Elvis On Tour: Die posthumen Konzerte

Am 16. August 1997, dem zwanzigsten Todestag des Kings, fand im Rahmen der Elvis Week  das erste Live-Konzert des Meisters seit dem 26. Juni 1977 statt.

Während auf der Bühne die Original-Musiker aus den 1970ern spielten, wurde Elvis per Video zugeschaltet und sang aus der Konserve zu dem Live-Spektakel.

Das alles war so perfekt gemacht, dass aus größerer Entfernung das Fehlen des Hauptakteurs gar nicht weiter auffiel. Fans und Presse waren dermaßen begeistert, dass man bei EPE die Entscheidung traf, die Show in abgespeckter Form auf Tournee zu schicken.

 

Formate

Elvis Presley In Concert / Elvis Presley - The Concert
Elvis Presley On Stage
The Wonder Of You

 

Produktion

Verantwortlich für die Produktion zeichneten Elvis Presley Enterprises (unter der Federführung von Todd Morgan) und Stig Edgren, die Planung und Regie übernahm Randy Johnson. Die musikalische Leitung oblag Joe Guercio, der zwischen 1970 und 1977 in dieser Funktion auch für Elvis tätig gewesen war.

Die Aufnahmen des Kings stammten aus den Konzert-Filmen That's The Way It Is  (1970) und Elvis On Tour  (1972) sowie dem TV-Konzert Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973). Später kamen auch Ausschnitte aus dem Fernseh-Special SINGER presents Elvis  (1968) hinzu.

Da es sich um Stereo-Aufnahmen handelte und Elvis' Gesang auf einer separaten Tonspur aufgezeichnet worden war, konnte man seine Stimme isolieren. Die durch das Mikrophon des Kings eingefangenen Nebengeräusche, bzw. Teile der Originalmusik, versuchte man zu eliminieren, indem der Kanal immer nur dann geöffnet wurde, wenn Elvis tatsächlich sang oder etwas sagte.

Um diese Voice Tracks herum schrieb Joe Guercio neue Arrangements, die etwas zeitgemäßer klangen als die Originale.

Das Bühnenbild enthielt drei riesige Leinwände. In der Mitte war zumeist Elvis zu sehen, an den Seiten die Live-Action der tatsächlichen Konzerte. Zudem imitierte die Beleuchtung der Hallen das Lichtbild der entsprechenden Aufnahmen, um den Effekt der Authentizität zu erhöhen.

Da die Musiker so wie in den 1970ern auf der Bühne platziert wurden, konnte man eine Mischung aus Konserven- und Live-Action zeigen. Schaute Elvis zum Beispiel während eines Gitarrensolos nach rechts, zeigte man auf dem sich dort befindlichen Monitor das Live-Bild von James Burton.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass es in einer großen Halle aus einer gewissen Entfernung tatsächlich nicht auffällt, ob alle auf den Bildschirmen gezeigten Personen tatsächlich auf der Bühne stehen. Selbst der Hauptakteur ist, so merkwürdig es scheinen mag, tatsächlich verzichtbar.

Nach einigen Jahren wurde die Show von Elvis Presley In Concert  zu Elvis Presley - The Concert  umbenannt. Aufgrund von Todesfällen, Rückzügen ins Privatleben und dem fortschreitenden Alter der Musiker wurde das Format im Jahr 2013 schließlich eingestellt.

Anno 2014 präsentierten EPE und Stig Edgren ein Update namens Elvis Presley On Stage, bei dem eine neue Band zum Einsatz kam.

Seit 2016 wird die Show The Wonder Of You  gezeigt. Hier wird der King von einem klassischen Orchester begleitet.

Im Folgenden sollen die einzelnen Formate kurz vorgestellt werden.

 

1999-2013: Elvis Presley in Concert / Elvis Presley - The Concert

Nach dem Konzert am 16. August 1997 ging die Show zwei Jahre später auf US-Tournee und war in den folgenden Jahren nahezu weltweit unterwegs.

Zur Stammbesetzung zählten James Burton (Gitarre), Jerry Scheff (Bass), Ronnie Tutt (Schlagzeug), Glen D. Hardin (Klavier) und Joe Guercio (Orchester-Chef).

Für den Hintergrundgesang sorgten wahlweise The Stamps Quartet (Ed Enoch, Ed Hill, Royce Taylor & Butch Owens) oder The Imperials (Terry Blackwood, Joe Moscheo & Sherman Andrews), The Sweet Inspirations (Myrna Smith, Estelle Brown & Portia Griffin) und Millie Kirkham.

Allerdings hatten längst nicht mehr alle Mitglieder der Gesangsgruppen zusammen mit Elvis auf der Bühne gestanden und auch Millie Kirkham ist, mit Ausnahme einiger Shows des Elvis Summer Festival 1970 in Las Vegas, eher für ihre Studioarbeit mit dem King in den 1960ern bekannt.

Nach dem Ausstieg von Jerry Scheff verpflichtete man Norbert Putnam. Der hatte zwar nie mit Elvis auf einer Konzertbühne gestanden, aber immerhin etliche Studio-Sessions mit dem King bestritten.

