Girl Happy (Soundtrack)

Zum Start des gleichnamigen Spielfilms kommt im März 1965 die LP Girl Happy  auf den Markt.

Mit 300.000 verkauften Kopien steigt die Scheibe am 17. April in die Top LPs Chart ein und erreicht im Zuge ihrer Notierung von 31 Wochen den 8. Platz.

Die RIAA honoriert den US-Absatz im Jahr 1992 mit einer Goldenen Schallplatte.

In Großbritannien kann Elvis mit Girl Happy  ebenfalls einen Top10-Hit verbuchen, weltweit verkauft sich das Album 2,5 Millionen Mal.

Das Cover-Foto stammt aus einer Serie von Promo-Bildern für den entsprechenden Spielfilm. Prinzipiell sieht Elvis auch gut darauf aus, doch mit dem Look der damals angesagten Teeny-Idole und Beat Bands hat er nichts gemein.

Um das Album für die Fans attraktiver zu machen legt RCA Victor der Erstveröffentlichung ein Bonus-Foto bei.

Die Aufnahmen fanden zwischen dem 10. und 15. Juni 1964 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien statt. Produziert wurden die Sessions von George Stoll, die Tontechnik betreute Dave Weichman. Neben Scotty Moore (Gitarre) und D.J. Fontana (Schlagzeug) spielten auch Hilmer J. Timbrell (Gitarre), Thomas Tedesco (Gitarre), Bob Moore (Bass), Murrey Harman (Schlagzeug und Perkussion), Frank Carlson (Schlagzeug und Perkussion), Floyd Cramer (Klavier) und Homer Randolph (Saxophon).

Für den Hintergrundgesang sorgten The Jordanaires (Gordon Stoker, Hoyt Hawkins, Neal Matthews und Ray Walker), The Carol Lombard Singers (Carol Lombard, Gwen Johnson, Jackie Ward und B.J. Baker) sowie The Jubilee Four (Bill Johnson, George McFadden, Jimmy Adams und Ted Brooks).

In der Nachbearbeitung wurde die Stimme des Kings stark in den Vordergrund gestellt, was die Tonqualität der Aufnahmen deutlich mindert.

Anno 2003 brachte das Sammler-Label Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe von Girl Happy  auf den Markt. Die Aufnahmen wurden tontechnisch überarbeitet und um ein paar Outtakes ergänzt.

 

Girl Happy

Das Album beginnt mit dem Titelsong des Spielfilms. Geschrieben wurde er von Doc Pomus und Norman Meadse, die Aufnahme erfolgte am 10. Juni 1964.

Zunächst spielte Elvis 13 Takes von Girl Happy  ein, danach folgten fünf Insert-Takes mit dem Ende des Liedes. Den Master Take kombinierte man aus dem 13. Durchlauf und Insert-Take 4.

Der Sänger beschreibt hier sein recht enges Verhältnis zur Damenwelt und gibt an, dass ihn seinerzeit schon die Krankenschwester der Säuglingsstation in einen Freudentaumel versetzte.

An sich wäre gegen diesen flotten Popsong nichts einzuwenden, wenn man bei RCA nicht auf die Idee gekommen wäre, der offenbar als zu langsam empfundenen Aufnahme durch ein um etwa 8% höheres Abspieltempo kostengünstig mehr Drive zu verleihen.

Dass der nun wie ein Mitglied der Chipmunks klingende Sänger einen solchen Mumpitz dann aber auch noch zur Veröffentlichung durchwinkte, kann nur als absolutes Desinteresse gewertet werden.

 

Spring Fever

Die Sonne lacht und Rusty (Elvis) erwischt im Film das Spring Fever.

Das Lied stammt vom nimmermüden Team Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye, aufgenommen wurde es am 11. Juni 1964 innerhalb von 24 Takes.

Ein netter Filmschlager, den man allerdings auch schnell wieder vergisst..

 

Fort Laudadale Chamber Of Commerce

Am selben Tag spielten die Musiker auch den Rhythm Track von Fort Lauderdale Chamber Of Commerce  ein, zu dem Elvis dann vier Tage später sang. Die Band erledigte ihren Job binnen 7 Takes, der King benötigte nur zwei Versuche.

In dieser leicht südamerikanisch angehauchten Ballade von Sid Tepper und Roy C. Bennett verkündet der Sänger die angeblichen Vorschriften der Handelskammer von Fort Lauderdale. Demnach ist das Verführen von Mädchen erste Bürgerpflicht, die notfalls unter Haftandrohung durchgesetzt wird.

Mir gefällt dieses witzige Liedchen sehr gut, ohne Frage zählt es zu den wenigen Highlights der LP.

 

Startin' Tonight

Von diesem Song kann ich das leider nicht behaupten. Elvis' Gesang klingt merkwürdig gepresst und auch das Lied selbst ist bestenfalls tolerabel.

Für die Komposition zeichnen Leonore Rosenblatt und Victor Millrose verantwortlich, Rosenblatt bezeichnete den Song später in einem Interview als crap  (Müll).

