G.I. Blues (Soundtrack)

Am 23. September 1960 bringt RCA Victor G.I. Blues, den Soundtrack zu Elvis' großem Leinwand-Comeback, auf den Markt.

Ab dem 31. Oktober notiert Billboard die Scheibe mit 750.000 verkauften Kopien 111 Wochen lang in der Top LPs Chart, zehn Wochen davon auf Rang 1.

Die RIAA honoriert den US-Absatz 1963 mit einer Goldenen Schallplatte, 1992 erfolgt ein Update auf Platin.

Außerhalb der USA ist G.I. Blues  ebenfalls sehr populär. In Großbritannien belegt die LP 22 Wochen lang die Spitze der Charts, weltweit gehen mehr als 7,5 Millionen Kopien über die Ladentheken.

Die Academy Of Recording Arts And Sciences nominiert das Album in den Kategorien Best Vocal Performance / Male, Album  und Best Soundtrack Album From A Motion Picture  für einen Grammy.

Um das Militär-Thema des Films zu betonen, ist Elvis natürlich auch auf dem Schallplatten-Cover in Uniform zu sehen.

Während Elvis' Zeit bei der US-Army hatte RCA Victor ein Abkommen mit der Gewerkschaft der Toningenieure geschlossen. Demnach mussten alle zur Veröffentlichung auf einer Schallplatte bestimmten Aufnahmen in einem RCA-Studio eingespielt werden. Zudem wurden die Pausenzeiten von Funktionären der Organisation peinlichst überwacht.

Und da man die Songs des Paramount-Films G.I. Blues  auf einer LP herausbringen wollte, musste sich der King diesem Abkommen fügen und seine Aufnahmen im RCA Studio in Hollywood, Kalifornien einspielen. Produziert wurden die Sessions von Joseph Lilley, der Tontechniker hieß Al Schmitt.

Neben Elvis (Gitarre) spielten auch Scotty Moore (Gitarre), Neal Matthews (Gitarre), Hilmer J. Timbrell (Gitarre, Mandoline), Ray Siegel (Bass), D. J. Fontana (Schlagzeug), Frank Bode (Schlagzeug), Dudley Brooks (Klavier), James Haskell (Akkordeon) und Hoyt Hawkins (Tamburin). Für den Hintergrundgesang sorgten The Jordanaires (Gordon Stoker, Hoyt Hawkins, Neal Matthews und Ray Walker).

Zwar konnten von allen Liedern akzeptable Master eingespielt werden, insgesamt war Elvis jedoch mit den Ergebnissen unzufrieden und ließ neue Termine anberaumen. Diesmal bestand er darauf, die Sessions bei Radio Recorders abzuhalten - Gewerkschaft hin oder her. Die Musiker waren dieselben, lediglich Schlagzeuger Frank Bode wurde durch Bernie Mattinson ersetzt. Da es in einigen Ländern Copyright-Probleme mit dem Song Tonight Is So Right For Love  gab, spielte man nun ein ähnliches Lied mit dem Titel Tonight's All Right For Love  ein. 

 

Tonight Is So Right For Love / Tonight Is All Right For Love

Passend zum Thema des Spielfilms beginnt die LP mit teutonischer Romantik inklusive Schifferklavier und Chor. Sid Wayne und Abner Silver nahmen sich die Barcarole  aus Hoffmanns Erzählungen  von Jeacques Offenbach vor und machten daraus Tonight Is So Right For Love. Am 27. April 1960 spielte Elvis zunächst sieben Takes dieses Liedes ein, bevor er entnervt aufgab und sich What's She Really Like  und Frankfort Special  widmete. Erst einige Stunden später kam er nochmal auf die Wayne/Silver-Komposition zurück und nahm weitere vier Takes auf. Den letzten davon erklärte er schließlich zum Master.

