Elvis Presley

Am 23. März 1956 veröffentlicht RCA Victor die erste LP des Hillbilly Cat.

Mit 300.000 verkauften Kopien steigt die Scheibe bereits eine Woche später in die Pop Album Charts ein, wird 49 Wochen lang notiert und erreicht den ersten Platz.

Bis zum Jahresende gehen allein innerhalb der USA mehr als 1,25 Millionen Stück über die Ladentheken.

Damit schlägt Elvis Presley  die bisherigen kommerziellen Spitzenreiter Selections From The Glenn Miller Story  und The Student Prince  und wird zum ersten Tonträger überhaupt, der einem Schallplatten-Label mehr als eine Million US-Dollar einbringt.

1966 bekommt Elvis von der RIAA eine Goldene Schallplatte verliehen, 45 Jahre später folgt posthum ein Platin Award.

Der weltweite Absatz von Elvis Presley  wird heute auf etwa drei Millionen Kopien geschätzt.

Für das Cover nutzte RCA Victor ein Konzert-Foto vom Sommer 1955. Die Rückseite wurde mit Promo-Bildern vom November desselben Jahres und Liner Notes mit Informationen zum neuen Vertragskünstler gestaltet.

Die ersten Sessions für das neue Label fanden am 10. und 11. Januar 1956 im RCA Studio in Nashville, Tennessee statt. Produziert wurden die Aufnahmen von Steve Sholes, die Tontechnik betreute Bob Ferris. Neben dem eingespielten Team aus Elvis (Gitarre), Scotty Moore (Gitarre), Bill Black (Bass) und D.J. Fontana (Schlagzeug) spielten auch Chet Atkins (Gitarre) und Floyd Cramer (Klavier). Zudem gab es nun erstmals auf einer Presley-Aufnahme Hintergrundgesang zu hören, der in diesem Falle von Gordon Stoker und Ben & Brock Speer stammte.

Zum Füllen eines Albums waren die Sessions jedoch nicht produktiv genug und auch die hausinterne Resonanz auf Heartbreak Hotel  fiel negativ aus. Trotzdem ließ Sholes den Song zusammen mit I Was The One  auf einer Single veröffentlichen.

Parallel stellte er jedoch auch eine EP mit unveröffentlichten SUN-Aufnahmen zusammen, um im Notfall die Kosten der Sessions zurückverdienen zu können.

Im Zeitraum vom 30. Januar bis zum 3. Februar wurden weitere Aufnahmetermine angesetzt. Diesmal fanden die Sessions im RCA Studio in New York City statt. Erneut fungierte Sholes als Produzent, die Tontechnik betreute jedoch Ernie Ulrich. Neben Elvis, Scotty, Bill und D.J. spielte diesmal der Pianist Shorty Long. Aus Kostengründen wurde, auf einen weiteren Gitarristen oder Hintergrundsänger verzichtet.

Ermuntert vom Erfolg der Single Heartbreak Hotel / I Was The One  stellte Mr. Sholes schließlich doch noch einen Long Player zusammen. Wie bei dem zuvor angedachten EP-Projekt mischte er allerdings auch hier alte und neue Aufnahmen.

Dadurch schwankt das Klangbild erheblich, die SUN-Aufnahmen haben einen signifikant anderen Sound als die Einspielungen für RCA Victor.

 

Blue Suede Shoes

Der Song basiert auf einer Begebenheit, die Johnny Cash während seines Militärdienstes in Landsberg am Lech erlebte. Dort hatte er einen Vorgesetzten, der stets auf sein Aussehen achtete und zu sagen pflegte Just don't step on my blue suede shoes. Cash erzählte dem Singer/Songwriter Carl Perkins davon und als dieser eines Abends auf einer Tanzveranstaltung einen Mann sah, der seine Partnerin aus Angst um seine Schuhe auf Abstand hielt, fügte er die beiden Begebenheiten zusammen und machte den Song Blue Suede Shoes  daraus.

