From Georgia To Florida

Mit From Georgia To Florida  veröffentlicht Follow That Dream Records im Mai 2019 zwei weitere Live-Mitschnitte der April/Mai-Tournee des Jahres 1975.

Enthalten ist das Eröffnungskonzert vom 24.04.1975 in Macon/Georgia und die Nachmittagsvorstellung vom 27.04.1975 in Lakeland/Florida. Das Abendkonzert dieses Tages war von FTD bereits Ende 2014 auf der CD Elvis In Florida  auf den Markt gebracht worden.

Hatte das Sammler-Label der vorgenannten Veröffentlichung noch ein 7" Digipak und ein Booklet spendiert, so muss die hier besprochene Ausgabe mit einer Verpackung im 5"-Format und ohne Begleitheft auskommen.

Auch das Design ist weniger ansprechend. Zwar stimmen mit passenden Fotos und der Abbildung einer Eintrittskarte auch dieses Mal wieder die Grundzutaten, aber im Gesamtergebnis fällt die From Georgia To Florida  hinter der Elvis In Florida  zurück.

Dafür punktet die letztgenannte Veröffentlichung mit zwei Tonträgern.

Wie zu dieser Zeit üblich, verzichtete der Techniker auf den Mitschnitt des Eröffnungsblocks der Show. Das Opening Also Sprach Zarathustra sowie die ersten Songs See See Rider  und I Got A Woman / Amen  wurden nicht mitgeschnitten.

Ebenfalls typisch ist der merkwürdige Mix. Die Stimme des Kings, der Hintergrundchor (vor allem der Bass Sänger JD Sumner) und das Klavier dominieren das Klangbild. Alles andere verschwindet mehr oder weniger als Einheitsbrei im Hintergrund.

Da es sich um Mono-Aufnahmen handelt, konnte am Verhältnis der Instrumente und Stimmen nachträglich nichts geändert werden. Jan Eliasson konnte den Mitschnitt nur mastern, also von Störgeräuschen befreien.

Am 16. Januar 1975 begann der Vorverkauf für das Tour-Opening in Macon. Es dauerte nur zehn Tage, ehe die 10.242 Eintrittskarten vergriffen waren. Insgesamt erwirtschaftete die Show 96.000 US-Dollar an Eintrittsgeldern und weitere 4.000 US-Dollar aus dem Souvenirverkauf.

Kleidungstechnisch hatte sich der King für den Dark Blue Two-Piece Suit With Blue/Silver Ornaments  entschieden. Während der Nachmittagsvorstellung in Lakeland würde er einige Tage später dasselbe Outfit tragen.

Musikalisch gefällt mir die erste Show der Tour sehr gut, denn mit der Ausnahme von Love Me  verzichtet Elvis auf die typischen Oldies und präsentiert ein aktuelles Programm.

Wenige Tage später liegt der Fokus zwar immer noch auf den neueren Titeln, aber es haben sich schon wieder ein paar Klassiker in die Set List geschlichen. Ich persönlich finde das schade, aber das Publikum wollte diese Songs hören und war mehr an der Legende ELVIS, als am realen Künstler interessiert.

 

Love Me

Zunächst stellt sich Elvis als Johnny Cash vor, die Band deutet im Hintergrund einen typischen Cash-Rhythmus an. Dann erwähnt der King scherzhaft, wie schön es sei, wieder zurück in Atlanta zu sein.

Nach weiteren Interaktionen mit dem Publikum singt er den Klassiker Love Me.

 

If You Love Me (Let Me Know)

Mit dem Country-Pop If You Love Me (Let Me Know)  zieht Elvis das Tempo der Show etwas an.

Wer den King im letzten halben Jahr nicht live gesehen hat, kennt das Lied noch nicht von ihm. Erst im Sommer 1977 sollte es auf der LP Moody Blue  zu finden sein.

Elvis spielt ein wenig mit der Band und dem Chorgesang. Man merkt deutlich, dass ihm das Lied gefällt.

 

You Don't Have To Say You Love Me

Weiter geht es mit dem Top20-Hit aus dem Jahr 1970.

Zwar kommt der King gesanglich nicht ganz an seine Darbietungen früherer Jahre heran, aber im Ganzen liefert er auch hier eine hörenswerte Performance ab.

 

Big Boss Man

Jetzt geben der Elvis und seine Crew wieder richtig schön Gas und rocken das Haus nach allen Regeln der Kunst.

Wieder spielt der King mit dem Rhythmus und der Melodie und ist voll in seinem Element.

 

It's Midnight

Es folgt die A-Seite der im Spätsommer des letzten Jahres veröffentlichten Single It's Midnight / Promised Land.

Elvis singt die Ballade nicht nur, er lebt sie förmlich. Auch gesanglich liefert er hier eine großartige Leistung ab.

