Way Down In The Jungle Room

 

Passend zum 40jährigen Jubiläum bringt Sony im August 2016 über das klassische RCA-Label eine Doppel-CD mit jenen Songs auf den Markt, die Elvis im Februar und Oktober 1976 im Jungle Room seiner Graceland-Villa aufnahm. Das US-Branchenblatt Billboard notiert das Set auf den Rängen 79 (Top 200 Albums), 25 (Top Current Albums), 13 (Vinyl Albums), 8 (Top Rock Albums) und 6 (Tastemaker Albums & Top Country Albums). In Australien erreicht es den 9. Platz der Charts, in Großbritannien Rang 16 und in den Niederlanden Position 25.

Die Compilation ist auch auf den Streaming-Portalen verfügbar. Die Tracks wurden dafür mit hochauflösendem Equipment eingelesen, zudem wurden auch MQA-Versionen produziert.

Ursprünglich waren die Songs auf den LPs From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (1976) und Moody Blue (1977) sowie den Singles For The Heart / Hurt (1976), Moody Blue / She Thinks I Still Care (1976) und Way Down / Pledging My Love (1977) herausgebracht worden. Die neue Veröffentlichung trägt den Titel Way Down In The Jungle Room und steckt in einem doppelt aufklappbaren Digi-pak. Begleitet werden die beiden Tonträger von einem 24seitigen Booklet mit weiterführenden Informationen, Liner Notes von John Jackson und zahlreichen Fotos.

Zudem liegt dem Set ein Faltblatt bei, das einige Presley-Veröffentlichungen der letzten Jahre bewirbt und auf das im Oktober 2016 eröffnete The Guest House At Graceland  hinweist.

Neben der CD-Ausgabe wurde Way Down In The Jungle Room  auch in einer Vinyl-Version als Doppel-LP und als Download auf den Markt gebracht.

Die Produzenten Ernst M. Jorgensen und Rob Santos ließen die Tracks von Vic Anesini neu mastern, den Mix übernahm Matt Ross-Spang. Tätig wurde er bei Sam Phillips Recording in Memphis, Tennessee. Das Studio selbst bietet keinerlei Besonderheiten, hier ging es den Produzenten wohl ausschließlich darum, den Kreis zu schließen. Elvis hatte seine ersten Aufnahmen für Phillips gemacht, nun sollten auch seine letzten Einspielungen in dessen Räumen bearbeitet werden.

Mit Ausnahme einiger Studio-Dialoge wurden alle Aufnahmen bereits veröffentlicht. Im Gegensatz zu den vorherigen Produktionen fügte Mr. Ross-Spang den Aufnahmen jedoch ein erhebliches Maß an Echo hinzu, um das Klangbild den Original-LPs anzugleichen. Außerdem setzte er bei den Instrumenten und Stimmen teilweise andere Akzente als seine Vorgänger.

Welche Version man nun bevorzugt, ist ausschließlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Mir gefallen die Arbeiten von Matt sehr gut, alles klingt dynamischer und lebhafter als bei den vorherigen Fassungen.

 

 

CD 1 - The Masters

Way Down

Das Set eröffnet mit dem Titelsong, der dem King im Sommer 1977 eine Top40-Notierungt in der Hot 100 und einen Nummer 1-Hit in den Country Charts einbrachte. Im LP-Format war Way Down seinerzeit auf dem Album Moody Blue zu finden.

Ohne Frage kam der rockige Popsong beim Publikum an, obwohl ich den Gesang des Meisters als ein wenig müde empfinde. Hätte er sich mehr engagiert, wäre aus Way Down ein echtes Highlight geworden.

Geschrieben wurde der Titel von Layng Martine jr, die Aufnahme erfolgte am 29. Oktober 1976 im Jungle Room von Graceland. Als Nummer des Mastertakes ist 2C angegeben, was daran liegt, dass Produzent Felton Jarvis mehrere Durchläufe als Take 2 bezeichnete oder gar nicht ansagte. Bei korrekter Zählweise wäre es Take 5 gewesen. Zusätzliche Instrumente und Hintergrundgesang wurden am 22. Januar in Nashville ergänzt.

