Elvis In Atlanta

Gerade einmal einen Monat nach der Veröffentlichung der Doppel-CD Las Vegas '74  legt Follow That Dream Records mit einem weiteren Live-Set nach und bringt im Mai 2017 Elvis In Atlanta  auf den Markt.

Enthalten sind die Auftritte am 30. April und 1. Mai 1975 im Omni Coliseum in Atlanta, Georgia.

Ursprünglich war nur die zweite Show geplant gewesen, doch nachdem alle 17.228 Eintrittskarten innerhalb von 24 Stunden ausverkauft waren, setzte Colonel Parker einen weiteren Auftritt für den 2. Mai an. Weil auch die Tickets für das Zusatz-Konzert im Handumdrehen vergriffen waren, buchte der Manager die Arena auch noch für den 30. April.

Schlussendlich waren alle Auftritte vollständig ausverkauft und brachten dem King mehr als 520.000 US-Dollar ein.

Wie bei der Elvis In Florida  oder auch einigen Tracks der Southern Nights  klingt der Mix der Aufnahmen gewöhnungsbedürftig. Die Stimme des Kings, der Chor, die Gitarre und das Klavier dominieren das Klangbild, alles andere verschwimmt mehr oder minder zu einem Sound-Brei im Hintergrund.

Da es sich um Mono-Aufnahmen handelt, konnte Jan Eliasson am Verhältnis der Stimmen und Instrumente nichts ändern. Grundsätzlich hat er beim Mastering aber wohl das Ultimo herausgeholt. Insgesamt gewöhnt man sich beim Anhören der CDs recht schnell an den Mix.

Untergebracht sind die beiden Tonträger in einem doppelt aufklappbaren Digipack im 5"-Format. Ein Booklet mit weiterführenden Informationen oder zusätzlichen Fotos gibt es nicht.

Wie üblich wurde die CD von Ernst Jorgensen und Roger Semon, den Köpfen des FTD-Labels, produziert.

Beide Konzerte wurden übrigens nicht vollständig mitgeschnitten. Das Opening mit Also Sprach Zarathustra, See See Rider  und I Got A Woman / Amen  fehlt jeweils.

 

Love Me

Elvis hat sich nach dem Eröffnungsblock der Show seiner Gitarre entledigt und spricht ein wenig mit dem Publikum.

Zudem dreht er sich zu den Fans auf den Sitzplätzen hinter der Bühne um, was eine ohrenbetäubende Reaktion auslöst.

Dann singt er den Oldie Love Me  und ließt ein Stück Damenunterwäsche von der Bühne auf.

Als Elvis feststellt, dass der Slip farblich zum Outfit seines Bass-Sängers passt, überreicht er ihm kurzerhand den Schlüpfer.

 

If You Love Me (Let Me Know)

Vor etwa einem Jahr konnte Olivia Newton-John mit diesem Country-Schlager einen respektablen Hit verbuchen, von Elvis dürften die Fans das Lied bis dato noch nicht kennen.

Bis dato hat er es schließlich nur in Las Vegas und auf seiner letzten Tour gesungen.

Man kann dem Vortrag deutlich anhören, dass der King den Song sehr mag und auch die Zuschauer sind begeistert.

 

Love Me Tender

Die Begeisterung steigert sich zur Ekstase, als der Meister den Titelsong seines ersten Spielfilms ankündigt.

Natürlich nutzt er die Nummer auch heute, um Küsschen und Halstücher an die Damen am Bühnenrand zu verteilen.

 

All Shook Up

Nach einem kurzen Flirt mit einer Zuschauerin fährt Elvis mit einem weiteren Klassiker im Programm fort.

Auch dabei hält er den Kontakt zu den Fans und hat hörbar seinen Spaß. Gesanglich engagieren mag er sich allerdings nicht.

 

Teddy Bear / Don't Be Cruel

Das Medley aus Teddy Bear  und Don't Be Cruel  wird ebenfalls routiniert abgesungen.

Die alten Kamellen sollen die Fans unterhalten, wirklich zu interessieren scheinen sie Elvis nicht.

 

I'll Remember You

Nachdem die für das Publikum unverzichtbaren Oldies abgearbeitet sind, kündigt Elvis die Ballade I'll Remember You  vom Soundtrack der 1973er TV-Show Aloha From Hawaii Via Satellite  an.

Hier klingt er wieder deutlich engagierter, wenn er auch das Herumalbern nicht ganz lassen kann.

 

Help Me

Weiter geht es mit der B-Seite der im Vorjahr veröffentlichten Top20-Single If You Talk In Your Sleep.

Die Fans kennen die Country-Ballade außerdem von dem Konzert-Album Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und der Studio-LP Promised Land  (1975).

Hier singt Elvis absolut seriös und extrem gefühlvoll. Damit liefert er ohne Frage seine bislang beste Performance des Abends ab.

 

How Great Thou Art

Nachdem sich der King im Rahmen einer Country-Ballade an den Herrn im Himmel gewandt hat, tut er dies jetzt abermals mit einer waschechten Gospel-Hymne.

