Roustabout (Soundtrack)

Etwa vier Wochen vor dem Start des Kinofilms Roustabout  bringt RCA Victor im Oktober 1964 das zugehörige Soundtrack-Album auf den Markt.

Ab dem 14. November ist die Schallplatte in der Top LPs Chart zu finden, wo sie mit 450.000 verkauften Kopien 27 Wochen lang notiert wird und den ersten Platz erreicht.

Die RIAA honoriert den US-Absatz 1988 mit einer Goldenen Schallplatte, weltweit wird der Tonträger 3,75 Millionen Mal abgesetzt.

Vermutlich um die Rebellen-Attitüde seiner Filmrolle zu betonen schaut Elvis mit einem ähnlichen Gesichtsausdruck in die Kamera, wie seinerzeit auf dem Cover der Loving You-LP. Doch es ist nicht mehr 1957 und der King wirkt inzwischen wie ein Büroangestellter, der einfach einen schlechten Tag erwischt hat.

Die Aufnahmen entstanden am 2. und 3. März 1964 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien. Produziert wurden die Sessions von Joseph Lilley, die Tontechnik betreute Dave Weichman. Elvis' Band bestand aus Scotty Moore (Gitarre), D. J. Fontana (Schlagzeug), Hilmer J. Timbrell (Gitarre), Billy Strange (Gitarre), Barney Kessel (Gitarre, nur am 02. Mai), Bob Moore (Bass), Hal Blaine (Schlagzeug), Murrey Harman (Schlagzeug), Floyd Cramer (Klavier) und Homer Randolph (Saxophon). Im Hintergrund sangen wie üblich The Jordanaires, bestehend aus Gordon Stoker, Hoyt Hawkins, Neal Matthews und Ray Walker.

Im Juni 2017 veröffentlichte das Sammler-Label Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe von Roustabout. Hier sind auch Film-Versionen, ReMixe der Masters und einige Outtakes zu hören.

 

Roustabout

Die LP beginnt mit einer Komposition von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye.

Das Lied war kurzfristig in Auftrag gegeben worden, weil der Filmproduzent Hal B. Wallis im Nachhinein Bedenken bezüglich des Textes von I'm A Roustabout, dem ursprünglichen Titellied des Films, geäußert hatte.

Lange Zeit galt die Nummer von Otis Blackwell und Winfiled Scott als verloren und vielfach wurde sogar die Vermutung geäußert, Elvis habe das Lied gar nicht aufgenommen.

Tatsächlich hatte er es jedoch am 3. März 1964 innerhalb von sechs Takes eingespielt. Den endgültigen Beweis für die Existenz von I'm A Roustabout  lieferte Winfield Scott, der fast 30 Jahre nach der Aufnahme Sony/BMG seine Azetat-Schallplatte zur Nutzung anbot. So fand der Song schließlich doch noch seinen Weg in die Öffentlichkeit und wurde im Jahr 2003 auf der CD 2nd To None  herausgebracht.

Weil das Ersatzlied Roustabout  erst später entstand, mussten zusätzliche Sessions anberaumt werden. Der Rhythm Track entstand am 29. Mai 1964. Die Musiker waren mehr oder minder identisch, lediglich Bob Moore (Bass), DJ Fontana und Hal Blaine (Schlagzeug) sowie Floyd Kramer (Klavier) wurden durch Ray Siegel, Bernie Mattinson und Dudley Brooks ersetzt.

Da auch The Jordanaires nicht verfügbar waren, buchte man The Mello Men (Thurl Ravenscroft, Bill Lee, Bill Cole und Max Smith).

Elvis sang am 14. Mai 1964 zu dem Playback. Den Master stellte man aus den Takes 11 (Rhythm Track) und 17 (Vocal Track) zusammen.

Der Sänger beschreibt sich hier als Herumtreiber, der von Stadt zu Stadt zieht und den nichts und niemand halten kann. Allerdings lässt er auch die Hoffnung anklingen, irgendwann seinen Platz gefunden zu haben und dieses rastlose Leben aufzugeben.

Der Song plätschert angenehm vor sich hin und ist nett anzuhören.

 

Little Egypt

Das Lied stammt aus der Feder von Jerry Leiber und Mike Stoller und wurde 1961 erstmals von den Coasters aufgenommen. Am 2. März 1964 spielte Elvis 15 Takes des Songs ein und erklärte den letzten Durchlauf zum Master. Trotzdem entstanden am folgenden Tag sechs weitere Takes, die mit 16 bis 21 nummeriert wurden.

Während man bei der Schallplattenversion am ursprünglichen Master festhielt, wurde für den Film ein um zusätzliche Overdubs erweiterter Zusammenschnitt der Takes 15 und 21 benutzt.

In dem humorvollen Lied besucht der Interpret die erotische Tanzveranstaltung von besagter Little Egypt, erobert schließlich ihr Herz - und macht sie zur 7fachen (!) Mutter. Im Vergleich zum Original wirkt die Aufnahme des Kings gefälliger und trifft auch eher meinen persönlichen Geschmack.

