Elvis: Las Vegas '74

Ende April 2017 veröffentlicht Follow That Dream Records eine weitere Doppel-CD zum Thema Elvis Summer Festival 1974.

Enthalten sind Mischpultaufnahmen der beiden Konzerte am 20. August 1974, wir hören hier also die ersten regulären Auftritte nach der großen Opening Show.

Die Tonträger sind in einem doppelt aufklappbaren Digipak im 5"-Format untergebracht, ein Booklet mit weiterführenden Informationen gibt es diesmal nicht.

Das Bildmaterial entstand größtenteils während dieses Gastspiels, das Foto auf dem Cover sowie eines der Bilder auf der Innenseite stammt jedoch von den Tourneen im Mai und Juni des Jahres.

Hier nutzte man die Bilder offensichtlich deshalb, weil der King bei der Midnight Show am 20. August ebenfalls den Turquise Phoenix Suit  trug.

Für die Produktion zeichnen wie immer Ernst Jorgensen und Roger Semon verantwortlich, das Mastering der Mitschnitte übernahm Jan Eliasson.

Unter den Fans sorgte die Datierung der beiden Shows zunächst allerdings für Verwirrung.

Das hier als Midnight Show präsentierte Konzert kursiert in Sammlerkreisen seit Jahren in Form eines Publikumsmitschnitts - allerdings als Dinner Show gekennzeichnet.

Da auch die Angaben in dem Konzert-Buch Did Elvis Sing In Your Hometown, Too?  diese Datierung stützen, gehe ich davon aus, dass die Band-Box im Sony-Archiv seinerzeit falsch beschriftet wurde.

Demnach wäre auf der zweiten CD die Dinner Show und auf der ersten Disc die Mitternachtsvorstellung enthalten.

Auch über die Bonus Songs auf CD 2 wurde diskutiert, denn während FTD auf der Innenseite des Covers die Dinner Show des 2. September 1974 als Quelle nennt, wird auf dem Back Cover die Dinner Show am 28. August genannt.

Hier kann das letztgenannte Datum ausdrücklich bestätigt werden.

Weil ich die Konzerte chronologisch beschreiben möchte, beginne ich mit der (vermutlichen) Dinner Show auf der zweiten CD. 

 

See See Rider

Mit der ersten regulären Show des Elvis Summer Festival 1974  kehrt der King wieder zum althergebrachten Opening zurück.

Der Tontechniker verzichtet jedoch auf den Mitschnitt des Intros Also Sprach Zarathustra  und schaltet das Aufnahmegerät erst bei den ersten Takten des Opening Riff  ein, zu dem Elvis die Bühne betritt.

Kleidungstechnisch hat sich der Meister heute für den Blue Swirl Suit  entschieden.

Während er seinen ersten Song singt, hängt er den Daumen lässig in die Ketten seines Gürtels...und zerstört damit versehentlich das teure Kleidungsstück.

Den typischen Eröffnungssong bringt der Meister gewohnt dynamisch rüber. Seine kleine Improvisation mit der Zeile ...I won't be back at all  bringt die Band kurzfristig ins Schleudern, was Elvis hörbar amüsiert.

 

I Got A Woman / Amen

Zum Einstieg in den Song spielt der King ein wenig mit dem Wörtchen well  herum.

Abermals punktet Elvis mit einer dynamischen Performance, der alte Ray Charles-Hit scheint ihm auch nach Jahren noch Spaß zu machen.

Dann geht er in den Gospel Amen  über, an dessen Ende er den Zuschauern eine Auswahl seiner alten Bewegungen vorführt. Auch JD Sumner bekommt einen kurzen Moment im Rampenlicht und darf seine Bass-Stimme demonstrieren.

Im Anschluss begrüßt Elvis das Publikum und stellt sich als Wayne Newton vor. Außerdem entledigt er sich mit Hilfe von Charlie Hodge seines defekten Gürtels.

 

Love Me

Weiter geht es im Programm mit dem Oldie Love Me.

Während Elvis mit den Damen am Bühnenrand Kontakt aufnimmt, bekommt er einen Makramee-Gürtel (wie er ihn in den Jahren 1969/70 getragen hat) geschenkt. Natürlich probiert er den Gürtel gleich an - und muss herzhaft lachen, als er feststellt, dass das eingearbeitete Wort ELVIS direkt über seinem Schritt hängt.

 

If You Love Me (Let Me Know)

Nach dem Standard-Opening bekommen die Zuschauer jetzt ein Lied zu hören, das sie noch nicht von Elvis kennen.

Erst vor wenigen Monaten war hatte Olivia Newton-John mit dem Country-Schlager einen Hit gelandet, jetzt hatte sich auch der King dieses Titels angenommen.

Seine Fassung ist flotter arrangiert als das Original und gefällt mir schon deshalb bedeutend besser.

 

It's Midnight

Jetzt kündigt Elvis seine kommende Single an, hat allerdings keine Ahnung, wann genau die Schallplatte auf den Markt kommen wird.

