Holiday Season In Vegas - Hilton Hotel, December '75

Passend zur Weihnachtszeit bringt Follow That Dream Records im Dezember 2018 die Doppel-CD Holiday Season In Vegas - Hilton Hotel, December '75  auf den Markt.

Die erste Scheibe enthält die Midnight Show vom 13.12.1975, auf der zweiten CD ist ein Mix der beiden Konzerte vom 6. Dezember zu hören.

Die beiden Konzerte am 13. Dezember wurden mit einem Reel-To-Reel-Tape aufgenommen und klingen daher besser als die typischen Mischpult-Mitschnitte.

RCA nutze von der Aufnahme der Mitternachtsshow die Songs America (The Beautiful)  und Softly, As I Leave You  sogar für die B-Seiten der Singles My Way  und Unchained Melody. Das Dinner-Konzert wurde von Follow That Dream Records im Jahr 2002 auf der CD Dinner At Eight  herausgebracht. Ende 2018 folgt nun also auch die vollständige Midnight Show.

Das Tonband mit den Auftritten vom 6. Dezember ist offenbar irreparabel beschädigt, so dass FTD hier die verbliebenen Elemente zu einem logischen Konzert zusammengefügt hat. Gemäß den Angaben auf dem Cover hören wir bis zur Mitte von Polk Salad Annie  die Dinner Show, danach steigen wir in die Midnight Show ein.

Leider wurde nicht erwähnt, dass Jan Eliasson, der Restaurator der Aufnahmen, zusätzlich noch Elemente der Tournee-Konzerte vom 30. Juni 1974 in Omaha, Nebraska ergänzt hat. Offenbar mussten zusätzliche Elemente ersetzt werden und der Mitschnitt wies einen ähnlichen Mix auf.

Grundsätzlich sind solche Bastelarbeiten nicht schlimm, aber sie sollten auf dem Cover erwähnt werden.

Verglichen mit dem Konzert vom 13. Dezember klingen die Mitschnitte vom 06.12.1975 ein wenig dumpf. Offenbar musste mit starken Filtern gearbeitet werden, um die Aufnahme vorzeigbar zu gestalten.

Die Verpackung, es handelt sich um ein doppelt aufklappbares Digipack im 5"-Format, wurde mit passenden Fotos und Abbildungen von Memorabilien ansprechend gestaltet.

Ich beginne meinen Bericht mit der ersten CD, also der Midnight Show des 13. Dezember 1975.

 

See See Rider

Das Instrumentalstück Also Sprach Zarathustra  und das Opening Riff  wurden vom Tontechniker nicht mitgeschnitten, die Aufnahme setzt direkt mit See See Rider ein.

Elvis trägt die Nummer flott vor, dann spielt er ein wenig mit den Reaktionen der Fans herum.

 

I Got A Woman / Amen

Jetzt singt der King das Wort well  in verschiedenen Tonlagen, die von James Burton mit der E-Gitarre imitiert werden. Am Ende sagt Elvis That's all, thank you very much.

Es folgt I Got A Woman, das ebenfalls schwungvoll dargeboten wird. Da der Song auf dem Gospel I Got A Spirit  basiert, hängt Elvis ein paar Takte von Amen  an. Dabei lässt er den Chor das Finale besonders lange halten, bevor er eine Auswahl seiner früheren Bewegungen demonstriert.

Als er bemerkt, dass er nur von der Hüfte an aufwärts beleuchtet wird, meint er, der Beleuchter sei derselbe Typ, wie damals bei der Ed Sullivan Show (wo man "sicherheitshalber" nur seinen Oberkörper im Fernsehen gezeigt hatte).

Am Ende von Amen  stellt JD Sumner stellt seine Bass-Stimme eindrucksvoll unter Beweis, danach kehrt Elvis kurz zu I Got A Woman  zurück und beendet den Eröffnungsblock der Show.

