That's The Way It Is - 50th Anniversary Collector's Edition

 

Am 27. und 28. Juli blieben Elvis und seine Jungs im RCA Studio in Hollywood und bereiteten sich ohne Film- oder Tonaufnahmen auf die Vegas-Shows vor. Da MGM aber noch weitere Bilder von den Rehearsal-Sessions brauchte, kehrte man am 29. des Monats auf die Tonbühne der Filmgesellschaft zurück. Um den Zuschauer nicht zu irritieren, trugen der King und seine Band dieselben Kleidungsstücke wie am 15. Juli. So konnte alles nach Belieben zusammengeschnitten werden, ohne dass logische Brüche entstanden.

Sehr wohl gab es allerdings einen Unterschied in der Qualität der Tonaufnahmen. Jetzt war alles korrekt ausgesteuert, so dass auch die CD deutlich besser klingt als die ebenfalls auf der MGM Soundstage aufgenommenen Discs Nummer 1 und 2.

 

MGM Soundstage, 29.07.1970

Something

Zunächst möchte Elvis den Sound dahingehend ändern lassen, dass er sich besser hören kann. Dabei albert er ein wenig herum, singt unter anderem Don't Make Me Wanna Go Home an.

Die eigentliche Probe startet mit dem Beatles-Hit Something. Der King kämpft noch mit der Betonung und auch der Text ist ihm nicht 100%ig geläufig. Schlussendlich würde er die Ballade während dieser Spielzeit nur für die MGM-Kameras singen, im Januar/Februar 1971 würde Something aber zum Standartprogramm gehören.

 

Words

Die Bee Gees-Nummer Words hatte Elvis im August 1969 regelmäßig gesungen, jetzt will er sie offenbar reaktivieren. Über einige, wenige Aufführung würde der Song aber nicht hinauskommen.

Wie sooft hat der Meister hier und dort Textprobleme. Er albert auch wieder ein bisschen herum, macht aus "steal your heart away" das etwas grobschlächtigere "steal your ass away" oder gibt einen hysterischen Schrei von sich.

 

I Just Can't Help Believin'

Abermals stimmt Elvis Don't Make Me Wanna Go Home an, dann fragt er nach dem Text und vermutet, irgendjemand habe den Spickzettel letzte Nacht gegessen. Die folgende Performance benötigt zwar noch einen letzten Feinschliff, davon abgesehen funktioniert sie aber tadellos.

Im Anschluss möchte Elvis seine E-Gitarre haben, kommt aber nicht auf das Wort "Gitarre". Somit sagt er "Give me the electric...box". Da letzterer Begriff auch als Synonym für das primäre weibliche Geschlechtsmerkmal verwendet wird, fragt er "Ever seen an electric box, man?"

 

Little Sister / Get Back

Der erste Song dieser "Gitarren-Session" ist sein 1961er Hit Little Sister. Während er den spielt, kommt er allerdings zu nah an das Mikrophon und bekommt einen leichten Stromschlag. "Sonofabitch" kommentiert er, später sagt er noch "shook the hell out of me". Im Gegensatz zu den späteren Live-Darbietungen versucht er sich bei Get Back auch an den Strophen, kann sich aber an den Text nicht erinnern. Wie üblich albert er damit herum, singt "Jojo left his ass in Tucson/Arizona" (statt "...left his home") und ähnliche Dinge.

Es ist interessant zu hören, wie Elvis zwischen den Songs hin und her springt und die Musiker ihm spontan folgen. Ein schöner Jam, bei dem sich der Spaß der Akteure auf den Zuhörer überträgt.

 

I Washed My Hand In Muddy Water

Als nächstes hören wir I Washed My Hands In Muddy Water. Allerdings fehlt der Performance jeder Druck, es ist eher ein gemütliches Durchspielen. Ich glaube auch nicht, dass Elvis das Lied ersthaft für seine Show in Betracht gezogen hat. Nichtsdestotrotz ist natürlich die Idee interessant, dass er so eine Nummer für eine spontane Gitarren-Session hätte aus dem Hut zaubern können.

Die Aufnahme ist übrigens nicht komplett, zwischendurch setzt sie kurzzeitig aus.

 

I Was The One

Die Ballade wird nur kurz angespielt, im Anschluss erklärt Elvis dem Regiseur Dennis Sanders, dass man jetzt kurz ein paar Songs durchgehe, die er vor dem zweiten Weltkrieg aufgenommen habe.

Anschließend folgt ein zweiter Durchlauf, den der King aber auch kurz hält, weil er den Text nicht draufhat.

 

Cattle Call

Als Gag jault Elvis jetzt den Cattle Call und behauptet, das sei sein größter Hit gewesen...und auch sein letzter.

 

Baby Let's Play House

Der SUN-Klassiker Baby Let's Play House funktioniert ungleich besser, vermutlich wurde er schon im Rahmen der beiden vorangegangenen Vegas-Gastspiele geprobt. Wenn ich Tracks wie diesen höre, finde ich es immer schade, dass Elvis solche Songs nicht in die Show genommen hat.

