Peace In The Valley

 

Passend zur Osterzeit veröffentlicht RCA Victor im April 1957 die Gospel-EP Peace In The Valley. Am 13. des Monats steigt die Scheibe auf Rang 58 in die Singles-Hitparade Top 100 ein, wo sie sich zehn Wochen lang hält und die Plätze 39 und 25 (Best Sellers In Stores) erreicht. Nach der Installation einer separaten EP Chart notiert Billboard den Tonträger ab dem 7. Oktober auch in dieser Hitparade. Hier kommt er auf eine Laufzeit vom 14 Wochen und schafft es bis Rang 3. Anno 1992 würdigt die RIAA die mehr als 500.000 US-Verkäufe mit einem Platin Award. Außerhalb der Vereinigten Staaten kommt Peace In The Valley erst sehr viel später auf den Markt. Die britischen Fans müssen sich bis 1961 gedulden, in Frankreich erscheint der Tonträger gar erst 1966. Mit einem weltweiten Absatz von mehr als einer Million Kopien (das entspricht 600 bezahlten Millionen Streams) gilt Peace In The Valley heute als erfolgreichste Gospel-EP aller Zeiten.

RCA Victor und Colonel Parker wollten die Zielgruppe erweitern und Elvis auch einem älteren und konservativeren Publikum verkaufen. Zu echten Presley-Fans wurden diese Leute durch Peace In The Valley zwar nicht, aber immerhin kam der Gedanke auf, dass der junge Mann nicht so schlimm sein kann, wie es sein Image vermuten ließe.

Auf den Streaming-Portalen sind die EPs übrigens nicht verfügbar. Allerdings wurde der gesamte Presley-Katalog im Jahr 2016 neu gemastert und mit hochauflösendem Equipment eingelesen. Zudem wurden auch MQA-Versionen produziert. Im Rahmen der entsprechenden Alben bzw. über die Suchfunktion als einzelne Tracks sind also alle Songs auch heute noch erhältlich.

Um den Sänger möglichst seriös erscheinen zu lassen, griff RCA Victor für das Cover auf ein Promo-Foto für den Spielfilm Love Me Tender zurück, das Elvis korrekt mit Anzug und Krawatte zeigt. Dem Titel entsprechend kopierte man das Bild vor eine idyllische Landschaftsaufnahme. Die Rückseite wartet mit der Track List und Liner Notes auf.

Die zu hörenden Songs entstanden zwischen dem 12. und 19. Januar 1957 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien. Elvis' Band bestand aus Scotty Moore (Gitarre), Hilmer J. Timbrell (Gitarre), Bill Black (Bass), Dudley Brooks (Klavier) und D.J. Fontana (Schlagzeug). Bei einigen Aufnahmen halfen auch Gordon Stoker und Hoyt Hawkins an Klavier und Orgel aus. Den Hintergrundgesang lieferten The Jordanaires, zu denen neben Stoker und Hawkins auch Hugh Jarrett und Neal Matthews gehörten.

Alle Songs auf dieser EP wurden auch auf den LPs Elvis' Christmas Album (1957) und You'll Never Walk Alone (1971) veröffentlicht. Der Titelsong befand sich außerdem auf dem Album A Legendary Performer - Volume 1 (1974).

Peace In The Valley

Am 6. Januar 1957 hatte Elvis das Publikum überrascht, als er bei seinem Auftritt in der Ed Sullivan Show  den Gospel Peace In The Valley vortrug. Sieben Tage später spielte er den Titel auch im Studio ein, Take 9 wurde zum Master.

Ursprünglich hatte Thomas A. Dorsey Peace In The Valley 1937 für Mahalia Jackson geschrieben, den großen Hit damit landeten allerdings Red Foley & The Sunshine Boys. Deren Version erreichte 1951 den siebten Platz der Country & Western Charts und zählt zu den ersten Gospel-Aufnahmen, die sich mehr als eine Million Mal verkauften.

Bei vielen Balladen klang Elvis' Gesangstechnik in den 1950ern noch nicht ganz ausgereift, Peace In The Valley trägt er aber absolut großartig vor und auch auf der emotionalen Ebene nimmt man ihm das Lied jederzeit ab. Für mich zählt dieser Song daher zu den absoluten Highlights im Katalog des Kings.

 

It Is No Secret (What God Can Do)

It Is No Secret (What God Can Do) stammt aus der Feder von Stuard Carl Hamblen, der das Lied 1950 auch als erster aufnahm. Die hier zu hörende Version entstand am 19. Januar 1957 innerhalb von 13 Takes. Meinen persönlichen Geschmack trifft das Lied nicht, Elvis' Vortrag kann sich aber durchaus hören lassen.

 

I Believe

Ervin Drake, Irvin Graham, Jimmy Shirl und Al Stillman schrieben I Believe  1953 für Jane Froman. Danach wurde der Song jedoch auch von vielen anderen Künstlern gesungen, unter anderem von Perry Como, Dolly Parton und Frank Sinatra.

Elvis' Aufnahme entstand am 12. Januar 1957, Take 9 wurde zum Master. Auch I Believe wird gut gesungen, ich bin aber überzeugt, dass Elvis den Song ein paar Jahre später besser vorgetragen hätte.

 

Take My hand, Precious Lord

Die EP endet mit Take My Hand, Precious Lord, einem weiteren Song von Thomas A. Dorsey. Tatsächlich geht die Melodie jedoch auf die Hymne Maitland von George Nelson Allen zurück.

Erstmals aufgenommen wurde das Lied im Jahre 1937 von den Heavenly Gospel Singers. Am 13. Januar 1957 nahm auch Elvis Take My Hand, Precious Lord  auf und benötigte dafür 14 Versuche.

 

Fazit & Bewertung

Nur die Wenigsten wussten damals, dass Elvis der Gospel weit mehr am Herzen lag, als jene Musik, zu deren König man ihn unlängst ernannt hatte. Gesanglich ist er jedoch noch ein Stück von der späteren Perfektion entfernt.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Album-Cover bei RCA Victor.