Pieces Of My Life

Dreißig Jahre nach dem Event veröffentlicht Straight Arrow eine CD-Ausgabe des Asheville-Konzertes vom 24.07.1975.

Elvis trat damals an drei aufeinanderfolgenden Tagen im örtlichen Civic Center auf, jede Show war mit 7.437 Zuschauern ausverkauft.

Schon an den Vortagen hatte der King einige seltene Songs gespielt, zum Abschluss der Tour ging er aber noch einen Schritt weiter und ließ in der Vorhalle Sammelboxen aufstellen, in die das Publikum Zettel mit Liedwünschen einwerfen konnte.

Natürlich wollten viele Fans Titel hören, die sowieso im Programm waren, aber einige ungewöhnliche Songs waren eben auch dabei. Der King selbst überraschte mit zwei Liedern von seiner aktuellen LP Elvis Today, die ansonsten nicht auf der Set List standen.

Neben dem Inhalt punktet die Pieces Of My Life  auch mit einer für Publikumsmitschnitte guten Tonqualität sowie einem Booklet mit Liner Notes und Fotos.

 

Also Sprach Zarathustra

Wie an den beiden Vortagen, so wurde auch an diesem 24. Juli das Saallicht abgedunkelt und das Orchester spielte einen Ausschnitt aus Also Sprach Zarathustra.

Und auch heute geht die Band zum Opening Riff  über und Elvis betritt die Bühne. Er trägt den Chicken Rib Suit, einen der beiden neuen Anzüge, die er sich noch während der Tour hatte liefern lassen. Von Charlie Hoge holt er sich seine Gitarre, dann begibt er sich zum Mikrophon in der Bühnenmitte.

 

That's All Right

Zur allgemeinen Verwunderung startet der King heute allerdings nicht mit dem üblichen See See Rider, sondern mit That's All Right. Dieses Opening hatte er seit der 1972er Juni-Tournee nicht mehr gebracht.

Elvis und seine Band geben so richtig schön Gas, insbeosndere Ronnie Tutt bearbeitet sein Schlagzeug, als gäbe es kein Morgen.

 

I Got A Woman / Amen

Natürlich gibt es auch heute wieder das Spielchen mit dem Wort well, bevor Elvis in I Got A Woman  einsteigt. Nach wenigen Takten bricht er jedoch ab, schiebt eine Anzahl von wells  hinterher und beginnt dann den Ray Charles-Hit ein weiteres Mal.

Während des Songs gibt es Unstimmigkeiten zwischen Sänger und Band, denn Elvis ignoriert die Bridge und macht einfach mit einer Strophe weiter. Schnell haben sich die Musiker jedoch gefangen und passen ihr Spiel den Launen des Meisters an.

Am Ende hängt Elvis natürlich auch heute ein paar Takte des Gospels Amen  an, JD Sumner darf seine Bass-Stimme anschließend gleich zweimal demonstrieren, weil angeblich ein Feedback zu hören war.

Dann kehrt der King kurz zu I Got A Woman  zurück, beendet den Song und entledigt sich seiner Gitarre. Allerdings gibt er sie nicht wie üblich an Charlie Hodge zurück, sondern wirft sie einem Fan in der ersten Reihe zu!

 

Big Boss Man

Während die Fans noch applaudieren, beginnt die Band mit Big Boss Man.

Elvis und seine Mannen liefern einen höchst dynamischen Vortrag, der King ist hörbar begeistert und rockt das Haus nach allen Reglen der Kunst.

Außerdem übertrifft er noch das Geschenk von vorhin und gibt zwei Fans jeweils einen seiner Ringe!

 

Love Me

Nach soviel Budenzauber singt der Meister den Oldie Love Me  und geht dabei wie üblich mit den Fans auf Tuchfühlung.

 

If You Love Me (Let Me Know)

Weiter geht es mit dem Country-Schlager If You Love Me (Let Me Know), der höchst dynamisch und mit hörbarer Begeisterung vorgetragen wird.

 

All Shook Up

Das an dieser Stelle übliche Love Me Tender  lässt Elvis heute ausfallen und geht direkt zu All Shook Up  über.

Verglichen mit seinen sonstigen Vorträgen gibt der Meister heute mehr Gas, der Vortrag kann durchaus mit der Fassung von dem 1972er Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden  mithalten.

