The Milton Berle Show

 

The Milton Berle Show lief jeden Dienstag zwischen 20:00 und 21:00 Uhr auf NBC-TV, Elvis trat dort am 3. April und am 5. Juni 1956 auf.

Dienstag, 3. April 1956

Abweichend von den üblichen Ausgaben der Show wird diese live vom Deck der USS Hancock, einem Flugzeugträger der Essex-Klasse, ausgestrahlt. Alle Gäste werden kurz vorgestellt, dann eröffnet Milton Berle, gekleidet in einer Fantasie-Uniform, die Show mit einem Comedy-Monlog und stellt Esther Williams vor. Die beiden führen ein mit vorbereiteten Gags angereichertes Gespräch, dann sagt Mr. Berle den "new RCA recording artist" (praktischerweise war RCA Victor ein Sponsor der Show) Elvis Presley an.

Der singt unter großem Applaus seinen Nummer 1-Hit Heartbreak Hotel, gefolgt von Blue Suede Shoes, einem Track vom aktuellen Album. Verglichen mit der Stage Show wirkt Elvis sicherer, die Bewegungen sind wohl durchdacht und auch sein Outfit wirkt smarter. Bill Black macht auch ordentlich Schau und "reitet" auf seinem Bass. Während Blue Suede Shoes passiert Elvis übrigens ein Missgeschick, denn eine Saite seiner Gitarre reißt und lässt sich nicht so dezent entfernen, wie es der Sänger gerne gehabt hätte. Aus der Ruhe bringt ihn das freilich nicht. Abschließend spielen Elvis und Milton Berle einen Sketch, in dem der Gastgeber als Melvin Presley, der Zwillingsburder des Kings, auftritt. Berle trägt ein ähnliches Outfit wie Presley, allerdings mit Perücke, übergroßen Schuhen und einer Fake-Gitarre. Der Rock'n'Roll-König singt noch einmal Blue Suede Shoes während sein "Zwillingsbruder" sich verrenkt und schlussendlich die Gitarre zerstört.

Die Show schließt mit Harry James und Buddy Rich, die You Made Me Love You und den Two O' Clock Jump vortragen.

 

Dienstag, 5. Juni 1956

Bei seinem zweiten Besuch ist Elvis der erste Act der Show - und ganz offensichtlich populärer als noch wenige Wochen zuvor. Schon als Berle "I'd like to present that new singing sensation" sagt, rastet das Publikum aus und reagiert nahezu verärgert, als der Moderator nachsetzt "But first, her's a word from our sponsors". Doch dann kommt er: Elvis Presley.

Diesmal hat er keine Gitarre dabei und ist insofern in seinen Bewegungen freier. Diese Freiheit nutzt er, um Hound Dog zu einem ähnlichen Erlebnis zu machen, wie bei seinen Live-Shows. Während des von Scotty Moore gespielten Gitarren-Solos setzt er noch einen drauf und bewegt sich noch wilder. Dann stoppt die Musik und die Band setzt zu einer stark verlangsamten Version des Songs an. Elvis schüttelt sich, wirft seinen Kopf von einer Seite auf die andere und watschelt fast schon um das Mikrophon-Stativ herum. Man kann das Gebotene als eine Art von Selbstparodie verstehen, an der auch der Rock'n'Roll-König sichtlich seinen Spaß hat. Auch das Publikum ist vollkommen aus dem Häuschen, die Mädels kreischen, die älteren Zuschauer lachen und klatschen. Die Nummer kommt an, alle haben ihren Spaß. Auch Mr. Berle zeigt sich im Anschluss begeistert.

Es folgt eines der für Berle typischen komischen Dialoge, dann tritt Debra Paget auf. Die Schauspielerin parodiert die weiblichen Anhänger des Kings und greift ihn kreischend an, ebenso wie der siebenjährige Barry Gordon, ein weiterer Gast der Show. Gordon imitiert Elvis und singt Then I'll Be Happy. Debra Paget trägt im Anschluss den Song Too Close For Comfort vor und liefert eine erotische Tanzeinlage. Als sie damit fertig ist, kommentiert Uncle Miltie, es gäbe nun eine zwanzigsekündige Sendepause, damit die Zuschauer das Kondenzwasser von ihren Screens wischen könnten.

