Blue Hawaii (Soundtrack)

Mit Blue Hawaii bringt RCA Victor im Oktober 1961 den Soundtrack zum gleichnamigen Spielfilm auf den Markt.

Billboard notiert das Album 79 Wochen lang in der Top LPs Chart, zwanzig Wochen davon auf dem ersten Platz.

Schon im Dezember bekommt Elvis von der RIAA eine Goldene Schallplatte überreicht, 1992 und 2002 folgen posthum Updates auf Doppel- und Tripple-Platin.

Die Academy Of Recording Arts And Sciences nominiert den Long Player als Best Soundtrack Album Or Recording Of Original Cast From Motion Picture Or Television  für einen Grammy. Von der National Association Of Record Merchandisers wird Blue Hawaii als Best Selling Album Of 1961 ausgezeichnet.

In Großbritannien steht die LP siebzehnmal in Folge auf Rang 1 und wird insgesamt 65 Wochen lang gelistet.

Mit einem weltweiten Absatz von 10 Millionen Kopien gehört der Soundtrack zu den erfolgreichsten Alben des Kings.

Für das Front-Cover griff die Schallplattenfirma auf ein Promo-Bild für den Spielfilm zurück, die Rückseite der LP-Hülle wurde mit Szenen-Fotos gestaltet.

Die Aufnahme-Sessions fanden zwischen dem 21. und 23. März 1961 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien statt. Der Produzent hieß Joseph Lilley, die Tontechnik betreute Thorne Nogar. Natürlich waren auch hier wieder Elvis' alte Buddies Scotty Moore (Gitarre) und DJ Fontana (Schlagzeug) mit von der Partie. Daneben spielten Hank Garland (Gitarre), Hilmer J. Timbrell (Gitarre), Bob Moore (Bass), Hal Blaine (Schlagzeug), Bernie Mattinson (Schlagzeug und Perkussion), Floyd Cramer (Klavier), Dudley Brooks (Klavier und Celeste), Homer Randolph (Saxophon) und George Fields (Harmonika). Für das nötige Südsee-Flair sorgten Alvino Rey (Steel Guitar), Fred Tavares (Ukulele) und Bernie Lewis (Ukulele).

Der Hintergrundgesang stammt von den Jordanaires (Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins und Ray Walker) sowie den Surfers (Pat Syla, Bernie Ching, Clay Naluai und Alan Naluai). Neben den Songs dieses Albums wurde auch die Uptempo-Nummer Steppin' Out Of Line  aufgenommen. Diese fand sich im folgenden Jahr auf der LP Pot Luck With Elvis.

Im Jahr 2009 veröffentlichte Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe mit Bonus Songs und Outtakes.

 

 

Blue Hawaii

Der Titelsong des Films wurde von Leo Robin und Ralph Rainger geschrieben, Bing Crosby sang ihn bereits 1937 und auch Patti Page und Frank Sinatra hatten Blue Hawaii  vor Elvis eingespielt. Die Version des Kings entstand am 22. März 1961, Take 7 wurde zum Master.

Auch wenn Blue Hawaii  nicht zu meinen Favoriten gehört, verbreitet der Song trotzdem eine angenehme Urlaubsatmosphäre und passt perfekt zum Thema des Films.

Im Januar 1973 nahm Elvis das Lied für die TV Show Aloha From Hawaii Via Satellite  noch einmal auf, klang dabei allerdings eher müde als romantisch-verträumt.

 

Almost Always True

Fred Wise und Ben Weisman bearbeiteten das kanadisch/französische Traditional Alouette  und machten Almost Always True  daraus.

Der Sänger gibt seiner Freundin das Ehrenwort, immer treu gewesen zu sein...zumindest fast immer.

Im Film singt auch Joan Blackman ein paar Zeilen, auf der LP ist aber nur Elvis zu hören. Aufgenommen wurde der Song am 22. März 1961 innerhalb von acht Takes.

 

Aloha Oe

Dieses Lied war ebenfalls nicht neu, die erste Aufnahme stammt bereits aus dem Jahr 1905 (von den Royal Hawaiian Troubadours).

Geschrieben wurde Aloha Oe  von Kamekeha Liliuokalani, der letzten Königin von Hawaii.