 

Teddy Bear / Don't Be Cruel

Dasselbe kann auch über das Medley aus Teddy Bear  und Don't Be Cruel  gesagt werden.

 

Hound Dog

Selbst Hound Dog  hat heute den nötigen Druck und klingt vergleichbar mit den Fassungen von 1972.

Erst jetzt begrüßt Elvis das Publikum - kurioserweise mit Good afternoon! Dann geht er zu den Liedwünschen über und wirft einen Blick in die Request Box.

 

An American Trilogy

Die erste Wunscherfüllung ist nicht schwer, denn An American Trilogy  gehörte zum Standardprogramm dieser Tage.

Heute albert Elvis allerdings mehr mit dem Song herum, als dass er ihn ernsthaft vorträgt. Unterhaltsam ist die Performance natürlich trotzdem.

 

Heartbreak Hotel

Charlie Hodge möchte die Request Box schon wieder wegräumen, da wird er von seinem Chef zurückgepfiffen.

Zwar stellt Heartbreak Hotel  keine echte Rarität dar, doch sang Elvis seinen ersten Nummer 1-Hit nicht mehr regelmäßig, so dass wir hier immerhin eine kleine Besonderheit zu hören bekommen.

 

Jailhouse Rock

Das Titellied seines dritten Spielfilms hingegen hatte der King tatsächlich schon länger nicht mehr gesungen.

Während seines Comeback-Gastspiels in Las Vegas hatte er regelmäßig ein Medley aus Jailhouse Rock  und Don't Be Cruel  vorgetragen, seitdem war der Song aber nur höchst selten zum Einsatz gekommen.

Entsprechend improvisiert klingt der Vortrag, während der zweiten Strophe verhaspelt sich Elvis hoffnungslos im Text.

Ein Drama ist das freilich kaum, denn die Nummer war seit Jahren nicht mehr geprobt worden. Die meisten Sänger hätten sich vermutlich gar nicht erst an dem Song versucht.

 

Something

Dass der Beatles-Hit Something  deutlich besser funktioniert, ist kein Wunder. Weil es sich um eine Ballade handelt, hat Elvis mehr Zeit, sich an den Text zu erinnern. Zudem war der Song bis 1973 regelmäßig gespielt worden, so dass die letzten regulären Vorträge nicht ganz so weit zurücklagen.

Insgesamt kann sich der Vortrag hören lassen und ich finde es schade, dass der King nicht wieder öfter auf Something  zurückkam.

 

Return To Sender

Jetzt geht Elvis in die Vollen, denn Return To Sender  hatte er noch nie live gespielt!

Wie wir heute wissen, hatte der King den Hit aus dem 1962er Spielfilm Girls! Girls! Girls!  in früheren Jahren geprobt, ihn aber schlussendlich doch nicht aufgeführt.

Zunächst sucht Elvis die richtige Tonart, dann beginnt er mit der kuriosen Zeile I wrote a letter to the mailbox.

Auch im weiteren Verlauf des Liedes hat er den Text nicht immer parat, im Ganzen schlägt er sich aber passabel. Auch die Musiker erinnern sich erstaunlich gut an das Lied...oder improvisieren entsprechend geschickt.

 

Wooden Heart

Der nächste Wunsch heißt Wooden Heart  und stellt ebenfalls eine Rarität dar.

Glenn D. Hardin legt am Klavier vor, Jerry Scheff und Ronnie Tutt spielen mit Bass und Schlagzeug einen original deutschen Humtata-Rhythmus.

Elvis nuschelt sich hier und dort ein paar Worte weg, überrascht dann aber mit einem vollständigen Refrain in deutscher Sprache sowie der Zeile Sei mir gut, sei mir gut zum Städtele hinaus.

Anno 1971 hatte der King Wooden Heart  einmalig in Las Vegas aufgeführt. Seinerzeit klang die Performance durchaus vorbereitet, daher ist davon auszugehen, dass Elvis seine Fans mal mit einem etwas anderen Oldie erfreuen wollte, die Idee dann am Ende aber wieder fallenließ.

