Back In Nashville

 

Der Nachfolger der 2020er Box From Elvis In Nashville kommt im November 2021 auf den Markt und heißt logischerweise Back In Nashville. Veröffentlicht wird das Set über die bekannten Streaming-Plattformen in HD bzw. MQA sowie als physisches Produkt im CD- und LP-Format.

RCA wollte im Frühjahr 1971 das produktive Rekordergebnis des Vorjahres wiederholen und organisierte eine zweite Marathon-Session im Studio B. Herauskamen die Alben Elvis Sings "The Wonderful World Of Christmas" (1971), He Touched Me (1972) sowie Teile von Elvis Now (1972) und Elvis (1973). Natürlich wurden auch Tracks für diverse Single-Veröffentlichungen produziert.

In Europa kann der seit nunmehr 44 Jahren verstorbene Sänger mit der Back In Nashville durchaus noch Charterfolge erzielen, hier platziert sich die Box auf den Rängen 18 (Schottland), 25 (Deutschland), 31 (Österreich), 39 (Schweiz), 46 (Spanien), 62 (Niederlande) und 63 (UK). Die Vinyl-Ausgaben erreichen, sofern es spezielle Charts für dieses Format gibt, die Top30 und Top40. In seinem Heimatland hingegen interessiert sich kaum jemand für das Set, es erreicht nicht einmal die Top100 der Billboard Charts.

Die Verpackung orientiert sich am Vorgänger, es gibt wieder ein Digi-pak mit vier CDs sowie ein Booklet. Die gezeigten Fotos stammen vom 16. Januar 1971 und passen somit zeitlich recht gut zum Inhalt. Das schön gestaltete Begleitheft enthält interessante Liner Notes sowie zahlreiche Abbildungen der aus den Sessions hervorgegangenen Alben und Singles, Abdrucke von Werbematerialien, etc. Optisch ist Back In Nashville zweifellos eine runde Sache.

Inhaltlich bleibt Sony bzw. RCA Legacy dem Konzept treu, wir bekommen also ReMixe zu hören, bei denen der Fokus auf Elvis und seiner Band liegt. In den wenigen Fällen, in denen versucht wurde, die im Studio anwesenden Hintergrundsänger auszublenden, funktioniert das nicht so gut, denn Elvis sang nicht in einer separaten Soundbooth, sondern zusammen mit seinen Mitstreitern im selben Raum. Somit fing auch sein Mikro die Begleitstimmen ein, so dass sie hier und dort ein wenig durchscheinen. Wie gesagt, das sind aber wenige Ausnahmefälle, grundsätzlich inkludierte Matt Ross-Spang die Harmonie-Stimmen in den Mix.

Überarbeitet wurden die Aufnahmen in den Battery Studios (New York) von Vic Anesini, für den Mix zeichnet - wie bereits geschrieben - Matt Ross-Spang verantwortlich, der wie üblich bei Sam Phillips Recording (Memphis) zu Werke zog. Produziert wurde das Set von Ernst M. Jorgensen.

Weil der Focus von RCA Victor damals auf der Produktion eines Weihnachtsalbums und einer Gospel-LP lag und man die Genres nicht mischen wollte, werden die Tracks diesmal nicht chronologisch, sondern nach Stilrichtungen geordnet wiedergegeben. Es beginnt mit dem Bereich Country/Folk (Elvis' ursprüngliche Idee war ein Album mit Folksongs), dann folgen die zur eigenen Klavierbegleitung spontan eingespielten Lieder, die Popsongs und schließlich die Gospels und Weihnachtslieder. Abgerundet wird das Programm wie gehabt durch Outtakes.

Mir persönlich gefällt die Back In Nashville längst nicht so gut wie der Vorgänger, denn das Liedmaterial ist schwächer und auch Elvis selbst ist keinesfalls in vergleichbarer Verfassung. Vielfach hinterlässt er einen unmotivierten Eindruck und seine Stimme klingt oft angestrengt und brüchig. Kurz und gut: Vom Glanz des Vorjahres ist nicht mehr viel übrig. Das heißt nicht, dass es hier keine Highlights zu entdecken gäbe. Etliche Tracks gefallen mir sogar ausnehmend gut, in Form dieser ReMixe vielfach sogar besser als die Originale.

Wie schon beim ersten Set, so möchte ich auch hier betonen, dass Elvis selbst die Tracks in dieser Form niemals freigegeben hätte. Die Orchester und Chöre waren schließlich auf seinen Wunsch hin zu hören und die Outtakes dürfte er schlicht und einfach als Müll betrachtet haben.

 

Nun aber zum Inhalt der Box:

CD 1    CD2    CD3    CD4

Bewertung

Die Verpackung ist stylisch, der Sound großartig und das WenigerIstMehr-Prinzip entspricht eher dem Zeitgeschmack des Jahres 2021 als die im Überfluss overdubten Masters. Dass Sänger und Material nicht so gut waren wie bei der vorangegangenen Marathon-Session, kann man RCA Legacy bzw. Sony nicht zum Vorwurf machen.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Cover bei Sony Music Entertainment.