Da Ronnie Tutt ein fester Teil der Band von Neil Diamond war und regelmäßig mit ihm auf Tour ging, ließ er sich bei zahlreichen Auftritten von Paul Leim vertreten. Zwar gilt Leim als Protegé von Tutt, eine Verbindung zu Elvis besteht jedoch nicht.

Aufgrund des fortschreitenden Alters der Musiker sowie einiger Ausstiege und Todesfälle wurde das Show-Format im Jahr 2013 ad acta gelegt.

Die Konzerte bestanden aus zwei Blöcken a' 45 bis 60 Minuten. Wie die Original-Shows, so begannen auch die neuen Auftritte mit dem klassischen Also Sprach Zarathustra  und See See Rider. Und natürlich endeten alle Shows mit dem unvermeidlichen Can't Help Falling In Love.

Die Gospel-Gruppen bekamen regelmäßig eine Solo-Nummer. Begleiteten The Imperials die Tour, so wurde He Touched Me  gespielt. Waren The Stamps dabei, sangen sie die A-Capella-Nummer Sweet Sweet Spirit.

In den ersten Jahren nutzte man auch den Voice Track von How Great Thou Art  von der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis. Weil es keine Video-Aufnahmen des Konzertes vom 20. März 1974 gibt, blieb der mittlere Bildschirm schlicht und einfach dunkel. Zur Mitte der 2000er nutzte man einen Outtake des Films Elvis On Tour  und passte das Bild durch beschleunigen bzw. verlangsamen dem veränderten Arrangement an.

Es gab auch verlängerte Versionen der Show im Rahmen der Elvis Week 2002 (25th Anniversary) und 2007 (30th Anniversary). Hier traten unter anderem auch Scotty Moore, DJ Fontana und The Jordanaires auf.

Das Konzert am 16. August 2002 wurde auch gefilmt und später auf der DVD Elvis Lives  herausgebracht.

 

2014: Elvis Presley On Stage

Ein Jahr nach dem Ende von Elvis Presley - The Concert  erblickte Elvis Presley On Stage  das Licht der Tournee-Bühnen.

Das Bild des Kings wurde nun überlebensgroß auf einen transparenten Vorhang projiziert, die Musiker blieben anonym im Hintergrund.

Der große Vorteil dieses Vorgehens lag darin, dass die Produzenten auf unbekannte und deutlich günstigere Musiker zurückgreifen konnten und die Mitglieder des Ensembles beliebig austauschbar waren.

Negativ fiel allerdings die Bildqualität auf, denn durch die riesige Projektion machte sich mehr als deutlich bemerkbar, dass es sich eben nicht um HD-Aufnahmen handelte. Alles wirkte ein wenig verpixelt und man musste schon in den hinteren Rängen einer riesigen Halle sitzen, damit die Show den gewünschten Effekt entfaltete.

Nach einem Jahr wurde das Projekt daher wieder eingestellt, obwohl die Show häufig in ausverkauften Häusern spielte.

 

ab 2016: The Wonder Of You

Anno 2015 veröffentlichte Sony die CD If I Can Dream - Elvis With The Royal Philharmonic Orchestra  und verkaufte davon mehr als 1,5 Millionen Kopien. Als auch der ein Jahr später auf den Markt gebrachte Nachfolger The Wonder Of You - Elvis With The Royal Philharmonic Orchestra  zum Hit wurde, beschloss man bei Elvis Presley Enterprises, das Konzept für eine neue Tournee zu nutzen.

Für die CDs hatte man die Stimme des Kings isoliert und mit neuen Music Tracks kombiniert. Der Focus lag dabei auf dem Orchester, wodurch man den Songs einen Touch von klassischer Musik verlieh.

Mit Don't  nutzte man jetzt auch erstmals eine Mono-Aufnahme aus den 1950ern. Weil man hier Elvis' Gesang nicht separieren konnte, wurde einfach die komplette Aufnahme genutzt und mit zusätzlichen Instrumenten und Stimmen ergänzt.

Da sich die Idee mit den überlebensgroßen Projektionen als suboptimal erwiesen hatte, kehrten EPE und Stig Edgren für das neue Format wieder zur Präsentation auf drei Bildschirmen zurück. Der Screen in der Mitte war hauptsächlich dem King vorbehalten, links und rechts zeigte man die Live-Action auf der Bühne und/oder weitere Clips und Animationen.

Vermutlich aus Kostengründen verzichtete man für die Tourneen jedoch auf das Engagement des Royal Philharmonic Orchestra  und kündigte lediglich Elvis - Live On Screen With Symphony Orchestra  oder wahlweise ...With 40 Piece Orchestra  an.

Bei den deutschen Konzerten im Jahr 2016 spielte zum Beispiel ein Ensemble aus Tschechien.

Um den Konzerten zusätzliche Attraktivität zu verleihen, übernahm Priscilla Presley die Moderation der Shows. Ab 2017 war häufig auch Jerry Schilling, ein Vertrauter des Kings, in dieser Rolle zu sehen.

 

Tonaufnahmen

 

Filmaufnahmen

 

Promo Clips

Elvis Presley - The Concert

 

Elvis Presley On Stage


The Wonder Of You