 

She Thinks I Still Care

Im November 1976 brachte RCA die Nummer auf der B-Seite der Single Moody Blue heraus, ein halbes Jahr später fand sie sich abermals auf dem gleichnamigen Album. Erstmals aufgenommen wurde das Lied im Jahr 1962 von George Jones, für die Komposition zeichnete Dickey Lee verantwortlich.

Der Ich-Erzähler wurde von seiner Liebsten verlassen, weigert sich aber hartnäckig zuzugeben, dass ihm noch etwas an der Dame liegt. Elvis mühte sich am 2. Februar 1976 durch 19 Takes (weil die Nummern 2 und 12 doppelt vergeben wurden, bildet offiziell Take 17 die Grundlage des Masters) und leistete sich auch bei der schlussendlich veröffentlichten Fassung die eine oder andere gesangliche Schwäche.

Nichtsdestotrotz klingt er streckenweise auch hier noch beeindruckend und interpretiert den Song sehr gefühlvoll und absolut glaubhaft. Am 24. Februar wurde noch eine Gitarre ergänzt, die Streicher folgten am 24. März. Zudem kürzte Felton Jarvis die Aufnahme um etwas mehr als eine Minute.

 

Bitter They Are, Harder They Fall

Weiter geht es mit einem Song von dem Album From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee. Geschrieben wurde die groß orchestrierte Ballade von Larry Gatlin, der sie auch 1973 als erster aufnahm. Elvis folgte ihm am 2. Februar 1976 und benötigte für seine Version sieben Takes. Der Backup-Gesang von Sherrill Nielsen wurde nachträglich hinzugefügt, ebenso wie die Streicher (24. März).

Mit viel Pathos betrauert der Sänger das Scheitern seiner großen Liebe. Elvis singt sehr emotional und man nimmt ihm seinen Schmerz jederzeit ab.

 

Pledging My Love

Das Original des von Ferdinand Washington und Don Robey geschriebenen Songs stammt aus dem Jahr 1955 von Johnny Ace und befand sich damals angeblich auch zeitweilig im Bühnenprogramm des jungen Elvis.

Einundzwanzig Jahre später, genauer gesagt am 29.10.1976,  benötigte er sechs Takes, bevor er die Nummer zu seiner Zufriedenheit auf dem Band hatte. Am 22. Januar 1977  wurden zusätzliche Instrumente und Hintergrundgesang ergänzt. Zudem kürzte Felton Jarvis die Aufnahme um mehr als zweieinhalb Minuten. Der so entstandene Master war schließlich auf der B-Seite der Single Way Down und dem Album Moody Blue zu hören.

 

For The Heart

Im März 1976 veröffentlichte RCA den Swamp Rock aus der Feder von Dennis Linde zusammen mit der Ballade Hurt auf einer Single, wenige Wochen später waren die beiden Songs auch auf der LP From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee zu hören. Weil Billboard Hurt zur A-Seite erklärte, wurde dieser Titel in den Hot 100 notiert und For The Heart musste sich mit dem 45sten Platz der Country Charts zufrieden geben.

Mir gefällt dieser Song so richtig gut. Der King ist mit vollem Einsatz dabei und harmoniert ganz wunderbar mit den Hintergrundsängern, die mich hier ein wenig an die guten, alten Zeiten mit den Jordanaires erinnern.

Die Aufnahme entstand übrigens am 5. Februar 1976 (mit Bass-Overdubbs vom 15. Februar und Hintergrundgesang vom 16. Februar), erstmals veröffentlicht wurde der Titel jedoch ein Jahr zuvor von Teresa Brewer.