 

Love Me

Bevor er im Programm fortfährt, schäkert der King mit einigen Damen am Bühnenrand herum und verteilt seine Halstücher. Von einem Fan bekommt er dabei einen Helm mit Blinklicht und eine übergroße Brille geschenkt. Natürlich werden die Sachen sofort ausprobiert, für einen Gag machte sich Elvis jederzeit zum Horst.

Dann folgt aber wirklich das nächste Lied, typischerweise die Ballade Love Me.

 

Trying To Get To You

Musikalisch bleibt Elvis in der guten, alten Zeit und singt den SUN-Klassiker Trying To Get To You.

Das tut er mehr als eindrucksvoll, besonders während des Refrains kann er seine Stimme voll ausspielen.

 

And I Love You So

Mit And I Love You So  folgt jetzt ein Song von der aktuellen LP Elvis Today.

Der King trägt die Ballade sehr gefühlvoll vor, abgesehen von einem kleinen Timing-Fehler vielleicht sogar noch besser als auf dem Album. Auch das Arrangement des Orchesters gefällt mir sehr gut.

 

All Shook Up

Mit All Shook Up  gibt sich der Meister weniger Mühe, innerhalb von nicht mal einer Minute nuschelt er sich lediglich eine überhastete Kurzversion seines großen Hits von 1957 zusammen.

 

Teddy Bear / Don't Be Cruel

Den beiden Songs Teddy Bear  und Don't Be Cruel  ergeht es nur unwesentlich besser, allerdings ist Elvis hier am Bühnenrand unterwegs und sorgt durch das Verteilen seiner Halstücher für Stimmung im Publikum.

Die Zuschauer geben aber auch etwas zurück, in diesem Falle werfen zwei Damen ihre Zimmerschlüssel auf die Bühne.

 

You Gave Me A Mountain

Nachdem der Applaus verklungen ist, beginnen die Musiker sofort mit dem nächsten Song. Elvis lässt die Band aber zunächst abbrechen und später nochmal neu ansetzen.

Dann folgt ein durchaus beeindruckender Vortrag dieser melodramatischen Power-Ballade. Abermals kann der King hier seine Stimme ausspielen und das Publikum mit einigen vokalen Gimmicks beeindrucken.

 

Help Me Make It Through The Night

Wie schon in der Dinner Show, so möchte Elvis auch jetzt wieder Help Me Make It Through The Night  singen. Er kündigt das Lied als Wunsch von Mr. & Mrs. Thompson (die Eltern seiner Freundin Linda) an.

Weil das Lied nur äußerst selten zum Einsatz kommt, benutzt der Meister sicherheitshalber ein Textblatt. Zwar erwähnt er diesen Umstand nicht, aber sein Mikrophon fängt unzweifelhaft das Rascheln eines Papierblattes ein.

Der Vortrag selbst ist sehr gut, sogar besser als die Version auf der LP Elvis Now  aus dem Jahr 1972.

 

Polk Salad Annie

Mit dem Swamp-Rocker Polk Salad Annie  zieht der King das Tempo der Show wieder an.

Die Band gibt so richtig schön Gas, auch Chor und Orchester sind voll involviert. Elvis selbst hat auch seinen Spaß, wenn er auch nicht mehr so druckvoll singt wie in den Jahren 1970-1972.

 

Introductions

Da sich der King während des letzten Songs viel bewegt hat und seine Konstitution nicht mehr die beste ist, nimmt er sich eine Auszeit und stellt erstmal seine Musiker vor.

Wie üblich spielt dabei jedes Mitglied der Band (abzüglich des Rhythmus-Gitarristen) ein Solo und auch das Orchester zeigt, was es kann.

 

Just Pretend

Weiter geht es mit Just Pretend, einem Song, den er seit dem Elvis Summer Festival 1970  nur noch selten vorgetragen hatte.