Am ersten Januar 1956 wurde der Titel zusammen mit Honey Don't  auf einer Single veröffentlicht und sorgte für großes Aufsehen. Weil auch Elvis das Lied bereits im Fernsehen gesungen hatte, drängte Steve Sholes seinen jungen Schützling ebenfalls zu einer Schallplattenaufnahme. Sie entstand am 30. Januar im RCA-Studio in New York innerhalb von 10 Takes. Mit der geballten Marktmacht von RCA Victor wollte er die Presley-Version ebenfalls auf einer 45er herausbringen und Perkins den Hit abspenstig machen. Angeblich war es Elvis selbst, der sich gegen ein solches Vorgehen aussprach. Er stimmte allerdings zu, die Aufnahme sowohl auf der LP Elvis Presley, als auch auf der gleichnamigen EP und Doppel-EP herauszubringen.

Im August 1956 fand sich die Nummer schließlich doch noch auf einer Single - zusammen mit Tutti Frutti, einer weiteren Cover-Version eines aktuellen Hits der Konkurrenz. Für seinen Spielfilm G.I. Blues  spielte Elvis 1960 eine weitere, deutlich zahmere Fassung ein und auch auf den Live-Alben From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) war der Song vertreten. Eine weitere, vor Publikum eingespielte Version fand sich 1976 auf der LP A Legendary Performer - Volume 2.

An die großartige Studioaufnahme aus dem Jahr 1956 kam Elvis jedoch nie wieder heran.

 

I'm Counting On You

Die Ballade stammt aus der Feder von Don Robertson und wurde von Elvis am 11. Januar 1956 im RCA Studio in Nashville, Tennessee eingespielt. Der vergleichsweise langsame Song verlangte dem jungen Sänger deutlich mehr ab und so benötigte er ganze 17 Versuche, ehe er ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen konnte.

Im August 1956 kombinierte RCA Victor die Ballade mit I Got A Woman  auf einer Single und auch auf der Doppel-EP Elvis Presley  vom März desselben Jahres war I'm Counting On You  zu hören.

Insgesamt mag ich die Aufnahme des Kings, wenn er später vermutlich auch mehr aus der Nummer herausgeholt hätte.

 

I Got A Woman

Anfang 1955 hatte Ray Charles mit I've Got A Woman  die R&B-Charts gestürmt und auch Elvis hatte den Song seit ebendiesen Tagen im Live-Programm. Das Lied basiert auf dem Gospel It Must Be Jesus  und wurde von Renald Richard und Ray Charles verfasst.

Die Studio-Aufnahme des Hillbilly Cat entstand am 10. Januar 1956 im RCA Studio in Nashville, Tennessee innerhalb von acht Takes. Elvis schien des Songs offenbar niemals überdrüssig zu werden, denn auch nach seinem Bühnen-Comeback behielt er I Got A Woman  bis zum Ende im Konzertprogramm. Live-Aufnahmen davon sind auf den Alben Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977) zu hören.

Wie zuvor erwähnt, veröffentlichte RCA Victor die Studio-Aufnahme im August 1956 zusammen mit I'm Counting On You  auf einer Single und auch auf der zeitgleich mit dem Album veröffentlichten EP Elvis Presley  und der gleichnamigen Doppel-EP war der Song enthalten. Neunzehn Jahre später war I Got A Woman  abermals auf der LP Pure Gold  zu hören.

 

One-Sided Love Affair

Bei One-Sided Love-Affair  handelt es sich wieder um eine Originalnummer, diesmal geschrieben von Bill Campbell. Elvis nahm den flotten Popsong am 30. Januar 1956 im RCA Studio in New York innerhalb von acht Takes auf.

Das Lied gab es ebenfalls als Teil der Doppel-EP Elvis Presley, im Single-Format koppelte RCA Victor One-Sided Love-Affair  im August 1956 mit Money Honey.

Der Interpret möchte hier ein wenig von den investierten Gefühlen zurückbekommen und teilt seiner Lady mit, dass ihm an einer einseitigen Liebesbeziehung nicht gelegen ist. Von Fans und Kritikern wird der Song zumeist übersehen, für mich zählt er zu den Klassikern des Kings.

 

I Love You Because

1949 hatte der Komponist und Sänger Leon Payne mit I Love You Because  einen Top5-Hit in der Country & Western Chart verbuchen können und auch Elvis konnte nicht wiederstehen und nahm den Schmachtfetzen am 5. Juli 1954 bei SUN Records in Memphis, Tennessee auf. Sam Phillips bevorzugte jedoch die Uptempo-Nummern und beließ I Love You Because  im Archiv.

