Morgenluft

1968
RCA beginnt das neue Jahr mit der Single Guitar Man / Hi-Heel Sneakers  und dem Album Elvis' Golden Records - Volume 4. Die 45er wird weniger als 300.000 Mal nachgefragt und stagniert in den Billboard Charts auf dem 43. Platz. Von der Langspielplatte gehen 350.000 Stück über die Ladentheken. Damit verkauft sie sich deutlich besser als die im Vorjahr veröffentlichten Alben, kann jedoch nicht mit den vorangegangenen Teilen Gold-Serie mithalten.

Colonel Parker hat inzwischen einen Vertrag mit NBC/Universal ausgehandelt. Für 1,1 Millionen US-Dollar wird Elvis einen Kinofilm drehen und für ein TV-Special zur Verfügung stehen. Zusätzlich zu dem vorgenannten Betrag zahlt der Mediengigant dem Sänger noch eine Pauschale von $ 25.000 für die Musik.

Mit seinem Privatleben sorgt Elvis ebenfalls für Schlagzeilen, am 1. Februar kommt seine Tochter Lisa Marie zur Welt.

Im selben Monat bringt RCA die Single Stay Away / US Male  auf den Markt. Während die A-Seite in den Billboard Charts über den 67. Platz nicht hinauskommt, findet US Male die Aufmerksamkeit der Radio-DJs und landet auf Rang 28. Die Scheibe geht 500.000 Mal über die Ladentheken und wird damit zu Elvis' größtem Verkaufserfolg der letzten drei Jahre.

Bevor der King am 4. März mit den Arbeiten an dem Film Live A Little, Love A Litte beginnt, kauft das Ehepaar Presley in Los Angeles ein Haus. Von der Immobilie versprechen sie sich mehr Privatsphäre als auf dem Graceland-Anwesen in Memphis.

Am 8. des Monats läuft Stay Away, Joe  in den Kinos an. Der Streifen generiert jedoch nur Einnahmen von 1,5 Millionen US-Dollar und rangiert in der jährlichen Box Office Survey auf dem 65. Platz.

Musikalisch läuft es nicht besser. Zum Osterfest bringt RCA die Gospel-Single We Call On Him / You'll Never Walk Alone  auf den Markt, die mit 50.000 verkauften Kopien jedoch zum Totalausfall gerät.

Am 1. Mai enden die Dreharbeiten zu Live A Little, Love A Little. Ebenfalls an diesem Tag stimmen NBC/Universal und Colonel Parker der Bitte des Produzenten Bob Finkel zu, das Konzept der geplanten Fernsehshow zu ändern. Statt einer Weihnachtssendung soll nun eine Retrospektive der gesamten Karriere seines Klienten produziert werden.

Um vom kommenden MGM-Musical zu profitieren, bringt RCA im Mai die Single Your Time Hasn't Come Yet Baby / Let Yourself Go  und das Soundtrack-Album Speedway  auf den Markt. Die 45er verkauft sich 350.000 Mal und landet in den Billboard Charts auf einem abgeschlagenen 71. Platz. Der LP ergeht es noch schlechter, sie erreicht nur Rang 82 und stellt das am schlechtesten verkaufte Presley-Album bis dato dar.

Kurioserweise wird der Film deutlich besser angenommen als die letzten Leinwandausflüge des Kings. In den USA und Kanada spielt er etwa 3 Millionen US-Dollar ein und platziert sich in der Jahreshitliste auf Rang 40. 

Elvis selbst beginnt am 2. Juni nach einem Erholungsurlaub auf den Hawaii-Inseln mit den Arbeiten an seiner ersten eigenen TV-Show. Die Sendung umfasst auch Live-Elemente, so dass der Sänger im Rahmen der Produktion erstmals seit sieben Jahren wieder vor Zuschauern auftreten muss. Scotty Moore und D.J. Fontana wirken ebenfalls an dem Special mit. Es wird das letzte Mal sein, dass Elvis mit seinen alten Wegbegleitern zusammenarbeitet.

Die Produktion ist am 30. Juni abgeschlossen, acht Tage später beginnen die Vorbereitungen auf den Western-Film Charro!.

Noch bevor die Arbeiten am 28. August enden, verhandelt Colonel Parker wieder mit RCA. Weil sein Klient die vertraglich geforderten zwei LPs und vier Singles bereits geliefert hat, verlangt der Manager für die beiden zum Film Live A Little, Love A Little  geplanten Short Player eine Pauschale von $ 10.000. Dieselbe Summe wird noch einmal für das Soundtrack-Album zum TV-Special Elvis  fällig.