 

Hawaiian Wedding Song

Nach so vielen Raritäten erfüllt der King mit dem Hawaiian Wedding Song  wieder einen eher regulären Wunsch. Auch dieses Lied kam öfter mal in seinen Shows vor.

Das Ende wird von Elvis und Kathy Westmoreland wiederholt, weil dem King der Applaus zu schwach war. Allerdings sang er das Finale häufiger unter einem Vorwand zweimal. Heute nutzt er die Zugabe, um ein wenig herumzualbern und mit übertrieben opernhafter Stimme zu singen.

 

Bridge Over Troubled Water

Jetzt hat der King von der Request Box genug und möchte Bridge Over Troubled Water  singen. Das tut er dann auch vollem Einsatz und stimmlich beeindruckend.

 

Polk Salad Annie

Weiter geht es mit Polk Salad Annie  und auch das hat heute mächtig Dampf.

 

Introductions

Um wieder zu Atem zum kommen, stellt Elvis erst einmal seine Mitstreiter vor.

Dabei werden natürlich mal wieder sämtliche Mitglieder der Hintergrundchöre einzeln erwähnt, James Burton, Ronnie Tutt, Jerry Scheff, Glen D. Hardin und das Orchester spielen jeweils ein Solo.

Mr. Burton führt in diesem Zusammenhang ein kleines Kunststück vor und spielt Johnny B. Goode  mit der Gitarre hinter dem Kopf - und zwar besser, als die meisten Profis in Normalposition.

 

T-R-O-U-B-L-E

Jetzt stellt der King seine neuste Single vor und rockt dabei noch einmal den Saal.

 

Shake A Hand

Elvis bleibt bei seinen aktuellen Aufnahmen, Shake A Hand  ist auf dem erst vor wenigen Wochen veröffentlichten Album zu hören.

Vermutlich hatte er die Nummer auch für sein Vegas-Gastspiel im März/April vorgesehen, denn nicht nur die Band ist voll im Thema, sondern auch das Orchester hat ein Arrangement in der Schublade.

An einer Stelle kämpft der King kurz mit dem Text, ansonsten geht die Nummer aber fehlerlos durch. Schade, dass Elvis Shake A Hand  nicht regelmäßig sang.

 

Pieces Of My Life

Jetzt stellt der King seinen Vater und Dr. Nick vor. Dann singt er für Vernon die Ballade Pieces Of My Life.

Nach der Zeile A water glass full of whiskey, women that I never knew too well  hält er kurz inne und fragt schelmisch Why is this your favorite song, daddy?

Auch dieses Lied stammt von der Elvis Today-LP und ist offenbar für das letzte Hilton-Engagement geprobt worden. Allerdings leistet sich der King hier so manchen Timing-Fehler, wodurch man dann eben doch merkt, dass die Vorbereitungen nicht abgeschlossen worden waren.

Nichtsdestotrotz wäre sicherlich auch Pieces Of My Life  eine großartige Ergänzung des Repertoires gewesen. Tatsächlich sollte der Vortrag hier in Ashville aber sein einziger bleiben.

 

How Great Thou Art

Das nächste Lied ist dann wieder ein regulärer Bestandteil der Elvis Presley-Show, allerdings ein sehr beeindruckender.

Mit der Gospel-Hymne How Great Thou Art  kann der Meister seine Stimme noch einmal voll ausspielen und auch der Chor und das Orchester können zeigen, was sie auf dem Kasten haben.

Das Publikum ist hörbar begeistert, so dass Elvis das Finale des Songs als kleine Zugabe wiederholt.

 

Can't Help Falling In Love

Noch in den Applaus hinein verabschiedet sich der King und beendet die Show mit Can't Help Falling In Love.

Nahtlos gehen die Musiker in das Closing Riff  über, zu dem sich Elvis noch einmal in alle Richtungen verbeugt und ein paar letzte Hände schüttelt.

Die Tournee ist damit vorbei, aber nur wenige Wochen später würde der King bereits wieder im Rahmen des Elvis Summer Festival 1975  in Las Vegas auf der Bühne stehen.

 

Fazit & Bewertung

Zum Abschluss der Tournee feuerte Elvis noch einmal aus allen Rohren. Nicht immer perfekt, aber hochgradig unterhaltsam.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am CD-Cover bei Straight Arrow.