That's The Way It Is - 50th Anniversary Collector's Edition

 

Am 24. Juli setzte Elvis seine Vorbereitungen im RCA Studio C in Hollywood/Kalifornien fort. Auch am 27. und 28. des Monats probte er dort mit seiner Band, Dreharbeiten fanden allerdings nicht statt.

Die Tontechniker Rick Guggieri und Mickey Crofford ließen im Auftrag von RCA allerdings ein 16 Track-Tape mitlaufen. Eine Aufnahme mit 16 Tonspuren war damals absolutes Hightech und sollte auch später in Las Vegas zum Einsatz gebracht werden. Vermutlich sollten die Mitschnitte aus dem RCA Studio C als Referenz für die kommenden Arbeiten am Soundtrack-Album dienen.

Somit erfährt die Tonqualität im Vergleich mit den ersten beiden CDs dieses Sets eine signifikante Steigerung. Alles ist sauber ausgesteuert und ordentlich gemixt. Erstmals klingt es tatsächlich danach, als seien Profis am Werk gewesen.

 

RCA Studio C, 24.07.1970

That's All Right

Die Aufnahme beginnt mit einem Schlagzeug-Intro, dann fällt James Burton mit den Signature-Riffs von That's All Right ein. Zwar klingt es noch etwas holperig, aber es ist nun offenbar klar, dass die Show mit diesem Song eröffnet werden wird. Auch das Tempo entspricht nun dem Bühnen-Takt. An einer Stelle verheddert sich Elvis zwar noch ein wenig, insgesamt läuft die Nummer aber ordentlich durch.

 

I Got A Woman

Der King summt die ersten Takte des Ray Charles-Hits, dann steigt er voll ein. Weil das Lied auch in den vorangegangenen Spielzeiten auf dem Plan stand, funktioniert es perfekt.

Mit gedämpfter, rauher Stimme sagt Elvis "Thank you very much. It's a pleasure to be here. Because it's our fist show we will take it easy". Dann singt er im selben Stil I Got A Woman an und klingt zur Erheiterung der Anwesenden natürlich auch dabei wie ein hochbetagter Senior kurz vor dem Einschlafen. Im Anschluss spinnen Elvis und seine Jungs die Idee noch ein wenig weiter und albern herum.

 

The Wonder Of You

"Let's do The Wonder Of You" sagt Elvis, woraufhin Glen D. Hardin das Lied im Stil eines Lounge-Pianisten spielt. Natürlich wird die Power-Ballade dann aber doch in altbekannter Manier durchgespielt. Die Musiker wissen, was zu tun ist, lediglich der King hat an einer Stelle Textprobleme und singt sich einen ziemlichen Käse zusammen.

Nachfolgend wird das Ende des Songs noch ein paarmal geprobt, schließlich soll es (zusammen mit dem später hinzukommenden Orchester und dem Chor) ein Grande Finale bekommen.

 

I've Lost You

Die neue Single soll natürlich ebenfalls einen Platz in der Show bekommen. Hier klingt die Performance schon deutlich ausgearbeiteter als noch am 15. des Monats. Zwischendrin gibt Elvis seinen Musikern Anweisungen, sagt zum Beispiel "heavier", weil er den Unterschied zu den soften Passagen stärker betonen will.

Im Unterschied zur auf dem Album That's The Way It Is veröffentlichten Live-Aufnahme singt der Meister hier beide Textverianten des Refrains, dafür verheddert er sich aber bei der "Who can tell when summer turns to autumn"-Strophe komplett in den Lyrics.

 

The Next Step Is Love

Trotz seiner Probleme belässt es Elvis bei einem Durchlauf und möchte als nächstes The Next Step Is Love üben. Zu Beginn nuschelt er sich mal wieder einige Worte weg, am Ende möchte Ronnie Tutt das Lied beenden während seine Kollegen noch eine Runde dranhängen.

Auch hier sieht man keinen Anlass, den Song nochmal zu üben. Vermutlich gehen alle Beteiligten davon aus, solche Ungereimtheiten im Rahmen der nächsten Probetermine auszubügeln.

 

Stranger In The Crowd

Grundsätzlich funktioniert auch dieser Song gut, Elvis wirft lediglich die Urzeiten durcheinander, was seiner Story den Sinn raubt. Dass die Musiker die Songs besser beherrschen als der King, scheint die Norm zu sein.

 

You've Lost That Lovin' Feeling

Bei You've Lost That Lovin' Feeling herrscht bislang der größte Probebedarf - wieder mal bei Elvis. Der stolpert förmlich durch den Song, versägt das Timing gleich reihenweise und kämpft bis zur Erschöpfung mit der Betonung. Trotzdem bleibt es auch hier bei einem einzigen Durchlauf.

