Omaha, Nebraska '74

Nachdem sich die Konzertveröffentlichungen von Follow That Dream Records eine Zeit lang auf das Jahr 1976 konzentrierten, schienen die Verantwortlichen in 2017/2018 das Jahr 1974 für sich entdeckt zu haben.

Nach Las Vegas '74  und Murfreesboro '74  folgt im Mai 2018 schließlich Omaha, Nebraska '74.

Die Doppel-CD liefert uns die beiden Auftritte vom 30. Juni 1974, das Konzert vom Folgetag war bereits einige Jahre zuvor als Beilage zu dem Buch Fashion For A King  auf den Markt gebracht worden.

Ursprünglich war die Stadt gar nicht für ein Konzert vorgesehen, doch eine Petition mit 13.000 Unterschriften überzeugte Colonel Parker, seine Planungen kurzfristig zu ändern und das Omaha Auditorium für den 30. Juni zu buchen.

Nachdem die Show ausverkauft war, wurde ein Zusatzkonzert am Nachmittag angesetzt. Als es auch für diese Veranstaltung keine Karten mehr gab, sicherte sich der Manager die Halle zusätzlich für den folgenden Tag und kündigte einen dritten Auftritt des Kings an.

Nach vier Tagen waren alle 30.997 Eintrittskarten verkauft und bescherten Elvis Einnahmen in Höhe von etwa 270.000 US-Dollar.

Die beiden CDs sind in einem doppelt aufklappbaren Digipak untergebracht, das mit einer Eintrittskarte für die Abend-Show und Fotos vom 26. Juni 1974 (Elvis gastierte in Louisville, Kentucky) ansprechend gestaltet wurde.

Ein Booklet mit weiterführenden Informationen und/oder Fotos von den beiden zu hörenden Konzerten gibt es nicht.

Restauriert wurden die Mischpultaufnahmen von Jan Eliasson, für die Produktion verantwortlich zeichnen Ernst Jorgensen und Roger Semon.

Wie die anderen Mitschnitte dieser Tour, so klingen auch die Omaha-Konzerte nicht optimal. Das Verhältnis zwischen den Instrumenten und Stimmen ist nicht 100%ig ausgewogen, zudem scheint das Band ursprünglich ein starkes Grundrauschen aufgewiesen zu haben.

Verglichen mit den vorherigen Veröffentlichungen von Mischpultaufnahmen der 1974er Juni-Tour klingt die Omaha, Nebraska '74  aber am besten.

Beide Shows wurden übrigens nicht vollständig aufgenommen, das Intro Also Sprach Zarathustra  wurde vom Tontechniker nicht mitgeschnitten.

Weil das Tonband nach sechzig Minuten auslief, fehlen beim Abendkonzert zudem der letzte Teil des Steamroller Blues sowie Can't Help Falling In Love  und das Closing Riff.

 

See See Rider

Die Aufnahme beginnt mit dem Intro von See See Rider. Elvis befindet sich also bereits auf der Bühne und hat sich seine schwarze Gitarre umgehängt.

Als Outfit hat er sich heute für den Blue Swirl Suit, einen der neuen, bestickten Anzüge entschieden.

Den Song selbst bringt der King dynamisch rüber, danach begrüßt er die Zuschauer mit einem kurzen Good Afternoon.

Als Gag macht er ein paar Beinbewegungen, die von Ronnie Tutt am Schlagzeug akzentuiert werden. Die hysterische Reaktion der Damen kommentiert Elvis mit If that's all I gotta do, I got it made.

 

I Got A Woman / Amen

Jetzt spielt der King kurz mit dem Wort well  herum, dann steigt er in den Ray Charles-Hit I Got A Woman  ein.

Wie üblich hängt er noch ein paar Takte des Gospels Amen  an, bei denen JD Sumner seine Bass-Stimme demonstrieren kann.

Nach einer kurzen Rückkehr zu I Got A Woman  gibt Elvis seine Gitarre wieder an Charlie Hodge zurück und begrüßt die Zuschauer etwas ausführlicher.

 

Love Me

Die Ballade Love Me  scheint der King nicht sonderlich ernst zu nehmen, immer wieder vertauscht er absichtlich Worte und lässt die Hintergrundsänger das letzte Oh yeah  extrem lange anhalten.

Unterhaltsam ist der Oldie auf diese Weise aber allemal.

 

Trying To Get To You

Jetzt kündigt Elvis einen Song aus seinen Anfangstagen an, die nach seinen Angaben nun schon zwei Jahre zurückliegen.

Erstmals an diesem Nachmittag reizt der Meister seine Stimme aus. Im Gegensatz zu seinen Darbietungen der vorangegangenen Monate singt er allerdings etwas schlampig, ist nicht immer 100%ig im Timing.

Als kleinen Gag wandelt er den Text ein wenig ab und singt I kept streaking all the way.

 

All Shook Up

Etwa eine Minute lang nuschelt sich Elvis durch seinen Mega-Hit aus dem Jahr 1957.

Die Fans stören sich an der unmotivierten Performance kaum. Sie erkennen das Lied und freuen sich.

 

Love Me Tender

Während er den Titelsong seines ersten Spielfilms singt, ist der King ausgiebig am Bühnenrand unterwegs und verteilt seine schweißbenetzten Halstücher an die kreischenden Damen am Bühnenrand.

Musikalisch ist auch dieser Vortrag wenig wert, hier geht es um die Show und einen Superstar zum Anfassen.

 

Hound Dog

Auch der Rock'n'Roll-Klassiker Hound Dog  wird im Rekordtempo und eher unmotiviert durchgezogen.

