The Ed Sullivan Show

 

Elvis ist bei drei Ausgaben von The Ed Sullivan Show dabei, die Sonntags zwischen 20:00 und 21:00 Uhr auf CBS-TV ausgesrahlt wird. Seine Auftritte finden am 9. September 1956, am 28. Oktober 1956 und am 6. Januar 1957 statt.

Sonntag, 9. September 1956

Kurioserweise sind während Elvis' erstem Auftritt in der Ed Sullivan Show weder der King, noch der Moderator und Namensgeber der Sendung im CBS Studio 50 (dem heutigen Ed Sullivan Theater) in New York zugegen. Sullivan muss sich von einem Autounfall im August erholen und lässt sich durch Charles Laughton vertreten. Elvis ist mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Spielfilm beschäftigt und wird aus Hollywood zugeschaltet.

Die Show beginnt mit den Akrobaten The Brothers Amin, dann singen Dorothy Sarnoff Something Wonderful aus der Broadway-Produktion The King And I. Nach den Vagabonds mit ihrer Nummer Up The Lazy Rive ist es endlich soweit. Mr. Laughton präsentiert vier goldene Schallplatten, die Elvis für jeweils eine Million verkaufte Tonträger erhalten soll und kündigte an, dass Ed Sullivan die Auszeichnungen bei der nächsten Gelegenheit persönlich überreichen werde. Mit einem schwungvollen "Away to Hollywood!" wird in die Film-Metropole geschaltet, wo Elvis aus einer dunklen Studio-Kulisse mit Gitarren-Silhouetten tritt.

Er trägt eine modische Freizeit-Jacke, sein Hemd ist am Kragen offen. Die Gitarre, inzwischen ein Markenzeichen des Rock'n'Roll-Königs, darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Nach ein paar Worten des Dankes singt Elvis Don't Be Cruel, danach entledigt er sich seines Instruments und trägt Love Me Tender, den Titelsong seines sich just in Produktion befindlichen Spielfilm-Debuts, vor. Verglichen mit seinen vorangegangenen TV-Auftritten bewegt sich der Sänger recht wenig, von seinen Mitstreitern stellt er lediglich die Jordanaires vor - Scotty Moore, Bill Black und D.J. Fontana blieben unerwähnt. Dies geschieht vermutlich auf den Wunsch von Colonel Parker, der Elvis als Solo-Künstler mit möglichst anonymen, austauschbaren Musikern präsentieren will. Die Jordanaires hingegen sind eine auch in konservativen Kreisen angesehene Gospelgruppe und sind somit dem Aufbau eines seriöseren Images dienlich.

In New York wird die Show mit den Stepptänzern Conn & Mack fortgesetzt, danach ließt Charles Laughton eine etwas abgewandelte Fassung von Rotkäppchen & Der Wolf (in der die Heldin den Wolf mittels Waffengewalt außer Gefecht setzt) und Amru Sani singt I'm In The Mood For Love. Es folgten Carl Ballantine (Comedy & Zauberei) und Toby, der Hund.

Dann schaltet Mr. Laughton abermals nach Hollywood, wo Elvis eine Cover-Version des Little-Richard-Hits Ready Teddy und seinen eigenen Mega-Hit Hound Dog singt. Zwar zeigt der Sänger hier etwas mehr Körpereinsatz, im Vergleich zu seinen vorangegangenen TV-Auftritten fallen die Bewegungen aber auch hier eher zahm aus.

Obwohl der Rock'n'Roll-König in der Presse streckenweise scharf kritisiert wird, verzeichnet die Show eine Einschaltquote von 43,7%. Das bedeutet, dass mehr als 80 von 100 fernsehschauenden Amerikanern die Sendung gesehen haben.

Zudem schneiden einige DJs Elvis' Vortrag von Love Me Tender mit und spielten den bis dato unveröffentlichten Song im Radio. Das ist zwar nicht legal, heizt aber das Interesse an der kommenden Presley-Single enorm an und sorgt für mehr als eine Million Vorbestellungen.

 

 

Sonntag, 28. Oktober 1956

Bevor Elvis für seinen zweiten Auftritt in der Ed Sullivan Show  nach New York aufbricht, hält er zuhause in Memphis eine kurze Probe-Session ab. Bis dato hat er einfach seine Bühnen-Show ins Fernsehen gebracht, nachdem die Live-Auftritte jedoch drastisch reduziert worden sind, sieht der King Anlass für zusätzliche Vorbereitungen. Dabei geht es vor allem um die Ballade Love Me, einem Song von seiner kommenden LP.

Am Austragungsort der TV-Sendung wird abermals geübt, hier trifft der junge Star auch erstmals auf Mr. Sullivan. Dieser macht schon zu Beginn der Show keinen Hehl daraus, dass Elvis die Hauptattraktion des Abends ist. Zunächst singt jedoch ein Kinderchor namens The Little Gaelic Singers.