 

Promised Land

Während der King eindeutig It's Midnight  bevorzugte, erklärten Fans und Presse den Rocker Promised Land  zum Hauptsong der 45er.

Deshalb legt Elvis jetzt mit dem Chuck Berry-Song nach und trägt auch diesen ordentlich vor. Im direkten Vergleich mit der Studioaufnahme fehlt allerdings das gewisse Etwas.

 

Fairytale

This next song is a song we have recorded and we hope you like it. It's called "Fairytale". Mit dieser Ansage kündigt Elvis einen Titel an, den er im März für sein kommendes Album Today  eingespielt hat.

Auch hier handelt es sich um einen Country-Schlager und wie bei If You Love Me (Let Me Know), so kann man eindeutig heraushören, dass Elvis diese Art von Musik sehr mochte.

Am Schluss gibt er der Band mit Walk on!  ein Zeichen, den Refrain nochmals zu wiederholen. Auch danach hat er noch nicht genug und leitet mit One more time!  sogar noch eine weitere Runde ein.

 

Burning Love

Im Sommer 1972 konnte Elvis mit Burning Love  einen echten Hit landen, in seinen Konzerten ignorierte er das Lied allerdings zumeist.

 Erst vor wenigen Wochen in Las Vegas hatte er die Nummer neu für sich entdeckt und sie regelmäßig vorgetragen. Somit findet sich der Rock'n'Roll-Song auch heute in der Show.

Der King und seine Band geben noch einmal Gas und rocken das Haus.

 

Introductions

Bezugnehmend auf den gerade vorgetragenen Rocker wandelt Elvis den typischen Satz I'd like to introduce the members of my group  ab und sagt stattdessen I'd like to lay out for a minute.

Auch die Bandvorstellung selbst würzt der King mit dem einen oder anderen Gag. Mit Ausnahme des Rhythmus-Gitarristen John Wilkinson spielen alle Musiker ein Solo, die Beiträge von James Burton (What'd I Say) und des Orchesters (School Days) werden von Elvis oberflächlich gesanglich unterstützt.

Da Jerry Scheff zum ersten Mal seit Februar 1973 wieder mit dabei ist, möchte der King das Bass-Solo verlängern und fordert Mr. Scheff zu einem weiteren Durchgang auf. Ungewöhnlicherweise ist der aber nicht auf Zack, so dass die Nummer ein wenig chaotisch endet.

 

My Boy

Ohne Ansage macht Elvis mit My Boy, seiner Top20-Single vom Anfang des Jahres, weiter.

Der King präsentiert die dramatische Ballade absolut großartig und dürfte so manchem Zuschauer die Tränen in die Augen getrieben haben.

 

T-R-O-U-B-L-E

Jetzt kündigt Elvis seine neue Single T-R-O-U-B-L-E  an und bittet schon im Vorfeld, mögliche Fehler zu entschuldigen.

Das ist auch bitter nötig, denn der folgende Vortrag ist voll von Timing-Fehlern und Textproblemen. Zwar nimmt es Elvis mit Humor (That's one way to do it - do it and stop it!), aber ein wenig mehr Vorbereitung hätte diese Probleme verhindert.

 

I'll Remember You

Die Ballade I'll Remember You  hat Elvis deutlich besser im Griff. Hier läuft er wieder zur gewohnten Form auf und präsentiert eine sehr hörenswerte Fassung.

 

Let Me Be There

Jetzt folgt einer der neuen Titel auf dem 1974er Album Elvis Recorded Live On Stage In Memphis.

Heute zieht der King allerdings flotter zu Werke und spielt wieder mit der Melodie und dem Gesang des Chors.

In diesen Tagen scheint Country-Pop sein bevorzugter Stil gewesen zu sein.

 

An American Trilogy

Zum Abschluss der Show liefert Elvis seinen Fans nochmal eine gehörige Portion Patriotismus, gewürzt mit musikalischem Bombast.

Gesanglich kann er allerdings nicht mit seinen früheren Vorträgen mithalten, denn hier und dort hält er die Töne nicht lang genug und singt an einigen Stellen auch ungenau.

Aber natürlich klingt seine Stimme auch jetzt noch beeindruckend und die laut geschmetterten Zeilen verfehlen auch im Jahr 1975 ihre Wirkung nicht.

 

Can't Help Falling In Love

Im Anschluss verabschiedet sich Elvis von seinen Fans in Macon und kündigt an, jederzeit gerne wiederzukommen.

Dann singt er Can't Help Falling In Love  und verlässt zu den Klängen des Closing Riff  schließlich die Bühne. Hier fällt auf, dass dieses Schluss-Thema deutlich druckvoller und mehr funky klingt als gewohnt.

Die Aufnahme endet mit dem legendären Ladies and gentlemen, Elvis has left the building. Thank you and good night!

 

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Soweit bekannt liegen die Bildrechte am CD-Cover bei Follow That Dream Records/Sony Music Entertainment.