Das Lied selbst trägt er absolut phantastisch vor und punktet als Sänger auf der ganzen Linie.

 

Proud Mary

Den CCR-Hit Proud Mary  hatte Elvis für das aktuelle Gastspiel nach zweijähriger Abstinenz im Show-Programm wieder reaktiviert.

Vermutlich weil er einen Schluck Wasser trinkt, ist das Intro heute etwas länger. Ansonsten halten sich der King und seine Mannen ziemlich genau an das Arrangement der LP Elvis As Recorded At Madison Square Garden.

Es sollte heute übrigens das letzte Mal sein, dass Elvis Proud Mary  sang. Ich persönlich finde das schade, denn mir gefällt die hier zu hörende Fassung sehr gut.

 

Trying To Get To You

Als nächstes möchte der King ein Lied aus seinen Anfangstagen, die nach eigenen Aussagen nun schon zwei Jahre zurückliegen, singen.

Doch bevor er das tun kann, bekommt er von einem Fan aus dem Publikum eine Kette geschenkt. Die Anprobe sorgt für Spott und Hohn, denn die Kette ist deutlich zu klein und passt nicht über Elvis' Kopf. Er kommentiert I have ears like a deer  und lässt das Präsent zur Freude aller Anwesenden für eine kurze Zeit an der Stirn hängen.

Auch während des anschließenden Trying To Get To You  sorgt die Kette noch für Erheiterung. Davon abgesehen hängt sich Elvis aber voll rein und singt den Song ähnlich beeindruckend wie auf seiner aktuellen LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis.

 

Big Boss Man

Direkt nach Trying To Get To You  wird ausgeblendet und die CD setzt mit den ersten Takten von Big Boss Man  wieder ein. Ob dazwischen etwas Wesentliches verloren gegangen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Fest steht jedoch, dass Elvis mit vollem Herzen bei der Sache ist und den Saal rockt.

 

Fever

Während des Intros besorgt sich der King zunächst von Charlie Hodge ein neues Halstuch (es soll ein blaues sein), dann fragt er den Beleuchter nach stimmungsvollem Licht.

Das Lied selbst nutzt Elvis für allerlei Scherz und Schabernack und bringt darüberhinaus die Damen im Saal mit seinen Bewegungen zum Kreischen.

 

Promised Land

Mit einem knappen Take it on!  leitet Elvis zum nächsten Titel über.

Dabei handelt es sich um den Rock'n'Roll-Titel Promised Land, den das Publikum bis dato noch nicht von ihm gehört hat.

Im Anschluss erwähnt der King auch den Namen des Songs und erklärt, dass es sich um die B-Seite seiner kommenden Single handelt.

 

Love Me Tender

Nach dem kurzen Ausflug in aktuelle Gefilde geht es mit dem Titelsong zu Elvis' erstem Spielfilm schnurstracks wieder zurück in die gute, alte Zeit.

Wie üblich ist der Meister am Bühnenrand unterwegs und verteilt Halstücher und Küsschen an die aufgeregten Damen.

 

All Shook Up

Um das Tempo der Show wieder zu erhöhen, singt der King seinen 1957er Mega-Hit All Shook Up.

Viel Zeit nimmt er sich allerdings nicht, nach einer knappen Minute ist er mit dem Song durch.

 

I'm Leavin'

Ganz im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Titeln achtet Elvis bei dieser Ballade sehr sorgfältig auf die Details und zeigt, dass er weit mehr kann als die Zuschauer mit Gags und alten Kamellen zu unterhalten.

Die Studio-Aufnahme wurde 1971 auf einer Single herausgebracht. Da sie aber kein Verkaufsschlager wurde, dürfte I'm Leavin'  vielen Zuschauern noch unbekannt ein.

 

Softly, As I Leave You

Das nächste Lied ist tatsächlich neu und wurde erst für dieses Gastspiel von Elvis ins Programm genommen.

Der King spricht den Text während Sherrill Nielsen im Hintergrund dieselben Worte singt. Die letzte Zeile singen die beiden schließlich gemeinsam.

Insgesamt ist die Darbietung sehr gefühlvoll und so mancher Zuschauer dürfte sich ein Tränchen verdrückt haben.

 

Hound Dog

Mit einem ironischen Let's get serious!  leitet Elvis zum nächsten Song über.

Leider nuschelt er sich nur lustlos durch die immer gleichen vier Zeilen des Rock'n'Roll-Klassikers und schüttelt sich am Ende zu den Blechbläser-Fanfahren des Orchesters.

 

You Gave Me A Mountain

Die Power-Ballade You Gave Me A Mountain  ist da schon von ganz anderem Kaliber.

Zwar singt der King nicht mehr so kraftvoll wie seinerzeit im Film Elvis On Tour, doch auch in dieser etwas gemäßigteren Form bringt er die Nummer sehr ansprechend rüber.