 

Love Coming Down

Anno 1975 nahm der Country-Star George Jones diese Ballade auf. Die Version des Kings folgte am 6. Februar 1976, Take 5 bildete die Grundlage für den Master. Später wurden noch Bass (15. Februar), Hintergrundgesang (16. Februar), eine Gitarre (24. Februar) und Streicher (24. März) hinzugefügt. Das Ergebnis fand sich später auf der LP From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee.

Geschrieben wurde Love Coming Down von Jerry Chesnut, der auch an dem ebenfalls auf dieser Disc zu hörenden Never Again beteiligt war. Der Sänger entschuldigt sich hier bei seiner Frau, die er offenbar lange Zeit vernachlässigt hat, weil ihm seine Kariere wichtiger war. Nun will sie ihn verlassen und er bittet um eine letzte Chance. Elvis tut dies einmal mehr dermaßen glaubwürdig, dass man fast meinen könnte, er offenbare hier einen Teil seiner wahren Gefühle.  

 

He'll Have To Go

Wie am Vortag, so hatten sich die Musiker auch am 30. Oktober 1976 im Jungle Room der Graceland-Villa versammelt, um neue Lieder einzuspielen. Doch Elvis verweigerte die Arbeit, so dass zunächst nur der Rhythm-Track aufgenommen werden konnte.

Erst am nächsten Tag sang Elvis zu dem Playback und lieferte damit gleichzeitig auch seine letzte Studio-Aufnahme ab. Am 7. April 1977 wurde nachträglich eine Gitarre ergänzt und das Ergebnis drei Monate später auf dem Album Moody Blue veröffentlicht.

In dem Song telefoniert der Sänger mit seiner Liebsten und fordert sie auf, sich zwischen ihm und dem anderen Mann zu entscheiden. Elvis klingt traurig und auch ein wenig müde. Er kämpft nicht um die Dame, sondern möchte nur eine Entscheidung. Mir gefällt die Stimmung des Liedes sehr gut und auch die Interpretation trifft voll und ganz meinen Geschmack.

Erstmals aufgenommen wurde dieser Song aus der Feder von Joe und Audrey Allison 1957 von Billy Brown. Obwohl He'll Have To Go kein großer Erfolg wurde, coverte Jim Reeves zwei Jahre später das Lied und landete damit überraschenderweise einen Mega-Hit. Vierzehn Wochen lang hielt sich seine Single an der Spitze der Country Chart von Billboard und zählt damit zu den absoluten Spitzenreitern dieses Genres.

 

Blue Eyes Crying In The Rain

Weiter geht es mit einem Song von der LP From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee. Die meisten Fans dürften seinerzeit die Ballade noch in der Version von Willie Nelson im Ohr gehabt haben, der damit im Jahre 1975 einen Nummer-1-Hit in der Country Chart verbucht hatte. Erstmals aufgenommen wurde dieser Klassiker aus der Feder von Fred Rose jedoch schon 1945 von Roy Acuff.

Auch hier geht es wieder um die Trennung von der Liebsten, wobei der Sänger sicher ist, dass es sich um einen Abschied für immer handelt.

Elvis nahm Blue Eyes Crying In The Rain am 7. Februar 1976 innerhalb von 5 Takes auf, neun Tage später wurde der Hintergrundgesang hinzugefügt. Der King klingt hier streckenweise etwas nasal, was Felton Jarvis durch das Hinzufügen von künstlichem Echo zu kaschieren versuchte. 

 

Hurt

Die Aufnahme entstand am 5. Februar 1976 innerhalb von sieben Takes, später wurde noch Hintergrundgesang (16. Februar) und ein Schlagzeug (17. Februar) hinzugefügt. Neu war der von Jamie Crane und Al Jacobs geschriebene Song freilich nicht, schon 1954 hatte sich Roy Hamilton damit unter den ersten zehn der R&B Chart platziert, 1961 erreichte Timi Yuro sogar Rang 5 der Hot 100.

