Tonqualität stellt allerdings auch bei dieser LP ein Problem dar.