That's The Way It Is

 

Mit That's The Way It Is fügt Follow That Dream Records der Classic Album-Serie im Jahr 2008 eine weitere starke LP hinzu. Die erste Scheibe dieser Doppel-CD enthält die Aufnahmen der LP und einige Bonus Tracks. Hierbei handelt es sich um die im Studio aufgenommenen Fassungen von Patch It Up  und I've Lost You  sowie um seinerzeit nicht auf dem Album veröffentlichte Live-Tracks und Outtakes. Die zweite Disc ist dann ausschließlich den Aufnahmesessions in Nashville gewidmet und enthält Outtakes und Rough Mixes.

Im Gegensatz zu vielen anderen nach 2007 veröffentlichten Classic Albums sind hier die Masters nicht in der Bearbeitung von Vic Anesini zu hören. Stattdessen nahm sich Jean-Marc Juilland die Aufnahmen vor und befreite sie von Störgeräuschen. Wer die Outtakes gemixt hat, bleibt leider das Geheimnis von Ernst Jorgensen und Roger Semon.

Mit diesem Artikel gehe ich nur auf jene Tracks ein, die nicht auf der Original-LP zu hören waren.

Informationen zum RCA-Album von 1970 findet ihr hier.

 

Patch It Up

Während auf der LP eine Live-Aufnahme zu hören ist, veröffentlichte RCA Victor auf der B-Seite der Single You Don't Have To Say You Love Me eine Studio-Fassung des Songs.

Am 8. Juni 1970 entstanden im RCA Studio B in Nashville, Tennessee neun Takes dieser Komposition von Eddie Rabbit und Rory Bouke, den achten wählte Elvis zur Grundlage des Masters. Die Nachbearbeitungen erfolgten am 22. Juni (Hintergrundgesang), 20. Juli (Blechbläser) und 22. Juli (Orgel). Zudem wurde das Lied um etwa eine halbe Minute gekürzt.

Die im November 1970 herausgebrachte Single erreichte den elften Platz der Billboard Charts und ging weltweit etwa 2,75 Millionen Mal über die Ladentheken. Im folgenden Jahr war Patch It Up auch auf der 4-LP Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2 zu finden.

 

I've Lost You

Auch hier enthielt die Single eine Studio- und die LP eine Live-Aufnahme.

Kommerziell war Elvis mit der im Sommer 1970 veröffentlichten Scheibe nicht so erfolgreich, wie mit dem Nachfolger You Don't Have To Say You Love Me. Die Kopplung I've Lost You / The Next Step Is Love kam in den Charts über Rang 32 nicht hinaus und ließ sich weltweit nur 1,25 Millionen Mal absetzen.

Der Sänger beschreibt in dieser Ballade seine langsam erkaltende Beziehung, in Elvis' Fall spiegelte der Song damit sogar in gewisser Weise sein Privatleben wieder.

Die Ballade stammt aus der Feder von Ken Howard und Alan Blaikly und wurde erstmals 1969 von Ian Matthews & Southern Comfort veröffentlicht. Elvis' Version entstand am 4. Juni 1970 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Der siebte Versuch wurde zum Master-Take, weitere Nachbearbeitungen erfolgten am 9. Juni (zusätzliche Instrumente), 22. Juni (Hintergrundgesang) und 30. Juni (Blechbläser und Streicher). Anschließend wurde die Aufnahme um etwa eine halbe Minute gekürzt.

Auch dieser Song war 1971 auf der Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2 zu finden.

 

Twenty Days And Twenty Nights (Take 8)

Weiter geht es mit dem achten Take von Twenty Days And Twenty Nights. Grundsätzlich hätte man auch diesen Durchlauf veröffentlichen können, schlussendlich entschied sich der King jedoch für den folgenden Take 9.

 

Bridge Over Troubled Water (Live)

Nachdem auf der LP die Studio-Version mit nachträglich hinzugefügtem Applaus zu hören war, präsentiert uns FTD nun eine echte Live-Aufnahme. Sie entstand während der Dinner Show am 11. August 1970 und wurde seinerzeit zum Master bestimmt.

Mir persönlich gefällt diese Version sehr gut, mit der Studio-Fassung kann sie jederzeit mithalten.

 

Little Sister - Get Back (Live)

Während der Proben hatte Elvis mit der Band auch seinen 1961er Erfolg Little Sister ausprobiert und ihn mit dem (fast) aktuellen Beatles-Hit Get Back gekoppelt.

Regelmäßig vortragen würde er das Medley erst im kommenden Jahr. Aber während der Midnight Show am 12. August probierte er sich dann doch daran aus und baute die Nummer in eine spontane Gitarren-Session ein. Immer wieder springt Elvis zwischen den Songs hin und her, so dass die Band schnell reagieren muss. Ganz offenkundig hat der King Spaß an seinem Tun, was sich auch auf den Zuhörer überträgt.

 

Something (Live)

Dem aktuellen Beatles-Katalog schien Elvis damals einiges abgewinnen zu können, denn auch Something fand seinen Weg ins Programm.

