The Steve Allen Show

 

Die Steve Allen Show ging am 1. Juli 1956 zwischen 20:00 und 21:00 Uhr über die Bühne und erreichte laut Trendex eine Zuschauerbeteiligung von 20,2 %.

Handlung

Gene Rayburn, der Ansager der Show, stellt die Sponsoren vor und sagt den Gastgeber an. Der macht ein paar Gags und imitiert dabei Ed Sullivan, der in direkter Konkurrenz läuft und zugegebenermaßen über die beeindruckendere Gästeliste verfügt. Zu diesem Zeitpunkt weiß Steve Allen natürlich noch nicht, dass das Interesse an Elvis Presley so groß ist, dass er trotzdem 5,4% mehr Zuschauer holen wird als die Institution The Ed Sullivan Show.

Mit Milton Berle erscheint der erste Gast, es gibt etwas Comedy, dann singen Steve Lawrence und Eydie Gorme' das von Allen geschriebene Lied Picnic. Es folgt ein Gespräch mit Andy Griffith, der danach eine Verballhornung von Hamlet vorträgt. Es gibt weitere Sketche und Comedy, dann kommt Mr. Allen schließlich zur Hauptattraktion des Abends.

Zunächst erklärt er, dass sein nächster Gast mit seinem Auftritt in der Milton Berle Show für Diskussionen gesorgt habe, seine Show jedoch für die ganze Familie gedacht sei und er somit quasi das erste Comeback des Elvis Presley präsentieren könne. Dann betritt Elvis die Bühne, gekleidet im formalen Frack. Es folgen ein paar Scherze, dann präsentiert Steve Allen dem Rock'n'Roll-König eine von 18.000 Fans unterzeichnete Petition, man möge ihn doch bitte wieder im Fernsehen zeigen. Elvis bedankt sich und singt seine aktuelle RCA-Veröffentlichung I Want You, I Need You, I Love You. Mr. Allen bringt nun einen Basset auf die Bühne, sagt ein paar freundliche Worte über die kommende Single Hound Dog und überlässt Elvis wieder die Bühne. Der singt dem Hund nun das Lied vor und bezieht das Tier auch ein wenig in seiner Performance ein.

Zum Abschluss folgt ein Cowboy-Sketch mit "Big Steve" Allen, "Tumbleweed" Presley und "Rattlesnake" Griffith. Die Show macht sich hiermit über das immer beliebter werdende Western-Genre lustig und parodiert überdies noch die Fernsehwerbung. Steve Allen kündigt noch rasch die Gäste der nächsten Woche an, dann ist die Show vorbei.

 

Stab

Wiliam O. Harbach (Produzent), Dwight Hemion (Regie), Sktch Henderson (Orchesterleitung), Stan Burns und Herb Sargent (Drehbuch) und Gene Rayburn (Ansager)

 

Produktion

The Steve Allen Show wurde von 1956 bis 1959 von NBC jeden Sonntag als direkte Konkurrenz zur Ed Sullivan Show ausgestrahlt, ab 1957 sogar schon in Farbe.  Zur Season 1959/60 wurde die Sendung nach dem neuen Sponsor in The Steve Allen Plymouth Show umbenannt und der Sendetermin auf Montag um 22:00 Uhr verlegt.  Von September bis Dezember 1961 lief das Programm am Mittwoch um 19:30 Uhr auf ABC, jetzt wieder in s/w und unter dem Namen The Steve Allen Show. Zwischen 1962 und 1964 wurde die Sendung dann über die Westinghouse Broadcasting Company ausgestrahlt und danach eingestellt.

Um die neue Show ins Gespräch zu bringen und dem in der Zuschauergunst als uneinholbar geltenden Ed Sullivan etwas entgegenzusetzen, buchte NBC den frisch gekürten Rock'n'Roll-König für The Steve Allen Show. Dabei spielte dem Sender in die Karten, dass Sullivan erst kürzlich kundgetan hatte, Elvis als Gefahr für die Moral der Jugend anzusehen und den Sänger niemals in seine Show einzuladen.

Doch dann trat der junge Mr. Presley zum zweiten Mal in der ebenfalls von NBC produzierten Milton Berle Show auf und sorgte mit seiner Performance von Hound Dog für Empörung unter den konservativen Zuschauern und einer bis dato nicht gekannten Flut von Hass-Briefen. Die Verantwortlichen des Senders waren alarmiert, denn die neue Steve Allen Show durfte keinesfalls beschädigt werden und schon in der Anfangsphase aufgrund irgendeines kontroversen Gastes Zuschauer verlieren. Colonel Parker hatte übrigens ganz ähnliche Bedenken wie das Team um Steve Allen, denn auch er wollte mit seinem Klienten eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen und Reaktionen wie nach der zweiten Milton Berle Show unbedingt vermeiden.

Die Lösung des Problems war Humor. So steckte man den oft aufgrund seines Kleidungsstils kritisierten Jungstar in einen Frack und zog ihm, in Anspielung auf den Song Blue Suede Shoes, ein paar blaue Wildlederschuhe an. Um musikalisch niemanden zu erschrecken, trug Elvis zunächst die Ballade I Want You, I Need You, I Love You vor. Die hatte den Charme, einerseits die aktuelle RCA-Single darzustellen, andererseits eine konventionelle Liebesschnulze zu sein. Die kleinen Mädchen schmolzen dahin, die Eltern und Großeltern konnten mit Liedern dieser Art leben. Das Problem des Rock'n'Roll-Songs Hound Dog wurde umgangen, indem man die Performance in einen Witz verwandelte und Elvis das Lied einem traurig dreinblickenden Basset vorsingen ließ. Desweiteren filmte Dwight Hemion während des Gitarrensolos ausschließlich Scotty Moore. Denn in der Milton Berle Show hatte Elvis während dieses Parts eine Serie seiner Verrenkungen abgefeuert und das Publikum damit in Rage versetzt. Sollte er sich entgegen aller Absprachen auch diesmal zu einer solchen Aktion hinreißen lassen, wäre er wenigstens nicht im Bild gewesen. Schlussendlich ließ man Elvis auch in einem Sketch mit Steve Allen auftreten, um abermals Humor zu zeigen und aus dem "Skandalgast" einen ganz normalen Gast zu machen.

Der Rock'n'Roll-König selbst fühlte sich bei all diesen Aktionen unwohl und äußerte im privaten Rahmen auch herbe Kritik. Gegenüber der Produktion und dem Gastgeber hüllte er sich jedoch in Schweigen und nickte sämtliche Vorhaben höflich ab. Tatsächlich soll sich Steve Allen im Nachhinein überrascht gezeigt haben, als er von den Gefühlen seines Star-Gastes erfuhr.

Abschließend sei noch erwähnt, dass Ed Sullivan aufgrund der Ratings der Steve Allen Show dem Rock'n'Roll-König schon am nächsten Tag die Rekord-Gage von 50.000 US-Dollar für drei Auftritte in seiner Sendung anbot.

 

Elvis' Performance von Hound Dog

 

Fazit & Bewertung

Steve Allen und sein Team liefern eine unterhaltsame, abwechslungsreiche Show. In dem Bemühen, Elvis durch Gags und Gimmicks möglichst massentauglich und harmlos zu präsentieren, hemmen sie den Star jedoch und nehmen seinen Darbietungen das gewisse Etwas.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte an der Werbeanzeige bei NBC.