Auch diese war auf dem im Vorjahr herausgebrachten Live-Album zu hören gewesen und hatte Elvis sogar einen weiteren Grammy eingebracht.

Heute klingt das Arrangement noch bombastischer, beim kraftvoll herausgeschrienen Oh my God, How Great Thou Art  passt allerdings das Timing zwischen ihm und der Band nicht so ganz. Zudem habe ich den Eindruck, dass ihm hier beinahe ein Tönchen verrutscht wäre.

Doch trotz dieser Missgeschicke kann sich der Vortrag hören lassen, denn Elvis klingt (abgesehen von den zuvor erwähnten Patzern) absolut beeindruckend.

 

Introductions

Für die Vorstellung seiner Musiker nimmt sich der King wieder recht viel Zeit.

Das Highlight ist das Solo von James Burton, der hier ein wenig improvisiert und vom üblichen Schema (What'd I Say  und/oder Johnny B. Goode) abweicht.

 

My Boy

Musikalisch fährt der Meister mit seiner im Januar veröffentlichten Top20-Single im Programm fort.

Hier kann Elvis wieder stimmlich voll punkten und trägt die Ballade äußerst gefühlvoll vor.

 

T-R-O-U-B-L-E

Der vorletzten 45er folgt die aktuelle Veröffentlichung T-R-O-U-B-L-E.

Weil es sich um einen schnellen Rocker handelt und Elvis den Text nicht 100%ig drauf hat, muss er die Worte von einem Blatt ablesen. Ein bisschen mehr Vorbereitung hätte hier sicherlich nicht geschadet.

Insgesamt trägt er den Song passabel vor, muss aber zwischendurch ein bisschen lachen und nuschelt sich hier und dort ein Wort weg.

 

It's Now Or Never

Jetzt möchte Elvis It's Now Or Never, seinen größten Hit und die bestverkaufte Single der gesamten 1960er Jahre, vortragen.

Zunächst sucht er nach dem richtigen Ton, dann steigen er und seine Musiker in die Nummer ein und tragen sie äußerst hörenswert vor.

 

Let Me Be There

Nach dem Klassiker kehrt der King wieder zum aktuellen Konzert-Album Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  zurück und singt den Country-Pop Let Me Be There.

Dabei betont er einige Zeilen stärker als auf der LP, was mir recht gut gefällt.

 

An American Trilogy

Elvis bleibt beim Repertoire des Albums, zuvor war An American Trilogy  allerdings auch auf den LPs Aloha From Hawaii via Satellite  (1973) und Elvis As Recorded At Madison Square Garden (1972) sowie der Single An American Trilogy / The First Time Ever I Saw Your Face  (1972) erhältlich gewesen.

Wie auch bei den übrigen Konzerten dieser Tage kürzt Elvis heute allerdings einige Zeilen ab, macht zwischendurch Gags (als die Stamps I wish  I was in Dixie  singen, kommentiert der King I wish you were, too) und kann auch sonst nicht mit seinen Aufnahmen der Jahre 1972/73 mithalten.

Trotzdem sind die laut geschmetterten Passagen noch immer beeindruckend genug, zudem spricht das uramerikanische Medley auch die patriotischen Gefühle des Südstaaten-Publikums an.

 

Burning Love

Mit seinem 1972er Hit zieht Elvis das Tempo nun wieder an.

Zwischendurch muss der King immer wieder lachen, offenbar haben alle Beteiligten ihren Spaß an dem Retro-Rocker.

 

Funny, How Time Slips Away

Jetzt möchte Elvis auch mal einen Blick auf die Zuschauer werfen und lässt die volle Saalbeleuchtung einschalten.

Er ist hörbar von der Größe der Halle beeindruckt und fragt, wie die Leute ganz hinten überhaupt etwas sehen können. Von den Zeiten der riesigen Bildschirme war man schließlich noch eine ganze Weile entfernt.

Die Countryballade dient in erster Linie der Kontaktaufnahme mit dem Publikum. Auch hier hat der Meister wieder seinen Spaß an der Aktion, die weiblichen Fans kreischen sich die Seelen aus den Leibern.

Das Ende des Songs wird von Elvis noch einmal wiederholt, damit JD Sumner seine Bass-Stimme demonstrieren kann.

 

That's All Right

Aus dem Zuschauerraum ruft jemand nach That's All Right. Elvis reagiert darauf mit einem amüsierten You gotta be kiddin', singt das Lied dann aber doch.

Obwohl die Nummer schon lange nicht mehr zum Standard-Programm gehört, haben alle den Klassiker drauf und liefern eine durchaus hörenswerte Version ab.

Als Gag singt Elvis Son, that girl you foolin', she ain't no good to screw  (statt ...she aint't no good for you), zudem wiederholt er den letzten Teil des Songs.

 

Can't Help Falling In Love

Der King verabschiedet sich mit knappen Worten, dann singt er seine übliche Schlussnummer Can't Help Falling In Love.

Nahtlos gehen die Musiker zum Closing Riff  über, zu dem sich Elvis noch ein paarmal verbeugt und die Bühne schließlich verlässt.

Die CD schließt mit der Ansage Ladies and gentlemen, Elvis has left the building. Thank you and good night.

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