RCA hatte den Song im Vorfeld des Albums From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee auf der B-Seite der Single For The Heart veröffentlicht und dem King somit immerhin einen Top 30-Hit beschert.

Mir persönlich gefällt diese Herzschmerz-Nummer sehr. Die Liebste hat sich partnerschaftlich neu orientiert und der Sänger bringt sein Leid mit opernhaftem Geknödel wehklagend zum Ausdruck. Elvis legt sehr viel Gefühl in den Song und man nimmt ihm den Text jederzeit ab.

In seinen Bühnenshows brachte der King Hurt regelmäßig zum Einsatz, eine Live-Aufnahme findet sich auf dem Doppel-Album Elvis In Concert (1977).

 

Never Again

Auch hier geht es um den Schmerz einer verlorenen Liebe. Diesmal schwört sich der Sänger jedoch, solche Gefühle niemals wieder zuzulassen, da er einen weiteren Verlust nicht ertragen könnte.

Geschrieben wurde das Lied von Billy Ed Wheeler und Jerry Chesnut, die dem King drei Jahre zuvor auch das großartige It's Midnight geliefert hatten. Elvis singt diesen wunderbar getragenen Song nicht nur, er lebt ihn förmlich, so dass man ihm auch hier jedes Wort unbesehen glauben mag.

Aufgenommen wurde der Titel übrigens am 6. Februar 1976, Take 14 wurde zum Master-Take. Am 16. und 17. Februar ergänzte Felton Jarvis den Hintergrundgesang und das Schlagzeug, am 24. März folgten die Streicher. Die Veröffentlichung erfolgte auf dem Album From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennesse.

 

Danny Boy

Von derselben LP stammt auch dieser Klassiker. Das Lied wurde 1910 von Frederic Weatherly auf die Melodie von Londonderry Air geschrieben. In Erwartung des eigenen Todes verabschiedet sich hier ein Vater von seinem in die Welt hinausziehenden Sohn und drückt dabei mächtig auf die Tränendrüse.

Einmal mehr erweist sich der King als absoluter Meister der Interpretation, seine Stimme ist voller Schmerz und Trauer und klingt dabei absolut beeindruckend. Besser kann man Danny Boy schlicht und einfach nicht singen!

Erstmals aufgenommen wurde das Lied übrigens im Jahr 1915 von Ernestine Schuhmann-Heink. Elvis' Version stammt vom 5. Februar 1976, er benötigte für den Song 10 Takes. 

 

Solitaire

Die Nummer beschreibt das Schicksal eines Mannes, der von seiner Frau verlassen wurde und nun einsam seine Zeit mit dem Kartenspiel verbringt.

Elvis singt das Lied sehr ergreifend, unverkennbar schwingen in seiner Stimme Trauer und Einsamkeit mit. Auch wenn der King das Original von Neil Sedaka sehr zum Missfallen des Komponisten ein wenig veränderte, gehört dieser Song zu meinen absoluten Favoriten auf dem Boulevard-Album.

Die Aufnahme entstand am 3. Februar 1976, Take 11 wurde zum Master-Take. Die Streicher wurden am 24. März ergänzt.  

 

Moody Blue

Der Song stammt aus der Feder von Mark James und wurde von Elvis am 4. Februar 1976 in seiner Villa Graceland in Memphis, Tennessee innerhalb von 10 Takes aufgenommen. Später fügte Felton Jarvis im Young 'Un Sound Studio noch Bass (15. Februar), Schlagzeug (17. Februar), Gitarren (24. Februar) und Geigen (24. März) hinzu und kürzte die Aufnahme um etwa anderthalb Minuten.

Der Sänger hadert mit einer äußerst wechselhaft agierenden Dame und tut dies in Form eines flotten Popsongs mit Disco-Elementen. Dieser damals moderne Stil ist völlig untypisch für Elvis, passt aber sehr gut zu ihm und ist für den Einsatz im Radio wie geschaffen.