Vier Jahre später erinnerte sich Elvis übrigens noch einmal dieses Liedes und nutzte Little Egypt  auch in der TV-Show SINGER presents Elvis.

 

Poison Ivy League

Einmal mehr bekommen wir einen typischen Filmschlager zu hören, erneut geschrieben von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye. Elvis macht sich hier über reiche Studenten lustig, die ihre Abschlüsse kaufen und später in Papas Firma groß rauskommen.

In der entsprechenden Szene besteht das Publikum natürlich teilweise aus ebendieser Klientel, was im Folgenden zu einer Schlägerei führt.

Die flotte Melodie und der witzige Text machen Poison Ivy League  zu einem mehr als gelungenen Movie Tune. Aufgenommen wurde der Song am 2. März 1964, Elvis benötigte sieben Takes.

 

Hard Knocks

Mit diesem Lied beklagt der Sänger sein entbehrungsreiches Leben.

Ein paar Jahre zuvor wäre aus dem Song wohl eine Rock'n'Roll Nummer geworden, anno 1964 reichte es nur noch für einen schnellen Popsong. Im Ganzen ist das Lied jedoch nett anzuhören und wird von Elvis gut vorgetragen.

Geschrieben wurde es von Joy Byers, die Aufnahme entstand am 2. März 1964 innerhalb von 11 Takes.

 

It's A Wonderful World

Während er mit Kathy (Joan Freeman) im Riesenrad sitzt, singt Charlie (Elvis) It's A Wonderful World  aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett.

Das Lied ist ziemlich einfallslos geschrieben und bleibt kaum im Gedächtnis.

Elvis nahm den Titel am 2. März 1964 auf. Es ist etwas verwunderlich, dass der King für einen solchen Song 13 Versuche benötigte.

 

Big Love, Big Heartache

Die erste Seite der LP endet mit Big Love, Big Heartache, einer sehr eingängigen Ballade von Dolores Fuller, Les Morris und Sonny Hendrix.

Aufgenommen wurde das Lied am 3. März 1964 innerhalb von 17 Takes. Auf dieser LP gehört die Nummer zweifellos zu den Highlights.

 

One Track Heart

Im Film wird der Künstler nun als König Der Heissen Rhythmen (deutscher Filmtitel) angesagt, man könnte also eine Rock'n'Roll Nummer erwarten. Stattdessen gibt es jedoch nur einen flotten, aber eben auch recht kantenlosen Popsong zu hören.

Erneut zeichneten Bernie Baum, Bill Giant und Florence Kaye für den Titel verantwortlich und einmal mehr lieferte das Trio ein gefälliges, aber nicht gerade einprägsames Lied ab. Aufgenommen wurde es am 3. März 1964 binnen fünf Takes.

 

It's Carnival Time

Mit einer Gesangseinlage möchte Charlie (Elvis) das Publikum in die Vorstellung locken. Ob das mit einem solchen Song tatsächlich funktionieren würde, ist allerdings fraglich. Für mich stellt dieser Titel von Ben Weisman und Sid Wayne das schwächste Lied des Albums dar.

Auch Elvis' Interesse dürfte nicht sonderlich groß gewesen sein, denn er ließ die Musiker zunächst ein Playback aufnehmen, zu dem er dann später sang. Den Master kombinierte man aus den Takes 2 (Rhythm Track) und 9 (Vocal Track). Beide entstanden am 3. März 1964.

 

Carny Town

Erneut sollen die Passanten zum Kauf einer Eintrittskarte animiert werden und rein vom musikalischen Standpunkt aus betrachtet, dürfte die Aktion mit diesem Lied deutlich erfolgreicher verlaufen. Die Melodie geht ins Ohr und der Text beschreibt auf humorvolle Art und Weise die Attraktionen der Show.

Geschrieben wurde Carny Town  von Fred Wise und Randy Starr, Elvis spielte den Song am 3. März 1964 binnen neun Takes ein.

 

There's A Brand New Day On The Horizon

Dies ist das große Finale des Films. Der Song wurde von Joy Byers komponiert und basiert auf einem Traditional namens Snake Pit.

Auch dieses Lied wurde am 3. März 1964 aufgenommen, Elvis benötigte diesmal allerdings nur fünf Takes.

Für mich zählt There's A Brand New Day On The Horizon  zu den besten Songs dieser LP. Das Lied ist ein echter Ohrwurm und sorgt sofort für gute Laune.

 

Wheels On My Heels

Das Album endet mit einem flotten Popsong aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett. Die Aufnahme entstand am 3. März 1964 innerhalb von sieben Takes.

Als Elvis von den Jordanaires begleitet werden wollte, argumentierte Joseph Lilley, das Lied würde im Film während einer Motorradfahrt gesungen - wo sollten also die Stimmen der anderen Sänger herkommen? Das Gegenargument von Elvis war ebenso simpel wie einleuchtend: Vom selben Ort, von dem auch die Musik kommt!

 

Fazit & Bewertung

Mit Roustabout  lieferte Elvis ein gefälliges, aber eben auch unspektakuläres Album ab. Im Vergleich zum Vorgänger Kissin' Cousins  stellte das jedoch schon eine deutliche Steigerung dar.