California Wave

Am 25. April 1976 gastierte Elvis zweimal in der Long Beach Arena in Long Beach/Kalifornien. Beide Shows waren mit jeweils 14.000 Zuschauern ausverkauft.

Das Abendkonzert wurde im Jahr 2009 von Memory Records auf der CD California Wave  veröffentlicht.

Auf dem von Geert Hof gestalteten Cover lächelt uns ein übergewichtiger, blasser Elvis entgegen. Auch auf den übrigen Fotos sieht der King nicht gerade vorteilhaft aus.

Da er zum letzten Mal im November 1972 in Long Beach gastiert hatte, dürfte der eine oder andere Konzertbesucher über den Zustand seines Idols regelrecht schockiert gewesen sein.

Der Publikumsmitschnitt wurde von Otto Meszaros bearbeitet. Grundsätzlich ist die Tonqualität für Aufnahmen dieser Art in Ordnung, an Highlights wie die New Years' Eve  von FTD kommt die California Wave  allerdings nicht heran.

Verantwortlich für das Projekt, Memory Records war quasi das Haus-Label des tschechischen Elvis Fanclubs, zeichnet Pavel Cernocky.

Neben dem Auftritt in Long Beach enthält die Scheibe auch noch fünf Bonus Tracks, die am 19. März 1976 in Johnson City/Tennessee mitgeschnitten wurden.

 

 

Also Sprach Zarathustra

Das Orchester spielt die Einleitung, oder Sonnenaufgang  aus dem Richard-Strauß-Werk Also Sprach Zarathustra.

Nahtlos gehen die Musiker zum Opening Riff  über und Elvis betritt die Bühne. Für diese Show hat er sich den Blue Egyptian Bird Suit  ausgesucht.

Er holt sich seine Gitarre, dann geht er zum Mikrophon in der Bühnenmitte und beginnt mit der Show.

 

See See Rider

Der Standard-Opener See See Rider wird flott vorgetragen, der Einstieg in die Show ist gelungen.

 

I Got A Woman / Amen

Zunächst spielt der King ein wenig mit dem Wort well  herum, dann steigt er in den Ray Charles-Hit I Got A Woman  ein.

Auch dieses Lied klingt dynamisch, Elvis hat hörbar seinen Spaß daran und gibt so richtig schön Gas.

Im Anschluss singt er ein den Gospel Amen, führt eine Auswahl seiner alten Bewegungen vor und gibt JD Sumner Gelegenheit, seine Bass-Stimme zu demnonstrieren.

Dann kehrt er zu I Got A Woman  zurück und entledigt sich seiner Gitarre.

 

Love Me

Als Gag stellt sich Elvis als Wayne Newton vor, dann singt er Love Me. Wie üblich nimmt er dabei Kontakt zu seinen Fans auf, vornehmlich zu den weiblichen.

 

If You Love Me (Let Me Know)

Der King kündigt nun einen Song von Olivia Newton-John an, dann singt er ihren 1974er Top5-Hit If You Love Me (Let Me Know).

Was er dem Publikum an dieser Stelle der Show noch nicht verrät, ist, dass sich die Sängerin in der Arena befindet und irgendwo im Zuschauerraum sitzt. Später würde sie in einem Interview erzählen, dass sie vollkommen überrascht von der Performance war.

Tatsächlich hat Elvis das Lied aber schon seit seinem Vegas-Gastspiel im August 1974 im Programm, lediglich im Dezember des Vorjahres und auf seiner letzten Tournee hatte er die Nummer ausgelassen.

Vielleicht auch deshalb klingt der Country-Schlager heute recht schwungvoll.

 

You Gave Me A Mountain

Da während des Intros ein Feedback durch die Halle pfeift, lässt Elvis das Lied abbrechen und die Musiker noch einmal von vorn beginnen.

Was dann folgt, kann sich durchaus hören lassen.

