Elvis On Tour: Silvester 1975

Während Elvis im Dezember 1975 in Las Vegas gastierte, wurde für den 31. des Monats eine Silvester-Show im Pontiac Metropolitan Stadium in Pontiac, Michigan angekündigt.

Die Tickets direkt an der Bühne kosteten 15 US-Dollar, alle anderen Karten waren zwischen 6 und 11,50 US-Dollar zu haben. Als spezielles Angebot konnten Karteninhaber für 25 US-Dollar ein Exklusiv-Paket buchen, dass zu einem Dinner vor der Show und dem Besuch einer anschließenden Silvester-Party berechtigte.

Zunächst gingen die Tickets ohne Einschränkungen in den Vorverkauf, nach wenigen Tagen wurde bekanntgegeben, dass die oberen Ränge und die Plätze im hinteren Teil der Arena nicht besetzt würden und sich das Publikum damit auf 62.500 beschränkte. Doch auch in dieser Form stellte das Konzert die größte Kulisse dar, vor der Elvis bis dato aufgetreten war.

Als Fest-Gage bekam der King 800.000 US-Dollar, nach Abzug aller Kosten verblieb davon etwa die Hälfte bei Elvis und seinem Manager.

 

Musiker

James Burton (Gitarre), John Wilkinson (Gitarre), Ronnie Tutt (Schlagzeug), Jerry Scheff (Bass), Glen D. Hardin (Klavier), David Briggs (E-Piano und Clavinet), Charlie Hodge (Gitarre und Harmonie-Gesang), Joe Guercio Orchestra, The Sweet Inspirations (Sylvia Shemwell, Myrna Smith & Estelle Brown, Hintergrundgesang), J.D. Sumner & The Stamps (Larry Strickland, Ed Hill, Ed Enoch & Ron Booth, Hintergrundgesang), Kathy Westmoreland (Hintergrundgesang) und Sherrill Nielsen (Hintergrundgesang).

 

Ablauf & Ereignisse

Mit dem Pontiac Metropolitan Stadium wurde am 23. August 1975 das größte Stadion der National Football League eröffnet. Zunächst diente es den Detroit Lions (NFL) als Heimat, später kamen auch die Detroit Pistons (NBA) und der Detroit Express (NASL) hinzu. Neben den sportlichen Aktivitäten fanden aber auch Konzerte im Pontiac Metropolitan Stadium statt. Den Anfang machte am 6. Dezember 1975 die Rock-Gruppe The Who, die mit ihrer Show 75.962 Zuschauer anzog. Insgesamt verfügte das Stadion über 82.000 Plätze.

Ursprünglich sollte für die Presley-Show die gesamte Arena geöffnet werden. Nachdem sich der Kartenverkauf aber bei etwa 60.000 Stück einzupendeln begann, wollte Colonel Parker seinem Klienten die Schmach eines nicht ausverkauften Auftritts ersparen und ließ die am weitesten von der Bühne entfernten Ränge schließen. Als Begründung gab er an, die Zuschauer würden dort zu wenig von der Show mitbekommen.

Weil der Manager trotzdem einen Rekord verkünden wollte, verstieg er sich zu der Bemerkung, nie zuvor habe ein Solo-Künstler in einer Indoor-Arena so viele Zuschauer angezogen, wie Elvis. Es ist halt alles eine Frage der Definition.

Einen tatsächlichen Rekord stellten übrigens die Einnahmen des Künstlers dar. Mit der Brutto-Summe von 800.000 US-Dollar für eine einzige Show war Elvis mit weitem Abstand der bestbezahlte Music-Act seiner Zeit.

Speziell für dieses Silvester-Konzert wurde eine runde, sechs Meter hohe Bühne konstruiert. Während Elvis ganz oben stand, befanden sich die Musiker auf einer zweiten, darunter gelegenen Ebene. Die Bühne selbst war durch einen Tunnel erreichbar, der den King vor dem Publikum abschirmen sollte.

Große Probleme bereitete den Veranstaltern das Winterwetter. Der Schneemassen auf dem riesigen Parkplatz war kaum Herr zu werden und die Temperaturen in der Arena selbst waren alles andere als erfreulich. In der Theorie sollten in dem unbeheizten Gebäude mit einem Publikum von 60.000 Menschen etwa 16 Grad Celsius herrschen. Leider erwies sich die Vorhersage als unzutreffend, so dass die Zuschauer und Akteure auf der Bühne bitterlich froren. Sogar die Instrumente verstimmten sich aufgrund der klirrenden Kälte und sorgten für zusätzlichen Verdruss.

Kurz vor der Show kam es zu einem weiteren Eklat, denn abermals wurde Elvis mit dem Tod bedroht. Die örtliche Polizei nahm schließlich einen betrunkenen 19jährigen fest, der mit einer Pistole bewaffnet war und sich auf dem Weg zum Stadion befand.

Weil Elvis für das Event nicht wesentlich länger als üblich auftreten wollte, musste das Vorprogramm gestreckt werden. Somit traten neben dem Komiker Jackie Kahane, den Sweet Inspirations und J.D. Sumner & The Stamps auch noch die Gruppen Freedom und Bodie Mountain Express auf.

Die letztgenannte Gruppe war im November als Teil des Vorprogramms von Jim Stafford aufgetreten und hatte eine in Zusammenarbeit zwischen RCA und Boxcar (das Schallplatten-Label von Colonel Parker und Elvis) produzierte Single herausgebracht. Größere Bekanntheit erreichte Bodie Mountain Express allerdings ebenso wenig wie Freedom.

Das Konzert selbst wurde nicht nur von der klirrenden Kälte, sondern auch von der Bühnenkonstruktion beeinträchtigt. Weil sich die Musiker und Sänger auf einer anderen Ebene als Elvis befanden, litt die Kommunikation erheblich und es kam zu dem einen oder anderen Timing-Fehler.

Zu allem Überfluss riss dem King auch noch die Naht seiner Hose, so dass er mitten im Konzert zum Wechsel seines Jumpsuits gezwungen war.

Öffentlich machte er gute Miene zum bösen Spiel, auf dem Rückflug nach Memphis soll er jedoch seinem Ärger über die Veranstaltung lautstark Luft gemacht haben.

 

Tonaufnahmen