He Touched Me

 

Anno 2011 bekam auch Elvis' drittes Gospel-Album eine Classic Album-Ausgabe und wurde mit zahlreichen Outtakes erweitert. Für das Mastering der seinerzeit veröffentlichten Tracks und den zusätzlichen Mix der Outtakes zeichnen Vic Anesini und Sebastian Jeansson verantwortlich.

Wie üblich beschränke ich mich auf jene Tracks, die auf der klassichen LP nicht zu hören sind.

Informationen zum RCA-Album von 1972 findet ihr hier.

 

Alternate Takes

He Touched Me (Take 2)

Im Hintergrund singen sich die Imperials ein, dann beginnt der offizielle Take. Die Hymne wird hier noch zurückhaltender interpretiert, als es beim späteren Master-Take der Fall war.

 

An Evening Prayer (Take 2)

Selbiges kann auch vom Abendgebet gesagt werden. Mir persönlich gefällt diese ruhigere Interpretation grundsätzlich sogar besser, als die veröffentlichte Fassung. Es sei allerdings angemerkt, dass Elvis hier nicht alle Töne trifft und auch das Timing nicht immer 100%ig passt.

 

Seeing Is Believing (Takes 1-4)

Elvis und die Musiker üben einige Parts des Songs, der King hat hörbar seinen Spaß. Der erste Take besteht im Prinzip nur aus Absprachen und kurzen Übungen.

Beim zweiten Take klingt das Intro noch merklich anders, allerdings kommt der Song auch über selbiges nicht hinaus.

Anlauf Nummer drei läuft länger, aber Elvis klingt noch recht unsicher. Schlussendlich kommt er völlig aus dem Tritt und bricht ab.

Take 4 klingt geordneter, das Arrangement unterscheidet sich aber auch hier noch von der bekannten Version. Das Lied wird langsamer gespielt und es gibt Unterschiede beim Gitarren-Solo und dem Gesangspart des Chors. Auch das bluesige Ende kennen wir von der Schallplatte so nicht.

 

A Thing Called Love (Take 1)

Elvis und die Imperials albern ein wenig mit dem Intro herum. Grundsätzlich funktioniert der erste Durchlauf schon sehr gut, die Sänger müssen nur noch etwas sicherer werden. Auch am Arrangement des Chor-Gesangs sollte noch gearbeitet werden. Zudem fällt auf, dass dem King an zwei Stellen kurz die Stimme versagt.

 

He Is My Everything (Take 1)

James Burton probt das Intro, dann spricht sich Elvis mit dem Chor ab und die Damen üben nochmal kurz ihren Part. Das Lied stellt keinen der Beteiligten vor größere Probleme, schließlich handelt es sich um eine Kopie der im Vorjahr eingespielten Country-Ballade There Goes My Everything.

 

Bosom Of Abraham (Takes 2 & 3)

Als Gag singt Elvis kurz You'd Better Run an, dann beginnt man aber planmäßig mit Bosom Of Abraham. Take 2 bricht nach wenigen Zeilen zusammen, scherzhaft schiebt ein Mitglied der Imperials die Schuld dafür auf die Band - schließlich seien sie ja nur die Sänger.

Der dritte Versuch läuft vollständig durch, klingt allerdings noch nicht so flott und schmissig wie der Master-Take.

 

Reach Out To Jesus (Takes 1-7 & 9)

Die ersten sieben Anläufe bestehen eigentlich nur aus verpatzten Intros.

Insgesamt kann man hier schön heraushören, wie viel Spaß die Truppe an dieser Art von Musik hatte. Immer wieder kann man Elvis und seine Crew herumalbern und lachen hören, zwischenzeitlich werden auch andere Songs, wie etwa Oh Happy Day, angestimmt.

Der neunte Anlauf gelingt dann schließlich und wird konzentriert und seriös dargeboten.

 

The Lord's Prayer

Elvis kaspert ein wenig herum, kurzzeitig kann man auch das Eis in seinem Wasserglas klirren hören. Dann singt der King das Vaterunser - allerdings nicht ganz ernst gemeint.

 

Johnny B. Goode

Zwischen der Aufnahme von He Touched Me und I've Got Confidence spielten Elvis und seine Jungs aus Spaß den Chuck Berry-Klassiker Johnny B. Goode.

