That's The Way It Is - 50th Anniversary Collector's Edition

 

 

MGM Soundstage, 15.07.1970 (Fortsetzung von CD 1)

Ghost Riders In The Sky

Wir hören Gespräche, dann stimmt Elvis mit seiner Gitarre den Country-Klassiker Ghost Riders In The Sky an. Weil der Song zu dieser Zeit quasi Allgemeingut war, steigt die Band sofort darauf ein. Natürlich ist nichts ausgearbeitet und auch der King hat den Text nur rudimentär im Kopf. Interessant anzuhören ist der Jam aber allemal, denn hier erlebt man eine Gruppe hervorragender Musiker bei einer spontanen Improvisation.

 

Runaway

"Do Runaway" sagt Elvis, stimmt aber zunächst einmal mit opernhafter Stimme seinen 1961er Hit Surrender an. Das Intro von Runaway klingt etwas holprig, dann nimmt die Performance aber Fahrt auf und klingt recht gelungen. Das ist auch kein Wunder, der vor einem Jahr gehörte der Hit von Del Shannon zur Set List der Presley-Show.

Vom Gesang des Kings ist leider nicht viel zu hören. Entweder hatte dieser gar kein eigenes Mikrophon oder es war nicht eingeschaltet/korrekt angeschlossen.

 

It's Now Or Never

Somit wird auch Elvis' größter Verkaufserfolg quasi als Instrumentalversion dargeboten.

 

Peter Gunn Theme

Jetzt stimmt die Band spontan das Peter Gunn Theme an. Es stammte aus der Ende der 1950er Jahre gezeigten TV-Serie Peter Gunn und war jüngst für den Spielfilm Gunn...Number One reaktiviert worden. Der Jam klingt ziemlich cool, als Gag am Rande imitiert Elvis mit piepsiger Stimme die Blechbläser der Originalaufnahme.

Im Anschluss spielen James Burton und Ronnie Tutt eine weitere Improvisation, Glen D. Hardin ist mit ein paar Piano-Einwürfen dabei.

 

Love Me

Dann singt Elvis einige Male das Wort "treat" und verlangt nach der Tonart F. Es folgt die Ballade Love Me, deren Arrangement sich hier noch stark am Original orientiert. Wie nicht anders zu erwarten, so macht der King aus "lonely" ein anzügliches "horny" und lacht sich darüber kaputt. Am Ende lässt er sich mit seinem Stuhl nach hinten fallen und sorgt damit für Erheiterung.

Während dieses Tracks ist seine Stimme übrigens wieder gut zu hören.

 

One Night

Während One Night ist das leider nicht der Fall, Elvis ist nur im Hintergrund auszumachen.

 

Alla En El Rancho Grande

Aus einer Laune heraus fängt irgendwer an, Alla En El Rancho Grande zu singen. Da es gefühlt keinen Song gibt, den die Presley-Band nicht zumindest rudimentär draufhätte, steigt die Truppe natürlich auch hier sofort ein.

Zuerst ist Elvis auch hier wieder nur aus der Ferne zu vernehmen. Dann greift er sich offenbar ein Mikrophon und singt nun im Vordergrund. Natürlich hat er den spanischen Text nicht wirklich drauf, aber er bastelt sich aus den ihm bekannten Elementen aus dem Stehgreif irgendwas zusammen.

 

That's All Right

Weiter geht es mit der A-Seite von Elvis' erster Single. Die wird hier noch deutlich langsamer gespielt als in späteren Jahren und sollte während der nächsten Saison die Show eröffnen.

 

Twenty Days And Twenty Nights

Im Hintergrund läuft die Schallplattenaufnahme von Twenty Days And Twenty Nights. Hier und dort spielt einer der Musiker mit, manchmal intoniert auch der King eine Zeile des Songs.