Die Originalversion stammt von Mark James selbst, der den Titel schon zwei Jahre vor Elvis auf einer Single herausbrachte. Die Presley-Version war im November 1976 veröffentlicht worden und hatte dem King einen Nummer-1-Hit in der Country Chart beschert. Um von dem Erfolg zu profitieren, benannte RCA auch das im Sommer des folgenden Jahres herausgebrachte Album nach diesem Lied.

 

It's Easy For You

Für diese traurige Ballade zeichnen die Musical-Ikonen Tim Rice und Andrew Lloyd-Webber verantwortlich. Am 29. Oktober 1976 nahm Elvis vier Takes davon auf, den zweiten Versuch wählte er schließlich zur Grundlage des Masters. Diese wurde am 6. April 1977 nachbearbeitet und mit einem Gitarren-Overdub versehen. Die Veröffentlichung erfolgte wenige Wochen später auf dem Album Moody Blue.

Der Ich-Erzähler wurde von der Geliebten verlassen, für die er einstmals seine Familie aufgab und muss nun feststellen, dass sich die Situation für ihn selbst ungleich schwieriger gestaltet als für seine ehemalige Affäre. Auch hier legt Elvis wieder sehr viel Gefühl in den Vortrag und bringt den Song absolut glaubwürdig rüber.

 

I'll Never Fall In Love Again

Für die letzten beiden Tracks kehren wir noch einmal zum Album From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee  zurück. Die Ballade stammt aus der Feder von Jimmy Currie und Lonnie Donegan, der sie auch 1962 als erster aufnahm. Den großen Hit landete damit allerdings fünf Jahre später Tom Jones, dessen Version auf dem zweiten Platz der UK-Charts landete und in den USA zur Nummer 1 der Easy Listening Chart wurde.

Am 4. Februar 1976 spielte Elvis zunächst fünf Takes von I'll Never Fall In Love Again ein, bevor er aufgab und sich Moody Blue zuwandte. Nach weiteren sechs Durchläufen erklärte er schließlich den insgesamt neunten Versuch (die Nummerierung wurde nach der ersten Session fortgesetzt) zum Master-Take. Dieser wurde am 24. März mit Streichern ergänzt.

Der Interpret wurde von seiner Frau betrogen und schwört der Liebe nun endgültig ab. Aufrichtig klingt der King auch hier, über weite Strecken jedoch leider auch etwas angestrengt.

 

The Last Farewell

Dass der ehemalige King Of Rock'n'Roll ausgerechnet ein Lied von Roger Whittaker aufgenommen hat, gilt vielen Fans und Kritikern bis heute als einer der größten Fehltritte seiner Kariere. Tatsächlich aber liebte Elvis diesen Song und wollte ihn unbedingt singen.

Whittaker moderierte 1971 eine Radioshow und forderte darin die Zuhörer auf, ihm Texte zu schicken, die er dann vertonen und in der nächsten Sendung vortragen wollte. Ein Schmied namens Ron A. Webster schickte ein Gedicht mit dem Titel The Last Farewell, in dem sich ein britischer Soldat auf einer Südsee-Insel von seiner Liebsten verabschieden muss. Er wurde wieder in die Heimat beordert und weiß, dass er die Frau niemals wiedersehen wird. Whittaker schrieb eine sentimentale Melodie zu dem Text und verkaufte damit mehr als 11 Millionen Singles.

Elvis spielte seine Version am 2. Februar 1976 ein, die Grundlage des Masters bildete eine Kombination aus den Takes 3 und 5. Später wurde noch der Backup-Gesang von Sherrill Nielsen hinzugefügt, die Geigen folgten am 24. März. Obwohl mir die Aufnahme sehr gefällt, verdecken die Overdubs aus meiner Sicht zu viele Details des Master-Takes. Weniger wäre hier sicherlich mehr gewesen.  

