Stay Away, Joe

 

Der erste Presley-Film des Jahres 1968 kommt im März in die Kinos, heißt Stay Away, Joe und wird von Variety auf dem 65. Platz der Jahresliste geführt. An den Kinokassen in den USA und Kanada kommen lediglich 3 Millionen USD zusammen, was dem Studio 1,5 Millionen einbringt. Heute hätte man es vermutlich mit einem Box Office von ca. 40 Millionen und Verleihgebühren von 20 Millionen US-Dollar zu tun. Innerhalb von nicht einmal zwei Jahren haben sich die Einspielergebnisse der Presley-Filme damit quasi halbiert!

Und so verzichtet das Studio abermals darauf, den Streifen weltweit zum Einsatz zu bringen. Die deutschen Fans müssen zum Beispiel bis zum 28. September 1989 warten, ehe eine speziell für den TV-Einsatz synchronisierte Fassung unter dem Titel Harte Fäuste, Heisse Lieder im Fernsehen gezeigt wird.

 

Handlung

Die in einem Reservat lebende Indianer-Familie Lightcloud darf an einem Regierungsprogramm teilnehmen und sich als Viehzüchter versuchen. Als dieser Umstand mit einer ausschweifenden Party gefeiert wird, schlachtet man statt einer Kuh versehentlich den Zuchtbullen.

Joe Lightcloud, der lebenslustige Sohn der Familie, organisiert daraufhin ein Ersatztier namens Dominic. Doch das zeigt sich an den weiblichen Rindern gänzlich uninteressiert und verbringt seine Tage lieber schlafend. Neben der missglückten Viehzucht sorgen allerdings auch die Damenwelt und seine eigene Familie für reichlich Verwirrung.

Schlussendlich klärt sich natürlich alles auf. Dominic ist ein Rodeo-Bulle und bringt Joe damit genügend Geld ein, die Viehzucht wieder aufnehmen zu können. Durch Joes viele Liebschaften kommt es am Ende des Films allerdings zu einer Massenschlägerei. Das Haus der Lightclouds wird zwar zerstört, aber die Keilerei war genau Joes Geschmack.

 

Stab

Douglas Laurence (Produzent), Peter Tewksbury (Regie), Michael A. Hoey (Drehbuch, nach dem Roman Stay Away, Joe von Dan Cushman), Jack Marshall (Musik), Fred Koenekamp (Kamera), George W. Brooks (Schnitt).

 

Besetzung

Elvis Presley (Joe Lightcloud), Burgess Meredith (Charlie Lightcloud), Joan Blondell (Glenda Callahan), Katy Jurado (Annie Lightcloud), Thomas Gomez (Großvater) und Henry Jones (Hy Slager). Die Synchronisation der Presley-Rolle übernahm Peter Kirchberger. 

 

Produktion

Im Vergleich zu den typischen Elvis-Filmen enthält Stay Away, Joe nur wenig Musik. Während des Vorspanns ist der Song Stay Away zu hören, der auf dem Traditional Greensleeves basiert. Später singt Elvis auf einer Party noch Stay Away, Joe und bedauert mit All I Needed Was The Rain sich selbst und den lausigen Zustand seiner Unterkunft. Auch Goin' Home war eigentlich für den Einsatz im Film vorgesehen, schaffte es schlussendlich aber nur als Bonus-Song auf die Soundtrack-LP Speedway. Und dann gibt es da noch Dominic, ein Lied für den gleichnamigen Bullen, der mit diesem Ständchen zur Paarung angeregt werden soll. Elvis war das Lied so peinlich, dass er sich eine Veröffentlichung außerhalb dieses Films verbat.

Der King erhielt für seinen Auftritt eine Gage von 850.000 US-Dollar sowie eine Gewinnbeteiligung von 50%. Gemäß der Gagenentwicklung zwischen 1960 und 2020 entspräche die Bezahlung heute etwa 11 Millionen USD. Gedreht wurde übrigens zwischen dem 17. Oktober und 29. November 1967 in Arizona (nahe der Stadt Sedona) und in den MGM Studios in Los Angeles, Kalifornien.

Weil die typischen Presley-Musicals nicht mehr gefragt waren, beließ MGM bereits zuvor abgedrehte die Musik-Komödie Speedway im Archiv und brachte zunächst Stay Away, Joe  in die Kinos. Schlussendlich sollte Speedway jedoch mehr als doppelt soviel einspielen wie der Western-Klamauk und zu Elvis' erfolgreichstem Leinwandabenteuer der letzten drei Jahre werden.

 

Soundtrack

Im Februar 1968 veröffentlicht RCA Victor die während des Vorspanns zu hörende Ballade Stay Away  auf einer Single. Das Publikum hat kein Interesse an dem Song, die B-Seite ist jedoch bei den Radio-DJs populär und verhilft Elvis zu einem Top30-Hit und einer Million verkauften Kopien.

Die übrigen Songs verteilt das Label auf diversen Budget-LPs der Tochterfirma CAMDEN. Weil sich der King seinerzeit die Veröffentlichung des Titels Dominic  verbat, geschah dies erst im Jahr 1995 im Rahmen der CD-Serie Elvis Double Features. Im Jahr 2013 fasst das Sammler-Label Follow That Dream Records die Songs des Films auf einer separaten CD zusammen und ergänzt die Masters mit für uns Fans hochinteressanten Outtakes.

Im Zusammenhang mit dem Film möchte ich die originale RCA-Single sowie den vollständigen, von FTD herausgebrachten Soundtrack unter die Lupe nehmen. Über die Cover kommt ihr zu Reviews der Veröffentlichungen. Hier finden sich auch die Umrechnungen der phyischen Verkaufszahlen in Streams.

 

Home Entertainment

Zum 30sten Todestag des Kings veröffentlicht Warner Brothers den Film im Rahmen der Hollywood Collection  auf einer DVD.  In dieser, digital restaurierten Fassung wurde der Streifen auch auf einem einzelnen Datenträger herausgebracht und ist als Stream oder Download erhältlich.

Über das Cover gelangt ihr auch hier zu einer Review.

 

Trailer

 

Fazit & Bewertung

Elvis sieht großartig aus, hat sichtbar Spaß und die Songs sind den üblichen Movie Tunes deutlich überlegen. Leider machen diese Zutaten noch keinen guten Film aus, denn Stay Away, Joe gehört zu den langweiligsten Filmen, die ich bislang gesehen habe

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Plakat bei MGM, am DVD-Cover bei Warner Brothers und an den Schallplatten-Covers bei RCA Victor und Follow That Dream Records.