 

All Shook Up

Mit All Shook Up  folgt nun einer der typischen Oldies, bei denen sich der King häufig keine große Mühe gab.

Zwar ist sein heutiger Vortrag ebenfalls nicht preisverdächtig, aber er klingt deutlich engagierter als bei vielen anderen Auftritten dieser Zeit.

 

Teddy Bear / Don't Be Cruel

Auch das Medley aus Teddy Bear und Don't Be Cruel  wird heute motivierter dargeboten als üblich.

Die Zeile Please let's forget the past  setzt Elvis heute nicht mit ..the future looks bright ahead, sondern mit ...before I kick your ass  fort. Auch das mag man als ein Zeichen seiner guten Laune werten.

 

Trying To Get To You

Seit dem Dezember-Gastspiel in Las Vegas ist Trying To Get To You  wieder im Standardprogramm.

Wie üblich gibt Elvis bei diesem Song Vollgas und liefert eine tadellose Performance.

 

My Way

Den Sinatra-Klassiker My Way  hatte der King nach 1973 nur noch selten gesungen.

Für diese Tournee nahm er ihn jedoch wieder ins Programm und auch hier in Long Beach präsentiert er eine stimmgewaltige, sehr hörenswerte Fassung.

 

Polk Salad Annie

Mit Polk Salad Annie zieht der Meister das Tempo wieder an, auch wenn er körperlich nicht ansatzweise die Bühnenaction der Jahre 1970/71 bieten kann.

Die Aufnahme blendet hier nach einiger Zeit aus, vermutlich musste der aufnehmende Fan die Kassette umdrehen.

 

Introductions

Von der in der Realität ellenlangen Bandvorstellung bekommen wir hier kaum etwas mit, auf der CD sind nur wenige Sekunden davon zu hören.

Ich gehe davon aus, dass der kassettenumdrehende Fan das kostbare Magnetband nicht für die Soli der Bandmitglieder oder gar die namentliche Erwähnung jedes einzelnen Harmonie-Sängers verschwenden wollte.

 

Hurt

Nach der Vorstellung der Musiker präsentiert Elvis seine neue Single Hurt.

Der Song wird stimmgewaltig vorgetragen, auf den in dieser Zeit typischen zweiten Durchlauf oder auch nur eine Wiederholung des Finales verzichtet der King heute jedoch.

 

And I Love You So

Von der aktuellen Veröffentlichung springt der Meister nun zum Vorjahresalbum Elvis Today  und singt daraus die Ballade And I Love You So.

Dabei muss er sich an einer Stelle hörbar zusammenreißen, um nicht loszulachen.

 

America (The Beautiful)

Weil die USA ihr 200jähriges Bestehen feiern, möchte Elvis nun America (The Beautiful) singen. Die Zuschauer kennen das Lied noch nicht von ihm, erst im Dezember hat er es ins Live-Programm aufgenommen.

Der Vortrag selbst ist gut, Elvis kann seine Stimme hier voll ausspielen.

 

Burning Love

Es folgt der 1972er Top-Hit Burning Love.

Zwar schmeißt Elvis am Anfang einige Wörter durcheinander, im Ganzen kann sich seine Performance aber hören lassen. Elvis rockt das Haus wie zu seinen besten Zeiten!

 

Help Me

We did a song a couple of years ago called "Help Me" sagt Elvis, dann geht es auch schon los.

Statt Lord, help me walk another mile... singt der King allerdings versehentlich Lord, help me smile another smile..  und damit den Text der zweiten Strophe. Das wäre an sich egal, wenn nicht der Harmonie-Sänger Sherril Nielsen den korrekten Text singen würde.

Somit bricht Elvis den Vortrag ab und lässt noch einmal von vorn beginnen.

Während des zweiten Versuchs macht sich der King dann über seinen Fehler lustig, was bei Mr. Nielsen für Erheiterung sorgt. Davon abgesehen wird die Country-Ballade aber seriös und sehr hörenswert vorgetragen.