Tatsächlich folgt zunächst Werbung für den Sponsor RCA Victor (natürlich inklusive der LP "Elvis Presley") und ein in einem Schallplattengeschäft spielender Sketch. Der Rock'n'Roll-König tritt zur Autogrammstunde an, doch es kommt zu einer Verwechslung und die horde kreischender Teenies fällt versehentlich nicht über ihn, sondern über Milton Berle her. Anschließend singt Elvis seine aktuelle RCA-Single I Want You, I Need You, I Love You. Nach der Performance überreicht der Gastgeber dem Rock'n'Roll-König eine Double Tripple-Crown. Der Award ehrt Elvis, da er mit Heartbreak Hotel in den Bereichen Pop und Country jeweils die Spitze der Sales Chart, der Jukebox Chart und der Disc Jockey List erreicht hat. Dann ist die Season 1955/56 der Milton Berle Show vorüber, der Host verabschiedet sich und verspricht, im nächsten Jahr wieder zurückzukommen.

Nach der Show erreichten NBC jede Menge wütende Anrufe und Hass-Briefe. Ganz im Gegensatz zu den im Studio anwesenden Leuten hatten viele konservative TV-Zuschauer den Humor der Performance von Hound Dog nicht begriffen, werteten Elvis' Bewegungen als pure Anzüglichkeit und sahen sich in ihren christlichen Werten angegriffen. Weite Teile der Pressevertreter sahen es ähnlich und stampften die Show in Grund und Boden.

 

Stab

Milton Berle (Produzent/Regisseur), Irving Gray (ausführender Produzent) und Victor Young (musikalischer Leiter)

 

Produktion

Milton Berle war ein echter Pionier der Fernsehunterhaltung und einer der ersten Mega-Stars des damals neuen und als absolute Hightech angesehenen Mediums. Teilweise sahen mehr als 90% der Zuschauer seine Show und NBC bot ihm 1951 einen Vertrag an, wie man ihn bis dato noch in keiner Branche gesehen hatte. Der Sender verpflichtete Berle für satte 30 Jahre und zahlte ihm per Anno eine Million US-Dollar - unabhängig davon, ob er eine Show hatte oder nicht. Die einzige Bedingung war, dass er nicht bei der Konkurrenz auftreten durfte. Live-Performances, die dem Komiker ebenfalls viel Geld einbrachten, waren jedoch gestattet.

Nur fünf Jahre nach dem Mega-Deal hatten sich die Zeiten jedoch geändert. Milton Berle galt als etwas angestaubt und die von der CBS zur selben Zeit ausgestrahlte Phil Silvers Show hatte mehr Zuschauer als Mr. Television. Als Berle im Frühjahr 1956 Elvis Presley buchte, wusste er bereits, dass NBC seine Show absetzen wollte.

Für Elvis war die Sendung trotzdem ein riesiger Fortschritt, denn auch in ihrer letzten Phase hatte The Milton Berle Show ein deutlich größeres Publikum als die Stage Show. Zudem war das Produktionsbudget höher, NBC sendete das Programm sogar parallel in Schwarz/Weiß und Farbe - damals ein technisches Highlight.

Ein weiteres Plus war der Gastgeber selbst, denn Mr. Berle ging bedeutend lässiger mit Elvis um als die anderen Präsentatoren. Uncle Miltie wollte seine Künstler nicht in irgendwelche Korsagen pressen, sondern ließ sie einfach ihre Sachen vorführen. Das ist vermutlich auch einer der Gründe, weshalb Elvis' Performances in der Milton Berle Show zu seinen besten Darbietungen im Fernsehen gehören. Finanziell hatte sich der Sänger ebenfalls gegenüber der Stage Show verbessert, für den ersten Auftritt zahlte Berle 3.000 US-Dollar, der zweite wurde mit 5.000 US-Dollar vergütet.

Mr. Berle profitierte natürlich ebenfalls von Elvis, denn seine Show schlug mit den beiden "Elvis-Ausgaben" die konkurrierende Phil Silvers Show um Längen und sorgte mit ihrem Finale nochmal für Aufsehen. Obwohl er wusste, dass es sich an diesem 5. Juni um den Schwanengesang der Sendung handelte, verabschiedete sich Berle mit dem Satz "I'll be back next year", fügte allerdings ein ironisches "Please, God!" hinzu. Ob er das Publikum nicht beunruhigen wollte oder tatsächlich auf eine weitere Season hoffte, ist nicht bekannt.

 

Home Entertainment

Die Show vom 3. April 1956 wurde von Synergie Logistics/Magnum Music auf einer DVD namens The Milton Berle Show - The Lost Elvis herausgebracht.

Über das Cover gelangt ihr zu einer kurzen Beschreibung.

 

Sketch & Elvis' Performance von Hound Dog

 

Fazit & Bewertung

Mr. Television liefert zwei unterhaltsame Variety-Shows und lässt Elvis freie Hand.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte an der Werbeanzeige bei NBC, am DVD-Cover bei Synergie Logistics.