Elvis spielte seinen Part am 21. März 1961 ein, den Master-Take erstellte man aus den Durchgängen 5 und 7. Zwei Tage später nahmen The Surfers den Hintergrundgesang auf und benötigten dafür vier Takes.

 

No More

Der Reigen der Oldies und Traditionals geht weiter mit einer Adaption des Klassikers La Paloma.

Elvis nahm die von Don Robertson und Hal Blair bearbeitete Fassung am 21. März 1961 innerhalb von 13 Takes auf. Danach produzierte er noch drei Insert-Takes mit dem Ende des Songs. Den Master kombinierte man schließlich aus Take 13 und Insert-Take 3.

Weil Joseph Lilley die Nachbesserungen aber nicht separat nummerierte, lautet die offizielle Take-Zusammenstellung des Masters 13/16.

Im Film erzählt Chad (Elvis), er habe das Lied aus Italien mitgebracht. Tatsächlich stellt der in den 1850ern von Sebastian Yradier komponierte Tango aber einen Tribut an die kubanische Musik dar.

Ende 1972 veröffentlichte CAMDEN No More  auch auf der LP Burning Love And Hits From His Movies, im folgenden Jahr nahm Elvis für die Aloha From Hawaii Via Satellite-Show eine neue Fassung der Ballade auf.

 

Can't Help Falling In Love

Erneut nimmt der Film es geographisch nicht so genau, denn diesmal singt der Hauptdarsteller das Lied zu der Melodie einer angeblich aus Österreich stammenden Spieluhr. In Wirklichkeit basiert der Song jedoch auf dem französischen Plaisir d'amour, das 1785 von Jean-Pierre Claris de Florian und Johann Paul Ägidius Martini Schwarzendorf geschrieben wurde.

Angepasst wurde es für Elvis von Hugo Peretti, Luigi Creatore und George David Weiss. Die Aufnahme erfolgte am 23. März 1961 innerhalb von 29 Takes.

Zwei Monate nach der Veröffentlichung des Albums brachte RCA Victor Can't Help Falling In Love  auch zusammen mit Rock-A-Hula Baby  auf einer Single heraus. Weil das Lied bereits auf der LP erhältlich war, fürchtete Colonel Parker einen Flop und sträubte sich zunächst gegen die Pläne der Schallplattenfirma.

Erst als man ihm unabhängig von den tatsächlichen Verkäufen Tantiemen für eine Million Singles zusicherte, ließ er sich umstimmen. Die Sorgen des Presley-Managers waren allerdings unbegründet, denn die 45er entwickelte sich zum Welthit und ging insgesamt mehr als vier Millionen Mal über die Ladentheken.

Später war der Song auch auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und dem Album A Legendary Performer - Volume 1  (1974) zu finden. Die LPs Elvis  (1968), From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969), Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972), Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973), Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977) enthalten Live-Aufnahmen.

An die Schönheit und Perfektion seiner Studio-Einspielung kam der King allerdings nie wieder heran.

 

Rock-A-Hula Baby

Es folgt die B-Seite der zuvor erwähnten Single. Geschrieben wurde der Song von Fred Wise, Ben Weisman und Dolores Fuller, die Aufnahme erfolgte am 23. März 1961 innerhalb von fünf Takes.

In einem Interview erzählte Mrs. Fuller einmal, sie sei durch The Twist  zu ihrer Komposition inspiriert worden. Tatsächlich versuchte auch RCA Victor vom damaligen Hype um den Modetanz zu profitieren und vermarktete die 45er als Twist Special.

Insgesamt halte ich die Nummer für recht gelungen, unter den Filmschlagern zählt sie zweifellos zu den Highlights.

1970 fand sich Rock-A-Hula Baby  auch auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1.

 

Moonlight Swim

Die erste Seite der LP endet mit dieser Komposition von Sylvia Dee und Ben Weisman. Der Moonlight Swim  war bereits 1957 von Nick Noble (Platz 37) und Tony Perkins (Platz 24) veröffentlicht worden, Elvis' spielte seine Fassung am 22. März 1961 innerhalb von vier Durchgängen ein.

Den dritten wählte er zum Master-Take, am 28. März wurde zusätzlich noch Hintergrundgesang aufgenommen. Hier entschied man sich ebenfalls für den dritten Versuch.