Der Rock'n'Roll-King trägt wie bei seinem ersten Auftritt die Lieder Don't Be Cruel und Love Me Tender vor. Sein Outfit ist jedoch konservativer und die Haare sind neuerdings schwarz. Obgleich sich Elvis auch heute nicht viel bewegt, ist das Publikum so begeistert, dass der Gastgeber mehrfach beruhigend einwirken muss und einen baldigen, weiteren Auftritt des Kings verspricht. Zuvor tritt jedoch der Bauchredner und Artist Senor Wences auf.

Dann kehrt Elvis auf die Bühne zurück, macht etwas Werbung für seine kommende LP und singt daraus die Ballade Love Me. Zwar verhaspelt er sich dabei kurz im Text, scheint mit dem Fauxpas aber keine Probleme zu haben und geht charmant darüber hinweg.

Dem Rock'n'Roll King folgt die als Königen verkleidete Joyce Grenfell, die das von ihr zusammen mit Richard Addinsell verfasste komische Gedicht The Countess Of Cotely vorträgt. Danach singt die Besetzung des Musicals The Most Happy Fella die Songs Happy To Make Your Acquaintance und Big D. Bei letzterem Titel ist übrigens auch Shorty Long dabei, der zu Beginn des Jahres während einiger Schallplatten-Sessions für Elvis Klavier gespielt hatte. Ed Sullivan bewirbt nun kurz die kommende Show, dann tritt Elvis mit Hound Dog in Aktion.

Ironisch kündigt er die Nummer als das traurigste Lied an, das er jemals gehört habe und lobt die Qualität des Textes. Dann steigt er kraftvoll in den Rock-Song ein, hält sich aber auch hier mit seinen Bewegungen zurück. Danach dankt er den Zuschauern und weist auf den Start-Termin seines ersten Spielfilms sowie den kommenden Auftritt in der Ed Sullivan Show im Januar hin.

Das Finale bildet ein Auftritt des österreichischen Artisten Franz Furtner, der unter dem Namen Unus in den USA bekannt ist und auf seinem Zeigefinger auf einer Glaskugel balanciert.

Mit einer Einschaltquote von 34,6% ist das Interesse an Elvis im Vergleich zu seinem ersten Auftritt merklich abgeflaut, aber auch mit diesem Wert überflügelt die Ed Sullivan Show die Konkurrenzprogramme um Längen.

Später verkündet der Gastgeber, der junge Sänger werde bei seinem letzten Besuch in der TV-Sendung nur noch von der Hüfte an aufwärts gefilmt - man wolle schließlich Kontroversen am Sonntagabend vermeiden. Natürlich handelte es sich um einen reinen Marketing-Gag, denn weder hat sich Elvis bei seinen vorherigen Auftritten ordinär bewegt, noch hat sich auch nur ein einziger Zuschauer beschwert.

 

Sonntag, 6. Januar 1957

Nachdem Elvis im vergangenen Jahr in allen großen Fernsehshows des Landes aufgetreten war, verzichtet Colonel Parker nun auf weitere Buchungen seines Klienten in diesem Format. Nach dem großen Erfolg des Spielfilms Love Me Tender sollen sich die Fans künftig eine Eintrittskarte fürs Kino kaufen, anstatt ihr Idol kostenlos im TV anzuschauen. Da Elvis selbst die Fernsehauftritte nicht sonderlich mag, dürfte ihm diese Idee seines Managers durchaus gefallen haben.

Während der Proben zu seinem letzten Besuch der Ed Sullivan Show  gerät der ansonsten so höfliche Sänger zunächst mit dem Moderator und Namensgeber des Programms aneinander. Elvis will unbedingt den Gospel Peace In The Valley singen, Sullivan empfindet das Lied als zu großen Gegensatz zum Presley-Image. Schlussendlich setzt sich der Rock'n'Roll-König aber durch und darf die Show mit dem gewünschten Song beenden.

Trotz dieses Zwischenfalls eröffnet Ed Sullivan seine TV-Sendung sichtlich gut gelaunt, kündigt den Rock'n'Roll-König an und erinnerte die kreischenden Teenager an ihr vorab gegebenes Versprechen, während Elvis' Auftritt Ruhe zu bewahren. Das Bühnenbild besteht aus riesigen Notenblättern, der Sänger trägt eine auffällige goldene Weste und die Jordanaires stehen so dicht hinter ihm, dass die Techniker den kompletten Gesang mit einem einzigen Mikrophon einfangen können.

Elvis eröffnet seinen Auftritt mit einem Medley aus Hound Dog, Love Me Tender und Heartbreak Hotel. Danach singt er Don't Be Cruel, seinen bis dato größten Verkaufserfolg. Während seiner Darbietungen präsentiert sich der King sehr locker und muss hin und wieder lachen. Obwohl er auch dieses Mal auf ausufernde Bewegungen verzichtete, waren die Fans vollkommen aus dem Häuschen.

Dem Bauchredner Arthur Worsley folgten Will Jordan und Carol Burnett, dann war wieder Mr. Presley an der Reihe.

