Something Old, Something New

Anno 2002 bringt der tschechische Elvis-Fanclub über das Label Memory Records einen Publikumsmitschnitt der Vegas-Show vom 26. Januar 1974 auf den Markt.

Begleitet wird der Tonträger von einem einfach aufklappbaren Booklet mit kurzem Info-Text und ein paar passenden Fotos.

Insgesamt wirkt das Design simpel, zugegebenermaßen hat man von Follow That Dream Records aber schon schlechtere Arbeiten gesehen, als sie der Laie Pavel Cernocky hier abgeliefert hat.

Der Titel dieser CD stammt übrigens aus dem Lied Something Blue, das 1962 auf dem Album Pot Luck With Elvis  zu hören war. Er passt recht gut zu dem Programm der 1974er Vegas-Season, denn der King präsentierte eine gelungene Mischung aus alten und neuen Songs.

Bearbeitet wurde die Aufnahme von Vladimir Tomek. Der ursprünglich 7% zu langsam laufende Publikumsmitschnitt wurde von ihm auf das normale Tempo gebracht, so dass nun alles so zu hören ist, wie damals im Showroom Internationale.

Geboten wird übrigens das Eröffnungskonzert des Gastspiels, es war also Elvis' erster Auftritt nach der peinlichen Closing Show des Elvis Summer Festival 1973.

Damals hatte der King erkennbar unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen gestanden und mehr herumgealbert, als eine echte Show abzuliefern. Es stand also die Frage im Raum, inwieweit sich der Star wieder gefangen hatte.

 

Also Sprach Zarathustra

Wie gehabt beginnt der Auftritt mit einem Ausschnitt aus dem klassischen Also Sprach Zarathustra. Dann geht die Band in ein flottes Opening Riff  über, zu dem Elvis die Bühne betritt.

Verglichen mit seinem Erscheinungsbild während des Elvis Summer Festival 1973  hat der King etwas zugenommen.

 

See See Rider

Die ersten Töne von See See Rider machen aber unmissverständlich klar, dass sein Körpergewicht keinen Einfluss auf seinen Gesang hat.

Ganz im Gegenteil, der Meister wirkt ausgeruht und zieht mit einer Energie zu Werke, die man im letzten Jahr teilweise vermisst hatte.

 

I Got A Woman / Amen

Auch das nachfolgende I Got A Woman  erinnert dankenswerterweise eher an die flotten Darbietungen aus dem Jahr 1972, als an die getrageneren Fassungen der letzten Gastspiele.

Bezugnehmend auf das parallel stattfindende Bühnencomeback von Frank Sinatra begrüßt der King das Publikum mit dem Satz Me and Ol' Blue Eyes are back. Auch erwähnt er seinen Krankenhausaufenthalt, macht allerdings einen Witz daraus. Er fragt Charlie Hodge, womit er noch gleich im Hospital war - und bekommt zur Antwort Mit einer Blondine!

 

Love Me

Musikalisch geht es wie gewohnt mit der Ballade Love Me  weiter, die Elvis kurz und schmerzlos durchsingt.

 

Let Me Be There

Ohne Ansage folgt dann aber Let Me Be There  und damit ein Song, den die Zuschauer noch nicht von Mr. Presley kennen.

Erst vor wenigen Monaten war der Country-Pop ein Hit für Olivia Newton-John gewesen, jetzt hatte also auch Elvis den Song adaptiert.

Er passt gut zu seinem Stil und wird sehr hörenswert dargeboten.

 

You've Lost That Lovin' Feeling

Das nächste Lied beginnt ebenfalls ohne Ansage des Kings. Offenbar hat er sich vorgenommen, sich auf den Gesang zu konzentrieren und auf das Geplänkel mit den Fans zu verzichten.

You've Lost That Lovin' Feeling  stellt so etwas wie eine kleines Comeback dar, denn im Vorjahr hatte Elvis das Lied nur höchst selten live gesungen.

Jetzt ist es aber offenbar wieder im Programm und klingt ebenso kraftvoll wie auf dem 1972er Madison Square Garden-Album.

 

Sweet Caroline

Ausnahmsweise kündigt Elvis das nächste Lied sogar an und sagt, er habe die Nummer hier in Vegas vor etwa fünf Jahren gespielt.

Dann folgt Sweet Caroline, das in den Jahren 1970/71 regelmäßig auf der Agenda stand. Im Vorjahr hatte er sich ein oder zweimal daran versucht, aber grundsätzlich war es ab 1972 aus dem Programm verschwunden.

Heute spielen Elvis und seine Band es kurz und knackig durch und es ist schön, den Neil Diamond-Hit noch einmal von Elvis zu hören.

 

Love Me Tender

Mit Love Me Tender  folgt nun ein echter Klassiker, bei dem der King wie üblich am Bühnenrand unterwegs ist und Küsschen und Halstücher an die Damen verteilt.

 

Rock'n'Roll Medley

Wie im Vorjahr, so ist auch jetzt ein Medley aus diversen Rock-Klassikern im Programm. Natürlich klingen die Songs alle irgendwie gleich, aber es macht Spaß, dem ehemaligen Rock'n'Roll-König beim Vortrag der Klassiker zuzuhören und sich ein wenig an die eigene Jugend zu erinnern.