 

Don't

Jetzt singt Elvis die Ballade Don't an, fragt dann seinen Pianisten, ob er die Akorde kennt. Selbstverständlich ist das der Fall, denn Mister Hardin kennt -zumindest gefühlt- die Akorde zu jedem Lied, das jemals komponiert wurde.

Der King improvisiert mal wieder etwas (die Kombination "damn now, don't" findet sich nicht im Originaltext), hat die Nummer aber erstaunlich gut drauf. Als die Band aus dem Tritt kommt, korrigiert er sogar und lässt den Part wiederholen. Vielleicht hatte er an dieser Stelle der Vorbereitungen ja tatächlich die Idee, Don't in seiner Show einen Platz einzuräumen.

 

Money Honey

Ähnlich wie Baby Let's Play House, so wird auch Money Honey in einer kurzen, aber durchaus solide klingenden Fassung durchgespielt. Am Ende erklärt Elvis (in Richtung von Dennis Sanders), dass man die Songs gar nicht kenne und sie nur kurz anspiele.

 

A Fool Such As I

Der King versucht sich anschließend an Hard Headed Woman. Da aber weder er selbst, noch die Musiker eine Ahnung von dem Titel haben, lässt Elvis die Idee fallen.

Stattdessen spielt er die Country-Ballade A Fool Such As I an. Auch hier ist eine ziemlich breite Basis vorhanden, auf der man problemlos hätte aufbauen können. Sogar ein rudimentäres Solo ist zu hören.

 

Froggy Went A-Coutin'

Elvis singt den NonSense-Song an und die Band macht sofort mit. Dabei steigert der King das Tempo immer mehr und alle haben ihren Spaß. Als Krönung fällt Elvis dann in einen extrem langsamen, fast schon bluesigen Rhythmus und sorgt damit für zusätzliche Erheiterung.

 

Such A Night

Die Aufnahme setzt kurz aus, als es wieder losgeht befinden sich der King und seine Crew in den Proben von Such A Night. Der Meister hat den Text nicht parat, bastelt sich aber aus den ihm bekannten Ausschnitten auf die Schnelle neue Lyrics zusammen.

 

It's Now Or Never

Weiter geht es mit It's Now Or Never, dem größten kommerziellen Hit von Elvis. Hier albert er mal wieder mit dem Text rum und singt "now that you're here, too bad you're queer, my dear".

 

What'd I Say

Weiter geht es mit einem vergleichsweise langen Jam von What'd I Say. Die Ray Charles-Nummer wird deutlich langsamer gespielt als 1963 im Studio oder 1969 auf der Bühne. Für mich gewinnt der Song dadurch, denn mir klingen die vorgenannten Fassungen zu hektisch.

Natürlich kann es der King wieder mal nicht lassen, den Text zu verändern. Lustig finde ich die Zeile "see the girl with the red dress on...put your dress on, go on home".

 

The Lord's Prayer

Jetzt singt der King das VaterUnser vor sich hin, die Band klimpert ein wenig mit.

 

My Country 'This Of Thee

In ähnlicher Manier singt Elvis My County 'This Of Thee an. Dabei setzt er allerdings zu tief an, so dass er einige Töne dann zu seinem Amusement nicht mehr erreicht.

 

Hava Nagila

Das dritte Lied dieser Art ist Hava Nagila. Hier ist die Band etwas mehr involviert, aber eine echte Performance kommt auch hier nicht zustande. Glen D. Hardin lässt als Gag am Klavier ein paar Takte von La Cucaracha einfließen.

Irgendwie hat man den Eindruck, Elvis und seine Jungs wüssten nicht mehr so recht, was sie noch spielen könnten.

 

My Baby Left Me

Dann jedoch singt der King My Baby Left Me an und die Stimmung dreht sich. Sofort steigt die Band mit ein und schon ist alles wieder im Fluss.

 

You Don't Have To Say You Love Me

Nach so vielen, mehr oder minder kurz angespielten Oldies widmet sich Elvis nun nochmal einem der neuen Songs. Weil er You Don't Have To Say You Love Me schon während der vorangegangenen Rehearsal-Sessions mehrfach durchgegangen ist, funktioniert der Song von A bis Z. wie er soll.

Trotzdem geht der King in eine zweite Runde. Die geht er dann allerdings nicht mehr ganz so seriös an und erlaubt sich ein paar kleinere Scherze.

 

Stranger In The Crowd

Die Probe endet schließlich mit einem weiteren Titel, den Elvis vor kurzem in Nashville aufgenommen hat. Die Band hat auch diese Nummer voll drauf, das Arrangement hat Drive und jeder weiß, was zu tun ist.

Zum Abschluss hören wir noch ein paar Gespräche und Kommentare, dann ist die Probe zuende.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Cover bei Follow That Dream Records / Sony Music Entertainment.