Er stellt seine neue Single Too Much vor und singt When My Blue Moon Turns To Gold Again von seiner aktuellen LP Elvis. Erneut zeigt sich der Sänger nicht 100%ig textsicher, wirkt aber dennoch ungewöhnlich lässig. Zum Abschluss seines Auftritts bedankt er sich bei den Fans für das beste Weihnachtsfest aller Zeiten und gab an, 282 Plüschbären erhalten zu haben. In Anspielung auf den Sponsor der Show bemerkt Elvis, er habe den Fans im Gegenzug jeweils einen Lincoln schenken wollen, aber der Automobilhersteller habe sich geweigert, ihm nicht so viele Exemplare zu verkaufen.

Dem Teeny-Idol folgte der Boxer Sugar Ray Robinson, der bezüglich seines verlorenen Kampfes gegen Gene Fullmer ungewöhnlich hart von Sullivan angegangen wird. Danach tritt die Tänzerin Nanci Crompton auf, Leny Eversong singt El Cubanchero. Weiter geht es mit den Clowns The Six Gutis, den Tänzern Bory & Bory sowie einer weiteren Performance von Leny Eversong. Wie üblich äußert sich Ed Sullivan noch zur kommenden Show, dann stellt er einige Berühmtheiten im Publikum vor, wie etwa den Baseball-Star Jackie Robinson. Auch für seinen Star-Gast macht Sullivan noch etwas Werbung und kündigt seinen kommenden Film Running Wild sowie ein geplantes Benefiz-Konzert zugunsten der ungarischen Flüchtlingshilfe an. Schlussendlich würde das Leinwandabenteuer in Loving You umbenannt werden, die Wohltätigkeits-Show kommt nie zustande.

Zum Abschluss des Programms zeigt Elvis eine neue Facette seines Könnens und präsentiert den Fernsehzuschauern den Gospel Peace In The Valley. Zum ersten Mal in der Show wirkt er hier vollkommen ernst, seine Interpretation klingt emotional und ergreifend.

Selbst Ed Sullivan scheint von der Darbietung berührt, denn er verabschiedet Elvis ungewöhnlich emotional, bezeichnet ihn als anständigen, jungen Mann und betont, dass er bis dato kaum einen angenehmeren Gast-Star in seiner Show gehabt habe.

Die Zustimmung Sullivans kommt für einen Entertainer in den USA der damaligen Zeit einem Ritterschlag gleich. Elvis ist nun kein Kuriosum mehr, sondern wujéjurde anerkannt. Der Freak mit dem Hüftschwung war auf dem Weg ins Establishment.

 

Stab

Marlo Lewis, Ed Sullivan (Produzent), John Wray (Regie), Ray Bloch (Musikalischer Leiter) und Bob Tamplin (Produktionsassistenz)

 

Produktion

Nach Elvis' Auftritten in der Stage Show hatte Colonel Parker versucht, seinen Klienten bei Ed Sullivan unterzubringen. Doch der legendäre Showmaster wollte die geforderten 5.000 US-Dollar für drei Auftritte nicht bezahlen, da Elvis aus seiner Sicht lediglich ein Youngster war, den außerhalb der Südstaaten niemand kannte. Als der Sänger wenige Monate später jedoch bei Steve Allen zu Gast war und dessen Show an diesem Abend die besseren Quoten einfuhr, dauerte es keine 24 Stunden, ehe Sullivan bei Parker anrief und sich Elvis für drei Ausgaben seiner Show sicherte - nun allerdings zum zehnfachen Preis. Die Gage des Rock'n'Roll-Königs sorgte für Aufsehen, denn niemand zuvor hatte jemals 50.000 US-Dollar für drei Auftritte in einer solchen TV-Sendung erhalten. Zum Vergleich seien die Performances von The Beatles aus dem Jahr 1963 erwähnt. Die vier Jungs aus Liverpool erhielten für drei Auftritte in der Ed Sullivan Show nur 10.000 US-Dollar.

Anno 1956 galt die Ed Sullivan Show als heiliger Gral der Entertainment-Programme. Wer hier auftrat, hatte es geschafft. Angefangen hatte die Show am 20. Juni 1948 als The Toast Of The Town, ab 1955 wurde sie nach ihrem Moderator umbeannt und hieß The Ed Sullivan Show. Eine weitere Änderung erfolgte 1965, als CBS von s/w auf Farbe umstellte. Die letzte Ausgabe wurde schließlich am 6. Juni 1971 ausgestrahlt, nach 24 Staffeln und 1.068 Folgen war Schluss.

 

Home Entertainment

Im Jahr 2001 veröffentlichte JAT Productions erstmals eine komplette Fassung der TV-Show im DVD-Format.

Über das Cover gelangt ihr zu einer kurzen Beschreibung.

 

Ausschnitt vom 6. Januar 1957

 

Fazit & Bewertung

Frank Sinatra & Co. liefern eine typische Show der damaligen Zeit, der ehemalige Rock'n'Roll-König wirkt gereift und präsentiert sich mit ironischem Augenzwinkern.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte an der Werbeanzeige bei ABC-TV, am DVD-Cover bei JAT Productions.