 

 

CD 2 - The Outtakes

Bitter They Are, Harder They Fall (Take 1)

"You guys don't desert me on the very first part" sagt Elvis und räuspert sich übertrieben. Dann geht es los, doch nach wenigen Zeilen macht sich der Nachteil eines Heimstudios bemerkbar und der Take muss wegen eines klingelnden Telefons abgebrochen werden. Der King schlägt vor, das Ding von der Wand zu schießen. Als dann auch noch ein Hund bellt, will Elvis diesen auch gleich auf diese Art beseitigen lassen.

Obwohl es sich um den ersten Versuch handelt, haben Elvis und seine Mannen die Ballade schon gut im Griff. Als Abweichung zum Master-Take fällt auf, dass der King hier etwas höher singt.

Erstmals veröffentlicht wurde diese Aufnahme im Jahr 2006 auf der CD Made In Memphis.

 

She Thinks I Still Care (Take 10)

Den nächsten Track kennen wir von der 4-CD-Box Today, Tomorrow And Forever aus dem Jahr 2002, die es in den USA sogar auf den 180sten Platz der Billboard Charts schaffte.

Elvis und seine Jungs gehen den Song wesentlich dezenter an als beim späteren Master. Nach einer Strophe bricht der King schließlich ab und der Toningenieur sagt den achten Take an. Dieser wird aber auch nicht alt, denn abermals beendet Elvis die Aufnahme nach wenigen Sekunden. Ihm ist die Instrumentierung zu spärlich, denn er hat das Gefühl, dass die Musik ebenfalls aufhört, wenn er eine Pause macht.

Erst jetzt folgt der aufgeführte zehnte Durchlauf. Dieser wird aufgrund der Anmerkungen des Kings einen Tick forscher gespielt, zudem nehmen die Instrumente und Sänger mehr Raum ein. Insgesamt gefällt mir der Take recht gut, wenn auch längst noch nicht alles 100%ig rund läuft.

 

The Last Farewell (Take 2)

Ronnie Tutt zählt mit seinen Drumsticks ein und gibt den Takt vor. Das Arrangement steht und jeder weiß bereits genau, was zu tun ist. Mir gefällt dieser Take ausgesprochen gut, erstmalig zu hören war er übrigens im Jahr 2000 auf der CD The Jungle Room Sessions.

 

Solitaire (Take 7)

Elvis übt seinen Part und singt leise vor sich hin. Der erste Versuch wird aber trotzdem nicht alt, da er sich nach wenigen Sekunden versingt und daraufhin scherzhaft droht, Neil Sedaka (den Komponisten des Songs) umzubringen.

Hier und dort klingt der Meister noch unsicher, insbesondere am Refrain arbeitet er noch und nähert sich dabei im Verlauf der Aufnahme immer mehr der vom Master-Take bekannten Interpretation an.

Erstmals zu hören war die Aufnahme im Jahr 2006 auf der CD Made In Memphis.

 

I'll Never Fall In Love Again (Take 5)

Weil das Intro misslingt wird nach wenigen Takten abgebrochen und noch einmal neu angesetzt. Bei der zweiten Strophe variiert Elvis den Text ein wenig und singt "..when you fell for someone else"  anstatt "...when I saw you in his arms". Die laut geschmetterten Passagen kosten den King hörbar Kraft, hier und dort hat er Mühe, die Töne zu treffen und/oder zu halten.

Der neue Mix kaschiert diesen Umstand allerdings geschickt, auf der CD The Jungle Room Sessions sind die Unzulänglichkeiten des Sängers deutlicher herauszuhören.

 

Moody Blue (Take 1)

Diese Aufnahme wurde erstmals im Jahr 2013 auf der Classic Album-Ausgabe der letzten LP des Kings veröffentlicht.

Während James Burton im Hintergrund ein paar Gitarrenläufe spielt, befürchtet Elvis, dass er sich irgendwann aus Versehen mit den (provisorisch kreuz und quer im Raum verlaufenden) Kabeln aufhängen könnte - wie der verdammte Wolf, der den Roadrunner jagt. Im Vergleich zum Master-Take wird der Song hier langsamer gespielt, außerdem hat Elvis noch merklich mit den Tönen und dem Timing zu kämpfen.