 

Ku-U-I-Po

Ku-U-I-Po  ist weitere Ballade aus der Feder von Hugo Peretti, Luigi Creatore und George David Weiss.

Auch diesen Titel nahm Elvis im Januar 1973 für die Aloha From Hawaii Via Satellite-Show noch einmal auf, aber auch hier wirkte er eher müde als romantisch.

Die Studioaufnahme vom 21. März 1961 klingt jedoch absolut großartig und gehört für mich zu den besten Movie Tunes des Kings.

Dieser benötigte übrigens neun Takes, um Ku-U-I-Po  (das hawaiianische Wort Ku-u  entspricht dem amerikanischen sweetheart) einzuspielen.

 

Eto Eats

Aus meiner Sicht handelt es sich hier um den Tiefpunkt des Albums. Der das Essverhalten von Ito beschreibende Text wurde seinerzeit vermutlich als lustig empfunden, ich selbst teile diese Meinung allerdings nicht.

Da auch der musikalische Anspruch denkbar gering ausfällt, beschränkte sich Elvis darauf, am 22. März 1961 zu einem vorproduzierten Playback zu singen - der neunte Versuch wurde zum Master.

Verantwortlich für den Song sind übrigens Sid Tepper und Roy C. Bennet. 

 

Slicin' Sand

Die schrieben auch Slicin' Sand, die zweitschlechteste Nummer des Soundtracks. Hier geht es darum, beim Tanzen mit den Füßen Sand wegzuschubsen.

Elvis nahm diese unfreiwillige Rock'n'Roll-Parodie am 21. März 1961 auf und mühte sich durch 19 Takes.

 

Hawaiian Sunset

Die dritte Tepper/Bennett-Komposition in Folge entschädigt den Zuhörer für die vorherigen Songs.

Die Ballade verbreitet angenehm romantische Urlaubsstimmung und wird von Elvis wunderbar gesungen.

Aufgenommen wurde Hawaiian Sunset  am 21. März 1961, der Master ist ein Zusammenschnitt der Takes 4 und 7.

 

Beach Boy Blues

Nach einer Schlägerei landet Chad (Elvis) im Gefängnis und singt den Beach Boy Blues.

Natürlich ist der Song nicht mit Titeln wie Reconsider Baby  (1960) oder Stranger In My Own Hometown  (1969) vergleichbar, für einen Filmschlager ist er aber gar nicht einmal so schlecht und wartet sogar mit ein wenig Humor auf.

 Zwei Takes benötigte Elvis am 23. März 1961 für seine Aufnahme, Komponiert wurde die Nummer übrigens einmal mehr von Sid Tepper und Roy C. Bennett.

 

Island Of Love

Auch diese Ballade stammt vom Fließband der Herren Tepper und Bennett, kann sich aber ebenfalls hören lassen.

Der Sänger beschreibt hier die Schönheit der Insel Kauai und verbreitet damit einmal mehr Urlaubsstimmung mit einem Schuss Romantik.

Elvis spielte den Song am 22. März 1961 innerhalb von 13 Takes ein.

 

Hawaiian Wedding Song

Die LP endet mit dem Hawaiian Wedding Song, der bereits 1926 als Ke Kali Nei Au  von Charles King für die Oper Prince Of Hawaii  geschrieben wurde.

Bing Crosby sang zweieinhalb Jahrzehnte später eine englische Version namens Here Ends The Rainbow, 1959 folgte schließlich Andy Williams mit dem auch hier zu hörenden Text von Al Hoffman und Dick Manning.

Elvis' Aufnahme entstand am 22. März 1961, nach nur zwei Takes hatte er die Nummer absolut perfekt im Kasten.

Anno 1973 spielte der King den Hawaiian Wedding Song  für sein TV-Special Aloha From Hawaii Via Satellite  noch einmal ein, vier Jahre später folgte auf dem Doppel-Album Elvis In Concert  auch eine Live-Aufnahme.

 

Fazit & Bewertung

Mit seinem zweiten Soundtrack-Album nach dem großen Comeback setzte Elvis erneut auf gefällige Unauffälligkeit. Die Lieder sind nett anzuhören und der King befindet sich in vokaler Hochform.