Die Verantwortlichen der Schallplattenfirma stimmen seinen Forderungen zu, ebenso wie der Maßgabe, diese Zahlungen nicht mit den regulären Tantiemen zu verrechnen. Für seine Werbetätigkeiten zahlt RCA außerdem $ 50.000 direkt an Parker und sagt ihm außerdem den Druck von 250.000 Werbefotos zu, die er im Rahmen künftiger Kampagnen nutzen will.

An der TV-Show gibt es noch zwei nachträgliche Änderungen. Colonel Parker moniert das Fehlen eines Weihnachtsliedes, dem Sponsor SINGER ist eine im Bordell spielende Szene zu heiß.

Mit Almost In Love / A Little Less Conversation  kommt im September die erste der beiden geplanten Singles zum Film Live A Little, Love A Little  auf den Markt. Der 68. Platz in den Billboard Charts und gerade einmal 100.000 verkaufte Kopien machen allerdings schnell klar, dass es keine zweite 45er zu diesem Leinwandabenteuer geben wird.

Zwischen dem 22. Oktober und dem 18. Dezember ist Elvis mit der Aufnahme des Soundtracks und den Dreharbeiten zu The Trouble With Girls (And How To Get Into It)  beschäftigt. Mit dem Abschluss des Projekts läuft auch sein Vertrag mit MGM aus. Aufgrund der schlechten Einspielergebnisse der letzten Jahre verzichtet das Studio allerdings auf ein weiteres Engagement des Sängers. Live A Little, Love A Litte  bestätigt den Trend und generiert nur geringe Gewinne.

Als Sponsor des anstehenden TV-Specials hat die SINGER Sewing Machine Company das Recht, drei Monate lang eine LP exklusiv in den eigenen Geschäften zu vertreiben. Dies geschieht ab Oktober mit dem Album SINGER Presents Elvis Singing "Flaming Star" And Others, einer Zusammenstellung unveröffentlichter Aufnahmen der Jahre 1960-1968.

Einen Monat später bringt RCA unter dem Titel Elvis  das offizielle Soundtrack-Album zu der Fernsehshow auf den Markt. Die begleitende Single koppelt mit If I Can Dream und Edge Of Reality  einen Song aus dem Special und ein Lied aus dem Film Live A Little, Love A Little. Die Langspielplatte erreicht mit 500.000 verkauften Kopien den 8. Platz der Billboard Charts, die 45er geht 800.000 Mal über die Ladentheken und wird auf Rang 12 notiert. Damit stellen diese Tonträger die erfolgreichsten Presley-Veröffentlichungen der letzten vier Jahre dar.

Als SINGER presents Elvis  am 3. Dezember ausgestrahlt wird, liegt die Einschaltquote bei 42%. Sieben Tage später informiert Colonel Parker die William Morris Agency, dass sein Klient im kommenden Jahr in Las Vegas auftreten möchte. Ein vierwöchiges Engagement kostet eine halbe Million US-Dollar, zwei Wochen sind für $ 300.000 zu haben. Von Dienstag bis Freitag soll Elvis einmal täglich auf der Bühne stehen, an den beiden Wochenendtage ist er zu zwei Auftritten bereit.

Parker akzeptiert schließlich das Angebot des Großinvestors Kirk Kerkorian, muss aber einige Zugeständnisse machen. Im August 1969 wird der King vier Wochen lang im neu erbauten International Hotel, dem weltweit größten Entertainment Resort dieser Tage, auftreten. Insgesamt bekommt er $ 400.000, muss davon allerdings auch die Musiker bezahlen.

Dem Standard in Las Vegas entsprechend wird Elvis zweimal täglich auf der Bühne stehen, Ruhetage gibt es nicht. Kerkorian erklärt sich allerdings zur Zahlung von $ 50.000 bereit, sollte ein anderer Entertainer innerhalb der nächsten 12 Monate komfortablere Arbeitsbedingungen in Vegas vorfinden.

Ebenfalls im Dezember handelt Colonel Parker mit RCA die Zahlung von $ 100.000 für seine Promotion-Aktivitäten im kommenden Jahr aus.

Doch auch sein Klient hat nicht schlecht verdient.  Mit den Filmen hat Elvis 2,6 Millionen US-Dollar eingenommen, aus dem Musikgeschäft kommen weitere $ 532.000 hinzu. Die Fernsehshow hat ihm $ 350.000 eingebracht.