 

For The Heart  (Take 1)

"Let's just try it!" sagt Felton Jarvis, dann geht es auch schon los. Das Lied wird beim ersten Durchlauf noch etwas langsamer gespielt als die bekannte Master-Version. Insgesamt hat der Take ein leichtes Jam Session-Feeling, was mir sehr gut gefällt. Am Schluss fällt der Song regelrecht auseinander und Elvis macht einen kleinen Scherz daraus.

Erstmals zu hören war der Track bereits im Jahr 1997 auf dem 4-CD-Set Platinum: A Life In Music, das seinerzeit in den Billboard Charts auf Rang 80 notiert wurde.

 

Hurt (Take 3)

Kraftvoll singt Elvis die erste Zeile "I am so hurt", doch dann misslingt der Übergang, was Elvis mit "God-damn it!" kommentiert. Kathy Westmoreland lacht sich darüber kaputt während J.D. Sumner und Charlie Hodge meinen, das sei echter Schmerz gewesen. Bei dieser Szene handelt es sich übrigens um den gescheiterten, sechsten Take.

Erst jetzt hören wird den ausgewiesenen, dritten Durchlauf. Diesmal gelingt der Einstieg, allerdings geht dem King danach der Atem aus und es entsteht eine ungewollte Pause. Auch an anderer Stelle scheint Elvis nach kraftvollen, langgezogenen Passagen die Luft zu fehlen. Insgesamt interpretiert er Hurt  noch ein wenig anders als beim Master-Take. Stellenweise singt er höher, hier und dort betont er anders oder variiert auch mal den Text.

Den dritten Take kennen wir von der CD The Jungle Room Sessions.

 

Danny Boy (Take 9)

Nach acht Durchläufen möchte Elvis den Klassiker jetzt in der Tonart C probieren. Zuvor hatte er das Lied deutlich höher gesungen und war jedesmal an derselben Stelle gescheitert.Hin und wieder gehorcht ihm die Stimme nicht 100%ig, so dass schlussendlich noch ein weiterer Take notwendig wurde.

Prinzipiell kennen wir die Aufnahme bereits von dem 4-CD-Set Platinum: A Life In Music. Um ein größeres Rehearsal-Feeling zu erzeugen hatte man die Harmonie-Sänger damals stark in den Hintergrund gemischt. Im neuen Mix sind sie erstmals prominent zu hören, weil nun der Sound den Masters angeglichen werden sollte.

 

Never Again (Take 9)

Felton Jarvis möchte den Bass im band bus (dem Kanal im Mischpult) ein wenig zurückfahren, Elvis und die Musiker üben derweil ihre Parts. Der King will, dass die Jungs so locker spielen wie auf der Bühne und ruft als Gag "Bring out the booze, grandma!"

In dem von der Classic Album-Ausgabe der LP From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (2012) bekannten Take hat der Meister noch hörbare Mühe mit dem Lied, hier und dort klingt er nasal und zittrig.

 

Love Coming Down (Take 3)

Auch hier hat der King noch mit dem Lied zu kämpfen. Es scheint ihm schwer zu fallen, die Töne richtig zu treffen bzw. länger zu halten. Als weitere Abweichung zum Master fällt auf, dass die Musiker einige Parts noch etwas anders spielen.

Erstmals zu hören war die Aufnahme im Jahr 2000 auf der CD The Jungle Room Sessions.

 

Blue Eyes Crying In The Rain (Take 4)

Zunächst hören wir den ersten Take, bei dem sich Elvis schon bei der zweiten Zeile versingt und kommentiert "I jumped on rain".

Dann folgt der vierte Durchlauf, der erstmals auf der Classic Album-Version der LP From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (2012) zu hören war. Auch hier singt der King noch nicht perfekt, insgesamt klingt der Take sehr relaxed, fast schon nach einer Jam-Session.