Für die Veröffentlichung auf diesem Album schnitt Steve Sholes am 20. Januar 1956 einen Master aus den Takes 3 und 5 zusammen. Im Juni veröffentlichte RCA Victor den Song auf der EP Elvis Presley  noch einmal, zwei Monate später kombinierte man ihn mit Trying To Get To You  auf einer Single.

In den 1970ern fanden sich Outtakes auf den LPs Elvis-A Legendary Performer  (1974) und The Sun Sessions  (1976). Auch bei diesem Lied kann Elvis mit seiner gefühlvollen Interpretation überzeugen.

 

Just Because

Der rhythmische Popsong stammt aus der Feder von Sydney Robin und wurde erstmals 1929 von Nelstone's Hawaiians herausgebracht. Die Aufnahme des Hillbilly Cat erschien auf der EP Elvis Presley  und im August 1956 in Kombination mit Blue Moon  auf einer Single. 1976 war der Titel zudem Teil der Compilation The Sun Sessions.

Weil seine Freundin sich für etwas Besseres hält und ihn nur ausnutzt, trennt sich der Sänger kurzerhand von der Dame. In den 1970ern wäre dieser Umstand sicherlich Anlass für eine schmalztriefende Ballade gewesen, doch in den Rockin' Fifties klang Elvis nicht einmal traurig.

Aufgenommen hatte er Just Because  übrigens schon am 10. September 1954 für SUN Records in Memphis, Tennessee.

 

Tutti Frutti

Auch die B-Seite der LP beginnt mit der Cover-Version eines aktuellen Chart-Hits. Anfang Januar hatte Little Richard mit Tutti Frutti den zweiten Platz der Hitparade für Rhythm & Blues Musik belegt, bereits am 31. des Monats spielte Elvis im RCA Studio in New York eine eigene Version ein. Allerdings benötigte der angehende King Of Rock'n'Roll zehn Versuche für den Song, während Little Richard mit drei Takes ausgekommen war.

Der Sänger hatte den lustigen Song über die Qualitäten seiner weiblichen Bekanntschaften selbst geschrieben, der Text war seinem Produzenten Robert Blackwell allerdings zu anzüglich, so dass er die Komponistin Dorothy LaBostrie die Nummer noch einmal überarbeiten ließ.

Im August 1956 brachte RCA Victor schließlich auch Elvis' Version auf einer Single heraus und koppelte den Song mit dem Carl Perkins Hit Blue Suede Shoes. Bereits im März war die Aufnahme auf der EP und der Doppel-EP Elvis Presley  erschienen.

 

Trying To Get To You

Trying To Get To You  wurde von Rose Marie McCoy und Charles Singleton geschrieben und 1954 erstmals von einer Gruppe namens The Eagles veröffentlicht. Bereits im Januar oder Februar 1955 nahm auch Elvis bei SUN Records in Memphis, Tennessee eine Version davon auf, schlussendlich war Sam Phillips mit dem Resultat aber nicht zufrieden, so dass man am 21. Juli desselben Jahres erneut zu Werke ging.

Das Resultat hätte eigentlich die A-Seite der nächsten Single werden sollen, doch dann wechselte Elvis zu RCA Victor und der Plan verlief im Sande. Im August 1956 koppelte man Trying To Get To You  schließlich doch noch auf einer 45er aus und veröffentlichte es zusammen mit I Love You Because. Auch auf der Doppel-EP Elvis Presley  war der Titel zu hören, ebenso wie 20 Jahre später auf dem Album The Sun Sessions.

Der King selbst schien Trying To Get To You  sehr zu mögen, denn im Zuge seiner Fernsehshow SINGER presents Elvis (1968) kam er wieder darauf zurück. Live-Aufnahmen befinden sich auf den Alben A Legendary Performer - Volume 1  (1974), Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977).

Obwohl ich auch das Original sehr mag, gefallen mir die späteren Konzertaufnahmen besser.

 

I'm Gonna Sit Right Down And Cry (Over You)

Anno 1953 veröffentlichte Roy Hamilton den Song I'm Gonna Sit Right Down And Cry (Over You), Elvis' Aufnahme folgte am 31. Januar 1956 im RCA Studio in New York. Der junge Sänger arbeitete lange an der Nummer, erst der 18. Versuch wurde zum Master.