 

That's All Right

Offenbar ist That's All Right bereits als Kandidat für das Bühnenprogramm gesetzt, denn Elvis möchte die Nummer nochmal durchgehen. In diesem zweiten Anlauf wird das Lied schneller gespielt und klingt schon mehr nach der Fassung, die wir aus der Live-Show kennen.

 

Twenty Days And Twenty Nights

Nach einigen Improvisationen und Absprachen möchte Elvis Twenty Days And Twenty Nights probieren. Anfangs funktioniert die Ballade gut, doch dann kommt der King aus dem Tritt. Er setzt nochmal an und bringt den Song planmäßig zuende. Wirklich ernst ist er dabei nicht, auch hier kann er sich das Albern nicht verkneifen. Am Schluss merkt Elvis erfreut an "It worked!".

 

Instrumental

Es folgt eine weitere Improvisation der Musiker.

 

Patch It Up

Weil auch Patch It Up als neuer Song für die Show vorgesehen war, probt Elvis mit seinen Jungs den Song. Das Tempo ist auch hier langsamer als in der Live Show. Zwischendurch gibt der King Anweisungen an sein Team, wie an einer bestimmten Stelle gespielt werden soll.  

 

Cotton Fields

Den Klassiker Cotton Fields hingegen hatte der Meister wohl kaum für sein Bühnenprogramm auf der Agenda. Vielmehr handelt es sich hier mal wieder um eine spontane Improvisation.

 

Sylvia

Im Hintergrund, vermutlich also mal wieder ohne Mikrophon, singt Elvis aus voller Kehle die Ballade Silvia. Ronnie Tutt steigt mit ein und spielt auf dem Schlagzeug den Rhythmus. Auch Glen D. Hardin spielt ein paar passende Akkorde auf dem Klavier.

 

Stranger In The Crowd

James Burton beginnt mit dem Intro von Stranger In The Crowd. Die Band steigt mit ein und auch der inzwischen wieder mit einem Mikrophon ausgestattete Elvis ist dabei. Nach einigen Worten bricht er die Performance allerdings ab und lässt noch einmal von vorn beginnen.

Dass er den Song vergleichsweise oft angeht, deutet darauf hin, dass Stranger In The Crowd zu diesem Zeitpunkt von ihm als Kandidat für die Show angesehen wurde. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass er das Ende mehrfach probt. Schlussendlich sollte es allerdings anders kommen und er würde die Nummer nur ein einziges Mal live präsentieren.

 

How The Web Was Woven

Zum Ende der Rehearsal-Session setzt sich Elvis ans Klavier und spielt How The Web Was Woven, einen weiteren Song, den er vor kurzem in Nashville aufgenommen hat.

Sein Klavierspiel ist eher rudimentär, der King spielt vergleichsweise abgehackte Akorde und verfehlt auch mal einen Ton. Ein eigenes Mikrophon hat er offenbar nicht, denn sein Gesang ist nur leise im Hintergrund zu hören.

 

I'll Take You Home Again, Kathleen

Diese Ballade begleitete Elvis schon eine ganze Zeit. Bereits während er als US-Soldat im damaligen West-Deutschland stationiert war, nahm er I'll Take You Home Again, Kathleen im privaten Rahmen auf. Professionell sollte das erst im Frühjahr 1971 geschehen, bis zur Veröffentlichung dauerte es gar bis 1973. Ich persönlich hatte es schön gefunden, wenn der King einige Songs dieser Art ernsthaft eingeübt und auf der Bühne im Rahmen einer kleinen Piano-Session vorgetragen hätte.

Am Ende sagt er "See you guys tomorrow...or whenever".

Der nächste Probetermin war tatsächlich der folgende Tag, an diesem 16. Juli wurden allerdings keine Ton- oder Filmaufnahmen gemacht. Schließlich benötigten Elvis und seine Crew auch Zeit, um sich in Ruhe und ohne die Anwesenheit eines MGM-Teams auf die kommende Vegas-Saison vorzubereiten.

 

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Cover bei Follow That Dream Records / Sony Music Entertainment.