Während des Elvis Summer Festival 1970 kam die Ballade zwar nur zweimal zum Einsatz, beim nächsten Gastspiel sollte sie jedoch zum Standardprogramm gehören. Einem großen Publikum stellte der King seine Interpretation im Rahmen der 1973er TV-Show Aloha From Hawaii Via Satellite vor.

Diese frühe Live-Aufnahme gefällt mir allerdings besser, da das Arrangement tighter ist und Elvis auch engagierter singt als drei Jahre später.

Aufgenommen wurde der Song übrigens während der Midnight Show am 11. August. Die Fassung war in einer frühen Planungsphase auch für die 1971er LP Love Letters From Elvis vorgesehen.

 

Patch It Up (Take 1)

Dieser erste Take klingt noch eher wie eine Probe oder ein lockerer Jam. Mir persönlich gefällt die Aufnahme sehr gut, weil die Nummer hier ungemein lässig klingt.

 

Patch It Up (Takes 2-7)

Take 2 besteht nur aus Übungen und einem Fehlstart, der dritte Take bricht nach kurzer Zeit in sich zusammen.

Die nachfolgenden Anläufe sind mehr oder minder Proben, die immer wieder von Absprachen zwischen Elvis und seiner Band unterbrochen werden.

Erst ab Take sechs unternimmt man wieder ernsthafte Aufnahmeversuche. Die Anläufe sechs und sieben sind allerdings nichts weiter als lange Fehlstarts, beim letztgenannten Anlauf singt Elvis zu hoch, was dann logischerweise zum Abbruch führt.

 

Patch It Up (Take 9)

Der achte Take ist hier nicht zu hören, weil es sich hierbei um den Master-Take handelt. Stattdessen präsentiert uns FTD Anlauf Nummer 9, den Felton Jarvis damals als Alternativ-Master archivieren ließ.

 

Tiger Man

Die zweite CD beginnt mit einem Instrumental-Jam von Tiger Man, der wohl als WarmUp zum Einstieg in die Session gespielt wurde.

 

Twenty Days And Twenty Nights (Rehearsal & Takes 1-3)

Zunächst hört man nur die Musiker spielen. Nachdem sich die Band mit dem Song vertraut gemacht hat, wendet man sich den tatsächlichen Schallplattenaufnahmen zu. Der Einstieg in den Song bereitet Probleme, das Intro wird innerhalb von zwei Takes erarbeitet.

Take 3 stellt dann die erste, vollständige Performance dar. Betonung und Timing sind logischerweise nicht immer perfekt, aber für den ersten echten Durchlauf ist das Ergebnis mehr als respektabel.

Als kleine Abweichung vom Text ersetzt Elvis "I fooled around and did it well" durch "I kicked around...."

 

I've Lost You (Rehearsal & Take 1)

Abermals wird vor den eigentlichen Takes geübt, in diesem Zusammenhang schlägt Elvis ein höheres Tempo vor. Trotzdem wird die Studio-Fassung deutlich langsamer gespielt, als die späteren Live-Aufführungen. Mir persönlich gefällt das höhere Tempo besser.

Bei diesem ersten Durchlauf verpasst der King den Break und möchte mit der Strophe "Who can tell, when summer turns to autumn" weitermachen. Er bekommt noch gerade so die Kurve und macht aus dem "Who" ein Mitsummen der Melodie. Zudem schmeißt er den Text durcheinander und singt "Feelings can't stand in for reason" - also das genaue Gegenteil der eigentlichen Aussage.

 

Bridge Over Troubled Water (Take 1)

Den ersten Take gehen der King und seine Jungs zurückhaltender an, als später die bekannte Aufnahme. Auch ist der Song noch nicht 100%ig ausgearbeitet.

 

You Don't Have To Say You Love Me (Rehearsal Composite)

Hier bekommen wir wieder eine der von mir so gefürchteten Bastelarbeiten. Natürlich ist das Ergebnis nett anzuhören, nur leider hat es mit dem tatsächlichen Ablauf der Geschehnisse nichts zu tun.

 

The Next Step Is Love (Rehearsal,Takes 2, 3 & 6)

Die Aufnahme startet mit einer Probe, bei der alles aber nur sehr im Hintergrund zu hören ist. Nach dieser kurzen Sequenz springen wir zu den tatsächlichen Schallplattenaufnahmen, bei denen dann auch alles wieder korrekt ausgepegelt ist.

Elvis steigt sehr zögerlich ein und bricht den Take nach wenigen Sekunden ab.

Der dritte Take besteht ebenfalls im Wesentlichen aus Übungen des Intros. Der King hat merklich Probleme mit der ersten Zeile und weiß nicht, wie er das "Yesterday has slipped away" betonen soll.

Auch beim sechsten Durchlauf kämpft er noch hörbar mit diesem Teil des Songs. Ansonsten geht der Take aber durch.

 

How The Web Was Woven (Rehearsal & Take 1)

Elvis spricht sich mit seinen Musikern ab, dann wird das Ende des Songs geübt. Es folgen weitere Absprachen und Proben, die auch das Intro thematisieren. Dann folgt der erste Take, bei dem alles noch ein wenig zögerlich klingt.

