That's The Way It Is - 50th Anniversary Collector's Edition

 

Nachdem Sony bereits im Jahr 2014 eine Box zum That's The Way It Is-Projekt veröffentlichte, schiebt das hauseigene Sammler-Label Follow That Dream Records im August 2020 ein weiteres Set zu diesem Thema hinterher.

Die erste Box enthält den Film in der Originalfassung von 1970 und als 2001er ReMake sowie das Soundtrack-Album, alle sechs von RCA mitgeschnittenen Live-Shows und eine Bonus-Disc mit Konzertproben. Ein Buch rundet das Set ab.

Weil sich Follow That Dream Records direkt an die Sammler wendet, geht das Label mit dem Komplementärprodukt, es trägt den Namen That's The Way It Is - 50th Anniversary Collector's Edition, einen Schritt weiter. Hier finden sich zwei Hardcover-Bücher, die jeweils den Proben und Konzerten gewidmet sind, sowie acht CDs mit den seinerzeit mitgeschnittenen Rehearsal-Sessions.

Die Nachfrage war dermaßen hoch, dass mit den produzierten Einheiten nicht einmal die Vorbestellungen bedient werden konnten. Und so lieferte FTD bereits im November 2020 eine Zweitauflage aus.

Bücher und CDs stecken in einem soliden Pappschuber, dessen Front im Stil eines alten Filmplakates gestaltet wurde. Die Rückseite der Umverpackung gibt den Inhalt wieder.

 

Das erste Buch des Sets trägt den Titel The Rehearsals und ist 288 Seiten stark. In der Einleitung beschreibt der Autor David English, dass er zusammen mit Pal Granlund seit 2014 an der Idee arbeitetet und in diesem Zusammenhang 2000 Negative erwarb. Da viele der Bilder aber unscharf waren, wandte sich das Team an Elvis Presley Enterprises und bekam durch die somit entstandene Zusammenarbeit Zugang zu weiteren, oftmals unveröffentlichten Aufnahmen.

Im ersten Kapitel geht es um die Idee zu dem Film-Projekt und die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen zwischen Elvis und MGM im Frühjahr 1970. Chapter 2 beschäftigt sich mit den Nashville-Sessions im Juni, die den Kern des That's The Way It Is-Albums bildeten und während der viele der neuen Songs entstanden, die der King im Rahmen des Elvis Summer Festival 1970 live auf der Bühne des International Hotels präsentierte. Dann geht es in medias res, die nächsten acht Kapitel beschäftigen sich mit den Proben am 14. Juli (MGM Soundstage), 15. Juli (MGM Soundstage), 23. Juli (RCA Studio), 29. Juli (MGM Soundstage), 30. Juli (RCA Studio), 4. August (International Hotel), 7. August (International Hotel) und 8. bis 10. August (International Hotel). Im letzten Kapitel geht der Autor dann wieder auf den Film ein.

Die von MGM gefilmten Proben sowie die letzte Rehearsal-Session am Tag des Eröffnungskonzertes werden mit unzähligen Fotos dokumentiert. Die meisten Bilder sind s/w, es finden sich aber auch etliche Farbaufnahmen in dem Buch. Der Autor führt oftmals an, welches Lied gerade geprobt wurde, so dass man die Fotos auch zur optischen Untermalung der CDs nutzen kann.

Natürlich wird jede Session auch genau dokumentiert. Man kann nachlesen, was in Bild und Ton mitgeschnitten wurde und wer was wann und wo veröffentlicht hat.

Für den emotionalen Touch sorgen zahlreiche Fan-Geschichten (unter anderem von Sandy Miller und Donna Lewis) sowie Interviews mit an dem Projekt beteiligten Personen wie Dennis Sanders (Regie) oder Joe Esposito (Assistent des Kings).

 

 

Das Format von The Concerts ist natürlich dasselbe, wobei die Bühnenshows mit 324 Seiten abgedeckt werden. Das Cover-Foto stammt übrigens nicht aus Las Vegas, sondern wurde am 9. September in Phoenix/Arizona geschossen.