 

Something

Ganz so schlimm kommt es bei dem Beatles-Hit nicht, aber auch hier hat er Mühe, den Text auf die Zählzeiten zu verteilen oder sich an die Worte zu erinnern. Die Band hat, wie sollte es anders sein, die Ballade drauf.

 

Don't Cry Daddy

Der Vorjahreshit Don't Cry Daddy wird ebenfalls geprobt. Die Nummer funktioniert besser, da Elvis sie während des letzten Vegas-Gastspiels regelmäßig im Programm hatte. Der King albert ein wenig mit dem Text herum, singt "as I think of throwing up" (statt "giving up") und verwandelt den Titel bezogen auf Mr. Hodge in "don't cry, Charlie".

 

Don't Cry Daddy

Da man sich zuvor am Tempo der Studio-Aufnahme orientiert hat, möchte Elvis die Ballade nochmal einen Tick schneller spielen. Texmäßig verwandelt der King das sentimentale Lied spontan in eine Comedy. Der Vater wird auf einen Horror-Trip geschickt, soll endlich seinen Arsch hochkriegen und die Kinder werden geschlagen. Zudem mutiert der Daddy zum Fatty. Ich finde es immer wieder witzig, was der King hier alles so spontan aus dem Hut zaubert.

Wir hören Gespräche und Gags, Jerry Scheff spielt kurz das Intro von Polk Salad Annie an. Im Hintergrund ist zu hören, dass jemand aufs Klo muss, bevor es weitergeht. Elvis sagt "We can take a break first" und so geschieht es auch.

 

You Don't Have To Say You Love Me

Elvis singt die Worte "When I said", aber dann setzt die Band nicht ein. Gelächter ist die Folge. Beim zweiten Versuch funktioniert es auch nicht, dann aber gelingt der Einstieg und es folgt eine durchaus hörenswerte Performance.

 

Polk Salad Annie

Abermals spielt Jerry Scheff das Intro von Polk Salad Annie. Jetzt steigen alle darauf ein und der Hit von Tony Joe White wird durchgespielt. Weil der Song bereits während des letzten Vegas-Engagements im Programm war, stellt er für keinen der Beteiligten ein Problem dar.

 

Bridge Over Troubled Water

Zunächst wird Patch It Up angespielt, Elvis möchte allerdings lieber Bridge Over Troubled Water proben. Im Gegensatz zu manch anderem Song nimmt der King die Power-Ballade ernst. Als er zum Beispiel an einer Stelle falsch betont, sagt er "I phrased that wrong" und korrigiert sich.

Hier und dort misslingt Elvis eine Note und nicht immer erreicht er die Ausdrucksstärke seiner Bühnenperformance. Aber darauf kommt es bei einer Probe auch nicht an. Grundsätzlich funktioniert die Nummer gut, alles andere fügt sich.

 

I Can't Stop Loving You

Da Elvis das Lied sowohl im August 1969 als auch im Januar 1970 regelmäßig zum Einsatz gebracht hat, läuft alles rund. Man spielt den Song halt nochmal zum Auffrischen durch, das wars.

 

Just Pretend

Just Pretend ist zwar ein neuer Song, er funktioniert deshalb aber nicht minder gut. Interessant ist hier Elvis' Gesang, denn er experimentiert ein bisschen und singt einige Passagen tiefer als im Studio und später auf der Bühne.

Das Ende erinnert den King ein wenig an den Song Love Letters. Ronnie Tutt muss jetzt noch einmal austreten. Zunächst singt Elvis Don't Make Me Wanna Go Home an, dann macht er situationsbezogen "Don't make me wanna go to the bathroom" daraus. Auch Love Me Tender und Sweet Caroline werden kurz angestimmt.

 

Sweet Caroline

James Burton geht auf den Neil Diamond-Hit ein und spielt das Intro. Zunächst albert man ein bisschen mit dem Song herum, dann folgt allerdings ein vollständiger Durchlauf. Wie auf der Bühne, so baut Elvis auch hier seinen Gag "and spring became the mattress" ein. Weil auch dies ein Song der letzten Vegas-Saison ist, bereitet er niemandem Kopfzerbrechen.

 

Words

Nach einer kleinen Improvisation widmet man sich der Ballade Words. Hier handelt es sich um ein regelmäßiges Feature des Engagements im August/September 1969. Zwar versemmelt Elvis einen Ton, ansonsten läuft der Song problemlos durch.

 

Suspicious Minds

Der große Hit des Vorjahres darf natürlich auch in der aktuellen Show nicht fehlen. Da er bereits während der letzten beiden Spielzeiten zum Standardprogramm der Presley-Show gehörte, gelingt auch hier auf Anhieb eine fehlerlose Darbietung.

 

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Cover bei Follow That Dream Records / Sony Music Entertainment.