 

She Thinks I Still Care (Take 2b)

Weil Felton Jarvis den zweiten Take doppelt angesagt hat, trägt dieser hier die Bezeichnung 2b. Nachdem Elvis die ersten Durchläufe an die Originalaufnahme angelehnt hatte, versuchte er sich jetzt an einem Blues-Arrangement, bevor er schließlich zur allseits bekannten Interpretation fand. Mir gefällt diese, deutlich rhythmischer arrangierte Fassung ausgesprochen gut.

Erstmals zu hören war diese Aufnahme übrigens im Jahr 1995 auf der 5-CD-Box Walk A Mile In My Shoes - The Essential 70s Masters.

 

It's Easy For You (Take 1)

Wir hören Gelächter und Kathy Westmorelands Bemerkung, sie würde Teile von John Wilkinsons Part stehlen. Elvis fügt an "Nothing personal, John!", jemand anderes bemerkt "Just business!" Nach weiteren Sprüchen und einem Fehlstart beschwert sich John, dass er seine Gitarre nicht hören kann. Der King entgegnet trocken "You don't need to. Sit over there, John!" und löst damit erneute Erheiterung aus.

Jetzt beginnt die Band mit dem Song, was Elvis aber offensichtlich überrascht. Er lässt abbrechen und meint, man benötige eine rote Lampe...die Jungst würden dann außerdem besser spielen, weil sie meinten, sie seien im Puff! Das Lied selbst wird dann allerdings engagiert und seriös vorgetragen. Elvis klingt sehr emotional und wäre ihm nicht ein Ton verrutscht, hätte auch diese Version schon als Master durchgehen können.

Die ursprüngliche Veröffentlichung erfolgte auf der CD The Jungle Room Sessions im Jahr 2000.

 

Way Down (Take 2)

Bezüglich des vorangegangenen Takes merkt Elvis an, dass man das Tempo wohl ein bisschen zu sehr gedrosselt habe. Als Gag fügt er hinzu, dass es korrekt liefe, wenn sich David Briggs die Finger blutig gespielt hätte.

Nach einigen Spielereien mit dem Intro und weiteren Scherzen steigen der King und seine Crew in den Retro-Rocker ein. Durch den neuen Mix klingt die Aufnahme auch ohne die nachträglichen Overdubs dem Master recht ähnlich und hat ordentlich Drive.

Erstmals zu hören war dieser Take übrigens auf dem 4-CD-Set Platinum: A Life In Music.

 

Pledging My Love (Take 3)

Von derselben Quelle stammt auch diese Aufnahme, allerdings ist sie hier mit zusätzlichem Dialog zu hören.

Felton Jarvis vertut sich mit der Take-Zahl und sagt Nummer fünf an. Die Band benötigt einige Anläufe und muss das Intro mehrfach abbrechen. Das Lied selbst funktioniert tadellos und man hört dem King seine Begeisterung für den Song deutlich an.

 

For The Heart (Take 4)

Die CD endet mit einem weiteren Take von For The Heart, den es erstmals im Jahr 2004 auf dem 4-CD-Set Today, Tomorrow And Forever zu hören gab.

Elvis steigt einen Tick zu früh ein und auch sonst läuft hier noch nicht alles rund. Trotzdem gefällt mir die Aufnahme aufgrund ihres lässigen Jam Feelings sehr gut. Am Ende fällt der Song komplett auseinander, was vom Chor mit einem gesanglichen Gag quittiert wird.

 

Fazit & Bewertung

Die letzten Aufnahmen des Kings werden in schicker Verpackung und hervorragender Tonqualität präsentiert. Zudem belegen die Outtakes, dass Elvis auch in seinen letzten Jahren mehr war als ein drogensüchtiges Wrack und durchaus noch humorvoll und engagiert zu Werke zog.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Cover bei Sony Music Entertainment.