 

Stranger In The Crowd (Rehearsal, Takes 1, 3, 4 & 5)

Man übt ein wenig vor sich hin, als Gag singt Elvis Carmen an. Die Tonregie ordnet die Abläufe, dann beginnen die eigentlichen Aufnahmen. Bei den Takes 1 und 3 handelt es sich allerdings auch nur um kuze Fehlstarts. Der vierte Take wird ebenfalls nicht alt, weil Elvis den Wechsel der Tonart verpasst.

Beim nächsten Take singt Elvis von der "clock on the window", statt einer "clock in the window". Abgebrochen wird aber erst, nachdem sich der Meister später komplett im Text verfranst.

 

Stranger In The Crowd (Master - Rough Mix)

Beim Rough Mix handelt es sich um einen ersten, groben Mix. Er dient dazu, den Beteiligten und Entscheidungsträgern einen ersten Eindruck von dem Song zu vermitteln.

 

Mary In The Morning (Takes 1-4)

Der erste Take wird abgebrochen, nachdem Elvis lachen musste.

Beim zweiten Anlauf singt Elvis "warm as the sunlight, shining golden on her hair" anstatt "warm as the sunlight, shining on her golden hair". Später verhaspelt er sich dann komplett und bricht das Unterfangen ab.

Bevor es an den dritten Take geht, singt der King "Nothing's quite as pretty as Charlie in the morning". Der ernsthafte Versuch wird allerdings nur wenige Sekunden alt.

Take Nummer 4 funktioniert dann endlich und wird von A bis Z durchgespielt. Größere Probleme scheint die Ballade keinem der Beteiligten zu bereiten, es geht schon jetzt nur noch um Details. Den einzigen echten Fehler, den sich Elvis hier leistet, ist eine Klinke im Timing.

 

You Don't Have To Say You Love Me (Takes 1 & 2)

Elvis möchte das Lied einen Tick schneller spielen, als bei der Probe. Beim ersten Take misslingt allerdings der Einstieg.

Der zweite Anlauf geht dann aber vollständig durch. Allerdings wird der Song hier noch immer vergleichsweise langsam gespielt, wodurch die Nummer etwas zäh wirkt.

 

Just Pretend (Takes 1 & 2)

Der erste Take scheitert am Einstieg. Bevor es an den nächsten Versuch geht, spricht sich Elvis mit dem Schlagzeuger ab.

Take 2 wird komplett durchgespielt, aber es ist deutlich herauszuhören, dass die Details noch nicht ausgearbeitet wurden. Elvis verhaspelt sich im Text, singt statt "now I know" fälschlicherweise "I know now" und stolpert auch hier und dort noch über das Timing und die Betonung.

 

The Next Step Is Love (Takes 7-10)

Beim siebten Take steigt Elvis äußerst unsauber ein, was zum Abbruch führt. Der nächste Durchlauf scheitert, weil der King vom Text abkommt und sich nur noch Käse zusammensingt.

Take 9 wird zu den Akten gelegt, da sich Elvis jetzt in der Melodie verheddert. Er kommentiert den Fehler mit einem leicht frustriert klingenden "Goddamnit!"

Durchlauf 10 ist eine vollständige Performance. Allerdings steht der Meister auch hier noch gelegentlich mit der Betonung auf Kriegsfuß.

 

I've Lost You (Takes 4-6)

Die beiden ersten Takes bestehen nur jeweils aus wenigen Takten des Intros.

Als der Einstieg schließlich geschafft ist, wird die Ballade komplett durchgespielt. Bis zum Master-Take müssen allerdings noch ein paar Kleinigkeiten korrigiert bzw. herausgearbeitet werden.

 

Bridge Over Troubled Water (Rehearsal, Takes 2 & 5)

Die Aufnahme setzt mitten in der Probe ein. Als der Übergang zur dritten Strophe scheitert, bricht Elvis ab und meint (auf das Klavier bezogen), es klänge wie Lawdy, Miss Clawdy.

Take 5 ist komplett, allerdings bricht dem King an einer Stelle kurz die Stimme aus.

 

Twenty Days And Twenty Nights (Takes 5 & 6)

Aufgrund der gleichen Tonart singt Elvis als Gag I Got A Woman an. Take 5 wird dann aber nach kurzer Zeit abgebrochen, weil Elvis sich verschluckt hat.

Der sechste Take geht vor die Hunde, weil der Harmonie-Gesang von Charlie Hodge nicht synchron ist.

 

Twenty Days And Twenty Nights (Master - Rough Mix)

Die CD endet mit einem weiteren Rough Mix. Im Gegensatz zu der veröffentlichten Version ist die Performance hier bis zu ihrem tatsächlichen Ende zu hören und wird nicht vorzeitig ausgeblendet.

 

Fazit & Bewertung

Tonqualität und Verpackung lassen keine wünsche offen, zudem präsentiert das Set den Sänger in absoluter Hochform.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Album-Cover bei Follow That Dream Records.