Offenbar befand Felton Jarvis, der Produzent der Sessions, die Darbietung als erhaltenswert und schaltete das Aufnahmegerät ein. Dies geschah allerdings recht spät, so dass wir hier nur etwa die letzten zwanzig Sekunden zu hören bekommen.

Am Schluss verpasst der King dem Song als Gag ein Elvis Ending (das heißt in Musiker-Kreisen wirklich so) und albert ein bisschen mit dem Weihnachtsklassiker The First Noel herum.

 

He Touched Me (Take 3)

Elvis und die Imperials gehen den dritten Take deutlich zurückhaltender an, als die bekannte Master-Aufnahme. Mir persönlich gefällt diese Interpretation extrem gut, denn das Lied wirkt so deutlich intimer. Allerdings bricht dem King hier und dort auch die Stimme weg, nach knapp zweieinhalb Minuten bricht er schließlich ab. Anschließend übt er zusammen mit den Imperials die stimmgewaltige Passage.

 

An Evening Prayer (Take 3)

Die Imperials singen sich ein, zudem werden Teile des Songs geübt und Absprachen getroffen.

Abermals klingt der King noch etwas unsicher und versemmelt auch den einen oder anderen Ton. Man merkt deutlich, dass er stimmlich schlechter disponiert ist, als im Sommer des Vorjahres.

 

Seeing Is Beliving (Take 7)

Elvis spricht sich mit den Chor-Damen ab und probt Teile des Songs. Im Gegensatz zum Master überlässt der King hier den Harmonie-Sängerin beim Refrain einen kleinen Solo-Part. Grundsätzlich gefällt mir der Take sehr gut, da er recht locker daherkommt und spontan wirkt.

 

A Thing Called Love (Rehearsal)

Hier handelt es sich noch nicht um einen ernsthaften Aufnahmeversuch, sondern um eine Probe. Felton Jarvis ließ das Band auch nicht von Anfang an mitlaufen, sondern schaltete es erst mitten im Song an. Elvis und die Imperials singen hier noch nicht immer synchron, zudem versemmelt der King auch hier und dort den Text und erlaubt sich kleine Scherze.

Mit diesem Track hören wir jedoch nicht nur diese eine Version, sondern gleich mehrere An- bzw. Durchläufe. Somit sind wir live dabei, wie sich der King und seine Mitstreiter die Nummer erarbeiten.

 

There Is No God But God (Takes 1, 3, 4 & 2)

Der erste Take wird relativ schnell abgebrochen, beim dritten Anlauf ist Elvis das Tempo zu langsam und man tastet sich an den richtigen Rhythmus heran.

Take 4 kommt ebenfalls nicht weit, denn der King verlangt einen weiteren Anlauf.

Den bekommen wir an dieser Stelle allerdings nicht zu hören. Vielmehr präsentiert uns FTD den zuvor ausgelassenen zweiten Take, der vollständig durchlief.

 

Amazing Grace (Takes 1 & 2)

Wir hören Studio-Talk und Übungen der Musiker. Beim ersten Anlauf leistet sich Elvis zunächst einen veritablen Timing-Fehler, dann verliert er den Faden und singt statt "...was blind" spaßeshalber "...was shot" und beendet damit die Aufnahme.

Take 2 läuft dann aber vollständig durch und klingt deutlich bluesiger als die Master-Version. Mir persönlich gefällt diese Interpretation sehr gut, insbesondere die Gitarren-Einwürfe von James Burton. Insgesamt wirkt der Take sehr lässig, fast schon wie eine Live-Performance mit Freiraum für Improvisationen.

 

Seeing Is Believing (Takes 8, 9 & 11)

Elvis probt mit dem Chor und der Band und diskutiert die Song-Abläufe.Dann beginnt die offizielle Aufnahme, die allerdings bei "When I see the mighty oceans" in sich zusammenfällt.

Der King schlägt nun vor, das Lied nicht mit einem Finale zu beenden, sondern die Aufnahme am Schluss einfach auszublenden.

Beim nächsten Anlauf bricht Elvis gleich mehrfach die Stimme weg, trotzdem klingt die rockige Nummer (gerade mit dem Gitarren-Solo) durchaus interessant. Das Arrangement ist noch nicht so festgefahren, zumindest klingt es wieder extrem lässig.