Wie eingangs bereits erwähnt, gab es außerhalb der USA Probleme mit dem Copyright, weil Offenbachs Barcarole  längst nicht überall in den Bereich des Public Domain fiel. Also bearbeiteten die beiden Autoren unter Mithilfe von Joseph Lilley auch noch die Geschichten Aus Dem Wienerwald  von Johann Strauß (Sohn). Das Ergebnis wurde Tonight Is All Right For Love  genannt und am 6. Mai 1960 aufgenommen. Diesmal spielte Elvis 17 Takes und zwei Workparts ein, den Master kombinierte man aus den Takes 10 und 2 (Workpart). Wie die beiden Titel schon vermuten lassen, ähneln sich die Lieder sehr. In beiden Fällen versucht der Sänger seine Liebste zu verführen, indem er ihr von der ach so romantischen Nacht vorschwärmt.

So wie RCA Victor je nach lokalen Copyright-Bestimmungen mal Tonight Is So Right For Love, mal Tonight Is All Right For Love  auf der LP veröffentlichte, ließ auch Paramount beide Songs vor identischer Kulisse filmen und inkludierte die jeweils rechtskonforme Version in die jeweiligen Schnittfassungen. In den USA wurde Tonight Is All Right For Love  übrigens erst 1974 auf der LP A Legendary Performer - Volume 1  veröffentlicht.

 

What's She Really Like

Mit diesem Lied klärt Elvis den Zuhörer über die Eigenschaften seiner Freundin auf und äußert sich, wie kann es anders sein, rundum positiv.

Der Popsong im mittleren Tempo hat eine angenehme Melodie und wird gut vorgetragen. Letzteres spricht für die Professionalität des Kings, denn nach fünf Takes warf er am 27. Mai 1960 zunächst das Handtuch und gab auf.

Am folgenden Tag versuchte er sich weitere 14 Mal an dem Song und spielte zudem drei Insert-Takes ein. Der Master ist ein Zusammenschnitt der Takes 14 und 3 (Workpart). Weil man damals im Studio einfach weiterzählte (d.h. man begann die zweite Session mit Take 6 und nummerierte die Insert-Takes mit den Ziffern 20 bis 22) lautet die offizielle Zusammensetzung des Masters Take 19 und 22. Auch hier heißen die Autoren Sid Wayne und Abner Silver.

 

Frankfort Special

Hier freut sich der Sänger schon auf die deutsche Großstadt mit ähnlicher Schreibweise, wobei ihm insbesondere die weiblichen Einwohner am Herzen liegen.

Der flotte Song stammt aus der Feder von Sid Wayne und Sherman Edwards und war von Elvis am 27. April 1960 eingespielt worden. Weil er mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, nahm er das Lied am 6. Mai noch einmal auf und benötigte dafür zehn Takes.

Mit einigen Zwischenrufen der Jordanaires soll auch hier wieder deutsches Flair erzeugt werden. Zu meinen Favoriten gehört Frankfort Special  nicht, für einen Filmschlager ist der Song aber OK.

 

Wooden Heart

Bereits 1827 wurde das deutsche Volkslied Muss I Denn, Muss I Denn Zum Städtele Hinaus  von Friedrich Silcher adaptiert, 133 Jahre später nahmen sich Fred Wise, Ben Weisman, Kay Twomey und Bert Kaempfert das Lied erneut vor und machten daraus Wooden Heart.

Elvis nahm den Titel am 28. April 1960 auf und benötigte dafür trotz der Strophe in deutscher Sprache nur vier Takes.

In Europa, Asien und Südafrika veröffentlichte RCA Victor das Lied auch auf einer Single und verkaufte davon allein in Deutschland mehr als zwei Millionen Kopien. In den USA ließ man sich leider die Butter vom Brot nehmen und überließ den Erfolg Joe Dowell, der mit seiner Version den ersten Platz der Hot 100 erreichte.

Kurioserweise fand sich Elvis' Aufnahme später auf den B-Seiten der Singles Blue Christmas  (1964) und Puppet On A String  (1965). 1970 war Wooden Heart  ebenfalls auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  zu hören.

