Murfreesboro '74

Am 14. und 19. März 1974 gastierte die Presley-Show im zur Middle Tennessee State University gehörenden Murphy Athletic Center.

In beiden Fällen war die Halle mit jeweils 12.500 Zuschauern ausverkauft, die Gesamteinnahmen beliefen sich auf etwa 225.000 US-Dollar.

Das Konzert am 14. März bestritt Elvis in dem auf dem Cover gezeigten Aqua Blue Vine Suit, am 19. März trug er den Blue Starburst Suit. Beide Anzüge stammten aus dem Vorjahr und waren für das Elvis Summer Festival 1973  in Las Vegas angefertigt worden.

Die beiden CDs sind in einem doppelt aufklappbaren Digipak untergebracht, das mit Bildern von der Tour passend und optisch ansprechend gestaltet wurde.

Produziert wurde das Set von Ernst Jorgensen und Roger Semon, für die Bearbeitung der Aufnahmen zeichnet Jan Eliasson verantwortlich.

Als die Doppel-CD im März 2018 veröffentlicht wurde, gab es in einigen Fan-Foren die Diskussion, ob die Aufnahmen etwa 2% zu langsam liefen. Im Gegensatz zu Produktionen a' la Live In L.A.  oder From Hawaii To Vegas  kann ich einen Fehler in der Laufgeschwindigkeit hier allerdings nicht heraushören.

 

Also Sprach Zarathustra

Das Vorprogramm ist zuende und die Umbaupause ist vorbei. Die Halle wird abgedunkelt und das Orchester spielt die Einleitung, oder Sonnenaufgang  aus dem klassischen Also Sprach Zarathustra.

 

See See Rider

Die Band geht in das Opening Riff  über, dann betritt der King die Bühne, holt sich von Charlie Hodge seine Gitarre ab und beginnt die Show mit einem rockigen See See Rider.

 

I Got A Woman / Amen

Die übliche Nummer mit dem Wort well  wirkt heute ein wenig verspielter als gewohnt und auch sonst spiegelt sich die Laune des Meisters in einem äußerst dynamischen Vortrag wieder.

JD Sumner darf seine Bass-Stimme gleich zweimal zum Einsatz bringen, wofür Elvis scherzhaft ein "C+" (also Schulnote "3+") vergibt.

Zunächst begrüßt er die Zuschauer mit Good Afternoon, verbessert sich dann aber auf ein Good Evening  und ergänzt, dass die Tour inzwischen so lange liefe, dass er nicht mehr wisse ob es hell oder dunkel sei.

Aus dem Hintergrund kommt der Kommentar dunkel, wofür sich Elvis bedankt und mit der Show fortfährt.

 

Love Me

Das tut er mit dem Oldie Love Me  und ist dabei wieder aktiv am Bühnenrand unterwegs, um seine Halstücher unter das Volk zu bringen.

Elvis hat hörbar seinen Spaß an der Aktion und muss oft lachen.

 

Trying To Get To You

Auch die nächste Nummer stammt aus seinen Anfangstagen. Diesmal geht der King das Lied aber ernsthaft an und zeigt, was gesanglich in ihm steckt.

 

All Shook Up

Auch der Mega-Hit All Shook Up  wird kraftvoll gesungen, allerdings ist das Tempo hier deutlich höher als bei der Originalaufnahme.

Zwar klingt der Song dadurch merklich anders, passt so aber hervorragend zum Tempo der Show.

 

Steamroller Blues

Mit einem bestimmenden Steamroller, baby!  leitet der King zum nächsten Song über.

Gemeint ist seine Vorjahres-Single Steamroller Blues, die aus dem Nummer 1-Album Aloha From Hawaii Via Satellite  ausgekoppelt worden war und den 17. Platz der US-Charts erreicht hatte.

Während er damals den Song eher zurückhaltend anging, ist er heute mit vollem Einsatz bei der Sache und ist selbst während des Instrumental-Parts kaum zu bremsen.

 

Teddy Bear - Don't Be Cruel

Mit dem nun folgenden Medley geht es schnurstraks zurück in die 1950er Jahre.

Hier setzt Elvis wieder auf Fan-Kontakt, wirft seine Halstücher in die Menge und nimmt Geschenke entgegen.

Im Anschluss bedankt er sich sogar ausdrücklich nochmal bei einem Mädchen für die Blumen.

 

Love Me Tender

My first movie was called Love Me Tender, I'd like to do that!  kündigt Elvis eindeutig zweideutig den nächsten Song an.

Auch hier steht der Publikumskontakt im Vordergrund. Als ihm eine Dame einen Blumenkranz überreicht, fragt Elvis scherzhaft, ob es ihn nach Hawaii verschlagen habe.

Das Feedback aus dem Tonsystem bleibt ebenfalls nicht unkommentiert, denn der King spricht direkt seinen Tonmeister an und fragt, was los sei.

 

Johnny B. Goode

Mit einem knappen Take it on!  gibt Elvis den Startschuss zu dem Chuck Berry-Klassiker Johnny B. Goode.

Auch hier drängt sich natürlich der Vergleich zur Aloha-Show auf und auch hier geht der King die Nummer mit deutlich mehr Schwung an.

 

Hound Dog

Kurz und schmerzlos arbeitet sich der Meister nun durch seinen Mega-Hit Hound Dog, der ihn aktuell allerdings kaum noch zu interessieren scheint.