Das Publikum ist ebenfalls begeistert, in den Applaus hinein hört man den Meister sagen I like that song.

 

Polk Salad Annie

Bevor er seine Musiker vorstellt, bringt Elvis wieder ein wenig Action auf die Bühne und singt Polk Salad Annie.

Diese Nummer geht Elvis ebenfalls gemäßigter an als früher, trotzdem sorgt er auch aktuell mit seinen Bewegungen noch für Stimmung im Saal.

 

Introductions

Während er wieder zu Atem kommt, schäkert Elvis ein wenig mit den Fans am Bühnenrand herum.

Ein Herr bekommt ein Halstuch überreicht, eine Dame bekommt einen Kuss. Ein 12jähriges Mädchen möchte ebenfalls geküsst werden, der King gibt ihr aber sicherheitshalber lieber ein Halstuch.

Wie üblich würzt Elvis die Bandvorstellung mit kleinen Geschichten und Scherzen.

 

If You Talk In Your Sleep

Musikalisch fährt der King nun mit seinem aktuellen Top20-Hit fort.

Verglichen mit den anderen Presley-Songs dieser Tage klingt If You Talk In Your Sleep  sehr modern und wird vom Publikum gut aufgenommen.

 

Why Me, Lord

Jetzt fordert Elvis JD Sumner & Stamps dazu auf, den Gospel Why Me, Lord  zu singen.

Wie auf der aktuellen LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  übernimmt Mr. Sumner den Part des Lead-Sängers während der King nur beim Refrain mitsingt.

Im Gegensatz zu der serösen Performance auf dem Album bezieht Elvis den Text aber diesmal auf sich selbst und gibt JD die passenden Antworten.

 

Teddy Bear / Don't Be Cruel

Nach zwei aktuellen Songs geht es jetzt wieder zurück in die gute, alte Zeit.

Während Teddy Bear  kommt Elvis allerdings mit dem Text durcheinander und vermischt die Löwen und die Tiger.

Bei Don't Be Cruel  macht er sich einen Gag daraus, seinen Gesangsstil der frühen Jahre zu imitieren und auch die Abwandlung Please let's forget the past, before I kick your @$$  (anstatt ...the future looks bright ahead) ist wieder mit dabei.

Etwa zur Mitte des Liedes wird die Aufnahme ausgeblendet.

 

Hawaiian Wedding Song

Als der Mitschnitt wieder eingeblendet wird befindet sich Elvis mitten im Hawaiian Wedding Song. Dazwischen hätte der King auch noch Bridge Over Troubled Water  gesungen, aber das Band hatte an dieser Stelle wohl einen Fehler.

Im Gegensatz zu den anderen Oldies in der Show wurde die Ballade aus dem Film Blue Hawaii  bis dato nur selten live gesungen. Erst ab diesem Gastspiel sollte sich das ändern.

Diese frühe Fassung wird noch deutlich langsamer gespielt als die späteren Versionen, was mir persönlich sehr gut gefällt.

 

Let Me Be There

Mit dem Country-Pop Let Me Be There  covert Elvis einen weiteren Hit von Olivia Newton-John.

Die Zuschauer kennen seine Interpretation allerdings schon vom aktuellen Album Elvis Recorded Live On Stage In Memphis.

Im Vergleich mit der Schallplatte geht der King die Nummer heute etwas aggressiver an und betont einige Stellen anders.

 

Can't Help Falling In Love

Elvis verabschiedet sich nun mit knappen Worten und singt seine übliche Schlussnummer Can't Help Falling In Love.

Nahtlos geht die Band in das Closing Riff  über, dann verschwindet der King hinter dem goldenen Vorhang des Showrooms.

 

Help Me (Bonus Song)

Die drei Bonus Songs wurden während der Dinner Show am 28. August 1974 aufgenommen.

Den Anfang macht die Country-Ballade Help Me, die das Publikum bereits von der B-Seite der Single If You Talk In Your Sleep  und der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  kennt.

Das Lied wird von Elvis sehr gefühlvoll dargeboten und auch die Gegenuntermalung des Orchesters (die auf der Live-LP nicht zu hören ist) gefällt mir sehr gut.

 

My Boy (Bonus Song)

Elvis sagt nun, dass "die Leute hier unten" My Boy  hören wollen.

Weil das Lied seit etwa einem Jahr nicht mehr gespielt wurde, benötigen die Musiker einige Sekunden der Vorbereitung und Koordination.

Hier und dort passt das Timing nicht 100%ig und am Schluss sind sich der King und seine Mannen musikalisch nicht ganz einig.

Insgesamt funktioniert die Nummer aber trotz der fehlenden Proben erstaunlich gut.

 

How Great Thou Art (Bonus Song)

Die Gospel-Hymne How Great Thou Art  hingegen gehört zum Standardprogramm der Show und ist auch auf dem aktuellen Live-Album zu hören.

Wie auf der LP, so liefert Elvis auch hier eine beeindruckende Performance.

 

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