 

An Evening Prayer (Take 5)

Verglichen mit dem dritten Take wirkt Elvis deutlich sicherer und auch die Töne sitzen hier besser.

 

I, John (Take 1)

Nach kurzen Studio-Gesprächen beginnt die Aufnahme von I, John. Offenbar ist die Nummer allen Beteiligten bestens vertraut, denn für einen ersten Versuch gelingt der schnelle Gospel erstaunlich gut. Zumindest, bis Elvis den Faden verliert und das Unterfangen abbricht.

 

Bosom Of Abraham (Take 4)

Den Standard haben der King und die Imperials natürlich drauf, so dass es hier nur noch um winzige Details geht.

 

A Thing Called Love (Takes 2 & 3)

Der Chor probt das Intro, es werden kurze Absprachen getroffen. Perfekt ist der zweite Take noch nicht, nach dem Break gibt es einen veritablen Timing-Fehler. Als sich Elvis dann auch noch im Text verheddert, wird abgebrochen.

Anlauf Nummer drei funktioniert besser und läuft vollständig durch. Auch hier fällt allerdings wieder auf, dass dem King nicht jeder Ton gelingt.

 

I've Got Confidence (Take 1)

Wir hören kurze Gespräche und Übungen, zudem stimmt Elvis auch einen Song an. Da es sich um den ersten Aufnahmeversuch handelt, singt der King hier noch etwas zurückhaltend und auch die Band spielt noch nicht so frei, wie bei späteren Durchläufen. Grundsätzlich kann sich aber auch dieser erste Take bereits hören lassen.

 

An Evening Prayer (Take 7)

Der siebte Take stellt abermals eine Steigerung dar, Elvis hat nun das Lied und seine Stimme im Griff.

 

He Is My Everything (Takes 2 & 4)

Take 2 ist nicht mehr als ein kurzer Fehlstart. Versuch Nummer 4 hört sich schon recht gut an, wird von Elvis jedoch abgebrochen.

 

Bosom Of Abraham (Takes 5 & 7)

Nachdem der Einstieg mit dem Wort "well" nicht gelingt, macht der King einen Gag daraus und singt das Wort mit piepsiger Stimme. Nach einer halben Minute bricht allerdings auch der nächste Anlauf zusammen.

Take 7 läuft dann wieder durch und ist dem Master-Take schon sehr ähnlich.

 

A Thing Called Love (Takes 4-7)

Elvis und die Imperials albern ein wenig mit Listen To The Bells herum, dann beginnt der eigentliche Aufnahmeversuch von A Thing Called Love. Bei "...he can lift you up" verpasst der King allerdings seinen Einsatz, so dass abgebrochen wird.

Der nächste Versuch scheitert an der Zeile "...ever since time", wo Elvis die Stimme wegbricht.

Der Meister albert kurz mit dem gesungenen Vater Unser herum und bezieht das Lied auf sich, indem er singt "...went back to SUN Records".

Diesmal kommt der Abbruch aus der Tonregie, Elvis parodiert den Gospel If That Isn't Love und singt "If that isn't sex".

Beim siebten Take versagt Elvis abermals die Stimme. Er war nun einmal kein Bass-Sänger und die Töne sind für einen Bariton ein wenig zu tief. Abgebrochen wird allerdings erst, als der King sich verheddert und sein Missgeschick mit einem vernehmbaren "Shit!"  kommentiert.

 

An Evening Prayer (Take 8)

Abermals versuchen sich Elvis und die Imperials am Abendgebet und auch diese Version stellt wieder eine Steigerung zum vorherigen Anlauf dar.

 

Seeing Is Believing (Takes 11 & 12)

Elvis klingt voll motiviert und legt sich mächtig ins Zeug. Nach einer guten Minute bricht er die Aufnahme allerdings mit dem Kommentar "No good!" ab.

Beim zwölften Versuch funktioniert die Nummer hingegen zu seiner Zufriedenheit und wird vollständig durchgespielt. Hier und dort betont Elvis anders als beim Master, insgesamt klingt die Nummer hier wunderbar lässig und rockig.

 

Fazit & Bewertung

Stimmlich befand sich Elvis damals nicht auf der Höhe, aber er hat hörbar Freude an seinem Tun. Das Classic Album selbst punktet mit gutem Sound und einer schicken Verpackung.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Album-Cover bei Follow That Dream Records.