Im ersten Kapitel wird beschrieben, wie man den King damals filmte. Im Gegensatz zur heutigen Zeit konnte man mit jeder Kamera nämlich nur etwa 30 Minuten aufnehmen und musste sich daher genau koordinieren. Im Vorfeld einigte sich das Team auf fünf oder sechs Songs, die vollständig aus verschiedenen Winkeln aufgenommen wurden. Bei allen anderen Liedern ist die Auswahl an Perspektiven eingeschränkt, viele Performances wurden nicht einmal vollständig aufgezeichnet. Die folgenden Kapitel widmen sich den Auftritten zwischen dem 10. und 15. August. Zwar endeten die eigentlichen Dreharbeiten mit der Dinner Show des 13.08.1970, aber MGM filmte auch an den nächsten beiden Tagen noch kurze Sequenzen. So positionierte man zum Beispiel eine Kamera hinter Elvis, um weitere Zuschauer-Reaktionen einzufangen oder filmte vom hinteren Teil des Showrooms aus ein paar Totalen. Auch am 9. September schnitt MGM in Phoenix/Arizona einige Sequenzen mit. Zum ersten Mal seit 13 Jahren ging Elvis wieder auf Tournee und Dennis Sanders vermutete, dass das Tour-Publikum ausgelassener reagieren würde, als das etwas gesetztere Klientel in Vegas. Das Buch endet mit einem Kapitel namens That's The Way It Was, in dem Rick Smithlin auf den von ihm im Jahr 2001 produzierten ReCut eingeht.

Wie das erste Buch, so kann man natürlich auch das zweite als optische Ergänzung für die Tonaufnahmen (veröffentlicht im Rahmen des That's The Way It Is-Sets aus dem Jahr 2014) nutzen.

 

 

Die acht CDs sind in einem Digi-pak untergebracht, dessen Artwork clever gemacht ist. Die Gestaltung lehnt sich an die That's The Way It Is-LP an, das Foto ist jedoch dasselbe, das seinerzeit in der Farbversion die Bildhülle der Single You Don't Have To Say You Love Me zierte. Das Problem dieser Verpackung ist, dass die CDs in Pappschlitze eingeschoben werden, was logischerweise für Kratzer auf den Tonträgern sorgt.

Die Tonqualität der Aufnahmen schwankt erheblich. Bei einigen Sessions kann man bestenfalls von einem rudimentären Audio-SetUp sprechen, andere Probe-Termine wurden in perfektem Stereo-Sound aufgezeichnet. Die bereits bekannten Tracks klingen hier besser als auf den vorangegangenen Veröffentlichungen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Jan Eliasson das Ultimo aus den teilweise arg limitierten Quellen herausgeholt hat.

Inhaltlich sind die Rehearsal-Sessions natürlich interessant, denn Elvis probte viele Songs, die er schlussendlich auf der Bühne gar nicht zum Einsatz bringen würde. Dazu gehören Nummern wie Money Honey oder A Fool Such As I. Einige Lieder trug er erst Jahre später vor, hier wären zum Beispiel My Baby Left Me (1974) oder What'd I Say (ab 1975, im Rahmen der Introductions) zu nennen. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir in der Probesituation den Menschen Elvis Aron Presley kennenlernen. Musikalisch in höchstem Maße talentiert, oft engagiert und hart arbeitend, hin und wieder aber auch merkwürdig nachlässig. Häufig spontan, kreativ und witzig, gelegentlich aber auch unangenehm anzüglich. Ein Mann mit Stärken und Schwächen, aber eben ein echter Mensch und kein überlebensgroßes Image.

Als echten Minuspunkt sehe ich die Probe vom 10.08.1970 an. Hier liefert uns FTD nämlich eine exakte Kopie der Stage Rehearsal-CD und die ist alles andere als gelungen. Zwar klingen die Aufnahmen ganz hervorragend, doch hat das Sammler-Label die Reihenfolge der Lieder vertauscht, zwei Performances desselben Songs zu einem Track zusammengeschnitten, Lieder weggelassen und Kommentare des Kings entfernt. Mit diesem Set hätte Follow That Dream Records die Chance gehabt, den damaligen Fehler zu korrigieren und endlich die ungeschnittene Rehearsal-Session zu veröffentlichen. In einer Box dieser Art hat ein solcher Bullshit nichts zu suchen.

Wir sollten uns aber die Laune nicht durch diesen Schnitzer verderben lassen, denn dafür sind die übrigen Aufnahmen viel zu interessant. Zu den Inhalten der einzelnen CDs gelangt ihr über die Labels.

 

Bewertung

Die Box ist ein Fest für jeden Elvis-Fan und in höchstem Maße empfehlenswert. Die verunstaltete Konzertprobe vom 10. August stellt für ein Projekt dieser Art allerdings ein absolutes NoGo dar.

 

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Cover bei Follow That Dream Records.