Der letzte Vorhang

Elvis am 2. Mai 1977 in ChicagoDas von Fans geschmückte Grab auf dem Graceland-GrundstückDas letzte Foto - Wenige Stunden vor seinem Tod.

1977
Um die bereits im November erwarteten Aufnahmen nachzuliefern, wird ab dem 20. Januar der Creative Workshop in Nashville gebucht. Als Elvis schließlich mit einem Tag Verspätung in der Stadt eintrifft, hat er angeblich Halsschmerzen und möchte sein Hotelzimmer nicht verlassen. Am 22. kehrt der Sänger nach Memphis zurück, ohne das Studio jemals betreten zu haben.

Dem Colonel bleibt nichts anderes übrig, als RCA ein Entschuldigungsschreiben nebst einem ärztlichen Attest über eine Rachenentzündung zukommen zu lassen - wohl wissend, dass ihm inzwischen niemand mehr solche Geschichten abnimmt.

Vier Tage nach dem Debakel in Nashville verlobt sich der Sänger überraschend mit seiner Freundin Ginger und überreicht ihr einen Diamantring von 11,5 Karat.

Vom 12. bis zum 21. Februar geht Elvis wieder auf Tournee, von den positiven Entwicklungen der letzten Monate ist allerdings nichts mehr zu sehen. Sein Gesicht ist aufgedunsen, der King wirkt müde und krank. Vermutlich ist sich Elvis seines Zustands bewusst, denn am 3. März verfasst er seinen letzten Willen und ernennt dabei seinen Vater (!) zum Testamentsvollstrecker. Am folgenden Tag fliegt der Sänger mit seiner Entourage nach Hawaii und erholt sich dort bis zum 13. des Monats.

Um das noch immer ausstehende RCA-Album zu füllen, mietet der Produzent Felton Jarvis mobiles Aufnahmegerät. Er möchte Elvis auf der kommenden Tour begleiten und hofft auf die eine oder andere Live-Performance, von der noch kein Gegenstück auf einem der zahlreich vorhandenen Konzert-Alben existiert.

Die Schallplattenfirma überbrückt den Zeitraum bis zur Fertigstellung der neuen LP mit einer Zusammenstellung bereits bekannter Country-Aufnahmen. Das Produkt heißt Welcome To My World  und erreicht den 44. Platz der Billboard Charts.

Um Geld zu sparen verzichtet RCA bei der Nachbearbeitung der Aufnahmen vom Oktober auf das kostspielige Engagement eines Streicher-Ensembles. Stattdessen bucht man einfach David Briggs, der mit seinem Moog-Synthesizer einen Klangteppich über die Aufnahmen legt. Offenbar hat nun auch das Management des Schallplatten-Giganten genug von seinem launisch und unzuverlässig gewordenen Star und tritt auf die Kostenbremse.

Auch das Tournee-Geschäft ist inzwischen gefährdet. Am 23. März startet Elvis seine nächste Konzertreise, doch nach nur acht Tagen ist er mit seinen Kräften am Ende. Kurz vor Showbeginn weigert sich der Sänger in Baton Rouge, sein Hotelzimmer zu verlassen. Die 13.000 Zuschauer in der Arena werden nach dem Vorprogramm nach Hause geschickt, Colonel Parker sagt alle weiteren Auftritte ab und kündigt Ersatztermine für Ende April/Anfang Mai an.

Um Regressansprüchen zu entgehen, wird Elvis umgehend ins Baptist Memorial Hospital in Memphis eingeliefert, wo er bis zum 5. April verbleibt. Acht Tage später reist der Sänger zur Erholung nach Palm Springs. Seine gesundheitlichen Probleme holen ihn jedoch ein, denn erneut hat er mit so schweren Atemproblemen zu kämpfen, dass Dr. Ghanem aus Las Vegas eingeflogen werden muss.

Doch statt sich weitergehend behandeln zu lassen, tritt der King am 21. des Monats eine weitere Konzertreise an. Noch bevor die Tour am 3. Mai endet, erscheint im Nashville Banner ein Artikel, nach dem Colonel Parker seinen Vertrag mit dem King verkaufen möchte. Zwar dementiert Parker umgehend, doch passt das Gerücht in die Medienlandschaft.