Danach erlaubt sich Elvis einen kleinen Scherz, indem er einer Dame erklärt, dass er keine Halstücher mehr übrig habe. Als der Fan schon wieder enttäuscht vondannen ziehen will, hört man den King amüsiert sagen I'm lying, honey - Come back!

 

Fever

Den Oldie Fever  geht Elvis deutlich interessierter an. Hier bringt er die Damenwelt mit seinen Beinbewegungen zur Raserei und sogt für Stimmung, als er die Zeile I light up when you call my name  mit einem herzzerreißend gekreischten Elviiiiiiiiis!! kommentiert.

 

Polk Salad Annie

Mit Polk Salad Annie  folgt nun wieder ein neuerer Titel. Elvis und seine Jungs geben so richtig schön Gas und liefern einen gelungenen Vortrag.

 

Why Me, Lord

Nun möchte Elvis nach eigenen Angaben wieder etwas zu Luft kommen und kündigt seinen Bass-Sänger JD Sumner mit dem Gospel Why Me, Lord  an.

Nach den ersten Zeilen brandet spontaner Applaus auf, offenbar sind die Fans schwer begeistert, obwohl ihr Idol selbst gar nicht singt.

Das geschiet erst während des Refrains, denn hier ist Elvis als Teil des Stamps Quartet mit von der Partie.

 

Suspicious Minds

Ohne weitere Ankündigung beginnt die Band mit dem bislang letzten Nummer 1-Hit des Kings.

Die Nummer hat jede Menge Drive und wird von allen Beteiligten gut vorgetragen. Am Ende singt Elvis als Gag Take These Chains From My Heart  an.

 

Intorductions

Die Vorstellung seiner Musiker zieht der Meister zügig durch, wobei er sich trotzdem einige Kommentare und Gags nicht verkneifen kann.

So stellt er seinen Schlagzeuger als "Ronald Ellis Tutt" vor, bezeichnet Glen D. Hardin als seinen persönlichen Cheerleader und erzählt, er habe die Gruppe Voice in der Polsterei von JD Sumner aufgetrieben.

 

I Can't Stop Loving You

Musikalisch fährt Elvis mit dem Country-Song I Can't Stop Loving You  fort, den er gewohnt schmissig vorträgt.

Dabei erlaubt er sich abermals einen kleinen Scherz und singt statt ...to live in memory  seinem Wohnort (und dem Ort der Show) folgend ...to live in Tennessee.

 

Help Me

Jetzt kündigt Elvis einen neuen Titel an und erwähnt, dass die Eltern seines Harmonie-Sängers (Charlie Hodge) im Publikum sitzen.

Die religiös angehauchte Country-Nummer wird exzellent vorgetragen und übertrifft meines Erachtens sogar die Studio-Fassung.

 

An American Trilogy

Natürlich kommt gerade hier in den Südstaaten ein gerüttelt Maß an Patriotismus immer gut an, so dass die American Trilogy  mit der zu erwartenden Begeisterung aufgenommen wird.

Als Gag singt Elvis statt ...look away, Dixiland (die Südstaaten) ...look away, Disneyland  und muss anschließend kurz über seinen eigenen Witz lachen.

Den Rest des Liedes singt er allerdings seriös und kann dabei seine Stimme voll ausspielen.

 

Let Me Be There

Der Applaus ist kaum verklungen, da startet die Band schon den nächsten Song. Hierbei handelt es sich um die Cover-Version des Olivia Newton John-Hits, Let Me Be There, den das Publikum noch nicht von Elvis kennt.

Zusammen mit Why Me, Lord  und Help Me  bekommen die Fans also heute drei neue Songs zu hören.

Der Meister scheint den Country-Schlager sehr zu mögen, denn im Anschluss gibt er eine kurze Zugabe.

 

Funny, How Time Slips Away

Da Elvis nun so lange im Rampenlicht gestanden hat, möchte er das Spotlight nun auch einmal auf die Zuschauer richten. Selbige sind natürlich vollkommen aus dem Häuschen.

Normalerweise lässt der King an dieser Stelle des Konzertes immer die volle Saalbeleuchtung einschalten, doch heute müssen es aufgrund der örtlichen Gegebenheiten die Spotlights richten. Daher bezeichnet Elvis das Prozedere ironisch als psychedelische Licht-Show.

Dann singt er die Ballade aus der 1971er LP Elvis Country - I'm 10,000 Years Old  und nimmt dabei einmal mehr Kontakt zu den Fans auf.

 

Can't Help Falling In Love

Jetzt verabschiedet sich Elvis mit einem Affactionate Adios  und singt seine übliche Schlussnummer.

Dabei nimmt er auch Bezug auf Per Erik Hallin, den Pianisten der Gruppe Voice. Der war nämlich kurzfristig auch als Sänger eingesprungen, nachdem Sherill Nielsen die Truppe während der Tour vollkommen überraschend verlassen hatte.

Hier wandelt der King eine Zeile ab und singt Some things, you know, Pete, are meant to be.

Nach dem Abschluss des Songs geht die Band in das Closing Riff  über. Elvis verbeugt sich noch einige Male, verschenkt sein letztes Halstuch an einen glücklichen Fan und verlässt die Bühne.

Fünf Tage später sollte er für eine weitere Show nach Murfreesboro zurückkehren.

zur zweiten CD