 

Fever

Dieser Oldie scheint Elvis ausnahmsweise Spaß zu machen. Immer wieder bringt er mit seinen Beinbewegungen die Damenwelt in Wallung und auch sonst liefert er eine unterhaltsame Performance ab.

So kommentiert er die Zeile Captain Smith and Pocahontas  mit Whoever that was  und muss auch hier und dort über die Reaktionen der Fans lachen.

 

Polk Salad Annie

Mit dem Swamp Rock aus der Feder von Tony Joe White kehrt Elvis wieder in modernere Gefilde zurück.

Im Vergleich zu den früheren Versionen fällt auf, dass Duke Bardwells Bass-Spiel behäbiger klingt als das von Jerry Scheff und das Solo inzwischen von der E-Gitarre übernommen wurde.

Nichtsdestotrotz kommt die Nummer auch in dieser Form gut rüber und bietet dem King Gelegenheit, den Fans die mit ihm assoziierte Body-Action zu präsentieren.   

 

Why Me Lord

Jetzt singt der Meister einen Titel von seiner neuen LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis.

Wie üblich verzichtet er allerdings auf jede Werbung und erwähnt seine neuste Veröffentlichung erst gar nicht.

Den Lead-Gesang übernimmt JD Sumner, Elvis selbst ist nur als Teil des Chores während des Refrains zu hören.

 

Suspicious Minds

Mit Suspicious Minds  folgt nun der große Verkaufserfolg vom Spätsommer 1969.

Inzwischen lässt es der King etwas ruhiger angehen und bewegt sich längst nicht mehr so wild wie in den Jahren 1969 bis 1971.

Allerdings hat auch diese etwas getragenere Version ihren Reiz und wird ordentlich dargeboten.

 

Introductions

Bevor es in der Show weitergeht, stellt Elvis erst einmal seine Musiker vor.

Diesen Punkt zieht er kurz und knackig durch.

 

I Can't Stop Loving You

Mit der Frage You know, what I can't do?  leitet der King zum nächsten Song über.

Die Country-Nummer scheint ihm Spaß zu machen, am Ende spielt er ein wenig mit dem Wort yesterday  herum und beeindruckt die Fans mit einigen gesanglichen Kapriolen.

 

Help Me

Der zweite neue Song des Abens heißt Help Me  und wird von Elvis sogar als solcher angekündigt.

Kurioserweise lässt er dabei unerwähnt, dass es sich um die B-Seite der Single If You Talk In Your Sleep  handelt, die immerhin in den Top20 der Billboard Charts zu finden war.

Elvis singt das Lied sehr gefühlvoll und liefert damit eine der besten Darbietungen des Nachmittags.

 

An American Trilogy

Noch in den Applaus hinein sagt der King Thank you, Trilogy!  und gibt seinen Musikern damit das Stichwort für den nächsten Titel.

Im Vergleich zur Version auf dem im Vorjahr veröffentlichten Nummer 1-Album Aloha From Hawaii Via Satellite  wird das Lied jetzt schneller gespielt und von Elvis auch streckenweise schlampiger gesungen.

Im Ganzen ist allerdings auch diese Fassung in Ordnung, insbesondere beim Finale kann der Meister voll und ganz überzeugen.

 

Let Me Be There

Auch dieses Lied stammt von der aktuellen Live-LP und auch dieses Mal macht Elvis keinerlei Werbung für sein neues Album.

Der Country-Pop ist offenbar ein Favorit des Meisters, denn er klingt von A bis Z engagiert und gibt am Ende sogar eine kleine Zugabe

 

Funny How Time Slips Away

Jetzt möchte Elvis auch mal einen Blick auf sein Publikum werfen und lässt die Saalbeleuchtung einschalten.

Er nutzt die Situation, um ein wenig mit den Fans herumzualbern. Zu einer offenbar etwas übergriffigen Frau sagt er You can have the scarf, but you can't have the pantsleg.

Das Lied selbst singt Elvis eher nachlässig, denn er ist noch immer mit den Fans beschäftigt. Kurzzeitig verliert er dabei sogar den Faden und hat einen kleinen Texthänger.

Im weiteren Verlauf des Liedes kommentiert er die Zeile Never know when I'll be back in town  mit Tonight!  und spielt damit auf das bevorstehende Abendkonzert an.

Mit dem Ende des Songs spielt er mal wieder ein wenig herum und gibt JD Sumner sogar zwei Gelegenheiten, dem Publikum seine Bass-Stimme zu demonstrieren. 

 

Big Boss Man

Mit einem knappen Big boss!  gibt Elvis den Startschuss zum nächsten Song.

Die 1967er Single ist neu im Programm und wird deutlich rockiger dargeboten, als seinerzeit auf der Schallplatte.

 

Steamroller Blues

Musikalisch bleibt der King im R&B-Bereich und fährt mit dem Steamroller Blues  fort.

Erst im letzten Jahr konnte Elvis mit dem Song einen Top20-Hit verbuchen und auch auf dem Soundtrack zur Aloha-Show war das Lied zu hören gewesen.

Die heutige Version ist etwas schwungvoller, was mir gut gefällt.

 

Can't Help Falling In Love

Nach einer kurzen Verabschiedung singt Elvis Can't Help Falling In Love.

Dabei bringt er noch sein letztes Halstuch unter das Volk und schüttelt ein paar Hände

 

Closing Riff

Nahtlos geht die Band zum Closing Riff, einer Wiederholung des Opening Riff  über. Der King verbeugt sich nochmal in alle Richtungen und verlässt die Bühne.

Die Aufnahme endet mit der typischen Ansage Ladies and gentlemen, Elvis has left the building.

Die Musiker nutzen das Outro für ein paar jazzige Improvisationen.

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