Bei den Songs handelt es sich übrigens um Long Tall Sally, Whole Lotta' Shakin' Goin' On, Your Mama Don't Dance, Flip, Flop & Fly, Jailhouse Rock  und Hound Dog.

 

Fever

Weiter geht der Oldie-Reigen mit Fever. Schon die ersten Töne verleiten einige Damen zum Kreischen.

Elvis erlaubt sich einen kleinen Scherz und kommentiert die Zeile Now you listen to my story  mit It's short!

 

Polk Salad Annie

Mit Polk Salad Annie  folgt nun wieder ein Song, den der King für dieses Gastspiel reaktiviert hat.

Im Vorjahr verzichtete er zumeist auf das Lied, jetzt ist es aber wieder da und Elvis rockt das Haus wie eh und je.

 

Killing Me Softly

Hörbar außer Atem stellt der King jetzt die Gruppe Voice vor, die bis jetzt ein Teil des Hintergrundchors gebildet hat.

Nun erhalten die Jungs aber einen Solo-Spot und singen den Roberta Flack-Hit Killing Me Softly.

Elvis ruht sich derweil von seinen Verrenkungen während Polk Salad Annie  aus und versucht, wieder zu Atem zu kommen.

 

Spanish Eyes

Ohne Ansage folgt nun der Klassiker Spanish Eyes. Auch dieses Lied kennen die Zuschauer von Elvis noch nicht.

Der King scheint den Song sehr zu mögen, einige Teile singt er mit Sherrill Nielsen (einem der Sänger von Voice) im Duett. Zur Mitte des Liedes ist ein Trompeten-Solo zu hören, das vom Publikum sogar mit spontanem Applaus bedacht wird.

Kurioserweise erwähnt Elvis nicht, dass er Spanish Eyes  im Dezember im Studio aufgenommen hat und die Nummer auf seiner kommenden LP Good Times  zu hören sein wird.

 

Suspicious Minds

Mit Suspicious Minds  folgt nun ein Song, der in keiner Presley-Show fehlen darf.

Auch dabei wirkt Elvis deutlich engagierter als bei so manchem 1973er Konzert. Offenbar hat er während der fast fünfmonatigen Konzertpause seine Freude an den Live-Auftirtten wiederentdeckt.

 

Introductions

Nun stellt Elvis die Mitwirkenden der Show vor. Auch das tut er kurz und knackig.

Einige im Showroom anwesende Berühmtheiten werden ebenfalls erwähnt, heute sitzen unter anderem Sammy Shore und Jack Lord unter den Zuschauern.

 

I Can't Stop Loving You

Musikalisch setzt der King sein Programm mit I Can't Stop Loving You  fort, das heute ebenfalls wieder deutlich kraftvoller klingt als im Vorjahr.

 

Help Me

Elvis erzählt jetzt, dass der nächste Song die B-Seite der Single Why Me, Lord  von Kris Kristofferson sei und Help Me  heiße.

Beide Lieder, Why Me Lord  und Help Me, sollten sich übrigens auch auf der im März 1974 aufgenommenen LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  befinden, die Studio-Aufnahme von Help Me  würde im Sommer die B-Seite der Single If You Talk In Your Sleep  bilden.

Abermals erzählt Elvis den Zuschauern davon freilich nichts, auch seine Studio-Aufnahme von Help Me, die er im Dezember 1973 eingespielt hat, bleibt unerwähnt.

Der Vortrag selbst ist hervorragend und man merkt, dass Elvis den Song sehr mag.

 

An American Trilogy

Das Medley aus drei uramerikanischen Titeln stellt bereits seit Anfang 1972 ein regelmäßiges Highlight der Presely-Shows dar und wird selbstverständlich auch heute vorgetragen.

Hier kann Elvis stimmlich wieder voll punkten und auch Chor und Orchester können zeigen, was sie draufhaben.

 

A Big Hunk O' Love

Bevor er mit dem Rock'n'Roll-Klassiker A Big Hunk O' Love  weitermacht, erzählt Elvis, dass sein Manager Colonel Parker aufgrund der Energiekriese Plakate hat drucken lassen, die im Dunkeln leuchten.

Dann singt er seinen 1959er Nummer 1-Hit und legt dabei abermals eine Energie an den Tag, die man während seiner letzten Auftritte oftmals vermisst hatte.

Wenige Stunden später während der Mitternachtsvorstellung würde der King übrigens A Big Hunk O' Love  zum letzten Mal singen.

 

Can't Help Falling In Love

Zum Ende der Show nimmt Elvis erstmals längeren Kontakt zu den Fans auf. Dann verabschiedet er sich mit dem typischen Can't Help Falling In Love.

Nahtlos geht die Band zum Closing Riff  über, zu dem sich Elvis noch ein paarmal verbeugt. Dann senkt sich der Vorhang und die Show ist vorbei.

 

Fazit & Bewertung

Das Konzertprogramm wirkt weniger getragen als im Vorjahr und auch Elvis selbst hinterlässt einen dynamischeren Eindruck.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am CD-Cover bei Memory Records.