Schon seit Monaten werden die Auftritte verrissen und immer wieder erscheinen zur Werbezwecken für das kommende Bodyguard-Buch neue Geschichten über das bizarre Verhalten des Sängers. Ebenfalls in diesen Tagen wird Elvis von der Center Courts Inc. (vormals Presley Center Courts Inc.) auf die Leistung der im Vorjahr verweigerten Nachfinanzierung verklagt. Zwei Monate später wird der King die geforderten $ 50.000 zur Verfügung stellen.

Zwischen dem 20. April und dem 2. Juni geht Elvis wieder auf Tournee. Am neunten Tag der Konzertreise verlässt er in Baltimore unvermittelt die Bühne und kann den Auftritt erst nach einer fast 30minütigen Pause und der Behandlung durch seinen Arzt fortsetzen. Trotzdem geht die Tour weiter, denn die letzten vier Shows stellen bereits Ersatztermine für die im März abgesagten Konzerte dar.

Nach wie vor erhält Elvis 2/3 des Reingewinns. Colonel Parker stellt allerdings klar, dass künftig die bereits im Vorjahr vereinbarte 50/50-Regelung gelten soll und er die Nachzahlung seiner ausstehenden Anteile bis zum Jahresende erwartet.

Der Fernsehsender CBS kündigt unterdessen am 1. Juni die Ausstrahlung eines TV-Specials im Herbst an. Die Show wird Elvis In Concert  heißen und im Rahmen der nächsten Tournee gefilmt werden. Der Sänger erhält für seine Mitwirkung eine Gage von $ 750.000, weitere $ 10.000 gehen für Werbemaßnahmen an die Firma All Star Shows. Auch dieses Geld fließt anteilig in die Taschen des Kings, denn der ist zu eine Viertel an dem Unternehmen beteiligt.

Am 6. Juni bringt RCA die Single Way Down / Pledging My Love  auf den Markt.

Die fünfte Tournee des Jahres beginnt am 17. Juni in Springfield und endet neun Tage später in Indianapolis. Für das Elvis In Concert-Special werden die Shows in Omaha (19. Juni) und Rapid City (21. Juni) von CBS und RCA mitgeschnitten. Bei dem erstgenannten Auftritt steht Elvis jedoch so sehr unter dem Einfluss von Medikamenten, dass die Aufnahmen quasi unverwertbar sind. Nichtsdestotrotz wird ein 60minütiges Programm zusammengeschnitten und von allen Parteien akzeptiert. Der Sendetermin wird auf den 3. Oktober gelegt.

Elvis reicht seine Kopie des TV-Specials an eine gute Bekannte (Janelle McComb) weiter - ohne die Show jemals angesehen zu haben.

Der Produzent Felton Jarvis hat unterdessen aus den beiden letzten Singles, zwei unveröffentlichten Songs der Graceland-Sessions und drei Live-Mitschnitten vom April (sowie einem bereits bekannten Song von der 1974er LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis) ein Album zusammengestellt. Das Werk heißt Moody Blue  und kommt im Juli auf den Markt.

Am 16. August, dem Tag vor einer weiteren Tournee, wird Elvis leblos im Badezimmer der Graceland-Villa aufgefunden. Die Ergebnisse der Autopsie bleiben unter Verschluss, als offizielle Todesursache wird ein unregelmäßiger Herzschlag angegeben. Schnell findet die Presse jedoch heraus, dass im Blut des Kings vierzehn verschiedene Substanzen gefunden wurden, zehn davon in signifikanter Konzentration. Demnach wäre Elvis an Polypragmasie, also der gleichzeitigen Einnahme unterschiedlicher Medikamente, verstorben.

Nachdem sich die Kunde vom Tod des Sängers verbreitet hat, reisen zahlreiche Fans nach Memphis. Bereits am 17. August haben sich mehr als 50.000 Menschen vor den Toren Gracelands versammelt, zwischen 15:00 und 18:30 wird der offene Sarg im Foyer der Villa der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Einen Tag später erfolgt die Beisetzung auf dem Forrest Hill Friedhof in Memphis.

Nachdem eine Gruppe von Männern beim Versuch gefasst wurde, den Leichnam zu stehlen, beantragt Vernon Presley die erneute Beisetzung seines Sohnes und seiner Ex-Ehefrau Gladys auf dem Graceland-Grundstück. Dem Antrag wird stattgegeben, die Überführung findet am 2. Oktober statt.

Einen Tag später strahlt CBS das TV-Special Elvis In Concert  aus, RCA veröffentlicht parallel dazu ein gleichnamiges Soundtrack-Album. Das Geschäft mit dem Nachlass hat begonnen.