 

How Great Thou Art

Auf den Pseudo-Gospel folgt jetzt ein echter, nämlich die Hymne How Great Thou Art.

Hier kann Elvis wieder zeigen, was er kann und seine Stimme voll ausspielen.

Kurioserweise singt er an einer Stelle Lord, how great I think you are. Was er damit sagen wollte, weiß ich nicht. Allerdings sollte er diese Interpreation in den Jahren 1976 und 1977 öfter bringen und auch in der TV-Show Elvis In Concert  würde sie enthalten sein.

 

It's Now Or Never

Mit It's Now Or Never  folgt nun der größte kommerzielle Erfolg des Meisters. Dem wird Elvis auch gerecht, sein Vortrag ist stimmgewaltig und sehr hörenswert.

 

Funny, How Time Slips Away

Jetzt lässt der King die Saalbeleuchtung einschalten, um auch einmal einen Blick auf das Publikum zu werfen. In dem Zusammenhang erwähnt er auch, dass sich Olivia Newton-John und die Band The Eagles  unter den Zuschauern befinden.

Eventuell liegt darin auch die Erklärung für Elvis' heutige Motivation.

Die Country-Ballade Funny, How Time Slips Away  singt der King wie gehabt durch, am Ende darf JD Sumner seine Bass-Stimme demonstrieren.

 

Hound Dog

Wie üblich wiederholt Elvis hier immer nur dieselben vier Zeilen und schüttelt sich am Ende zu den Blechbläser-Klängen des Joe Guercio Orchesters.

Immerhin klingt er auch hier ein wenig engagierter als sonst.

 

Blue Suede Shoes

Als kleine Zugabe folgt eine kurze, aber solide Version des Rock'n'Roll-Klassikers Blue Suede Shoes.

 

Can't Help Falling In Love

Elvis verabschiedet sich von seinen Fans und erwähnt dabei auch die Yellow Press-Meldung, nach der er angeblich geheiratet habe.

Dann singt er seine typische Schluss-Nummer Can't Help Falling In Love  und verlässt zu den Klängen des Closing Riffs  die Bühne.

 

Let Me Be There (Bonus Song)

Zu Beginn setzt Elvis absichtlich zu spät ein, was auf der Bühne zu Erheiterung führt.

Der Vortrag selbst ist nicht so dynamisch wie im Vorjahr, kann sich aber dennoch hören lassen.

 

Steamroller Blues (Bonus Song)

Der Steamroller Blues  wird gut vorgetragen, insgesamt klingt Elvis hier druckvoller als auf der Single aus dem Jahr 1973.

 

Heartbreak Hotel (Bonus Song)

Den meisten seiner Oldies brachte Elvis keinerlei Respekt entgegen, sein erster Nummer 1-Hit bildete aber eine beständige Ausnahme und wird auch hier ordentlich dargeboten.

Als kleinen Gag macht Elvis aus You're so lonely, you could die  ein You're so sweaty, you could die.

 

Love Me Tender (Bonus Song)

Den Titelsong seines ersten Spielfilms sang der King 1976 nur noch selten, hier in Johnson City aber war die Nummer Teil des Programms und brachte die Damenwelt hörbar in Wallung.

Elvis ist mal wieder am Bühnenrand unterwegs und lässt die Band sogar noch eine Strophe und einen Refrain dranhängen.

 

Polk Salad Annie (Bonus Song)

Die Long Beach-Aufnahme wurde nach wenigen Takten ausgeblendet, als Bonus gibt es zum Abschluss der CD nochmal eine komplette Fassung aus Johnson City.

Die Rückseite des Covers zeigt Elvis übrigens während einer Karate-Pose, die er im Rahmen seiner Performance einnahm.

 

Fazit & Bewertung

Vielleicht auch aufgrund der Anwesenheit der damals angesagten Band The Eagles wirkt Elvis motivierter als üblich und liefert eine gute Show.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am CD-Cover bei Memory Records.