From Elvis In Nashville

 

Ende November 2020 bringt Sony über das RCA Legacy-Label die 4 CD-Box From Elvis In Nashville auf den Markt. Anlass ist das 50ste Jubiläum der legendären Sessions im RCA Studio B, während der die Alben That's The Way It Is (1970), Elvis Country - I'm 10,000 Years Old (1971), Love Letters From Elvis (1971), Teile der LP Elvis Now (1972) und diverse Singles aufgenommen wurden.

Kommerziell sind Sets dieser Art meistens keine allzu großen Erfolge beschieden, im Heimatland des Kings notiert Billboard From Elvis In Nashville lediglich auf Rang 81. Umso überraschender stellt sich die Tatsache dar, dass die Box bei uns in Deutschland den 25. Platz der Verkaufscharts erreicht. Bedenkt man, dass Elvis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits seit 43 Jahren tot ist und Sets dieser Art vergleichsweise teuer sind, ist das Ergebnis mehr als respektabel. Sicherlich haben Streams auch ihren Anteil an dem Erfolg (aufgrund der Flatrate entfällt schließlich das Preisargument), aber im Jahr 2020 neigt der durchschnittliche Presley-Fan dann eben doch noch zum Kauf physischer Produkte.

Das Set besteht aus einer ansprechend gestalteten Box, auf dessen Cover Elvis mit seiner Studio-Band für ein offenbar privat aufgenommenes Gruppenfoto posiert. Das Bild auf dem Booklet entstand am selben Tag, es handelt sich um den 4. Juni 1970, und zeigt den Meister bei seiner Ankunft am RCA Studio B in Nashville/Tennessee.

Das besagte Begleitheft ist 28 Seiten stark und enthält Infos zu den Sessions, den daraus hervorgegangenen Veröffentlichungen sowie den Begleitumständen. Das Design ist sehr ansprechend, es werden viele Fotos und Memorabilien gezeigt.

Für die Optik zeichnet Roger Semon verantwortlich, produziert wurde das Set von Ernst M. Jorgensen. Somit verbergen sich hinter dieser Mainstream Release die Köpfe des Sammler-Labels Follow That Dream Records. Viel wichtiger als die Verpackung ist freilich der Inhalt. Das Mastering der Aufnahmen wurde von Vic Anesini in den Battery Studios in New York vorgenommen, den Mix übernahm Matt Ross-Spang bei Sam Phillips Recording in Memphis.

Und damit sind wir auch schon beim wichtigsten Punkt dieser Box angelangt. Sony bzw. RCA Legacy serviert uns nämlich nicht einfach die altbekannten Masters, sondern legt die Tracks als ReMixe vor. Mr. Ross-Spang ließ die damals nachträglich hinzugefügten Blechbläser, Streicher und Harmonie-Sänger weg, zudem legte er den Fokus auf andere Instrumente als seinerzeit Felton Jarvis (der Produzent der Originalfassungen). So stellte er zum Beispiel Orgel und Bass prominenter heraus und zog die Stimme des Kings einen Tick mehr in den Vordergrund. Das Ergebnis klingt dynamisch, mitreißend und absolut grandios. Selten war ich von ReMixen so begeistert wie von diesen!

Natürlich ist mir bewusst, dass die hier nun fehlenden Elemente Teil von Elvis' Konzept waren und er die Tracks ohne die Orchester und Chöre keinesfalls zur Veröffentlichung freigegeben hätte. Meiner Begeisterung tut das freilich keinen Abbruch.

Die ersten beiden Discs des Sets sind den Master-Takes gewidmet, die anderen beiden Scheiben enthalten Outtakes. Viele der Aufnahmen sind bereits bekannt, aber From Elvis In Nashville liefert dann doch das eine oder andere Extra in Form von bis dato unveröffentlichten, komplett ausgespielten Master-Takes, Abbrüchen und Studio-Gesprächen. Vermutlich hat man etliche Sequenzen zuvor aufgrund der nicht immer standesgemäßen Ausdrucksweise des Kings weggelassen. Anno 2020 hält Sony das Publikum aber offenbar bereit für die Erkenntnis, dass Elvis Worte wie "fucking" und "goddamn" liebte und diese immer mal wieder gern in seine Sätze einbaute. Das bekannte Material stellt für uns langjährige Sammler übrigens ebenfalls einen echten Mehrwert dar, denn die hier gebotene Tonqualität übertrifft die bekannten Fassungen um Längen.

Zu den Inhalten der einzelnen CDs gelangt ihr über die Labels.

 

 

Bewertung

Mit dem Hybrid aus ReMixen und Outtakes bietet uns Sony / RCA Legacy eine schick verpackte, inhaltlich interessante und akustisch höchst gelungene Sicht auf die legendären Marathon-Sessions vom Sommer 1970.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Cover bei Sony Music Entertainment.