In dem Lied von Joe Thomas und Howard Biggs gibt der Interpret bekannt, in große Trauer zu verfallen, sollte ihn seine Liebste jemals verlassen. Dies tut er allerdings gänzlich undramatisch in Form eines flotten Popsongs.

Bereits im März 1956 war das Lied auch auf der Doppel-EP Elvis Presley  enthalten, im August veröffentlichte RCA Victor den Song erneut auf der B-Seite von I'll Never Let You Go (Little Darlin'). In späteren Jahren wurde I'm Gonna Sit Right Down And Cry (Over You)  auch von anderen Interpreten, wie etwa Del Shannon, Shakin' Stevens und den Beatles gecovert.

 

I'll Never Let You Go (Little Darlin')

Geschrieben wurde I'll Never Let You Go (Little Darlin')  von Jimmy Wakely, die Aufnahme erfolgte im September 1954 bei SUN Records in Memphis, Tennessee. Elvis singt sehr gefühlvoll und auch der Hall-Effekt trägt zur Atmosphäre dieser hörenswerten Ballade bei.

1956 veröffentlichte RCA Victor I'll Never Let You Go (Little Darlin')  auch auf der Doppel-EP Elvis Presley  und auf der bereits zuvor erwähnten Single. Zwei Jahrzehnte später fand sich der Song zudem auf der LP The Sun Sessions.

 

Blue Moon

1933 schrieben Richard Rogers und Lorenz Heart für den Film Hollywood Party  ein Lied namens Prayer (Oh Lord, Make Me A Moviestar). Weil die Nummer schlussendlich doch keine Verwendung fand, nutzte das Duo die Melodie für einen Song mit dem Titel It's Just That Kind Of Play, der im Film Manhattan Melodrama  zum Vortrag kommen sollte. Auch daraus wurde nichts, doch immerhin entschied sich das Studio für eine dritte Version namens The Bad In Every Man. Zwar war der Song nun endlich veröffentlicht, ein Hit wurde er jedoch nicht. Und so schrieb Lorenz Heart einen vierten Text, eben Blue Moon. Erstmals aufgenommen wurde er von Glen Gray & The Casa Loma Orchestra, später folgten noch zahlreiche Cover-Versionen.

Elvis' Fassung entstand zwischen dem 15. und 19. August 1954 bei SUN Records in Memphis, Tennessee, Take 9 wurde zum Master. Prinzipiell bin ich kein großer Freund der frühen Balladen des Kings, Blue Moon  jedoch gehört zu den großen Ausnahmen. Das Arrangement ist spärlich und man nimmt Elvis die Einsamkeit und Trauer jederzeit ab.

Im Juni veröffentlichte RCA Victor die Ballade auf der EP Elvis Presley  erneut, zwei Monate später war sie zusammen mit Just Because  auf einer Single erhältlich.1976 fand sich Blue Moon  schließlich auch auf dem Album The Sun Sessions.

 

Money Honey

Die LP endet mit Money Honey, einer Aufnahme vom 10. Januar 1956. Obwohl der Song bereits seit geraumer Zeit ein fester Bestandteil des Bühnenprogramms war, kam kein zufriedenstellender Take zustande. So musste Steve Sholes den Master aus den Versuchen 5 und 6 zusammenschneiden. Geschrieben wurde Money Honey  von Jesse Stone, erstmals veröffentlicht wurde das Lied 1953 von den Drifters. Elvis mochte deren Lead-Sänger Clyde McPhatter sehr und coverte später noch mehrere seiner Songs.

In Money Honey  bittet der zahlungsunfähige Sänger seine Frau um Geld, wird von ihr für einen solventeren Partner verlassen und zieht daraus den Schluss, dass es besser sei, zunächst die finanziellen Verhältnisse abzuklären, bevor man sich auf eine Beziehung einlässt.

Im August 1956 fand sich Money Honey zusammen mit One-Sided Love-Affair  auch auf einer Single.

 

Fazit & Bewertung

Viel Zeit oder Geld mochte RCA Victor offenbar nicht investieren und auch die Qualität der Vorträge schwankt erheblich. Insgesamt halte ich die Scheibe jedoch für einen ordentlichen Einstand.