 

G.I. Blues

Die erste Seite der LP endet mit dem Titelsong des Films. Geschrieben wurde das Lied von Sid Tepper und Roy C. Bennett, die Aufnahme fand am 27. April 1960 statt. Der Master stellt einen Zusammenschnitt aus Take 7 und Take 10 (Workpart) dar.

Der Sänger beklagt hier auf humorvolle Weise sein Schicksal als ein in Deutschland stationierter US-Soldat. Dem Thema des Films entsprechend hat der Song einen militärischen Rhythmus und enthält auch einige deutsche Worte.

 

Shoppin' Around

Mit diesem Song folgt nun eines der besten Lieder des Albums. Das ist auch kein Wunder, denn hier handelt es sich nicht um ein speziell für den Film komponiertes Lied, sondern um die Cover-Version einer Aufnahme von Joel Grey aus dem Jahr 1958.

Elvis spielte Shoppin' Around  am 27. April 1960 innerhalb von 11 Takes ein, war aber auch hier mit dem Endergebnis unzufrieden und wiederholte die Aufnahme am 6. Mai. Diesmal entstanden sieben Durchläufe, von denen der letzte zum Master erklärt wurde.

In dem flotten Popsong gibt der Sänger zu Protokoll, dass er seine große Liebe nun gefunden habe und sich daher nicht mehr nach anderen Mädchen umsehen werde.

Geschrieben wurde das Lied von Sid Tepper, Roy C. Bennett und Aaron Schroeder.

 

Big Boots

Hatte Elvis zuvor schon mit der Interpretation eines deutschen Volksliedes überrascht, folgt nun das zweite Novum auf einer Presley-LP: Ein Kinderlied. Auf der Leinwand singt Tulsa (Elvis) mit Big Boots  das Baby eines Soldaten-Kumpels in den Schlaf, im richtigen Leben tat sich der King mit der Nummer schwer.

Am 8. April entstanden zunächst vier Takes der langsamen, hier zu hörenden Fassung und danach noch einmal sieben Takes einer schnelleren Version. Am 6. Mai folgten zwei Takes im mittleren Tempo sowie sechs Takes, vier Insert-Takes und fünf Composite-Takes der langsamen Version. Den Master erstellte man schließlich aus Take 4 vom 28. April sowie dem Insert-Take 4 und dem Composite-Take 3 vom 6. Mai.

Prinzipiell gefällt mir die Komposition von Sid Wayne und Sherman Edwards recht gut, ohne den Zusammenhang mit der entsprechenden Film-Szene wirkt Big Boots  allerdings ein wenig merkwürdig.

 

Didja' Ever

Dasselbe Autoren-Team lieferte auch Didja' Ever. Hier besingt der King die Missgeschicke des Lebens (nur kaltes Duschwasser, kein Handtuch, etc.) und nutzt dabei dem Thema des Films entsprechend einen militärischen Rhythmus.

Aufgenommen wurde der Song am 27. April 1960, bereits der zweite Take wurde zum Master.

 

Blue Suede Shoes

Elvis den Rock'n'Roll-Klassiker bereits vier Jahre zuvor eingespielt, für den Film tat er dies am 28. April 1960 noch einmal. Hatte er es in den Golden Fifties bei dieser Nummer so richtig schön krachen lassen, klingt er hier vergleichsweise zahm und die Nummer damit wieder mehr nach Country.

 

Doin' The Best I Can

Die Ballade stammt aus der Feder von Doc Pomus und Mort Shuman, die Aufnahme erfolgte am 27. April 1960 innerhalb von 13 Takes.

Ohne Frage handelt es sich nicht nur um das absolute Highlight dieses Albums, sondern auch um einen der schönsten Filmschlager des Kings. Leider wird der Song heute allzu oft übersehen. 

 

Fazit & Bewertung

Musikalisch kann der Soundtrack nicht mit dem großartigen Vorgänger Elvis Is Back!  mithalten, doch entsprachen die Songs offensichtlich exakt dem Geschmack der damaligen Zeit. Die Verkaufszahlen und Grammy-Nominierungen sprechen eine deutliche Sprache.