Für dieses Pre-Holiday Jubilee hat der King die Nummer jedoch reaktiviert und singt sie besser, als jemals zuvor.

 

How Great Thou Art

Erst vor wenigen Monaten hatte der King für seine Interpretation dieser Hymne auf dem Album Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  einen Grammy erhalten.

Heute ist das Arrangement noch dramatischer und bombastischer als auf der LP und auch Elvis selbst gibt gesanglich alles. Das Publikum ist völlig aus dem Häuschen, so dass der Meister den letzten Teil noch einmal singt - und sich damit sogar noch steigert!

 

Burning Love

Weiter geht es mit dem 1972er Top5-Hit Burning Love.

Elvis und seine Band rocken das Haus nach allen Regeln der Kunst und präsentieren hier die aus meiner Sicht beste Live-Version dieses Songs.

 

Hound Dog

Jetzt werden Liedwünsche in den Saal gerufen, Softly As I Leave You  und It's Midnight  sind darunter.

Doch Elvis kündigt Hound Dog  an, das er sich dann etwa eine Minute lang lieblos zusammennuschelt.

Im Anschluss fängt er leise an, Welcome To My World  zu singen. Die Band steigt mit ein und so improvisieren Elvis und seine Crew etwa eine halbe Minute lang die vom Soundtrack zur TV-Show Aloha From Hawaii Via Satellite  bekannten Country-Ballade.

Es ist schade, dass Elvis den Song nicht ebenfalls reaktivierte. Ganz offensichtlich lagen ihm Titel dieser Art mehr am Herzen, als Oldies a' la Hound Dog.

 

Softly As I Leave You

Jetzt erfüllt der King quasi den Zuschauerwunsch von vorhin, allerdings ohne darauf einzugehen. Entweder hat er den Zwischenruf gar nicht gehört oder es ist ihm egal, weil der Titel sowiso gepalnt war.

Wie üblich rezitiert Elvis den Text während Sherill Nielsen singt. Das Ergebnis erzeugt Gänsehaut und wurde von RCA nach dem Tod des Kings auf der B-Seite der Single Unchained Melody  veröffentlicht.

 

America (The Beautiful)

Auch dieses Lied wurde von RCA nach Elvis' Tod auf den Markt gebracht, nämlich auf der B-Seite von My Way.

Der Vortrag ist exzellent, zumal sich Elvis heute wirklich in hervorragender stimmlicher Verfassung befindet.

 

It's Now Or Never

Mit It's Now Or Never  folgt nun der größte Verkaufserfolg des Kings.

Auch gesanglich lässt er sich hier nichts zuschulden kommen, das Publikum ist beeindruckt.

 

O Sole Mio

Im Anschluss möchte Elvis nun auch das italienische Original vortragen. Den Text muss er zwar von einem Blatt ablesen, das Ergebnis kann sich aber hören lassen.

 

Little Darlin'

Dieses lustige Liedchen tauchte erstmals während des Vegas-Gastspiels im März/April 1975 in den Shows des Kings auf und wurde während des Sommers in fast allen Konzerten gespielt.

Auch heute ist es wieder dabei und gibt Elvis nicht nur Gelegenheit zum Herumalbern, sondern auch zum Einsatz der Kopfstimme.

 

Little Sister

Weiter geht es mit dem Klassiker Little Sister, der hier um Welten besser klingt als zum Beispiel auf dem nur anderthalb Jahre später aufgezeichneten Doppel-Album Elvis In Concert

 

Can't Help Falling In Love

Ausnahmsweise verabschiedet sich Elvis heute mal ausgiebig von seinem Publikum und stellt in diesem Rahmen auch seine Sound Crew vor.

Dann wünscht er allen Anwesenden Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch und singt die typische Schlussnummer Can't Help Falling In Love. Mit den ersten Takten des Closing Riffs  wird die Aufnahme ausgeblendet.

 

weiter zur zweiten CD

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am CD-Cover bei Follow That Dream Records.