Die Musiker hatten den Rhythm Track am 12. Juni 1964 nach drei Durchgängen im Kasten, Elvis benötigte zwei Tage später einen Take mehr.

 

Wolf Call

Die Melodie mag noch in Ordnung sein, der Text lässt diese verführerisch gemeinte Nummer allerdings zur Peinlichkeit verkommen. Gute Arbeit haben Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye hier also nicht geleistet.

Am 12. Juni 1964 wurden zunächst acht Takes des Rhythm Tracks aufgenommen, danach folgten zwei Insert-Takes mit dem Intro. Das Playback stellte man schließlich aus Take 8 und Insert-Take 2 zusammen. Am 15. Juni sang Elvis zu dieser Aufnahme, Take 5 wurde zur Veröffentlichung freigegeben.

 

Do Not Disturb

Die erste Seite der LP endet mit einer Ballade, ebenfalls geschrieben von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye.

Elvis tat sich mit diesem Lied äußerst schwer und benötigte am 11. Juni 1964 sagenhafte 36 Versuche.

Ich würde Do Not Disturb  als typische Filmballade dieser Zeit ansehen - nett gemacht, aber wenig einprägsam.

 

Cross My Heart And Hope To Die

Einmal mehr soll eine junge Dame verführt werden. Die Aufnahme entstand am 11. Juni 1964. Nach elf Versuchen wurde aus den Takes 9 und 11 ein Master-Take erstellt, zu dem am selben Tag noch ein Klavier hinzugefügt wurde.

Insgesamt ist die Nummer aus der Feder von Sid Wayne und Ben Weisman in Ordnung.

 

The Meanest Girl In Town

Vermutlich hätte die Nummer ein Rock'n'Roll werden sollen, schlussendlich handelt es sich aber nur um einen etwas hecktisch geratenen Popsong.

Elvis spielte ihn am 10. Juni 1964 innerhalb von 13 Takes ein, sechs Tage später folgte ihm Bill Haley, der das Lied unter dem Titel Yeah! She's Evil  herausbrachte.

Vermutlich hielt niemand bei Gladys Music diese Joy Byers-Komposition für einen Hit, so dass man sie für ein paar Dollar der Konkurrenz überließ.

 

Do The Clam

Bereits im Februar war Do The Clam  von RCA Victor auf einer Single herausgebracht worden, doch mit einem 21. Platz in den Hot 100 und weltweiten Verkäufen von gerade mal einer Million Kopien konnte man wohl kaum von einem Hit sprechen.

Die Zeit der Modetänze war längst vorbei und auch die schlampige Produktion (während des Instrumentalteils fällt für längere Zeit der rechte Stereo-Kanal aus!) dürfte die Erfolgsaussichten nicht gerade verbessert haben.

Der Rhythm Track entstand am 12. Juni 1964 innerhalb von fünf Takes, Elvis' Gesang wurde am 15. Juni binnen zwei Durchgängen aufgenommen. Komponiert wurde Do The Clam  von Sid Wayne, Ben Weisman und Dolores Fuller.

 

Puppet On A String

Auch Puppet On A String  sollte später auf einer Single zu finden sein, allerdings eher als Verlegenheitslösung aufgrund der mangelnden Hit-Qualitäten der Harum Scarum-LP. Im Winter 1965 koppelte RCA Victor die Ballade mit Wooden Heart  (aus dem Film G.I. Blues) und verschaffte dem King damit einen weiteren Million-Seller.

Ich würde die Nummer aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett als das Highlight des Soundtracks ansehen und vermutlich ist Puppet On A String  auch der einzige Song, der auf einem regulären Presley-Album eine Chance gehabt hätte.

Aufgenommen wurde er am 10. Juni 1964 innerhalb von 11 Takes.

 

I've Got To Find My Baby

Der Reigen der Filmschlager endet mit dieser flotten Komposition von Joy Byers.

Für den Rhythm Track benötigten die Musiker am 11. Juni 1964 lediglich zwei Versuche, Elvis kam vier Tage später sogar mit einem einzigen Durchgang aus.

Größere Anstrengungen hielte ich bei einem Lied wie diesem allerdings auch für übertrieben.

 

You'll Be Gone (Bonus Song)

Die Fans kannten die Nummer bereits von der B-Seite der Single Do The Clam.

Die Aufnahme stammt vom 18. März 1962, Elvis spielte das Lied im RCA Studio B in Nashville, Tennessee binnen 3 Takes ein.

Geschrieben wurde die Ballade von Red West, der dabei von Charlie Hodge und Elvis selbst unterstützt wurde. Auf dieser LP gehört You'll Be Gone  ohne Frage zu den Highlights.

 

Fazit & Bewertung

Zehn Jahre nach seinem Vertragsabschluss mit RCA Victor lieferte Elvis seine bislang schwächste LP ab. Die meisten Songs sind bestenfalls durchschnittlich und auch gesanglich bleibt der King weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.